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<title>Untergrund-Blättle - Gesellschaft</title>
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<description>Aktuelle Texte und Analysen zu gesellschaftlichen Themen und Entwicklungen.</description>
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<title>Untergrund-Blättle - Gesellschaft</title>
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<title><![CDATA[Heraus zum 14. Juni! Feministisches Kollektiv Baselland startet Kampagne für den Carestreik 2027]]></title>
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<description><![CDATA[<strong>Eine feministische Gruppe hat am 14. Mai in Liestal Statuen mit violettem Stoff umhüllt und so symbolisch verschönert. Die Aktion macht sichtbar, was im öffentlichen Raum oft unsichtbar bleibt.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/photo_5778498933788184729_w.webp><p><small>Feministisches Kollektiv Baselland macht mit ihrer Aktion auf Carearbeit und strukturelle Benachteiligung aufmerksam.  Foto: zVg</small><p>Frauen und genderqueere Personen prägen unsere Gesellschaft entscheidend mit; im Stadtbild sind sie jedoch kaum präsent. Das Stadtbild in Liestal ist bis heute stark von männlichen Figuren geprägt. Gleichzeitig sind auch politische Institutionen wie der Landrat und der Regierungsrat, die beide in Liestal tagen, weiterhin mehrheitlich männlich besetzt.
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„Unsere Aktion stellt deshalb infrage, wer sichtbar ist, wer repräsentiert wird und wessen Geschichten erzählt werden”, sagt das Kollektiv.
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Mit der Aktion macht das Kollektiv auf den feministischen Streik vom 14. Juni aufmerksam und ruft bereits ein Jahr zuvor zum grossen schweizweiten Carestreik 2027 auf.
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In einem Monat, am 14. Juni, findet auch in Liestal ab 11.00 Uhr eine feministische Veranstaltung statt. Gemeinsam stimmen sich die Streikenden auf den Carestreik 2027 ein und nehmen symbolisch auf Liegestühlen im Stedtli Platz.
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Das Ausruhen steht dabei nicht für Passivität, sondern für eine politische Botschaft. Ausruhen von täglich geleisteter, unbezahlter Carearbeit. Ausruhen von sexualisierter, physischer, psychischer und digitaler Gewalt. Ausruhen von gesellschaftlichen Strukturen, die Frauen und genderqueere Personen noch immer benachteiligen.
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Der feministische Streik macht sichtbar, was unsere Gesellschaft täglich zusammenhält und trotzdem oft übersehen wird. „Carearbeit und emotionale Arbeit tragen unsere Gemeinschaft. Ohne sie funktioniert unsere Gesellschaft nicht und trotzdem erhält sie viel zu wenig Wertschätzung”, betont das feministische Kollektiv.
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Das Denkmal ist - im doppelten Sinne- überfällig. Das feministische Kollektiv ruft zur Mobilisierung auf: „Heraus zum 14. Juni!“<p><em></em><p>]]></description>
<pubDate>Wed, 20 May 2026 10:47:00 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Gewalt gegen Frauen ist kein Versehen: Warum der Kapitalismus patriarchale Gewalt reproduziert]]></title>
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<description><![CDATA[<strong>In Krisenzeiten kommt es zu einem Anstieg von Gewalt gegen Frauen, das ist kein Geheimnis. Umso wichtiger werden Frauenhäuser als unverzichtbare Schutzräume. Denn die Täter kommen bei einem Femizid oftmals aus dem eigenen Umfeld.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Arnum_Femizid_Wohnhaus_Trauerstelle_b_w.webp><p><small>Erinnerungsstelle vor einem Wohnhaus in Arnum zur Tötung einer 26-jährigen Frau durch einen 31-jährigen Wohnungsnachbarn im Juli 2025.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arnum_Femizid_Wohnhaus_Trauerstelle_b.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nifoto</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 4.0 cropped)</a></small><p>Sie fühlen sich gekränkt, wollen ihre Macht demonstrieren und greifen zu Gewalt, um ihre Rolle als Mann in der Familie zu verteidigen. Rund 50.000 Frauen und Mädchen weltweit sind im vergangenen Jahr von Partnern oder Familienangehörigen getötet worden. 2023 wurden in der BRD 938 Mädchen und Frauen Opfer von versuchten oder vollendeten Tötungsdelikten (+1,0 Prozent, 2022: 929). Dies entspricht einem Anteil von 32,3 Prozent aller Opfer von Tötungsdelikten. Ausserdem ereignet sich nicht mehr „nur” alle zwei Tage ein Femizid, sondern mittlerweile fast täglich. Frauen und Mädchen werden in Deutschland ca. alle 3 Minuten Opfer häuslicher Gewalt. Denn: Häusliche Gewalt beginnt in der Regel nicht erst mit einer Tötung, oftmals geht dieser schon psychische Gewalt, Kontrolle über die Selbstbestimmung der Betroffenen und natürlich auch körperliche Gewalt bevor.

<h3>Mangel an Schutz</h3>

Einige wenige Hilfsangebote, die uns der bürgerliche Staat in Deutschland zugesteht, sind Frauenhäuser. Doch denen mangelt es schlichtweg an Plätzen für die Betroffenen. Bundesweit stehen nur 7.700 Plätze zur Verfügung, während der Bedarf – laut Istanbuler Konvention – bei 21.000 liegt. Demnach müssen tagtäglich Schutzsuchende abgewiesen werden: In einer kürzlich veröffentlichten Kostenstudie gaben die befragten Frauenhäuser für das Jahr 2022 an, dass sie 10.114 Frauen mit Kindern und 6.268 Frauen ohne Kinder aufgrund von Platzmangel abweisen mussten. Hinzu kommt die problematische Finanzierung, diese ist nicht flächendeckend geregelt, sondern je nach Region unterschiedlich.
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Das führt z. B. dazu, dass Frauen und Mädchen, die keine Sozialleistungen oder Bürger:innengeld beziehen, oftmals dazu gezwungen sind, die Kosten selbst zu tragen. Mehr als jede vierte Frau musste 2023 ihren Aufenthalt im Frauenhaus teilweise oder vollständig selbst bezahlen. Dabei variieren die Kosten je nach Region von 10–150 Euro pro Tag und Person. Das betrifft besonders häufig ohnehin marginalisierte Gruppen wie Menschen mit Migrationshintergrund, arme Frauen oder Studierende und führt dazu, dass diese sich zunehmend verschulden. Zusätzlich gilt der Aufenthalt im Frauenhaus auch als Armutsrisiko: Nach dem Frauenhausaufenthalt stehen zwei Drittel (65 %) der ehemaligen Bewohner:innen im SGB-II-Leistungsbezug. Vor dem Aufenthalt waren es nur 38 %. Die Statistik für 2023 zeigt zudem, dass während des Frauenhausaufenthaltes der Anteil von erwerbstätigen Frauen von 23 % auf 15 % zurückging.

