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Fleischatlas 2018: Kapitalismus mit tierfreundlichem Antlitz | Untergrund-Blättle

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Kapitalismus mit tierfreundlichem Antlitz Fleischatlas 2018

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Der neue Fleischatlas von Heinrich-Böll-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und Le Monde Diplomatique hält, was er verspricht: ökomodernistische Reformvorschläge für die Tier- und Fleischproduktion der Zukunft – und einen Kapitalismus mit tierfreundlichem Antlitz.

Fleischatlas 2018.
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Bild: Fleischatlas 2018. / boell (CC BY 4.0 cropped)

21. März 2018

21. Mär. 2018

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Die Heinrich-Böll-Stiftung (HBS), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Monatszeitung Le Monde Diplomatique haben in Januar den mittlerweile vierten Fleischatlas herausgegeben. In der aktuellen Ausgabe geht es aber nicht in erster Linie um „Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel“ (Fleischatlas 1 und 2) oder deren regionale Verteilung in Deutschland (Fleischatlas 3). Dieses Mal geht es um „Rezepte für eine bessere Tierhaltung“. Mit anderen Worten: 20 AutorInnen machen in 18 Kapiteln Vorschläge für „einen vernünftigen und grundlegenden Umbau der Tierhaltung“ (S. 7) auf jeder Ebene der Wertschöpfungskette von der Geburt der Tiere bis zum Stück Fleisch auf dem Teller. Das ist zumindest der Anspruch.

Das Problem ist allerdings, dass das Dreigestirn aus Denkfabrik, Umwelt-NGO und linksliberaler Zeitung das „bisherige Modell der Fleischproduktion“ (S. 6) gar nicht revolutionieren, sondern lediglich zu einer „nachhaltigen Fleischproduktion“ (S. 7) transformieren will. Keine Dialektik von Reform und Revolution, nur Reform. Das ist ein Unterschied ums Ganze. Zumindest für die Tiere, die allein in Deutschland jährlich zu Millionen gentechnisch manipuliert, eingesperrt, misshandelt und industriell getötet werden; für das Heer der arbeitenden Armen, vor allem die Leih- und Vertragsarbeiter aus Osteuropa, in den Schlachtstrassen der neoliberalisierten Oligopolkonzerne; und für die Natur, die vom Fleischkapital zerstört wird (Flächen- und Wasserverbrauch, Gesundheitsgefährdung, Verlust an Biodiversität, Wasser- und Bodenverschmutzung, CO2-Emissionen). [1]

Die kapitalistischen Ausbeutungs- und Herrschaftsverhältnisse, die diesen Missständen zugrunde liegen, und von denen bekanntlich nur einige wenige KapitalistInnen profitieren, tasten die WegbereiterInnen eines „grünen“ Kapitalismus gar nicht erst an. Zwei Autoren gemahnen sogar, dass die Massnahmen „WTO-verträglich“ (S. 15) sein müssten. Der Markt gilt auch nicht als Teil des Problems, sondern als opportunes Mittel zur Veränderung. Ideen zur Lösung der sozialen Frage? Fehlanzeige. Die Ausbeutung von Tieren oder der Konsum von Fleisch? An sich kein Problem.

Die TierschutzideologInnen treibt vielmehr die Massentierhaltung und zu viel Fleischkonsum um. In ihren Augen handelt es sich bei der Fleischproduktion, -distribution und -konsumtion um ein Problem der Quantität, nicht der Qualität. Als ob die Fleischproduktion nur ökologisch fragwürdig und die Ökologie lediglich eine Frage der Tragfähigkeit wäre. Entsprechend des bornierten Problembewusstseins ist der „Kanon“ politischer Instrumente, mit dem der Übergang zum Kapitalismus mit tierfreundlichem Antlitz bewerkstelligt werden soll, in seiner Reichweite begrenzt.

