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George Orwell: 1984 | Untergrund-Blättle

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Buchrezension zum Klassiker George Orwell: 1984

Belletristik

Eric Arthur Blairs (alias George Orwell) Welterfolg "1984″ erschien 1949. Der visionäre Roman steht unter dem Eindruck des wenige Jahre zuvor besiegten Nationalsozialismus, der stalinistischen Herrschaft in der Sowjetunion und den wirtschaftsimperialistischen Bestrebungen der Industrienationen.

Krieg ist Frieden.
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Bild: Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Ignoranz ist Stärke. / Jordan L'Hôte (CC BY 3.0 unported - cropped)

21. Dezember 2009
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Korrektur
Orwell plante den Roman mit dem ursprünlichen Titel "The Last Man in Europe" bereits 1943. Die Handlung spielt in der (damals) näheren Zukunft, 1984. Die Zahl ist die Umkehrung des Jahres, in dem sich Orwell für den endgültigen Titel des Buches entschied.

Die Welt ist in die drei Supermächte Ozeanien, Eurasien und Ostasien aufgeteilt. Diese führen permanent Krieg miteinander. Auf ehemals britischem Boden herrscht eine oligarche Minderheit (die Innere Partei), mit dem Grossen Bruder an ihrer Spitze. Mit Hilfe der Gedankenpolizei kontrolliert diese die Funktionäre der sogenannten Äusseren Partei. Die Bespitzelungen der Gedankenpolizei versetzt jene in einen Zustand der pathologischen Angst. Man ist nirgends mehr sicher, überall lauert der Grosse Bruder, vermittelt von interaktiv überwachenden Telvisoren, der Gedankenpolizei oder gewöhnlichen Spitzeln innerhalb der Äusseren Partei.

"Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. Wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit." George Orwell, 1984

Das gemeine Volk der Prolls ist von der Partei ausgeschlossen, vegetiert aber in geistiger Unmündigkeit dahin. Gefestigt wird die Herrschaft der Inneren Partei durch den gemeinsamen Feind Emmanuel Goldstein. Mittels täglicher Hassriten versucht man den Zusammenhalt der Parteimitglieder vor allem in der gegenwärtig wirtschaftlich miserablen Lage zu festigen. Unter diesen Bedingungen gibt es weder historische Wahrheit noch Gerechtigkeit.

"Krieg bedeutet Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke." George Orwell, 1984

Wesentliches Motiv des Romans ist Orwells Befürchtung, die jungen englischen Intellektuellen könnten, wie sich angesichts der unkritischen Haltung gegenüber Stalin Ende der dreissiger Jahre bereits angedeutet hatte, endgültig den Verlockungen totalitären Machtdenkens erliegen.

" … the older men, nurtured in a Liberal tradition, are safe, but the younger generation is suspect and the seeds of totalitarian thought are probably widespread among them." Orwells Pressemitteilung zu 1984 aus dem Jahre 1949

Wir können heute fragen, inwieweit Orwells Befürchtungen immer noch, oder besser gesagt, wieder neu Nahrung erhalten haben. "1984″ ist keineswegs allein als antikommunistische Schrift zu lesen, sondern wendet sich auch ganz allgemein gegen jedwede totalitäre Herrschaftsform, sei sie nun als scheinbarer Kommunismus getarnt oder tritt sie offen im Nationalsozialismus zu Tage. Auch die heutigen, gleichwohl subtileren Elemente totalitärer Machtstrukturen treten in Ansätzen bereits in Orwells Schreckenvision zu Tage.

Damit Begriffe, wie die des Grossen Bruders – die spätestens seit der gleichnamigen Reality-Soap jedermann bekannt sind – nicht unverstandene Metaphern bleiben, legen wir jedem die Lektüre von "1984″ nahe. "Neunzehnhundertvierundachtzig" ist nicht nur ein wirklich fesselnder Science-Fiction Roman, sondern trägt zudem zweifellos zur Sensibilisierung gegenüber totalitären Machtstrukturen bei. Und gerade eine demokratische Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass ihre Bürger derartige Tendenzen rechtzeitig erkennen und entsprechende Gegenmassnahmen ergreifen. Wir können und sollten für unsere Zukunft nicht immer erst aus der Geschichte, sondern bereits auch aus Dystopien wie dieser lernen.

"1984″ wurde in unzählige Sprachen übersetzt. Im Folgenden sei auf die englische Ausgabe bei Penguin Books und zwei deutsche Übersetzungen hingewiesen, ebenso auf die Hörbücher und die bekannteste Verfilmung aus dem Jahre 1984 mit John Hurt in der Hauptrolle.




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Peter Ulber

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-SA 3.0) Lizenz.

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