<h3>Was macht die Regierung (nicht)</h3>

Trotz dessen, dass am 14. Februar 2025 das Gewalthilfegesetz vom Bundeskabinett beschlossen wurde, lassen die versprochenen Hilfeleistungen auf sich warten. Durch das Gesetz gibt es zwar einen Rechtsanspruch auf eine kostenfreie und bedarfsgerechte Hilfe oder Beratung für Gewaltbetroffene sowie eine gesicherte Finanzierung, an der sich der Bund beteiligt. Doch problematisch bleibt nach wie vor: Der Rechtsanspruch wird wohl erst 2032 in Kraft treten (!). In den nächsten 7 Jahren werden also weitere Betroffene abgewiesen werden müssen. Ausserdem sieht der Rechtsanspruch zwar ein Anrecht auf Hilfe vor, aber keinen Anspruch auf einen Platz in einem Frauenhaus. Zugleich bedeutet das, dass künftig keine Einrichtung gezwungen sein wird, eine bestimmte Frau aufzunehmen. Inter und trans Personen sind ausserdem vom Gewalthilfegesetz nicht geschützt.
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Zusätzlich haben wir es in der Krise natürlich mit Kürzungen zu tun, so weit wie das Auge reicht. Die Haushaltskürzungen der Berliner Landesregierung geben hierbei einen Vorgeschmack, wie es aussehen kann. Diese haben vor allem Kultur-, Sozialprojekte und Infrastruktur getroffen, was wiederum bedeutet, dass a) Einsparungen und Kürzungen vor allem in Branchen stattfinden, in denen vermehrt Frauen arbeiten, und b) Reproduktionsarbeit systematischer ins Private gedrängt wird, was somit die Doppelbelastung für Frauen steigert. Während also formal ins Koalitionspapier lose Versprechungen getippt wurden, wird die materielle Basis, diese zu erfüllen, unterhöhlt.
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Ähnlich verhält es sich mit dem Ziel, Frauen vor Gewalt besser zu schützen, während gleichzeitig Beratungsstellen wegfallen oder Frauen sich nicht trennen können, weil man dazu Geld braucht, dieses aber durch Kürzung, Kündigung oder Unterbezahlung nicht ausreicht.
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Auch die Abtreibung wird unter dem Kabinett Merz nicht legalisiert und das obwohl der Hauptgrund – zumindest in den USA, für Deutschland existieren solche Untersuchungen nicht – für den Tod von Frauen während oder direkt nach der Schwangerschaft ein Femizid ist (Wallace et al. 2021).
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Die Situation wird sich in den nächsten Jahren also erst mal weiter verschärfen. Auch bei der versprochenen Umsetzung des Gewalthilfegesetztes sollte klar sein: Solche Massnahmen bekämpfen lediglich Symptome, nicht jedoch die Ursache: ein System, das auf Profitmaximierung und geschlechtsspezifischer Ausbeutung basiert.

<h3>Warum es zu häuslicher Gewalt kommt</h3>

Um einen effektiven Weg zur Bekämpfung häuslicher Gewalt zu finden, muss erst einmal geklärt werden, wie es überhaupt dazu kommt. Kleinbürgerliche Feminist:innen versuchen, das entweder mit der Natur des Mannes oder der Rückschrittlichkeit der Kultur oder Klasse zu erklären, in welchen die Gewalt stattfindet. Als Marxist:innen ist uns bewusst, dass häusliche Gewalt nur mit Blick auf die gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse erklärt werden kann. Denn sie findet nicht ausserhalb der Gesellschaft statt, das Private ist nicht einfach unpolitisch, im Gegenteil: Häusliche Gewalt findet im Rahmen der bürgerlichen Familie oder einer ihr ähnlichen Beziehung statt, welche als Institution elementar für das Fortbestehen des Kapitalismus ist.
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Während die bürgerliche Familie in der herrschenden Klasse eine andere Funktion hat, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll, übernimmt sie in der Arbeiter:innenklasse wesentliche Aufgaben zur Reproduktion der Klasse selbst und somit letztendlich auch des Kapitalismus. Denn hier findet die Reproduktion der Ware Arbeitskraft statt, was alle Tätigkeiten meint, die notwendig sind, damit die Arbeitenden am nächsten Tag wieder am Arbeitsplatz erscheinen und ihrer Arbeit nachgehen können. Darunter zählt also Kochen, Putzen, Wäsche Waschen, aber auch emotionale Sorgearbeit. Auch die Erziehung von Kindern fällt mit unter diese Kategorie, damit sich so die Arbeiter:innenklasse als Ganze neu reproduzieren kann.
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Um eine für das Kapital so günstig wie mögliche Reproduktion durchzusetzen, wird diese ins Private gedrängt. Die Arbeiten werden vor allem von Frauen unentlohnt verrichtet. Dies bildet die Basis für reaktionäre Rollenbilder, sodass diese ihrerseits stetig zur Reproduktion der geschlechtlichen Arbeitsteilung beitragen. Das beginnt schon im Kleinkindalter durch Sozialisierung und erstreckt sich über das ganze Leben.
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Die Familie existierte aber nicht schon immer, sondern entwickelte sich über die Klassengesellschaften zur heutigen Form hin und die konkrete Ausprägung heutzutage ist von der jeweiligen Gesellschaftsverfassung abhängig. Im Allgemeinen gilt der Mann als Ernährer der Familie, wohingegen die Frau als Hausfrau tätig wird. Das ist natürlich ein Ideal, was besonders für die Arbeiter:innenklasse schwer zu erreichen ist, jedoch zu Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs zumindest für die bessergestellten Schichten der Lohnabhängigen ansatzweise etabliert werden kann. Zugleich wird sowohl mit der Expansion des Kapitalismus wie auch in der Krise die ökonomische Basis der lohnabhängigen Familie massiv unterhöhlt.
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Betrachten wir Deutschland, so geht es vor allem um die Auswirkungen der Krise. Die Frauen müssen auch Lohnarbeit nachgehen, um die Existenz der Familie abzusichern, während gleichzeitig der Lohn des Mannes nicht mehr zu deren Ernährung ausreicht. Hinzu kommen Angriffe auf die Rechte der Arbeiter:innenklasse und die sozialen Absicherungen wie Sozialleistungen oder Krankenkassen (siehe Änderungen bzgl. Arbeitslosengeld des Kabinetts Merz und die Diskussionen Krankheitstage nicht mehr zu bezahlen und mehr medizinische Behandlungen selbst übernehmen zu müssen), um die Profite des imperialistischen Finanzkapitals zu sichern und dem Fall der Profitraten entgegenzuwirken. Solche Krisen sind ein Kennzeichen für die Periode, in welcher wir uns aktuell befinden.
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Die Krise der Familie bildet also die strukturelle Grundlage der Gewalt gegen Frauen in der Arbeiter:innenklasse innerhalb von Familien oder partnerschaftlichen Beziehungen, welche der Familie ähneln. Denn durch diese hat der Mann das Problem, dass er der Rollenerwartung als Ernährer der Familie nicht mehr nachkommen kann, während die Frauen einerseits in die Lohnarbeit gezwungen werden und andererseits aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen im Niedriglohnsektor, in welchem sie oft tätig sind, nicht die Möglichkeit haben, dem Täter zu entfliehen. Dieses widersprüchliche Verhältnis zwischen Idealbild, Geschlechterrolle und Notwendigkeit der Integration in den Arbeitsmarkt ist nicht im Rahmen des Kapitalismus aufzulösen und sorgt letzten Endes in seiner Unabdingbarkeit und Perspektivlosigkeit auch dafür, dass die extremste Form der häuslichen Gewalt, der Femizid, zu Tage dringt. Somit kann sich der Täter noch ein letztes Mal über das Opfer stellen.
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Durch diese Analyse wird also auch klar, warum die herrschende Klasse gar kein Interesse hat, grundlegend gegen häusliche Gewalt vorzugehen, denn auf der einen Seite gehört die Einsparung im Sozialsicherheitssystem schliesslich zum Rettungsschirm des Finanzkapitals und auf der anderen Seite müsste sie sonst die Institution der bürgerlichen Familie angreifen, welche zu den Grundfesten des kapitalistischen Systems gehört. Des Weiteren ist es auch im Sinne der herrschenden Klasse, wenn Frauen auch in ihrer Familie unterdrückt bleiben und sich nicht von ihren Geschlechterrollen zu befreien versuchen.
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Diesen Punkt kann man gut erkennen an den Teilen der herrschenden Klasse Deutschlands, welche an der bürgerlichen Familie festhalten wollen, indem sie diese verstärkt propagieren, die Ehe als heilig zwischen Mann und Frau ansehen, Abtreibungen z.B. nicht legalisieren wollen und Beratungsstellen einfach wegkürzen. Besonders deutlich sieht man es natürlich auch an Merz persönlich, der im letzten Jahrhundert noch dagegen stimmte, dass die Vergewaltigung in der Ehe eine Straftat ist und heutzutage nur auf die „antisexistische“ Tränendrüse drückt, wenn es gilt, Migranten zu diffamieren.  Diese Analyse macht auch klar, warum besonders die Ärmsten und am stärksten unterdrückten Teile der Arbeiter:innenklasse von jener Gewalt betroffen sind.
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Gegen die immer weiter ansteigende Krise und die Gewalt gegen Frauen müssen wir uns organisieren und protestieren. Klar ist aber, dass diese Proteste nicht bei dieser einen Frage stehen bleiben dürfen. Es gilt, eine breite Massenbewegung aus Frauen, Lohnabhängigen, und sozial Unterdrückten aufzubauen, welche für klare Forderungen und ein klares Programm hinsichtlich der Unterdrückung von Frauen und LGBTIA+-Personen eintritt. Hierbei müssen auch die Gewerkschaften aufgefordert werden, sich zu beteiligen. Des Weiteren darf diese Bewegung auch nicht im nationalen Rahmen stehen bleiben, sondern muss international aufgebaut werden. Diese Forderungen könnten sein:

