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Daria Bogdanska: Von unten | Untergrund-Blättle

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Buchrezensionen

Daria Bogdanska: Von unten Druck von unten

Belletristik

Mit ihrer Ankunft in Malmö beginnt Daria Bogdanskas Versuch, ihr Leben in den Griff zu kriegen, wie sie selbst sagt.

Die polnische ComicZeichnerin Daria Bogdanska (Bildmitte) in Goteborg, September 2016.
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Bild: Die polnische Comic-Zeichnerin Daria Bogdanska (Bildmitte) in Goteborg, September 2016. / Per A.J. Andersson (CC BY-SA 4.0 cropped)

12. März 2020
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Mit ihrer Einreise beginnt diese autobiographische graphic novel und über ihre Vergangenheit erfahren wir erst später mehr und nicht viel. Für ihren Neuanfang hat sie sich ausgerechnet an einer Comichochschule eingeschrieben. Sie wagt diesen Versuch, obwohl sie kein Wort Schwedisch kann. Doch zunächst erlebt sie einen Kulturschock: Das Brot im Supermarkt kostet soviel wie ihre Mutter in einer Stunde (in Polen) verdient. Als Daria den Supermarkt verlässt, gibt sie der davor kauernden Bettlerin ein paar Münzen. Darias Geschichte ist auch eine Kritik am Mythos des skandinavischen Wohlfahrtstaates.

Daria Bogdanskas «Von unten» erzählt in schlichten Bildern, die an Persepolis von Marjane Satrapi erinnern. Die Erlebnisse stehen im Mittelpunkt, ein verschnörkeltes Kunstwerk soll das Buch nicht sein.

Da sie nach ihrer Ankunft noch zwei Wochen Zeit hat, bis die Kurse beginnen, sucht sie nach Arbeit. Sie findet eine Temporärstelle für zwei Tage an einem Veganfestival. Allerdings wird Daria um ihren zweiten Tageslohn geprellt. Empört stellt sie fest, dass die Veranstalter*innen des Festivals vorgeben, Tierrechte würden ihnen am Herzen liegen, treten sie die Rechte der Lohnarbeitenden mit Füssen. Um ihr Leben während des Studiums zu finanzieren sucht sie eine längerfristige Anstellung – und macht Bekanntschaft mit der schwedischen Bürokratie: Um eine Arbeitsbewilligung der Behörden zu erhalten, braucht sie einen Arbeitsvertrag, doch einen solchen will niemensch mit ihr abschliessen, da sie keine Bewilligung hat.

Nirgends, sagt sie einmal, sei es für sie bisher so schwer gewesen, einen «Migrant*innenjob» zu finden, wie in Schweden. Letztendlich nimmt sie eine Schwarzanstellung in einem indischen Restaurant an. Bald bemerkt sie, dass die Angestellten unterschiedlich hohe Löhne für die gleiche Arbeit erhalten: Je abhängiger sie von der Schwarzarbeit sind, desto stärker übt der Chef des Restaurants Druck auf sie aus. Das will sie jedoch nicht auf sich sitzen lassen und versucht, sich mit den anderen zu organisieren…

Darias Geschichte ist in mehrfacher Hinsicht eine «von unten», denn sie bündelt Themen wie Migration, Schwarzarbeit, Arbeitsverhältnisse in der Gastronomie und Gentrifizierung deren Zusammenhang durch ihre Biographie erzählt werden. Die graphic novel ist auch eine Geschichte der EU aus dieser Perspektive. Während Kapital in Europa und darüberhinaus ungehindert fliesst, werden den – armen und flüchtenden – Menschen so viele Steine wie nur möglich in den Weg gelegt. Und was es zugleich in Europa en masse gibt sind: prekäre Jobs.

Bevor Daria nach Schweden zog, hatte sie u. a. in einem «hippen fair trade Café», als Fahrradkurierin und in einem «Edelfahrrad-Geschäft» gearbeitet. Überall ist sie gefeuert worden, weil sie sich gegen Ungerechtigkeiten gewehrt hat. «Von unten» ist eine persönliche Geschichte mit Klassenkampf. Ein für diese Gattung ungewöhnliches Thema. Doch gerade aufgrund dieser persönlichen Note fällt beispielsweise auf, dass Darias Mitbewohner*innen kaum vorkommen und es auch nicht nachvollziehbar ist warum. 200 Seiten sind jedoch auch nicht endlos viel Platz. Auf diesen nehmen gegen Ende auch die Beziehungsprobleme relativ viel Raum ein. Alles kulminiert eben: Beziehungsstress und Arbeitskampf.

Spannend wäre auch gewesen, etwas mehr über die SAC (Sveriges Arbetares Centralorganisation, die Basisgewerkschaft, die Daria bei ihrem Arbeitskampf unterstützt). Dass es damit etwas happterte, Unterstützung zu finden, wird ja angedeutet: Der schwedische Gewerkschaftsbund (Dachorganisation der Zentralgewerkschaften, zu denen die SAC nicht gehört) hilft nur Menschen mit geregelten Papieren und bei der SAC selbst dauert es immer wieder bis Daria Antwort auf ihre Anfragen erhält und sie nachhacken muss. Zudem gibt ihr ein SAC-Veteran, der recht ausgebrannt wirkt und den sie um Rat fragt nur pessimistische Auskünfte.

Daria Bogdanskas Ton ist nüchtern und ihre Sicht desillusioniert. «Von unten» ist keine heroische Sieger*innengeschichte – im Gegenteil, gerade dank des unaufgeregten Stils zeigt die Geschichte, dass Selbstorganisierung Wirkung zeigt.

Barry Bernhard
di schwarzi chatz 61

Daria Bogdanska: Von unten. avant Verlag 2019. 200 Seiten, SFr. ca. 25.00. ISBN 978-3-945034-93-4

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