Faktisch dienen sie dazu, die Fleischproduktion „zukunftsfähig“ zu machen, wettbewerbsfähig gegenüber der Konkurrenz und zustimmungsfähig gegenüber Teilen der KritikerInnen. Kein Wunder also, dass einige – nicht alle – Ideen gar nicht so weit weg sind von den Vorschlägen, die in diesem Jahr während des Klassentreffens von KapitalistInnen und StaatsvertreterInnen beim World Economic Forum (WEF) in Davos zur Transformation der Fleischindustrie gemacht worden sind.

Grüne Modernisierung der Tier- und Fleischproduktion

Geht es nach den VerfasserInnen des Fleischatlas, sollen sich deutsche Betriebe in der Tierproduktion etwa ein Beispiel an der schwedischen und Schweizer Konkurrenz nehmen. Der „Schweinestall der Zukunft“ (S. 24) könnte unter anderem Angebote zum Spielen und Putzen, verschieden Bodenbeläge, mehr Auslauf und Möglichkeiten zum Klimawechsel bereithalten. Ausserdem könnte man eine Flächenbindung in der Tierhaltung einführen, d.h. je nach Art eine Maximalzahl an Tieren pro Hektar Nutzfläche. Die Käfige sollen also grösser und bunter, aber nicht abgeschafft werden. Der Aufbau einer biologisch-veganen Landwirtschaft als tierausbeutungsfreie Alternative in der Nahrungsmittelproduktion hat entsprechend nicht einmal als utopisches Ziel, geschweige denn als Teil einer „konkreten Utopie“ (Bloch) [2] oder „revolutionären Realpolitik“ (Luxemburg) [3] Eingang ins Heft gefunden.

Neben kosmetischen Reformen für die Tiermast und Fleischproduktion werden zudem in einigen Beiträgen neue Methoden vorgeschlagen, um auf Kosten der Tiere Profite zu machen. Die „Kombi-Haltung“ (S. 22) ist eine solche Idee. Damit ist gemeint, dass die Tierhaltung zum Beispiel mit dem Anbau von Pflanzen oder erneuerbaren Energien verbunden wird. Vorschläge für gewinnträchtiges Recycling von Tiermüll bzw. – in marxistischen Kategorien – für die Ökonomisierung des konstanten Tier-Kapitals werden ebenfalls unterbreitet. Das Ziel der „Zweinutzungsstrategie“ ist beispielsweise eine „verantwortbare Tierzucht“ (S. 30) von Tieren.

Anstatt sich auf die Spezialisierung in der Zucht zu konzentrieren und Männchen etwa direkt nach der Geburt durchs Schreddern oder auf Basis von Geschlechtserkennung noch vor dem Schlüpfen zu entsorgen, schlägt die Autorin des Fleischatlas-Beitrags vor, sowohl Weibchen (Eier) und Männchen (Fleisch) ausbeuten zu lassen. Die sogenannte Nose-to-Tail-Verarbeitung weist in eine ähnliche Richtung. Buchstäblich keine Faser des gesamten Tierleibs soll aus der ökonomischen Verwertung ausgespart werden einschliesslich der Tierkörperteile, die bis dato weggeschmissen oder exportiert werden. Neben Ersparnissen durch die Weiterverarbeitung würde durch solche Verfahren natürlich auch die Produktpalette diversifiziert.

Schliesslich sprechen einige AutorInnen Empfehlungen aus, wie man mit „ökologischen“ Argumenten Tiere inwertsetzen und neue Märkte erschliessen könnte. Insekten seien zum Beispiel „eine brillante Alternative zu Fleisch“ (S. 44), weil ihre Körper einen höheren Proteingehalt als traditionelles Tierfleisch besässen und ein grösserer Teil der Insektenleiber verzehrbar sei als etwa bei Kühen, Insekten weniger CO2-Emissionen ausstiessen als beispielsweise Rinder und ihre Aufzucht weniger Fläche, Futtermittel und Wasser verbrauche. In einer Grafik zum entsprechenden Artikel wird zudem die „essbare Vielfalt“ (S. 45) der „alten und neuen Nützlinge“ (S. 44) gepriesen. An Zynismus und bürgerlicher Kälte im ökomodernistischen Gewand gegenüber den schwächsten Kreaturen in unserer Gesellschaft sind solche Anregungen kaum zu überbieten.