<ul class="liste">
<li class="liste">Beendigung der Gewalt gegen Frauen und die LGBTIA+-Gemeinschaft! Wir müssen freie Frauenhäuser, Hilfs- und Selbstverteidigungskomitees gegen Femizid, Genitalverstümmelung, häusliche und andere Formen von Gewalt organisieren.</li>
<li class="liste">Volle reproduktive Rechte und körperliche Selbstbestimmung für alle, überall! Alle Frauen sollten Zugang zu kostenlosen Verhütungsmitteln und Abtreibung auf Verlangen haben. Frauenhäuser müssen vom Staat finanziert, aber von den Frauen selbst verwaltet werden.</li>
<li class="liste">Gleicher Lohn für Frauen! Für einen Mindestlohn und Renten, die Frauen ein unabhängiges Leben ohne Armut ermöglichen! Kampf gegen Preissteigerungen bei Wohnen, Energie und Waren des täglichen Bedarfs – für eine gleitende Skala bei Löhnen, Renten und Arbeitslosengeld, um die steigenden Lebenshaltungskosten zu decken!</li>
<li class="liste">Massive Investitionen in Bildung, Gesundheit und soziale Dienste von angemessener Qualität und kostenlos für alle als Schritt zur Vergesellschaftung der Reproduktionsarbeit!</li>
<li class="liste">Lasst die Kapitalist:innen und die Reichen zahlen, um gleiche Rechte und gleichen Lohn zu gewährleisten!</li>
</ul>

Natürlich dürfen wir uns aber auch keine Illusion machen, dass wir patriarchale Gewalt im Kapitalismus einfach wegreformieren könnten. Es gilt, den Kapitalismus mitsamt seinen Institutionen zur Unterdrückung von Frauen, LGBTQIA-Personen und der Arbeiter:innenklasse zu zerschlagen und für eine solidarische Gesellschaft auf Basis von vergesellschafteter und demokratisch geplanter Produktion und Reproduktion sowie Rätemacht einzutreten. Das heisst auch, dass das Ideal der bürgerlichen Familie dann das Zeitliche gesegnet hat und sich Rollenbilder auflösen werden dadurch, dass die Reproduktionsarbeit bspw. durch gemeinsame Mensen und Waschküchen vergesellschaftet wird.<p><em></em><p><small>Zuerst erschienen auf arbeiterinnenmacht.de</small>]]></description>
<pubDate>Mon, 18 May 2026 10:32:00 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Metamorphosen der Ware: Abstraktionen des Tuns]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/metamorphosen-der-ware-abstraktionen-des-tuns-009378.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Wir leben in einem Universum der Ware. Wo das Universum die Lebensbereiche nicht formell unterwirft, tut es das materiell oder ideell. Das gilt auch für umfangreiche Haushaltstätigkeiten, für Erziehung, Sorge oder Pflege.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/14664421827_b811057378_w.webp><p><small>  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://www.flickr.com/photos/skohlmann/14664421827/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sascha Kohlmann</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 2.0 cropped)</a></small><p>Wir denken alle Gegenstände und Sachen, alle Abläufe, Beziehungen, Konfrontationen analog zur Ware, wenn nicht überhaupt als Ware. Auch Kunstwerken oder anderen Unikaten, die streng genommen keine Waren sind, pfropfen wir diesen Charakter geradezu selbstverständlich auf, indem wir sie bewerten und bezahlen. Was einen Preis erzielt, muss auch einen Wert haben und daher eine Ware gewesen sein, so der tautologische Schluss, der den Marktteilnehmern aber keinerlei Probleme bereitet.
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Der reduzierte Alltagsverstand versteht unter Ware Ding für Geld oder Geld für Ding. Diese Auffassung genügt, um am Markt adäquat aufzutreten. Mehr braucht er nicht zu wissen, mehr braucht er nicht zu erfahren, und mehr weiss er auch nicht. Ideell sind ihm die Prozesse der Formierung eines Produkts zur Ware fremd, obwohl er sie reell zu handhaben versteht. Die Ware jedoch ist Prozess, nicht Ding.
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Waren werden für den Markt produziert, sie sind Handelswaren. Ihr Zweck als Gebrauchswert ist nur wichtig, weil er Träger des Tauschwerts ist. Wenn wir die Ware anschauen, sehen wir sie als tote Arbeit, nicht als lebendiges Tun, ohne die sie sich nicht etablieren könnte. Das Tote erscheint so, als sei es kein Gewordenes, es tut so, als sei es lediglich ein Gegenstand mit einem Preis.

<h3>Eins, obwohl zwei</h3>

Nicht nur der Gebrauchswert ist Träger des Tauschwerts, es ist auch der Tauschwert Träger des Gebrauchswerts. In der Ware tragen sie sich gegenseitig. Diese Balance kann nicht gestört werden, ohne dass die Ware zerstört wird. Die Ware ist jenes eigentümliche Produkt, in dem Gebrauchswert und Tauschwert zu einer Einheit mobilisiert werden, geradezu verschmelzen. Nur in der Ware wird Gebrauchswert auch Tauschwert.
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Aber: In der Ware findet nicht der Gebrauchswert zum Tauschwert, sondern in der Ware finden Gebrauchswert und Tauschwert zueinander. Die Ware erweitert den Gebrauchswert also nicht, sie etabliert ihn erst. Nur in der Warengesellschaft gilt ein Tisch mehr als ein Tisch. Wäre der Tisch nur Tisch, wäre er und hätte er nicht einmal Gebrauchswert, er wäre ein profanes und hilfreiches Stück, das keine gesonderten Oberbegriffe oder Kategorien benötigte. Die Frage nach einem Gebrauchswert oder einem Tauschwert stellte sich erst gar nicht.
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Der Satz: „Die Ware setzt sich aus Gebrauchswert und Tauschwert zusammen“, ist daher streng genommen falsch. Der Satz: „Die Ware ist ein Gebrauchswert und hat einen Tauschwert“, ist naheliegend, aber ebenso irreführend. In der Ware, die so Marx, die „Elementarform“ (MEW 23, S. 49) bereits darstellt, sind sie eins, nicht bloss einträchtig oder gar zusammengefügt. Verschwindet der Gebrauchswert, ist der Tauschwert nichtig.
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Verschwindet der Tauschwert, ist der Gebrauchswert überflüssig. Der Gebrauchswert bleibt also nicht übrig, in keinem Szenario würden wir von einem ledigen Gebrauchswert sprechen. Die Geschichte der Dinge ist nicht so zu interpretieren, dass hier einem ewigen Gebrauchswert ein kapitalistischer Tauschwert übergeordnet wurde, resp. dieser jenen unterworfen habe. Sie sind vielmehr ineinander als Ware entstanden und heben nur jeweils einen bestimmten Aspekt hervor. In der Ware sind beide keine eigenständigen Segmente, sondern bloss zugeordnete Inkremente.
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Das Leben der Ware besteht in ihrer Verwertung. Für diese ist jene geschaffen. Waren werden als Waren produziert, als Waren zirkuliert und als Waren konsumiert. Die Lebenszeit der Ware umfasst alle Metamorphosen ihres gesamten Verwertungsprozesses. Auch Momente der In-Wert-Setzung oder der Bewertung gehören hier dazu. Wir sind Teil der Metamorphosen. Dieser Prozess beginnt schon vor der Produktion als Ahnung und Überlegung, als Vorhaben und Planung; und läuft aus erst mit den Nachwehen der Konsumtion (Müll, Umweltzerstörung, Krankheiten). In seiner Gesamtheit ist er nicht enden wollend. Er ist permanent und will, weil muss, wachsen.

