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Bern: Gentrifizierung in der Hauptstadt Der Aufwertungsprozess schlägt erneut zu

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Die Quartieraufwertung in der Lorraine in Bern schreitet voran. Schon etliche Häuser wurden in der Lorraine saniert und anschliessend mit höheren Mieten versehen.

Demo gegen Gentrifizierung in Bern.
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Bild: Demo gegen Gentrifizierung in Bern. / barrikade.info

21. August 2018

21. Aug. 2018

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Was früher ein Arbeiter*innenquartier war, ist nun mehr und mehr zu einem Luxussecondhand- und hippen Bar-Quartier geworden. Ehemalige Bewohner*innen mussten ihre Wohnungen aufgrund von Sanierungen verlassen und wurden aus dem Quartier vertrieben.

Das neuste Beispiel des Aufwertungsprozesses in der Lorraine sind die Lärmklagen gegen die Brasserie Lorraine. Die Brasserie ist eine kollektiv geführte Beiz, die im Jahr 1981 eröffnet wurde. Seit einigen Jahren veranstaltet sie in den Sommermonaten jeden Montag ein Konzert im Restaurantgarten. Dies stellte nie ein Problem dar, im Gegenteil, es war ein wichtiger Bestandteil des Quartiers und ein Treffpunkt für verschiedenste Menschen.

In letzter Zeit gab es jedoch mehrere Lärmklagen gegen die Brasserie, so dass sie zuerst die Konzerte von draussen nach innen verschieben musste und diese nun vollends absagen müssen.

Dieses Ereignis ist nur ein Teil des Aufwertungsprozesses und zeigt in welche Richtung das Quartierleben in der Lorraine gehen soll. Das Quartier soll möglichst ruhig und sauber sein, damit sich dort auch das individualistische Einfamilienhausleben durchsetzen kann, in dem es keinen Platz für kollektive Orte und Momente geben soll. Desto ruhiger und sauberer, desto teurer kann die Wohnung vermietet oder das Haus verkauft werden.

Gegen diesen Aufwertungsprozess regt sich aber auch immer wieder Widerstand, so zum Beispiel mit dem regelmässigen Verwüsten des Schaufenster einer neuen hippen Bar oder der Besetzung des Zentralparks im Jahr 2013, als Reaktion auf das geplante Luxuswohnbauprojekt der Stadt Bern. In diesem Park entstand ein selbstverwalteter Quartiergarten, das Böxli als Quartiertreff und allgemein ein Raum um Ideen selber verwirklichen zu können. Doch auch dieser Ort befindet sich in Gefahr, denn wie die Stadt vor einer Weile mitgeteilt hat, steht mittlerweile dem Bau des Wohnhauses fast nichts mehr im Weg.

Um solchen Aufwertungsprozessen entgegenzuwirken, braucht es Menschen aus dem Quartier, die sich dagegen wehren und sich zusammenschliessen. Menschen, die in ihren Quartieren kollektive Orte und Momente schaffen, diese nutzen und sie allenfalls auch verteidigen, sowie sich gegen Luxussanierungen und höhere Mieten stellen.

aufwertung-bericht@riseup.net

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