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Findus / Luz Kerkeling: Kleine Geschichte des Zapatismus | Untergrund-Blättle

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Findus / Luz Kerkeling: Kleine Geschichte des Zapatismus Zapatismus in der Sprechblase

Belletristik

Ein Sach-Comic zur zapatistischen Bewegung für EinsteigerInnen und alle, die einen schön bebilderten Überblick über die Zapatistas und ihren Kampf haben wollen.

Zapatisten (EZLN) Graffiti in Chiapas, Mexiko  Matthew T Rader, MatthewTRader.com
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Bild: Zapatisten (EZLN) Graffiti in Chiapas, Mexiko /Matthew T Rader,MatthewTRader.com (CC BY-SA 4.0 cropped)

23. Februar 2021

23. 02. 2021

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Findus, der bereits den Anarchismus in einer „Kleinen Geschichte“ bildreich für ein EinsteigerInnenpublikum erklärte, hat sich nun gemeinsam mit dem Zapatismus-Experten Luz Kerkeling die Aufgabe gestellt, das gleiche mit dem Zapatismus zu machen.

Dabei kommt das Projekt durchaus ambitioniert daher. Der Klappentext besteht fast ausschliesslich aus Fragen, die beantwortet werden wollen, wie beispielsweise:

„Warum begannen am 1. Januar 1994 Zehntausende indigene Kleinbäuerinnen und Kleinbauern (...) im südmexikanischen Chiapas ihre Rebellion? Wieso erfahren sie so viel solidarische Unterstützung (…)? Wie organisieren sie ihren Widerstand (...)? Wie konnte es gelingen, autonome Parallelstrukturen zum repressiven mexikanischen Staat aufzubauen? Wie sieht ihr Alltagsleben aus? Welche Initiativen haben sie gestartet, um ihre Rebellion unter dem Motto ‚Alles für Alle!‘ auszuweiten? Mit welchen Bedrohungen sind sie konfrontiert?“

Das ist – für einen Comic – eine ganze Palette von Themen. Wie wir noch sehen werden, ist es den Autoren jedoch gelungen nicht nur diese, sondern auch noch viele andere Themen, im Buch zu behandeln.

Der Comic beginnt damit, dass ein paar Jugendliche, auf dem Nachhauseweg von einem Konzert, auf einen plakatierenden Aktivisten stossen, der sie auf eine „Zapa-Veranstaltung“ einlädt. Bei der Veranstaltung angekommen, beginnt eine junge Frau (die im Comic als „Erzählerin“ auftritt) die Geschichte des Zapatismus zu erklären.

Der erste Teil beschäftigt sich mit den historischen Entwicklungen des Zapatismus und so beginnt das Buch folgerichtig mit „Der Neoliberalismus erreicht Mexiko“, was schliesslich, mit Inkrafttreten des NAFTA-Vertrags (Nordamerikanisches Freihandelsabkommen) am 1. Januar 1994, die zapatistische Rebellion auslöste.

Es werden diverse Stationen wie die anschliessenden „Verhandlungen von San Andrés“ erläutert bis sich das Buch inhaltlich eher dem Thema widmet, was Zapatismus in der Praxis bedeutet. Anhand von Beispielen wie „1. Frauentreffen“, „Bildung“, „Gesundheit“, „Justiz“, „Alternative Ökonomie“ oder „Autonome Kaffeproduktion“ wird trotz der gebotenen Kürze ein guter Einblick in diese Themen geboten.

Auch grosse Kampagnen wie die „Intergalaktischen Treffen gegen den Neoliberalismus und für die Menschheit“, der „Marsch der indigenen Würde“ und natürlich die „Andere Kampagne“ finden Platz. Was der Vielfalt noch zusätzlich zuträglich ist, ist die Tatsache, dass auch den literarischen Aktivitäten der Zapatistas (vor allem Subcommandante Marcos') Platz eingeräumt wird. Und bleiben wir noch kurz bei der Vielfalt: Es werden auch Themen behandelt, die mit dem Zapatismus im engeren Sinne eigentlich nur bedingt etwas zu tun haben, wie die Rebellion in Oaxaca, der ausufernde Drogenkrieg und „Megaprojekte“ (Tourismusprojekte, Autobahnen, für den Export angebaute Monokulturen, etc.) oder die Repression in der Stadt Atenco.

Dass hier thematisch ein Schritt weitergegangen wird, ist prinzipiell zu begrüssen, nur hängen diese Teile inhaltlich ein bisschen in der Luft, da man leider kaum erfährt, wie sich die Zapatistas oder die EZLN (Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung) zu diesen Bewegungen, Ereignissen und Entwicklungen verhalten, ob und welche Rolle sie spielen oder wie sie Stellung bezogen beziehungsweise beziehen. Hier wird der Comic schon fast eine „Kleine Geschichte der sozialen Bewegungen Mexikos“.

Sehr sympathisch ist der Schluss, in dem auf witzige Weise noch mal verdeutlicht wird, dass die Zapatistas in Wirklichkeit keiner etablierten linken politischen Richtung eindeutig zuordenbar sind und welche Auswirkungen das auf die internationale Solidaritätsbewegung hat. Vom naiven Hippie, der diese naturverbundenen „Indianer“ richtig toll findet, bis zur Autonomen, die die Glorifizierung von Marcos kritisiert und dem besserwisserischen Alt-Kommunisten, der meint, man müsse die Macht übernehmen um zu gewinnen, wird alles, was sich in der Solidaritätsbewegung so tummelt, mit leicht satirischer Schlagseite porträtiert.

Die Ähnlichkeiten in Stil, Herangehensweise und Idee zum Anarchismus-Comic lassen sich schon am Untertitel erkennen. Auch diese Zapatismus-Einführung wird als „Ein schwarz-roter Leitfaden“ bezeichnet. Da aber schon das erste Projekt dieser Art eine richtig schöne Sache war, kann auch diese „Kleine Geschichte des Zapatismus“ nur zur Lektüre empfohlen werden.

Sebastian Kalicha
kritisch-lesen.de

Findus / Luz Kerkeling: Kleine Geschichte des Zapatismus. Ein schwarz-roter Leitfaden. Unrast Verlag, Münster 2011. 72 Seiten. ca. 14.00 SFr. ISBN: 978-3-89771-041-2

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-ND 3.0) Lizenz.

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