<h3>Abstraktionen des Tuns</h3>

Arbeit, die zur Ware führt, ist stets privat, aber immer auf die Allgemeinheit bezogen. Die Ware repräsentiert allgemeine Arbeit, die in der Produktion geleistet wird, sowohl die abstrakte allgemeine als die konkrete allgemeine. Sowohl der Gebrauchswert als auch der Tauschwert sind letztlich die auf den Markt bezogene konkrete und abstrakte Sequenz der Ware. Der Charakter der Lohnarbeit ist sowohl vereinzelt als auch eingebettet, sowohl privat als auch allgemein. „Die Arbeit, die sich im Tauschwert darstellt, ist vorausgesetzt als Arbeit des vereinzelten Einzelnen. Gesellschaftlich wird sie dadurch, dass sie die Form ihres unmittelbaren Gegenteils, die Form der abstrakten Allgemeinheit annimmt.“ (MEW 13, S. 21.) Und: „Während die Tauschwert setzende Arbeit abstrakt allgemeine und gleiche Arbeit, ist die Gebrauchswert setzende Arbeit konkrete und besondere Arbeit, die sich der Form und dem Stoff nach in unendlich verschiedene Arbeitsweisen zerspaltet.“ (MEW 13, S. 23.)
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Während konkrete Arbeit sich ausdifferenziert, formiert abstrakte Arbeit die Integration. Erstere ist gar vieles, letztere ist nur eins. Die dahingehend dechiffrierte Arbeit im Kapitalismus schafft in den Waren Gebrauchswerte und Tauschwerte. Sie ist sowohl abstrakt als konkret, privat wie gesellschaftlich, besonders wie allgemein. So arbeitet der Arbeiter dem Tauschwert nach für sich, dem Gebrauchswert nach für die Gesellschaft.
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Der Doppelcharakter der Arbeit findet so in der Ware seinen Niederschlag. Die Ware findet Erfüllung nicht in ihrer materiellen Fertigstellung, sondern in ihrer Akzeptanz am Markt als Tausch- und Handelbares, als Verkaufbares und schliesslich als Verkauftes. Tauschwerte sind Konsequenz allgemeiner abstrakter Arbeit. Nur dieses abstrakt Allgemeine lässt sich vergleichen und letztlich gleichsetzen (=äquivalieren). „Als gleichgültig gegen den besondern Stoff der Gebrauchswerte ist die Tauschwert setzende Arbeit daher gleichgültig gegen die besondere Form der Arbeit selbst. Die verschiedenen Gebrauchswerte sind ferner Produkte der Tätigkeit verschiedener Individuen, also Resultat individuell verschiedener Arbeiten. Als Tauschwerte stellen sie aber gleiche, unterschiedslose Arbeit dar, d.h. Arbeit, worin die Individualität der Arbeitenden ausgelöscht ist. Tauschwert setzende Arbeit ist daher abstrakt allgemeine Arbeit.“ (MEW 13, S. 17) Und weiter: „Als Tauschwert sind alle Waren nur bestimmte Masse festgeronnener Arbeitszeit.“ (MEW 13, S. 18)
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In der Ware kombinieren sich Produktion und Zirkulation. Einmal geht es um die Herstellung von Gebrauchsartikeln für Andere, das andere Mal geht es um den Entäusserung konkurrenzfähiger Gegenstände auf dem Markt. Indes geht es aber um beides gleichzeitig, da kommt das Eine nicht hinter dem Anderen, und das Andere folgt auch nicht aus dem Einen. Das ist ein Vorgang und das ist ein Produkt. Aber sowohl Vorgang als auch Produkt, also Werden und Resultat, kennen zwei Bestimmungen. Die abstrakte allgemeine und die konkrete allgemeine Arbeit sind ein und derselbe Ablauf, sie müssen aber von uns analytisch unterschiedlich notiert und akzentuiert werden, um den Prozess und die Prozession der Ware (Produktion, Zirkulation, Konsumtion) besser verstehen zu können. In der Tätigkeit sind sie nicht zu scheiden, wohl aber in ihren gesellschaftlichen Bezügen. Das Selbe ist also nicht unbedingt das Gleiche. Beispiel:
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(A) Ich arbeite, um einen Tisch herzustellen und
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(B) Ich arbeite, um meine Arbeitskraft, ein Werkstück oder eine Dienstleistung zu verkaufen
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In der Beobachtung sind das zwar keine unterschiedlichen Vorgänge, aber Vorhaben, Anliegen, Ziele sind different.
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Gebrauchswerte sind Folge der auf die Allgemeinheit gerichteten konkreten Arbeit (meist Lohnarbeit, aber auch Tätigkeiten, die nur indirekt einfliessen): hämmern, tischlern, bauen, tragen, malen, schrauben u.v.m. Aber auch die konkrete allgemeine Arbeit ist nicht zu verwechseln mit der kruden Tätigkeit schlechthin. Noch einmal: Nur wenn ich einen Tisch für andere herstelle, die diesen über den Markt erwerben, können wir von einem Gebrauchswert sprechen. Bastle ich den Tisch für mich, für Verwandte oder Bekannte, aus rein ästhetischen Gründen oder für wohltätige Zwecke, dann ist dieser Tisch keine Ware, er hat weder Tauschwert noch Gebrauchswert. Beim konkreten Tun oder Machen ist also selbst zu unterscheiden, ob es sich um einen Akt für den Markt handelt oder nicht. Ist er frei von diesem Bezug, ist der Begriff eines Gebrauchswerts obsolet. Tun alleine schafft keinen Gebrauchswert, erst das Machen für den Markt konstituiert einen solchen wie die Ware überhaupt. Man kann den Tauschwert nicht einfach vom Gebrauchswert abziehen, ohne dass dieser mit verlustig ginge. Sie sind nur analytisch zu trennen, nicht faktisch.

