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PR-Aktion mit Hollywood-Filmer in Chiapas/Mexiko | Untergrund-Blättle

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Champagnerparty unter dem Deckmantel der Revolution PR-Aktion mit Hollywood-Filmer in Chiapas/Mexiko

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Dreimal darf geraten werden, welche zwei Schlauköpfe sich sehr medienwirksam unter aller Augen der Öffentlichkeit liebevoll die Hasskappe über das rebellische Köpfchen stülpen.

Emiglex
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Bild: Emiglex (CC BY-SA 4.0 cropped)

24. Juni 1996

24. 06. 1996

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Es sind dies der Liebling vieler revolutionären Linken in Westeuropa, Subcomandante Marcos, der Grossherrscher über das Zapatistenheer in Chiapas, und, mensch höre und staune, Seifenschaumoperregisseur Oliver Stone.

Mit dem höchstmöglichen Aufwand an Publizität - der gute Oliver hatte dafür sogar das aufregend-mondäne Champagnerspektakel der Oscar-Preisverleihung sausen lassen (sick) - war der Hollywood-Filmer nach Chiapas gereist, um sich dort mit dem legendären ex-Uniprofessor Marcos zu treffen.

Mensch verstehe das nicht falsch; nichts gegen den Aufstand der Zapatistas in Mexiko, aber in einer Zeit, in der die offizielle Politik zu einer wahllosen Beliebigkeitsmischlerei verkommen ist und die Welt eine zunehmenden Mondialisierung erfährt, sollten sich gewisse Jet-Set-Püppchen und Promi-Rebellen doch etwas genauer überlegen, zu wem und zu welchem Zwecke sie mal schnell in der Welt herumdüsen.

Sicherlich hat Oliver Stone mit unverblümt-provokativen Streifen wie "Salvador","Talk Radio" oder "Natural Born Killer" zu Recht den Ruf eines sozialkritischen Filmemachers erlangt, ob dieser Kaviar-Filmemacher jedoch als Importwerbeprodukt der grossen Sache dient und als PR-Mittel den Zweck heiligt, nämlich in klischeehafter, kitschiger Art und Weise ohne Inhalt und Form die Werbetrommel für die Sache der Indios zu rühren, sei dahingestellt.

Auch wäre es an der Zeit, dasdiverse westeuropäische linke Gruppierungen, deren Sinn und Inhalt ihrer politischen Tätigkeit in der Solidaritätsarbeit mit Chiapas begründet ist, mal kurz in sich zu gehen und um sich zu schauen, um zu überprüfen, ob wir hier in unserer nächsten Umgebung nicht genug Missstände und Probleme aufzuweisen haben, die ausreichend Stoff und Ungerechtigkeit für eventuelle Zeitvertreibe bieten.

Da vermag auch die sichtliche Anstrengung um Authentizität der Zapatafetischisten, die regen Revolutionstourismus per Flugzeug ins nachbarliche Chiapas betreiben oder ihre magere Persönlichkeitsstruktur mit dutzenden von Versammlungen und Treffen aufzupolieren versuchen, (unter anderem in Paris, wo diesen Winter europaweit hunderte von westlichen Zapatafanatiker an einem Weekend zusammenfanden, um entschwundener Lebenssinn und lädiertes Ego aufzubauen) nicht darüber hinwegtäuschen, dass Mexiko, Nicaragua und Panama trotz High-Tech-Düsenjets immer noch viele Kilometer, tausend Gedanken und etliche Mentalitäten von unserer Glitzerwelt entfernt sind.

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