Am Ende zahlen alle, nur nicht die Konzerne

Damit die nachhaltige Tierausbeutung die konventionelle innerhalb der engen Grenzen von oligopolistischer Konzernmacht, scharfer internationaler Konkurrenz und scheinbar alternativloser Marktwirtschaft ablösen kann, muss Geld her. Deswegen sind die HerausgeberInnen des Fleischatlas hoch erfreut über die Ergebnisse einer VerbraucherInnenumfrage des Bundeswirtschaftsministeriums. Diese hat ergeben, dass 88 Prozent der KonsumentInnen in Deutschland mehr Geld für Fleisch ausgäben, wenn die Tiere „besser gehalten“ (S. 6) würden. Zudem wird ein bunter Strauss an Massnahmen zur Finanzierung von mehreren AutorInnen angepriesen: staatlichen Subventionen für gesunde und fleischfreie Alternativen; höhere Steuern auf Fleischprodukte, zum Beispiel durch eine Anpassung des reduzierten auf den normalen Mehrwertsteuersatz für Fleisch; Abgaben, etwa auf Mineraldüngerverbrauch; und eine Umverteilung der Gelder aus den Töpfen der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union.

Auch wenn einige dieser Instrumente sicher innerhalb einer anderen Gesamtstrategie diskutierbar wären, sticht ins Auge, dass die ProfiteurInnen der Fleischproduktion – die Konzerne bzw. das Fleisch-Kapital – wenn überhaupt nur marginal für die „Lösung“ der von ihnen massgeblich verursachten sozialen und ökologischen Probleme zur Kasse gebeten würden. Stattdessen käme massgeblich die arbeitende Bevölkerung – als SteuerzahlerInnen und als KonsumentInnen – für die Modernisierung der Fleischproduktion und -distribution auf.

Perfides Öko-Marketing

Damit die KonsumentInnen sich wirklich an die neuen Tierwaren gewöhnen, andere, auch vegetarische und vegane Ernährungsstile akzeptieren und von der Notwendigkeit überzeugt werden, mehr Geld für Produkte aus der nachhaltigen Fleischproduktion in die Hand zu nehmen, raten schliesslich einige AutorInnen zu innovativen Vermarktungsstrategien. Dazu zählen sie unter anderem kleinere Fleischportionen mit der Möglichkeit, einen kostenlosen Nachschlag zu bekommen (sogenanntes „nudging“), bessere Hinweise auf Fleischalternativen in öffentlichen Kantinen und ein staatliches Tierwohl- bzw. Tierschutzlabel, das Auskunft über Tierhaltungsstandards gibt.

Ein Verfasser wirbt auch für „etwas mehr Wahrheit auf dem Preisschild“. Er beabsichtigt damit, den Naturverbrauch durch die Fleischindustrie in den Preis der Waren einzuberechnen. Denn „für eine Kaufentscheidung“ sei der Preis immer noch „das effektivste Label“ (S. 17). Dabei lassen sich durch Marktmechanismen, wie die Bepreisung von CO2-Emissionen und der Handel mit CO2-Zertifikaten zeigt, keine ökologischen Probleme beheben. Sie sind vielmehr die Folge unter anderem der Inwertsetzung und Kapitalisierung der Natur. Im Übrigen: Wie viel sind eigentlich Tierleben und das Klima wert in einem Gesellschaftssystem, das nur die Lohnarbeit als wertschaffend anerkennt und in dem die Profitakkumulation notwendig „die Springquellen alles Reichtums untergräbt“ (MEW 23: 530), also die ArbeiterInnen, die Natur und die Tiere?