<h3>Realisierung und Derealisierung</h3>

Was passiert nun am Markt? Am Markt erscheinen die Warenhüter (Besitzer oder legitimierte Vertreter) mit ihren Waren, um diese als solche zu legitimieren. Was sie anbieten, sind Waren. Am Markt tritt die Ware vorerst als Kandidatin ihrer selbst auf. Es ist nötig, den Abschluss eines Geschäfts zu tätigen oder zu vereinbaren. Anerkennung meint Tausch. Sei es Vertrag, sei es Rechnung, sei es mündliche Übereinkunft. Ein Zertifikat wird durch den Kauf explizit oder implizit ausgestellt. Die Ware hat sodann die Prüfung als Ware bestanden und ihren Zweck realisiert. Gelingt dies jedoch nicht, dann ist nicht der Gebrauchswert übrig geblieben, sondern die Ware ist Gerümpel, sie ist nichtig geworden. So müsste man daher die erste Aussage des Absatzes wohl dahingehend präzisieren und sagen: Was Warenhüter auf den Markt bringen, sind potenzielle Waren.
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Das Produkt wird zwar nicht erst Ware im Tausch, wenngleich, wird sie nicht gekauft, es um sie geschehen ist, sie nie zur Ware geworden und somit auch nie gewesen ist. Nie. Das Gespenstische der Ware besteht darin, dass man dem einzelnen Produkt als Gegenstand nicht ansieht, ob es Ware ist oder nicht. So kann das Produkt zwar als Ware unterwegs sein, wird es in seinem Auftritt am Markt allerdings disqualifiziert, ist es als Ware annulliert.
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Waren werden in der Zirkulation nicht nur realisiert, sie können dort auch derealisiert werden. Sie gelten dann als gefallene Produkte, als unnütze Erzeugnisse, verwandeln sich in Halde, Müll, Überschuss, müssen gelegentlich sogar vernichtet werden, sofern sie nicht willig verrotten. Sie werden zu Leichen des Kapitals, weggeworfen, verbrannt, vergraben. In der Derealisierung wird auch die Geschichte der einzelnen Waren gleich mit abgeschafft. Es wird nunmehr so getan, als hätte es sie als Ware gar nie gegeben. Auch das ist gespenstisch. Im Verwertungsprozess, der auch den Akt der Realisierung von Waren umfasst, schlägt Realisierung in Derealisierung, also Verwertung in Entwertung um.
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Vereinfacht ausgedrückt: Die Ware ist unverkäuflich und was unverkäuflich ist, ist keine Ware. Am Markt kann die Ware glücken oder verunglücken. Derealisierung meint, dass dieselben Produkte, die in der Produktion unzweifelhafte Resultate gewesen sind und somit Gegenstände für den Markt waren, einmal sich als Ware positivieren und das andere Mal sich negativieren.
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Somit wird aber nicht nur deren Wert, sondern die Ware selbst negiert. Der Markt bestimmt dann also, ob etwas gewesen ist, unabhängig davon, ob es gewesen ist. Der Daumen wird nach oben gestreckt oder nach unten gesenkt. Der kapitalistische Markt ist das Höchstgericht der Ware. Realisieren kann sich nur etwas Reales, realisiert es sich nicht, ist es aber nicht real gewesen. Das zu begreifen, ist nicht einfach, denn das stellt jeden kruden Begriff von Realität infrage.
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Die Ware stellt die Frage nach der Realität anders, als wir es gewohnt sind. In der Ware wird das Produkt indiskret, verliert Struktur und Statur, obwohl sich an der Sache und ihren Konturen nichts geändert hat. Es ist es und es ist es nicht. Als Ware ist es nur etwas, wenn etwas gegen etwas tauschbar ist. Die Realität verliert ihren Halt, wenn der Markt nicht will, d.h. im Sinne der Wertrealisierung funktioniert. Die Ware ist ein Buch mit tausend Rätseln.
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Die Bestimmung der Ware liegt im Kauf. Das ist das Ziel, auf das hingearbeitet wird. – Doch was heisst das? Wo kein Kauf, dort keine Ware? Derealisierung bedeutet: Die Ware tritt auf, um abzutreten. So entpuppt sich die Wettbewerbsfähigkeit genannte jeweilige Fälligkeit der Ware auf dem Markt des Öfteren als schiere Zufälligkeit. Wo kein Zufall, dort Abfall.
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Die Ware verstirbt, Tauschwert und Gebrauchswert kommen um. Der Markt als Retorte spricht damit eine grosse wie grobe Wahrheit der Warenwirtschaft an: Man produziert, um zu verkaufen, nicht um zu befriedigen. Das ist, betrachten wir diese depressive Einsicht genauer, eine grausame Offenbarung, die in Wirklichkeit auch permanent schreckliche Folgen zeitigt. Das bürgerliche System bellt daher auch unermüdlich alle seine bekannten Phrasen von Leistung und Standort, von Arbeitsplätzen, Wachstum und Kaufkraft, die allesamt Parolen eines verrückten Zustandes sind, in die Welt. Stets gilt es anzustacheln und zu suggerieren: Nur so geht es. Nur darum geht es.
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Was gewesen ist, kann ja in der Regel nicht mehr geändert werden. Die Metamorphosen der Waren sind jedoch jenseits solcher einfachen Wahrheiten. Diese desavouieren sie durch die Wirkungen auch im Nachhinein. Im Prozess einer scheiternden Verwertung wird auch die Vergangenheit korrigiert. Auch das ist gespenstisch. Der Markt entscheidet sodann nicht nur über die Gegenwart der Ware, er entscheidet auch über ihre Geschichte. Wird die Ware zwar als Ware produziert, aber nicht als Ware zirkuliert, dann wurde sie nicht als Ware produziert.
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Das ist paradox, aber wirklich. Ein Kuriosum sondergleichen: Es wird (und war bewusst) etwas hergestellt, das regelmässig scheitert. Es wird nicht produziert, weil das Produzierte gebraucht wird, sondern weil das Produzierte verkauft werden könnte. Die Widersprüche sind offensichtlich, und es sind selbst gemachte Widersprüche. Der Markt hat Macht über die Vergangenheit. Er sagt, ob sie zählt oder nicht. Der Markt ist fähig, das Werden einer Ware einfach in die Verwesung zu überführen. Sofern sie seine Kriterien der Verwertung nicht erfüllt, gilt sie als liquidiert. Der Markt ist nicht nur der grosse Richter, er ist auch der grosse Hinrichter. Wer auf seinen Waren sitzen bleibt, hat verloren.
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Verwertung ist oft heikel und delikat, sie beschreibt keinen obligaten Prozess, sondern einen, der auch immer an sein negatives Ende, in den Mahlstrom der Entwertung geraten kann. Der Kaufakt ist somit ein streng dezionistischer Akt. Über das Schicksal der Ware, so auch der gemeine Wille der Vertragspartner, wird eindeutig entschieden. Wird sie in den Himmel des Warenuniversums aufgenommen oder in der Hölle der Vernichtung hinabgestossen. Das ist eine Frage ums Ganze, um Sein oder Nichtsein, eine Frage, die keine Nuancen duldet.
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Man sieht dem Produkt zwar an, welch Gebrauchswert es geworden ist, man sieht ihm aber nicht an, wieviel es als Tauschwert erwirtschaften kann, geschweige denn, ob es ein solcher überhaupt werden wird. Erzielt es keinen Tauschwert, dann ist es auch seines Gebrauchswerts entledigt. Abermals sind wir im Geisterhaus. Gespenstisch meint, dass etwas da ist und eben nicht da ist, dass etwas da war, aber schon wieder fort ist. Schlussendlich kann die Produktion nur wertförmig gewesen sein, wenn sich der Wert in der Zirkulation bestätigt.
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Ohne Realisierung ist etwas nicht real gewesen, auch wenn es tatsächlich stattgefunden hat. „Für die Zirkulation des Warenkapitals W' – G' sind bestimmte Schranken durch die Existenzform der Waren selbst, ihr Dasein als Gebrauchswerte gezogen. Sie sind von Natur vergänglich. Gehn sie also innerhalb gewisser Frist nicht in die produktive oder individuelle Konsumtion ein, je nach ihrer Bestimmung, werden sie, in andren Worten, nicht in bestimmter Zeit verkauft, so verderben sie und verlieren mit ihrem Gebrauchswert die Eigenschaft, Träger des Tauschwerts zu sein. Der in ihnen enthaltene Kapitalwert, resp. der ihm angewachsne Mehrwert, geht verloren.“ (MEW 24, S. 130)
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Die Ware muss in der Warenproduktion produziert werden. In der Zirkulation kann sie jedoch bloss verkauft werden, sie muss nicht. Auch wenn das Ziel jedes Warenbesitzers nur in der Veräusserung liegen kann, heisst das ja nicht, dass das angestrebte Ziel auch erreicht wird. Vorhaben und Ergebnis sind nicht eins. Die Herstellung der Ware ist nur eine nötige Voraussetzung der Ware, aber keine ausreichende Bedingung. Die schräge Quintessenz wäre demnach: Waren können in der Produktion sowohl hergestellt werden als auch nicht, obwohl sie hergestellt worden sind. Verkaufte Produkte der selben Serie unterscheiden sich von unverkäuflichen der selben Serie auf den ersten Blick überhaupt nicht – wohl aber im fehlenden Absatz. Die Produktion kann nie sicher sein, ob die Zirkulation ihre Wünsche erfüllt. In der BWL fällt das dann unter die Rubrik mangelnder Wettbewerbsfähigkeit. Das hört sich trivialer an als es ist.

