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Anonymous: Nerds auf Abwegen | Untergrund-Blättle

Datum

2. April 2014, 09:24 Uhr

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Braune Computerfreaks und eine Splittergruppe von Anonymous Nerds auf Abwegen

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Eine Splittergruppe von Anonymous ist offenbar zu verschwörungstheoretischen Nerd-Nationalisten verkommen.

Anonymous Spray in Amsterdam.
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Bild: Anonymous Spray in Amsterdam. / Rock neurotiko (CC BY-SA 3.0 cropped)

2. April 2014

2. Apr. 2014

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In der Wiener Mariahilferstrasse sass vor einigen Jahren ein Typ in der Gegend rum, der von Kopfhaar bis Zeh vollkommen in Alu-Folie eingewickelt war und selbstgedruckte Zeitungen verteilte über die Bedrohung, die von Chemtrails und Handystrahlung ausgeht. Ungefähr so kann man sich wohl den Macher des neuen Videos von Anonymous vorstellen.

Das Machwerk mit dem Titel „Nachricht an die deutsche Bevölkerung“ besteht im wesentlich aus verschwörungstheoretischer „Kapitalismuskritik“ für die ganz Dummen, aus Illuminati- und Freimaurer-Blödsinn, pathetischer Musik und einer gehörigen Portion Nationalismus.

Es schwafelt von einer „EUSSR“, von „Multikultiwahn“ und von der „Bitte“ an das „deutsche Volk“ „vereint wie ein Mann“ zu stehen. Mit „Selbsthass“ und „Schuldbewusstsein“ soll endlich Schluss sein, die üblichen Thesen der Reichsbürger- und NS-Deppen von der BRD-GmBH, und der „Umerziehung“ „unserer Kinder“ zu Schwulen und Lesben kommen genauso vor wie jede Menge Theorieversatzstücke aus dem Querfrontmagazin „Compact“ des Kokaintanzbären Jürgen Elsässer. „Zinsgeld“, Chemtrails, dunkle Mächte im Hintergrund (vulgo: Juden) und Immigranten sind die Hauptfeinde dieses braunen Kollektivs. „Wir sind Deutsche. Wir sind das Volk (…) Entscheiden Sie sich für Deutschland“, endet das eigenartige Pamphlet, das immerhin auf einer Seite mit hunderttausenden Followern geteilt wir.

Klarerweise haben die braunen Computerfreaks schon den Anhang gefunden, den diese Inhalte ziehen: Das Rassistenportal PI News, diverse Kameradschafts- und NPD-Seiten. Problematisch ist, dass offenkundig der Bildungsgrad in Schland so verkommen wie der Alltagsnationalismus überentwickelt ist, so dass Zeug wie dieses auch unter jenen Anklang findet, die wohl in ihrem Selbstverständnis keine Nazis sind. Die für Montag, den 31. März angesagte Kundgebung der Hitler-Hacker hat schon jetzt 2800 Zusagen.

Einfache Erklärungsansätze sind offenbar das, was jene brauchen, die zwar einerseits genug vom schlechten Bestehenden haben, aber andererseits sich auch nicht die Mühe machen wollen oder können, zu verstehen, was eigentlich das Problem ist. Es geht nicht um Staat und Kapital in der lumpigen „Gesellschaftskritik“ der Verschwörungsaffen, sondern um irgendwelche „dunklen Mächte“, die die an sich gute Nation an ihrer Entfaltung hindern. Weil es weniger griffig ist, das System der Kapitalakkumulation zu verstehen und zu kritisieren, greifen sie zu Erklärungsmustern, die selbst eine Hand voll Sand intellektuell unterfordern müsste.

Dementsprechend ist die Kommentarspalte zu dieser Anonymous-Seite voll mit Sätzen, die nur Leute schreiben können, bei denen man sich wundert, dass sie überhaupt in der Lage sind, eine Tastatur zu bedienen.

Allerdings ist das Phänomen nicht lustig. Denn rechte Demagogie baut immer darauf auf, an tatsächlich vorhandene Missstände anknüpfen zu können und sie dann herrschaftskonform umzudeuten. Wer würde leugnen, dass am Bankensystem, am Parlamentarismus, an der Ungleichverteilung des gesellschaftlichen Reichtums was zu kritisieren ist? Keiner. Die Rattenfänger setzen genau da an, ethnisieren die soziale Frage, stellen an die Stelle der Kritik an Staat und Klassenherrschaft dubiose Verschwörungstheorien von „dunklen Mächten“ und versprechen den von Zukunftsängsten geplagten Menschen Halt im Schoss von Familie und Nation.

Dass sich soviele diesen Scheiss überhaupt anschauen, geschweige denn dieses kindische Produkt verblödeter Alufolienträger ernst nehmen, ist insofern auch ein Armutszeugnis für die hiesige Linke, die irgendwo zwischen Szenepolitik, Solisaufen und Eventmanagement vergessen hat, sich um die Menschen zu kümmern, die nicht ohnehin schon Antikapitalisten sind.

Fabian Hack / lcm

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