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Individuum und Gesellschaft Liebe und Arbeit

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Es gibt keine 1. Natur mehr, und die 2. Natur (Staat und Kapital) ist zur Faktizität 1. Natur erstarrt. Die 3. Natur, die Begriffe selbst (verdinglichte Vorstellungen wie Bourgeoisie und Proletariat, Arbeit und Geld) scheinen inzwischen 1. Natur zu sein.

Liebe und Arbeit.
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Liebe und Arbeit. Foto: Mo Riza (CC BY-NC 2.0 cropped)

8. Juni 1999
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Staat und Kapital können deshalb nicht mehr abgeschafft werden, sondern nur noch absterben, so wie die Begriffe (die man/frau nicht schlechtweg abschaffen kann) sich selbst kritisieren müssen, was die Notwendigkeit von Selbstkritik heute ausmacht.

Der Begriff der "abstrakten Arbeit", von Hegel dem Kantischen "Automatismen des Verstandes" abgesehen, bezeichnet im Grunde die Praxis der ehem. Bourgeoisie (deshalb ihre angebliche ewige Gültigkeit für alle Gesellschaften nach Marx), und das Geld ist der Fetisch, in dessen Bewusstsein das ehem. Proletariat arbeitet, indem es für Geld arbeitet, wobei ihm der Inhalt dieser Arbeit ebenso gleichgültig ist wie dem Kapital.

Das Proletariat ist allerdings nicht, wie noch Marx meinte - und das wäre Hegelsche Geschichtsmetaphysik - das Subjekt der Geschichte, so wie ein Jesus Christus für die 1. Aufklärung, sondern, wenn schon, das Geld: die Liebe für Geld (in der Idee eines Gottes) und die Arbeit für Geld (in Form des Kapitals), die auf dem Boden ersterer aufbaut, machen den Sinn der Geschichte und Vorgeschichte aus.

Ihre Synthese und Quintessenz wären die Liebe zur Arbeit und die Arbeit für die Liebe, was nach Marx 11. Feuerbachthese praktisch hinwegzuarbeiten ist, statt die Lösung dieses Problems schon zu sein. Aus Liebe und Arbeit würde ein Spiel des Individuums und der Gesellschaft, das von Sprache nicht mehr dinglicher Objekte zusammengehalten würde.

Ein Proletariat dagegen gibt es nicht mehr, sondern nur noch Heloten (wie in den linksfaschistischen Ländern des ehem. real existierenden Sozialismus), d.h. Arbeitssklaven, die wegen des Begriffs der Arbeit und des Geldes arbeiten (bloss etwas tun), obwohl es aufgrund des Reichtums der Produktivkräfte längst nicht mehr notwendig wäre.

Was wir deshalb brauchen, ist eine neue Bourgeoisie (die alte gibt es auch nicht mehr, sondern ist nur noch eine Fiktion), ein von Arbeit und Geld befreites, bedürftiges, interessiertes, zivilisiertes und gebildetes neues Bürgertum, das bei sich selbst, also frei vom Glauben an Gott und das Kapital (individuellem und gesellschaftlichem Glauben) wäre.

Der Klassenkampfstandpunkt ist deshalb antiquiert; vielmehr geht es um das Überleben der Gattung Mensch.

Die an sich selbst positivistisch zersplitterte und kleinbürgerlich verdinglichte sog. real existierende Linke muss sich deshalb nicht nur selbst kritisieren, sondern zu dieser Mitte eines neuen Bürgertums aufheben, wenn es eine Revolution, die in der parlamentarischen Abschaffung des Geldes (wodurch der Staat abstirbt) und der Verwandlung der Arbeit in das Spiel an vollautomatisierter computergesteuerter Maschinerie (wodurch das Kapital abstirbt) besteht, noch geben soll.

Noch vor dem Menschen und der Arbeit (die die Natur zerstört) ist nämlich das Geld das wahre, darum falsche Subjekt der Geschichte. Das 1. Geld aber ist die Frau.

Deshalb muss die Frau zum Subjekt werden, d.h. aus ihrer passiven Rolle heraustreten und aktiv werden, um die körperlichen Bedürfnisse der Männer, die geistigen der Gesellschaft und die seelischen der Kinder zu befriedigen, was den Sinn des Feminismus ausmacht, der heute an die Stelle des Marxismus getreten ist, nicht ohne selbst noch praktisch verändert werden zu müssen.

Mit dem Marxismus ist es, weil er eine Ideologie und Herrschaftswissenschaft, also ein absoluter Idealismus, geworden ist, Essig. Das ergibt sich aus der Marxschen Theorie, die die wenigsten, auch, die sich links nennen, kennen, weil sie nirgendwo geschrieben steht. Damit ist aber auch die Linke, wie Liebe und Arbeit, tot.

Die Marxsche kritische Theorie ist heute schon nicht mehr die richtige Interpretation der Dinge. Deshalb muss sich die Linke neu orientieren und organisieren.

Walter G. Neumann

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