<h3>Exkurs zum Tausch</h3>

Von Tausch sprechen wir hier, wenn Geben und Nehmen als äquivalenter Stoffwechsel fungieren, wenn Reziprozität eingefordert und eingelöst wird. Wenn sie als feste Beziehung gleicher Werte in Erscheinung treten und ehern aneinandergeknüpft sind. Nicht jede gegenseitige Transaktion ist daher ein Tausch, sondern nur eine solche, bei der beide Seiten als gleichwertige und gleichgültige aufeinandertreffen und den Platz wechseln. Im Akt des Tausches wird von seinen Inhalten abstrahiert und auf ein gemeinsames Quantum geronnener Arbeit, also Wert geschlossen.
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Ob diese Rechnung heute noch stimmig ist und aufgehen kann, ist da schon eine andere Frage. Tatsächlich orientieren wir uns aber nach wie vor gefühlsmässig an dieser Abstraktion. Der „Philosophie des Tauschs“ liegt ein „Wie du mir, so ich dir“ zugrunde. Tauschen koppelt das Geben an ein Nehmen, Ausgabe und Einnahme sollen sich in den Transaktionen die Waage halten. Tauschen setzt Gleichheit und Gerechtigkeit als Selbstverständlichkeiten voraus, nicht nur auf der ideellen Ebene. Das, was man gibt, soll auch zurückgegeben, also entsprechend erwidert werden. Dies ergibt allerdings nur Sinn, wenn es zwar gleich ist, nicht aber wenn es dasselbe ist, es muss also von Gegenständen und Leistungen abstrahiert werden. Schuhe werden nicht gegen Schuhe getauscht, das wäre sinnlos. Wir tauschen Unterschiedliches als Gleiches, keinesfalls dasselbe.
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Der Tausch veranlasst uns, sich in ihm gleichsetzen, also zu äquivalieren. Der Tausch stellt sich als Gleichung dar: Gebrauchswerte wechseln den Träger, indem sie als Tauschwerte gleichgesetzt werden. In der rituellen Abgleichung geht es darum, im Vergleich ein Gleichnis zu erzielen und für Begleichung zu sorgen. Das klingt so kompliziert wie es ist, es erscheint aber überhaupt nicht so, weil wir durch ständige Übung des Geschäfts darauf abgerichtet sind. Die Komplexität des Vorganges ist nicht auffällig, dieser Vorgang ist vielmehr stets fällig. Das ganze Universum von Bezahlung, Schuld, aber eben auch Gerechtigkeit und Gleichheit steckt im Tausch.
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Die Substanz unserer Handlungen konzentriert und entfaltet sich in ihm. Dieses Modell wurde nicht entworfen, sondern es hat sich über die Praxis der gesellschaftlichen Kommunikation, insbesondere der Geschäfte durchgesetzt. Wir konstruieren es hier also retrospektiv. Wir verwandeln dessen Setzungen in Sätze oder Grundsätze, die zwar weniger gedacht, aber dafür umso entschiedener berechnet und ausgeführt werden. Wir gehorchen ohne Befehl, wir gehorchen blind.
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Und es ist bei alledem nicht nur die Ökonomie gemeint, nein unser ganzes Handeln und Agieren, Denken und Fühlen folgt diesen alltäglichen Konventionen. Wir bewegen uns im Koordinatensystem des Tauschs, wir verweigern uns ihm nicht, wir schreien allesamt nach Erfüllung. Das ist der Horizont, der uns vorgegeben ist und der uns begrenzt, ein Horizont, den wir nicht überschreiten können, weil wir ihn gar nicht als Rahmen oder gar Gefängnis erkennen. Dieser Horizont markiert unser Kontinuum.
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Das Kontinuum gleicht einer Matrix, die uns nicht loslässt, sondern fest im Griff hat. Wir spüren diesen Griff, aber wir spüren ihn nicht als Übergriff, weil er einfach nur Synthesis ist und Automatik. Und doch liegt genau hier und nur hier, d.h. in der Negation, der Schlüssel zur Emanzipation der Menschheit. Im Auszug aus der Matrix, in der bewussten Überwindung der Form. Um nichts weniger geht es. Es geht also um alles. Noch immer und schon wieder.<p><em></em><p><small>Zuerst erschiene auf streifzuege.org</small>]]></description>
<pubDate>Fri, 15 May 2026 09:19:00 +0200</pubDate>
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<item>
<title><![CDATA[Zuerst unsere Jobs, dann eure Profite: Würdigung einer historischen Forderung]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/zuerst-unsere-jobs-dann-eure-profite-wuerdigung-einer-historischen-forderung-009675.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Och…das klingt nach einer freundlichen, fast liebevollen Bitte, oder? Macht eure Profite in Gottes Namen, aber denkt doch bitte daran, dass wir unsere Jobs zum Leben brauchen!</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/14045244521_03f2126b1b_w.webp><p><small>  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://www.flickr.com/photos/skohlmann/14045244521/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sascha Kohlmann</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 2.0 cropped)</a></small><p>Diejenigen, die Profite machen, hatten das wohl irgendwie aus den Augen verloren, deshalb müssen sie es noch einmal am „Kampftag der Arbeiterklasse“ gesagt kriegen! Und am Tag danach gehen wir dann schnell wieder zu „unseren“ Jobs, was sollen wir denn sonst machen? Schliesslich müssen wir froh sein, wenn wir sie behalten dürfen.

<h3>Im Ernst, die Rede ist von „Profiten“…?</h3>

Der Jargon alter Zeiten ist so ziemlich alles, was übriggeblieben ist. Klingt richtig kämpferisch! Diejenigen, die Profite machen und deren Sachwalter in der Politik sprechen stattdessen von „Wirtschaftswachstum“, klingt irgendwie sachlicher und jeder Hauptschüler lernt, dass sowas sein muss. Die „Wirtschaft“ muss eben beständig wachsen, sonst haben„wir“eine Krise. Wer hat da was genau? Wer ist wie betroffen, wenn's kriselt? Hmm. Und damit die gescholtenen Profite beständig wachsen, müssen die „Jobs“eben dazu passen, was deren „Produktivität“ angeht, sonst…Treffer! ... haben wir noch eine dollere Krise. Produktivität ist Leistung pro Zeit, oder? Ist der Zusammenhang zwischen„Jobs“und „Profiten“ irgendwie angeklungen? Ist das womöglich tatsächlich sowas wie ein Gegensatz?

<h3>Wir sind eben vor allem Sozialpartner!</h3>

Eigentlich alles nicht so übermässig schwer zu verstehen. Zumal da solche grossartigen Kampftage schon seit über 100 Jahren gefeiert werden, ohne dass der Auslöser, eben diese spezielle Beziehung zwischen „unsere Jobs“ und „euer Profit“ irgendwie beseitigt<br>
oder wenigstens nennenswert beeinträchtigt wurde.
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Okay, wir feiern eben gern mal…was eigentlich? Uns! Stellen uns breitbeinig auf den Marktplatz, halten irgendwelche „Banner“ hoch und feurige Reden. Dann sind wir mächtig stolz und…machen anschliessend moralisch gestärkt unsern Job weiter, sofern wir den noch haben...

