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Rezension zum Film von Leonie Krippendorff Looping

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Drei Frauen landen in einer psychiatrischen Klinik und finden beieinander erstmals Geborgenheit. Das ist aufgrund der tollen Besetzung und der kunstvollen Bilder sehenswert, besticht aber mehr durch eine märchenhafte, etwas gewollt rätselhafte Atmosphäre als unbedingten Realismus.

8. August 2017

8.08.2017

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Verständnis? Das findet die 19-jährige Leila (Jella Haase) in ihrem Umfeld genauso wenig wie Halt, beim Versuch sich selbst zu finden stolpert sie immer wieder in Krisen. Als eine davon in der Notaufnahme endet, beschliesst sie, sich doch lieber in die Obhut einer psychiatrischen Klinik zu geben. Dort teilt sie sich das Zimmer mit der 35-jährigen Frenja (Lana Cooper) und der 52-jährigen Ann (Marie-Lou Sellem), die ebenfalls ihre Schwierigkeiten mit dem Leben haben. Und zum ersten Mal blüht sie dank dieser beiden Frauen, die bald mehr werden als blosse Zimmergenossinnen, auf. Fühlt sich geborgen, sicher. Sich selbst.

Irgendwie will man sich gar nicht so recht entscheiden, ob Jella Haases Mitwirken an Fack ju Göhte und Fack ju Göhte 2 jetzt gut oder schlecht ist. Auf der einen Seite ist es der jungen Schauspielerin zu gönnen, dass sie nun von Millionen Zuschauern gekannt wird – zumal ihr Porträt der sensibel-prolligen Chantal uns auch diverse amüsante Momente geschenkt hat. Gleichzeitig ist es aber schade, wie sehr ihre restlichen Filme dadurch ins Hintertreffen geraten, viele Menschen gar nicht wissen, wie talentiert sie eigentlich ist. Beispiel Looping.

Die Ausgangslage ist hier einem anderen Drama der 25-jährigen Berlinerin ganz ähnlich. Ende 2015 hatte sie in 4 Könige schon einmal eine Patientin in einer Psychiatrie gespielt, die in einer Gruppe Leidensgenossen erstmals Freunde und damit auch sich selbst findet. Anders als dort interessiert sich Regisseurin und Drehbuchautorin Leonie Krippendorff bei ihrem Langfilmdebüt aber gar nicht für das Geschehen innerhalb der schützenden Mauern. Gezeigt werden nur die drei Frauen, die anderen Menschen verschwinden ebenso wie die Institution und die gesamte äussere Welt.

Immer wieder hat man in Looping dann auch den Eindruck, dass das alles nicht so ganz real ist. Dass die drei Frauen in einer Märchenwelt Schutz und Zuneigung gefunden haben. Das liegt zum einen an den Bildern, die uns da Drama auf den Bildschirm zaubert. Bilder voller Close-ups, geradezu verschwenderisch kunstvoll angelegt, manchmal auch ein bisschen gewollt rätselhaft. Unterstützt wird das dadurch, dass die Geschichte oftmals ohne erklärende Worte auskommen muss. Während wir bei Leila noch live dabei sind, wenn eine stürmische, teils drastische Nacht sie in die Klinik führt, wissen wir bei den anderen zunächst nicht, wer sie sind, woher sie kommen, was sie hier eigentlich tun.

Erst nach und nach lässt uns Krippendorff an deren Schicksalen teilhaben, wenn wir mithilfe von Flashbacks ein bisschen die Vorgeschichte erfahren. Auf eine gewisse Weise ist die von Frenja die erschreckendste. Und das nicht nur, weil sie von Lana Cooper (Love Steaks) sehr physisch dargestellt wird. Sie hat einen Mann, eine kleine Tochter, ein schickes Zuhause. Und doch auch nichts.

An dieser Stelle erinnert uns Looping daran, wie trügerisch ein solches Leben sein kann. Wie sehr alles nach aussen hin schön und gesichert ist, während man innerlich vor die Hunde geht – ohne zu wissen warum. Ann ist die rätselhafteste der drei, lässt sich lange nicht in die Karten schauen, ist aber trotz ihrer Vorsicht empfänglich für die Zuneigung der beiden anderen. Hier gibt es keine Erwartungen zu erfüllen, jede kann sich fallenlassen, ohne Angst haben zu müssen. Kleine sinnliche Momente des Glücks führt uns die Filmemacherin vor Augen, am Strand, in den Betten, Momente ohne Worte. So als hätten die drei Angst, dass sie den Zauber zerstören könnten, sie wieder zurück in die Welt da draussen müssen. Dieses zerbrechliche Glück wieder vorbei ist.

Oliver Armknecht

Looping

Deutschland 2016 - 106 min.

Regie: Leonie Krippendorff
Drehbuch: Leonie Krippendorff
Darsteller: Jella Haase, Lana Cooper, Marie-Lou Sellem
Produktion: Jost Hering
Musik: Tammy Ingram
Kamera: Jieun Yi
Schnitt: Jihyeon Park

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons Lizenz.

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