Besonders perfide ist auch die Marketingidee des „Schweine- und Kuh-Leasings“. Dabei wird die kapitalistische VerbraucherInnenideologie – gesellschaftliche Veränderung durch den Kauf politisch korrekter Waren – auf die Spitze getrieben und das eigentlich berechtigte Anliegen, dass ein Tier ein gutes Leben verbringt, für das Marketing von Fleisch nutzbar gemacht. „Die Kundschaft zahlt nicht für ein bestimmtes Stück Fleisch, sondern finanziert mit regelmässigen Beiträgen die Aufzucht eines Ferkels oder Kalbs. Dafür gibt es das ganze geschlachtete und verarbeitete Tier oder einen Teil davon. Die Abnehmerinnen und Abnehmer entscheiden mit, wann es geschlachtet und zu welchen Endprodukten es verarbeitet wird.“ (S. 35) Die VerbraucherInnen bauten auf diese Art „eine Beziehung [sic!] zum Tier und zum Hof“ (ebd.) auf, die mit der Tötung des einen auf Geheiss des anderen Teils der „Beziehung“ endet. KundInnenbindung durch pervertiertes Mitgefühl und durch Tierschutz, der keiner ist. Verkehrte Welt par excellence.

Der US-amerikanische Tierrechtler Gary Francione [4] kritisiert die Tierschutzpolitik, wie sie im Fleischatlas als Politikansatz skizziert wird, seit vielen Jahren unnachgiebig (vgl. Francione 1995/2007). Dafür hat er gute Gründe. Denn erstens löst die nachhaltige Tierausbeutung nicht die Probleme der Tierausbeutung als solche, auch nicht die sozialen oder ökologischen der Fleischproduktion. Zweitens wird das Geld für die Reformen nicht in die Abschaffung der Tierausbeutung gesteckt. Vielmehr machen die Ökomodernisierungen sie drittens sogar effizienter und profitabler.

Im vorliegenden Fall wird sie sogar auf andere Felder ausgedehnt. Und schliesslich verhelfen Tierschutzmassnahmen dem Tier-Kapital dabei, sein ramponiertes Image und vor allem die bröckelnde Fleisch-Hegemonie zu restaurieren. Sie versichern den ausgebeuteten Klassen, dass die Tiere und die Natur besser behandelt würden, als es real der Fall ist. Sie gewährleisten die Zustimmung zur bürgerlichen Nahrungs- und Kleidungskultur und garantieren dadurch, dass der Protest und Widerstand gegen die Ausbeutung von ArbeiterInnen, Tieren und der Natur in der Fleischindustrie nicht den Charakter eines revolutionären Klassenkampfs annimmt. Willkommen in der schönen neuen Welt des nachhaltigen Kapitalismus.

Wilhelm Wood
revoltmag.org

Fussnoten:

[1] Laut den verschiedenen Fleischatlanten und dem White Paper Meat: the Future. Time for a Protein Portfolio to Meet Tomorrow‘s Demand, das als Diskussionsgrundlage beim diesjährigen World Economic Forum in Davos vorgelegt wurde, lassen sich einige der genannten Naturnutzung und -zerstörungen folgendermassen quantifizieren: 2016 ist ein Drittel des weltweit produzierten Getreide nur zur Mästung von Tieren hergestellt worden. Mit dieser Menge könnten vier Milliarden Menschen ernährt werden. Für kein anderes Konsumgut wird so viel Land benötigt wie für die Produktion von Fleisch und Milch. Obwohl nur rund 17 Prozent des Kalorienbedarfs der Menschheit von Tierwaren stammt, wird zu ihrer Herstellung 77 Prozent des globalen Agrarlands benötigt.

Mindestens 15 Prozent der globalen CO2-Emissionen entstehen in der Tierindustrie. Über die Hälfte der globalen Antibiotika-Erzeugung wird in der Tierindustrie genutzt. Die World Health Organization (WHO) spricht davon, dass durch den Antibiotika-Konsum durch Fleisch ein zunehmend gefährliches Niveau der Antibiotika-Resistenz entstehe. Sie schätzt, dass derzeit 700.000 Menschen jährlich an Infektionen sterben, weil sie gegen die zur Behandlung eingesetzten Antibiotika Resistenzen entwickelt haben. Diese Zahl werde auf 10 Millionen im Jahr 2050 ansteigen, wenn sie an der Antibiotika-Nutzung nichts ändert.