<h3>Was bedeutet das?</h3>

<ul class="liste">
<li class="liste">Der Zusammenhang zwischen „unsere Jobs“ und „euer Profit“ ist ein sehr fruchtbarer…für wen und warum eigentlich?</li>
<li class="liste">Je geringer die „Arbeitskosten“, desto höher der Profit, das nannte mal ein langhaariger Weissbart „Ausbeutung“. Ist aus der Mode gekommen.</li>
<li class="liste">Ausbeutung ist weder eine blöde Angewohnheit von gierigen Oligarchen, noch ein Auswuchs einer ansonsten netten Beschäftigung, sondern ein ziemlich grundlegendes Muss des Kapitalismus…pardon!…der Marktwirtschaft.</li>
<li class="liste">Hier wird gar nicht erst „gewirtschaftet“, wenn sich das Ergebnis absehbar nicht „lohnt“, natürlich für die Arbeit“geber“, schliesslich veranstalten sie doch den ganzen Zauber. Und das heisst auch, dass sie die Arbeit eben wieder „nehmen“, wenn	…siehe<br>
oben. Zuerst unsere Jobs, dann eure Profite?</li>
<li class="liste">Und das üppige Salär dieser„Jobs“fällt sogar in „Wachstumsphasen“ eben deshalb so üppig aus, weil…andernfalls bleiben solche Phasen leider keine, sondern werden ruckzuck zur Krise.</li>
<li class="liste">Sollte sich der zahlenmässig absolut grösste Teil in dieser friedlichen Partnerschaft nicht vielleicht einmal grundsätzlich überlegen, warum er beständig das bleibt, was er ist?</li>
<li class="liste">Was solls, es gibt wieder laute Stimmen, die den 1. Mai streichen wollen im Sinne einer Verbesserung (!) von Lohn und Leistung, ganz genau. Und zu Feiern gibts schliesslich den Vatertag...</li>
</ul><p><em></em><p>]]></description>
<pubDate>Tue, 12 May 2026 16:02:00 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Hunger: Der kapitale Appetit wächst]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/hunger-der-kapitale-appetit-waechst-009449.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Leute, da ist kein Ende in Sicht. Der kapitale Appetit wächst und wächst und wächst. Ein Volumen von aktuell beinahe dem Dreifachen der globalen Wirtschaftsleistung bläht sich weiter auf.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/14475515961_5b24b06f07_w.webp><p><small>  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://www.flickr.com/photos/skohlmann/14475515961/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sascha Kohlmann
</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 2.0 cropped)</a></small><p>269 Billionen Euro sind auf der Suche nach möglichst lukrativen Anlagemöglichkeiten. Die privaten Finanzvermögen legen global rasant zu. Beinahe neun Prozent Wachstum waren es 2024, nach ebenfalls starken acht Prozent im Jahr zuvor. Und was könnte eins nicht alles anstellen, um all die überflüssige Kohle noch zu vermehren. Die Rheinmetall-Aktie etwa verzeichnet ein Drei-Jahres-Plus von satten 982 Prozent. Mit äusserst positiven Aussichten.
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Bis zum ersten Halbjahr 2026 rechnet Rheinmetall-Chef Papperger mit einem Auftragsbestand von rund 120 Milliarden Euro. Dank der massiv gestiegenen Rüstungsausgaben der Nato-Staaten können die Produktionskapazitäten laufend ausgebaut werden. Somit bleiben die kriegstüchtigen Düsseldorfer auch in Zukunft ein relevanter Akteur in allen Bereichen – „zu Lande, zu Wasser, in der Luft und auch im Weltraum“, verspricht der Vorstandsvorsitzende des deutschen Technologiekonzerns.
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Wer den aktuellen Verlockungen der Rüstungsindustrie widerstehen kann, findet aber auch im grünen Bereich lohnende Kapitalanlagen. „Die Assetklasse der erneuerbaren Energien bietet Investoren eine einmalige Chance, an den grossen Megatrends der kommenden Jahrzehnte teilzuhaben. Mit dem steigenden Bedarf an grüner Energie, unterstützt durch technologische Innovationen und politische Rahmenbedingungen, entwickelt sich der Markt für erneuerbare Energien zu einem langfristig stabilen und renditestarken Investitionsfeld.“
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Das Private-Banking-Magazin verweist dabei auf den wachsenden Energiehunger von Meta, Amazon und Co. Die ehrgeizigen Ausbauziele für regenerative Quellen, vielfach durch staatliche Subventionen unterstützt, lassen stabile Erträge bei äusserst geringem Risiko erwarten.
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Die im Vorjahr weltweit neu installierte Kapazität erneuerbarer Energien – inklusive Atomkraft! – erreichte laut der Internationalen Energieagentur (IEA) mit rund 700 Gigawatt einen neuen Rekordwert. Auch der Stromverbrauch ist 2024 deutlich schneller gestiegen als in den Jahren davor. Ungebrochen wachsend bleibt die Nachfrage nach Erdgas, Öl und Kohle.
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Die IEA erwartet eine Verdreifachung des Strombedarfs allein von Rechenzentren für KI-Anwendungen und anderen Digitalisierungsprojekten in den nächsten fünf Jahren weltweit auf mehr als 150 Terrawattstunden: „Fest steht, dass der Stromverbrauch rasant wächst und den Gesamtenergiebedarf so stark antreibt, dass jahrelange Rückgänge in den entwickelten Volkswirtschaften umgekehrt wurden.“ Prognosen zufolge wird sich der Stromverbrauch bis 2045 weiter mehr als verdoppeln.
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Leute, da ist kein Ende in Sicht. Der kapitale Appetit wächst und wächst und wächst. Ein Volumen von aktuell beinahe dem Dreifachen der globalen Wirtschaftsleistung bläht sich weiter auf und wer immer da nach gewinnbringenden Möglichkeiten sucht, muss (!) fündig werden. Ein jedes neue Feld, das sich irgendwo auftut, wird betoniert. Zuverlässig. Mit Regenwäldern, die nicht abgeholzt werden, lässt sich kaum Rendite machen. Mit der Bekämpfung des realen Hungers schon gar nicht.
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Laut dem letzten Report der Vereinten Nationen leiden weltweit über 700 Millionen Menschen an Hunger. Die Zahlen bleiben anhaltend hoch. Zu holen ist bei denen nichts. Die Nutzung von Waren und Dienstleistungen aller Art, der Konsum insgesamt muss laufend steigen. Vor allem im Luxussegment. Lohnzurückhaltung bei den Massen darf freilich dennoch erwartet werden. So findet der industriell erzeugte Frass dann auch seinen Absatz, und überhaupt, wer billig kauft, braucht schnell wieder was Neues – und sei es zum Trost.<p><em></em><p><small>Zuerst erschienen auf streifzuege.org</small>]]></description>
<pubDate>Mon, 11 May 2026 08:35:00 +0200</pubDate>
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</item>

