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Thomas Melle: Die Welt im Rücken | Untergrund-Blättle

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Ungeschminkte Emotionen Thomas Melle: Die Welt im Rücken

Belletristik

Der Schriftsteller Thomas Melle feierte 2011 mit seinem Roman Sickster einen ersten Erfolg. Er wurde für den Deutschen Buchpreis 2011 nominiert.

Thomas Melle in der Stadtbibliothek Mülheim an der Ruhr.
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Bild: Thomas Melle in der Stadtbibliothek Mülheim an der Ruhr. Lesung aus seinem Roman «Die Welt im Rücken». / Udoweier (CC BY-SA 4.0 cropped)

5. April 2017

05. 04. 2017

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Sein 2014 erschienener Roman 3000 Euro stand 2014 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Nun gab er 2016 das Werk „Die Welt im Rücken“ heraus, das sich ebenfalls zu einem literarischen Highlight entwickelte. Das Werk gelangte auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Eine Dramatisierung des Werkes wurde im März 2017 vom Wiener Burgtheater zur Uraufführung gebracht.

Thomas Melle leidet seit Jahren an einer manisch-depressiven Erkrankung (bipolare Störung). In diesem autobiographischen Werk erzählt er von seinen Befindlichkeiten, dem Umgang mit der Krankheit, seine emotionale Berg- und Talfahrt und den Zustand der Besserung.

Bipolare Störungen oder manisch-depressive Erkrankungen zeichnen sich durch ausgeprägte Schwankungen im Antrieb, im Denken und in der Stimmungslage einer Person aus. So durchleben Menschen mit Bipolaren Störungen depressive Phasen und Phasen euphorischer oder ungewöhnlich gereizter Stimmung. Letztere gehen mit einem deutlich gesteigerten Antrieb einher. Sind diese Phasen schwach ausgeprägt, spricht man von hypomanen, in voller Ausprägung von manischen Episoden. Bei schweren Manien kommen Symptome (Krankheitszeichen) einer Psychose hinzu, zum Beispiel Grössenwahn oder Verfolgungswahn. Genau diese Emotionen werden ungeschminkt erzählt.

Er betritt damit Neuland: erstens die literarische Verfassung eines Krankheitsberichtes in autobiographischer radikalster Form und die Popularisierung der bipolaren Störung weit über Fachkräfte und Betroffene und deren Angehörige hinaus. Sein Werk wird anderen Menschen den Weg ebnen, mit der eigenen Krankheit offensiver umzugehen, ein Mutmacher für andere Betroffene.

Seine emotionale Zerrissenheit und der tiefe Einblick in seine Persönlichkeitsstruktur fesseln den Leser und setzt selbst Emotionen ob negativer oder positiver Art frei und regt zum Nachdenken über sich selbst, seine Umwelt und das Leben an sich an. Es ist eine selten dagewesene Form des Selbstoutings, rhetorisch brillant beschrieben. Ganz egal, wie man über dieses Buch und seinen Verfasser denkt: Das Werk lässt niemanden kalt.

Michael Lausberg / scharf-links.de

Thomas Melle: Die Welt im Rücken. Roman. Rowohlt, Reinbek 2016. 352 Seiten, ca. 25.00 SFr. ISBN 978-3871341700

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-ND 3.0) Lizenz.

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