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Der völkische Charakter der Selbstbestimmung Linke und die Nation

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Aus Anlass der Unabhängigkeitsbestrebungen und Volksabstimmungen Kataloniens und des irakischen Kurdistan zeigen sich der nationalistische Charakter vieler „emanzipativer“ oder demokratischer Ideen.

Es ist nur natürlich, dass die Eliten, die die Unabhängigkeit ihrer Ministaaten anstreben, ihren Anhängern Milch und Honig versprechen.
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Bild: Es ist nur natürlich, dass die Eliten, die die Unabhängigkeit ihrer Ministaaten anstreben, ihren Anhängern Milch und Honig versprechen. Hier der katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont (zweiter von rechts). / Convergència Democràtica de Catalunya (CC BY 2.0 cropped)

9. Oktober 2017

9.10.2017

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Der wichtigste ist der der „Selbstbestimmung“. Unter dem Titel des „Selbstbestimmungsrechtes der Völker“ wurde die Landkarte Europas nach dem ersten Weltkrieg neu gestaltet. Während den Regierenden der neuen Staaten beschieden wurde, dass sie jetzt „selbst“ bestimmen könnten, was auf ihrem Territorium geschieht, war auf der anderen Seite genau genau vorgegeben, innerhalb welcher aussenpolitischen und ökonomischen Bahnen sich diese neue Einheit zu bewegen habe.

Ähnlich wurde nach dem Ende des 2. grossen Waffenganges die Landkarte des ganzen Globus im Zuge der Entkolonialisierung neu gezeichnet, und neue Staaten geschaffen, mit „eigenen“ Regierungen, also echten und richtigen Herrschaften. Deren Unabhängigkeit reichte genau so weit wie der Preis der Rohstoffe, die sie auf dem Weltmarkt verkaufen konnten, oder die Kredite, die sie zur Einrichtung ihrer neuen Staatswesen erhielten.

Das ist völlig folgerichtig und keine Ungerechtigkeit und kein Missstand, wie viele Freunde von Unabhängigkeitsbewegungen beklagen. „Selbst“ gibt nämlich gar keinen Inhalt vor, sondern nur ein Verfahren, wie geherrscht und gehorcht werden soll. Die Inhalte der solchermassen geschaffenen Gebilde, ihre Staatsräson, muss von woanders kommen: Aus dem Willen der neuen Eliten, im Konzert der Nationen auf allen Ebenen mitzuspielen und sich dabei auch möglichst zu bereichern, und aus der imperialistischen Konkurrenz der Nationen, die solchen Anliegen Möglichkeiten bietet und Grenzen setzt.

Es ist nur natürlich, dass die Eliten, die die Unabhängigkeit ihrer Ministaaten anstreben, ihren Anhängern Milch und Honig versprechen, während sie möglichst trachten werden, in Zukunft in ihre eigenen Taschen zu wirtschaften. Weder die katalanische Bourgeoisie noch der Barzani-Clan in Kurdistan haben ja vor, Kommunismus einzuführen. In beiden Fällen ist weiter Privateigentum und dessen kommerzielle Verwertung vorgesehen. Sie versprechen nur, die Einkünfte „im eigenen Land“ zu halten und nicht an irgendwelche fernen Hauptstädte zu versenden. In wessen Händen sie dann bleiben, ist dann Frage des zukünftigen inneren Machtkampfes.

So weit, so schlecht.

Die Frage ist jetzt, warum so viele Linke diese Ambitionen unterstützen, anstatt sie zu bekämpfen.. Die katalanischen Anarchisten unterstützen den „Proces“ in Richtung Abspaltung, genau unter dem Titel „Selbstbestimmung“. Auch andere Linke in Europa geraten in gröbere Verlegenheit, wenn sie zu den Vorgängen in Katalonien und Kurdistan Stellung beziehen wollen. Gegner der Unabhängigkeit Kataloniens werden gerne als Faschisten bezeichnet und mit dem Franco-Totschläger erledigt.

Kritik an Privateigentum und staatlicher Herrschaft ist offenbar „out“, „Nation“ und „Volk“ sind „in“.

Da sind aber die Rechten alleweil glaubwürdiger, die haben nie anderes gefordert. Kein Wunder also, wenn ihnen die Herzen der Staatsbürger zufliegen.

Wer also Volk oder Nation nicht gehörig kritisieren will, der soll vom Faschismus schweigen.

Amelie Lanier

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Kommentare zu diesem Artikel

insgesamt 1 Beitrag

leicht verkürzt
10. Oktober 2017 um 17:58
Im Kern gebe ich dem Autor recht. Die Errichtung eines neuen Staates kann an und für sich kein emanzipatorisches Wirken sein, sondern nur ein Steigbügelhalter für die lokale Bourgoisie.

Den katalanischen Separatisten (Nationalisten) jedoch das Wort Faschismus zu verbieten ist doch sehr verkürzt. Das völkische Denken ist international nicht so eng verflochten mit der Rechten wie im deutschsprachigen Raum, historisch bedingt. Wenn Unionisten mit Falangeflaggen und Hitlergrüsse marschieren (keine Randerscheinung, die PP wurde von Franquisten gegründet) ist es unerlässlich diese beim Namen zu nennen.

Der Kampf sollte meines Erachtens in Spanien (wie überall) gegen die Postfranquisten, den Monarchen, den Staat und den Kapitalismus geführt werden und nicht für neue Grenzen. Die Aufarbeitung der Franco-Zeit wurde nie gemacht und die Herren der PP sitzen (obwohl sie keine Mehrheit haben) fest im Sattel, somit verschiebt sich die ganze Thematik. In keinem anderen Land Europas ist die radikale Linke so stark wie in Katalonien, gerade weil nie zu einem "demokratischen Normalzustand" gefunden wurde. Es gibt übrigens auch viele Anarchisten in Katalonien die ein neuer Staat für Schwachsinn halten, nur sind die anarchistischen Ideen viel breiter verankert und gehen bis tief ins bürgerliche Milieu hinein. Ähnlich wie in Frankreich vor dem Sturm auf die Bastille, oder in Deutschland unter dem Kaiser. Viele die sich heute Anarchisten nennen, wären in einer Demokratie, wie Deutschland wohl SPDler.

Ich würde ihnen also eher den Anarchismus absprechen als das Wort Faschismus.
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