Höchst undurchsichtig ist Glencore nicht nur, weil die von ihr in Kolumbien abgebaute Kohle dunkle Staubwolken verursacht, sondern weil sie in ihre Geschäftspraxis kaum Einblicke gewährt. Glencore (Global Energy Commodity Ressources) ist ein unbekannter Riese der schweizerischen Wirtschaft.
Bild: Kohleabbau in Deutschland - Garzweiler II / Bert Kaufmann
Das im Kanton
Zug ansässige Unternehmen ist das umsatzstärkste der Schweiz. Bis vor einigen Jahren lag sein
Kerngeschäft noch beim Rohstoffhandel. In den 1990er Jahren ist Glencore aber in die Kohle- und
Ölproduktion eingestiegen und unterhält heute Tochterunternehmen in vierzig verschiedenen Ländern.
Glencore verfährt beim Rohstoffabbau skrupellos. Prominentes Beispiel ist Kolumbien, wo Glencore mit den
Kohleminen massive Umweltverschmutzungen verursacht und die Gesundheit der Bevölkerung gefährdet.
Der Rohstoff-Multi verhält sich zudem äusserst gewerkschaftsfeindlich und entlässt Arbeiter, wenn sie sich zu
organisieren versuchen.
Die Glencore-Minen in Kolumbien
Der Rohstoffgigant Glencore betreibt im kolumbianischen Departement Cesar drei Minen im Tagbau, wo seine
Tochterunternehmen jährlich 10 Millionen Tonnen Kohle abbauen. Zudem unterhält er über die Firma Prodeco
einen Kohlehafen bei Santa Marta. Bis 2006 hielt der Stille Riese rund ein Drittel an der wahrscheinlich weltweit
grössten Kohlemine im Tagbau "El Cerrejón". Seit 2006 ist Glencore zudem mit 51 Prozent an der zuvor
staatlichen Erdölraffinerie in Cartagena beteiligt.
Glencore ist damit einer der "Big Player" im kolumbianischen
Rohstoffabbau, nimmt aber seine Verantwortung gegenüber den Arbeitern, der Bevölkerung und der Umwelt
keineswegs wahr.
Auf dem Gebiet des Dorfes La Jagua betreibt Glencore drei Kohleminen. Der Rohstoff-Multi bezahlt dort zwar
Abgaben, aber er nützt die schwachen staatlichen Strukturen gnadenlos zu seinen Gunsten aus. Die
Bevölkerung leidet gesundheitlich unter dem Kohleabbau und Arbeitsplätze bringt er ihr nur wenige. Glencore
erfüllt auch seine Umweltauflagen nur mangelhaft und ist mit Renaturierungen enorm im Rückstand. Schicht
für Schicht wird in den Minen die Erde mit Explosionen aufgelockert und bis zu 200 Meter tief abgetragen.
Flüsse, die zuvor die umliegenden Dörfer mit Trinkwasser versorgten, sind unterbrochen. Das Wasser wird in
den Minen zur Säuberung der Kohle benutzt.
Bild: Kohlenmine in Kolumbien / Colombiaok
Ungefiltert fliesst es anschliessend in die Bäche zurück und
verseucht das Weideland. Vor den Minen warten Hunderte Lastwagen, um die Kohle zum 180 Kilometer
entfernten Hafen zu fahren. Weder ihre Lastflächen, noch die Kohledeponien sind abgedeckt, und der
Kohlestaub belastet die Luft. Er verursacht nachweislich Atemwegserkrankungen bei der Bevölkerung.
Seit März 2006 steht die Gewerkschaft "Sintramienergetica" mit Glencore in einem Arbeitskonflikt: In den
Minen und im Kohlehafen von Santa Marta entliessen Glencores Tochterfirmen gezielt gewerkschaftlich
organisierte Arbeiter. Im Hafen sind die Verhandlungen über die Erneuerung des Gesamtarbeitsvertrags seit
bald zwei Jahren blockiert.
Der Kohleabbau und seine Folgen
Der Kohleabbau beeinträchtigt das Leben der betroffenen Bevölkerung drastisch – die Gewinne fliessen
hingegen ins Ausland ab. Für die Dorfbewohner rund um die Minen sind die Auswirkungen lebensbedrohend:
Ihnen wird nicht nur das Trinkwasser abgegraben, sondern der Landhunger der Minen entzieht ihnen auch
ihre Lebensgrundlage, nämlich Acker- und Weideland, Flüsse zum Fischen, ohne dass Glencore ihnen
Arbeitsplätze anbietet.
Mit seiner gewerkschaftsfeindlichen Haltung ermöglicht der umsatzstärkste Schweizer Konzern die
Ausbeutung seiner Arbeiter.
In Kolumbien führt Gewerkschaftstätigkeit immer noch zu Todesgefahr. Glencore
nützt diese Situation aus, um seine Arbeiter zu schlechten Bedingungen anzustellen.
Glencore soll das Gewerkschaftsrecht akzeptieren
Die Frustration der Bevölkerung von La Jagua entlud sich im Februar 2007 in Protesten. Gewaltsam wurden
diese von Polizei und Militär zerschlagen, wobei ein Mensch getötet und 50 weitere verletzt wurden.
Schliesslich intervenierte die Landesregierung und ein Abkommen wurde ausgehandelt. Geschehen ist bisher
aber nichts. Als im August entlassene Arbeiter eine Mine besetzten, wurde auch dieser Protest gewaltsam
aufgelöst.
Die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien und Multiwatch, deren Vertreter vergangenen Sommer die Minen in
Kolumbien besuchten, fordern, dass Glencore alle Mitarbeiter direkt anstellt und ihnen unbefristete Verträge
gewährt. Glencore soll das Gewerkschaftsrecht respektieren und einen neuen GAV akzeptieren. Auch ihre
Verantwortung gegenüber der Bevölkerung und der Umwelt soll sie endlich wahrnehmen.
PublicEye.ch