Der Wasserverbrauch ist vor allem für den Anbau von Futtermitteln exorbitant. 15.500l Wasser sind zum Beispiel gebraucht, um ein Kilogramm (!) Rindfleisch herzustellen. Insgesamt beläuft sich der Anteil der Tier- und Fleischproduktion auf rund ein Fünftel der globalen Wassernutzung – mehr als für die Industrie. Für die Erzeugung von 1.000 Nahrungskalorien aus Getreide ist rund ein halber Kubikmeter Wasser nötig. Für 1.000 Kalorien aus Fleisch sind es dagegen vier Kubikmeter und für 1.000 Kalorien aus Milchprodukten sogar sechs.

[2] Der marxistische Philosoph Ernst Bloch unterscheidet mit seinem Begriff der konkreten Utopie zwischen zwei Formen der Utopien. Mit den einen werden abstrakt, von der gesellschaftlichen Praxis abgekoppelt, Wolkenkuckucksheime herbeiphantasiert und ausgemalt. Die anderen Utopien knüpfen hingegen an die realen Klassenkämpfe und Möglichkeiten historischer Entwicklung sowie an die kritische Gesellschaftstheorie an. Das utopische Ziel kann unter diesen Voraussetzungen verwirklicht werden, ist es aber noch nicht. Dieser Unterschied besteht zum Beispiel zwischen den frühsozialistischen Vorstellungen Weitlings, Fouriers, Owens und Saint-Simons einerseits und der Perspektive des Kommunismus andererseits, wie sie Marx und Engels erarbeitet haben.

[3] Rosa Luxemburg entwickelt in Abgrenzung zu den zwei falschen Alternativstrategien gesellschaftlicher Veränderung eine eigene Position. Die kapitalistische Gesellschaftsformation bricht weder von selbst zusammen und ermöglicht dadurch den Übergang zur sozialistischen Gesellschaftsformation noch ist dieser Übergang durch Reformen innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft realisierbar. Vielmehr bedürfe es einer Dialektik von Reform und Revolution, einer „revolutionären Realpolitik“. Ihr Ziel ist nicht die Milderung der Ausbeutung, sondern die Revolution der gesellschaftlichen Verhältnisse, die die Ausbeutung hervorbringen. Die Reformen sind in der revolutionären Realpolitik Mittel, um dem Klassenkampf von unten eine bessere Position zu verschaffen, um dieses Ziel zu erreichen, und kein Selbstzweck. Zudem müssen die Reformen durch ihren Charakter den bürgerlichen Status quo herausfordern und auf dessen gesellschaftlicher Überwindung hindeuten.

[4] Der US-Juraprofessor Gary Francione ist einer der renommiertesten Tierrechtler. Er wird zu Recht für einige seiner zentralen Positionen von links kritisiert. In seiner liberalen Rechtskritik geht er etwa davon aus, dass die Ausbeutung der Tiere im Kapitalismus auf dem juristischen Status der Tiere als Eigentum von Menschen gründet. Selbstverständlich ist auch die rechtliche Einschreibung der Tiere als Privateigentum ein Problem. Aber Francione verkehrt Ursache und Wirkung. Tiere sind Eigentum, weil sie durch die gesellschaftlichen Ausbeutungs- und Herrschaftsverhältnisse zu ihm gemacht werden.

Die juristischen Bestimmungen sind die Kodifizierungen der politisch-ökonomischen Relationen (vgl. Marxismus und Tierbefreiung – Thesenpapier, S. 14ff.). Ausserdem sieht Francione den zentralen Hebel für politische Veränderung neben Gesetzesänderungen vor allem im Veganismus als individueller Lebensweise. Literaturverweis: Francione, Gary (1995/20007): Animals, Property, and the Law. Neuauflage mit Korrekturen. Philadelphia.

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-ND 3.0) Lizenz.

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