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Neonschwarz: Clash | Untergrund-Blättle

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Neonschwarz: Clash Hamburg Calling?

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Man möchte es mögen, aber irgendwie kommt es doch etwas zu rund und gefällig daher: das dritte Studioalbum der Rapcrew Neonschwarz mit dem Assoziationen weckenden Titel 'Clash'.

Neonschwarz beim Wilwarin Festival 2014.
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Bild: Neonschwarz beim Wilwarin Festival 2014. / Frank Schwichtenberg (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

31. Oktober 2018

31. Okt. 2018

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Der Titel ist in mancherlei Hinsicht Programm: auf Anleihen und Zitate aus Pop und Schlager trifft selbst ernannter ‚Zeckenrap‘, der sich mit federleichter Selbstironie bekennt, ‚übertrieben doll auf jugendlich‘ zu machen, und mit Lines wie ‚Meine Hängematte ist mir wichtiger als Deutschland‘ oder ‚Acht Cola, Acht Bier‘ auch der Punk-affinen Hörerin Wiedererkennungsmomente bereiten wird. Die abwechslungsreichen und verspielten Beats und Melodien versprechen gut besuchte und tanzbare Konzerte und die Texte zielen auf ein Publikum, das sich irgendwo und irgendwann zwischen JUZ und AZ sozialisiert hat und auf eine gewisse Distinktion Wert legt.

So versteht es sich dann auch beinahe von selbst, dass im Rentenalter-Song ’67‘ der Sport Utility Vehicle-fahrende white collar worker mit der Zeile ‚Vorfreude sei die schönste Freude‘ ebenso vorgeführt wird, wie die bürgerlich-liberale Ideologie des ‚Hier sind alle einer Meinung, unser Viertel bleibt bunt, und die Dealer vor der Haustür, vertreibt ein Polizeihund‘ im ironischen Anti-Gentrifizierungs-Track ‚Ananasland‘.

Das Album ‚Clash‘ handelt nämlich nicht vom Zusammenstoss irgendwelcher Zivilisationen, sondern es spiegelt die zunehmende Polarisierung und Denkblasenbildung in der bundesrepublikanischen Gesellschaft wider und bezieht darin reimend Stellung gegen Ignoranz und Diskriminierung, sowie gegen die kapitalistische Verödung des Lebens und die nationalistisch-faschistischen Auswüchse.

Der politisch engagierteste Song ist ‚2018‘, der an die Vorgängerplatten mit den Tracks ‚2014‘ und ‚2015‘ anschliesst und die diesjährige Diskursverschiebung nach rechts durch die AfD beschreibt und zu eigenem Handeln ‚mit allen Mitteln‘ auffordert. ‚Der Opi aus dem zweiten Stock‘ erzählt ergänzend die Geschichte eines Mannes, der als Kind der Deportation durch die Nazis entgangen ist und in den folgenden Jahrzehnten ‚im Land der Täter‘ mitunter hoffnungsvoll den Umbau der Gesellschaft beobachtet.

‚5 nach 12‘ schliesst den Kreis der um die Zivilisiertheit besorgten Songs. Neben diesen sehr düsteren Einschätzungen und Zukunftsperspektiven finden sich auf der Platte nicht minder kritische, aber dennoch gute Laune verbreitende Songs wie ‚Maradona‘, ‚Gleis 13‘, ‚Klatsche‘ und ‚Verrückt‘, die das nicht normative Leben und die Abweichung vom Mainstream zelebrieren.

Fazit: Solide, mitunter witzige und stets politisch korrekte Texte, unterlegt mit einer zwar wenig innovativen, aber dafür ohrwurmverdächtigen Musik machen ‚Clash‘ zu einem gut hör- und tanzbaren Album. Ich gebe zu, es gefällt mir doch auch.

Steven Heller / Artikel aus: Graswurzelrevolution Nr. 432, November 2018, www.graswurzel.net

Neonschwarz: Clash. Audiolith 2018.

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