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<title><![CDATA[Ami go home? – Vom Atomsegen zum Hybridkrieg]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/ami-go-home-vom-atomsegen-zum-hybridkrieg-009672.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Go home, Ami! Ami, go home! Spalte für den Frieden dein Atom. Sag: Good bye dem Vater Rhein. Rühr' nicht an sein Töchterlein – Lorelei – solang du singst, Wird Deutschland sein!</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Joint_Forces_train_on_airborne_medical_evacuation_150831-F-IM659-025_w.webp><p><small>US-Soldat auf der US-amerikanischen Luftwaffenbasis Ramstein, 31. August 2015.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Joint_Forces_train_on_airborne_medical_evacuation_150831-F-IM659-025.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nicole Keim</a> (PD)</small><p>Das hab' ich in der Staatlichen Grundschule in Tambach-Dietharz trällern müssen, alle fünf Verse, frühe Fünfziger. Da galt, erst recht in der DDR wie überall, Atomkraft noch als Heilmittel gegen alle Gebrechen des Kapitalismus. „Der Ami“ war längst nicht mehr Verbündeter gegen die Faschisten - und der Nordamerikaner der Feind aller Roten. Nun aber, 70 Jahre später, da der Rückzug der US-Army in die Rocky Mountains und die Abgründe und Schluchten Chicagos droht, hofft alle westliche Welt, dass sich der König jenseits des Grossen Wassers seines besseren besinnt: „Friedrich muss zu Kreuze kriechen, sonste wird's nischt!“ (Omi Glimbzsch aus Zittau).
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Was aber sagen die Enkel, etwa ein viel gefragter Militärexperte wie Brigadegeneral Peter Grohmann? „Die Kriege von Morgen werden nicht mehr mit Kanonen und Panzern geführt, sondern mit Drohnen, mit heimtückischen Angriffen auf unsere Infrastruktur.“
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Hybride Kriegsführung, Leute, wacht auf! Die Kombination konventioneller militärischer Mitteln mit Cyberangriffen, Desinformation und Sabotage – das ist das Gebot der Stunde. Die Grenzen zwischen Krieg und Frieden verwischen, übrig bleibt der eine oder andere Einmarsch auf echtes Festland.
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„Gewalt geschrien!“ hör' ich's da aus Zittau. Mag sein, dass Omi Glimbzsch zu viel Blut mit Tatort gesehen hat, aber Fakt ist, dass nur ganz, ganz kleine Panzer und Kanonen per Bahn ostwärts rollen könnten: Die neuen Tunnel sind nicht für grösseres Gefährt ausgerichtet – viel zu niedrig, zu schmal – und über die maroden Brücken käme die Bundeswehr allenfalls zu Fuss. Das dauert.<p><em></em><p>]]></description>
<pubDate>Thu, 07 May 2026 08:34:00 +0200</pubDate>
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<item>
<title><![CDATA[Warum gibt es überhaupt patriarchale Gewalt in linken Strukturen]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/feminismus/warum-gibt-es-ueberhaupt-patriarchale-gewalt-in-linken-strukturen-009638.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Ob in Berlin, Leipzig oder Karlsruhe, ob in der kommunistischen Parteijugend, der lokalen roten K-Gruppe oder im Anarcho Freundeskreis, ja selbst in der Linkspartei.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Taeterschutz_w.webp><p><small>arbeiterinnenmacht.de</small><p>Innerhalb der (radikalen) Linken kommt es immer wieder zu patriarchaler Gewalt (psychisch, physisch und sexualisierter Gewalt, zumeist ausgeübt durch cis Männer). Dabei flammen dann auch die Diskussionen über den Umgang damit auf und so wurden wir nun im Q&A gefragt, wie man mit solchen Taten umgehen sollte. Das soll dieser Text etwas konkreter beantworten, auch um einen Debattenbeitrag zu liefern. Denn in den meisten Fällen zeigt sich, dass linksradikale Strukturen keine allgemein festgelegte Vorgehensweise haben, um diese Fälle aufzuarbeiten, nicht transparent mit den eigenen Genoss:innen darüber kommunizieren, oder die Anschuldigungen gar nicht erst ernst nehmen.
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Man kann sich einfach nicht vorstellen, dass der stabile Genosse wirklich zum Täter werden kann, vor allem wenn es (vermeintlich) keine Anzeichen dafür gab. Und so bleibt den Betroffenen (meist nach einem gescheiterten Aufarbeitungsversuch) nichts anderes übrig, als die Strukturen zu verlassen und Demos sowie Hotspots der Linken Szene zu meiden, während die Täter unbekümmert weiter Politik machen dürfen und bestenfalls sogar noch auf feministische Demos, wie z.B. den Tag gegen patriarchale Gewalt 2022 in Leipzig, geschleppt werden. Das darf aber nicht so sein, vor allem wenn wir uns als Kommunist:innen sonst auf die Fahne schreiben, gegen Sexismus in all seinen Ausführungen zu sein. Wir als REVOLUTION haben daher eine Strategie ausgearbeitet, wie wir intern mit Tätervorwürfen umgehen. Diese wollen wir im Folgenden darstellen.
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Disclaimer: Unsere jetzige Position haben wir über die letzten Jahre kontinuierlich erarbeitet. Sie ist das Ergebnis von Debatten über Definitionsmacht, sowie praktischen Erfahrungen im Umgang mit sexuellen Grenzüberschreitungen in unserer eigenen Organisation, bei denen sich auch betroffene Genossinnen mit Kritik beteiligt haben. Dabei wollen wir ehrlich sein: Wir haben bei diesen Prozessen auch Fehler gemacht und wir glauben nicht, dass unser Umgang perfekt ist. Unser Ziel ist es gewesen, einen demokratischen Umgang zu finden. Das bedeutet auch, dass wir nicht allen Bedürfnissen aller Betroffenen nachkommen können.

<h3>Warum gibt es überhaupt patriarchale Gewalt in linken Strukturen?</h3>

Wir sind alle ein Produkt unserer Umwelt. Somit hat das allgemeine gesellschaftliche Bewusstsein, was patriarchal geprägt ist, Auswirkungen auf uns und unser Verhalten, auch wenn wir uns entscheiden, uns politisch zu organisieren. Die gesamtgesellschaftliche Frauenunterdrückung, basierend auf dem Idealbild der bürgerlichen Familie, unbezahlter Reproduktionsarbeit und sexistischer Stereotypen, sorgt dafür, dass Frauen als weniger Wert angesehen werden, während Männer die Starken sein sollen, die sich einfach nehmen, was sie wollen.
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Sprüche wie „Wenn Frauen nein sagen, meinen sie eigentlich ja“ verstärken das Bild der Frau, die alles über sich ergehen lässt, während der Mann für Grenzüberschreitung sogar noch gesellschaftlich belohnt wird. Dies wird in Filmen und Märchen ständig vermittelt, dass „richtige Männer“ immer ganz genau wissen, was sie wollen und was auch das Gegenüber vermeintlich will. Eine fehlende Auseinandersetzung mit Konsens-Konzepten in Erziehung oder während des Sexualkundeunterrichts tut ihr übriges, denn wenn man nicht lernt, über Konsens zu kommunizieren, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Übergriffigkeiten kommt, ziemlich hoch. Kurzum: Die bürgerliche Gesellschaft sozialisiert uns mit unterdrückerischem Verhalten und deswegen ist auch Niemand von uns „frei“ davon.

<h3>Prävention ist das A und O</h3>

Das führt uns dazu, dass es nicht reicht, erst zu handeln, wenn etwas passiert ist. Daher haben wir als Organisation verschiedene Ansätze zur Prävention. Diese können zwar Übergriffigkeiten nicht komplett verhindern, aber zumindest dafür sorgen, dass wir uns kollektiv mit unseren Machtpositionen und Verhaltensweisen auseinandersetzen. Die SDAJ hat kürzlich in ihrem „Statement zum Vorwurf des Täterschutzes“ geschrieben, dass jede Person sich mit der eigenen geschlechtlichen Rolle auseinandersetzen muss. Das mag letzten Endes richtig sein, aber es scheint, als wäre es allen selber überlassen, als gäbe es keine Kontrolle oder gemeinsame Diskussion darüber.
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Wir haben den Ansatz, dass wir mehrmals jährlich für cis Männer verpflichtende Reflexionstreffen anbieten. Natürlich hat dieses Konzept auch seine Grenzen. Reflexion alleine kann keine lebenslang gelernten Verhaltensmuster beenden. Gleichzeitig ist es aber ein Mittel, sich die eigene Sozialisierung und die Auswirkungen dessen ins Bewusstsein zu rufen und mit Anderen in den offenen Austausch zu treten, sowie zu lernen, beispielsweise über das eigene Redeverhalten oder die eigene Sexualität zu reden. Ausserdem ist es möglich, dass Frauen, LGBTIA-Personen und anderen gesellschaftlich unterdrückten Gruppen einen Caucus einberufen können, in welchem über Unterdrückungsmechanismen und Vorfälle innerhalb der Organisation diskutiert werden kann.
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Diese  Caucuse sind nur Personen der jeweiligen sozialen Unterdrückung betretbar. Wir wollen damit unterdrückten Gruppen einen Raum geben, um unter sich zu diskutieren und Missstände zu besprechen. Sie können sowohl organisatorische, politische als auch analytische Vorschläge an die Leitung machen und ihre Anliegen als Kollektiv in die Organisation tragen, während wir alle gemeinsam organisiert sind. Ausserdem muss jede Person, die bei uns Mitglied werden möchte, ein Konsensgespräch führen, bei welchem wir unser Konsensprinzip „Nur ja heisst Ja!“ vorstellen und es auch eine Möglichkeit zur Reflexion gibt.
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Wir wollen an dieser Stelle nicht so idealistisch sein und annehmen, dass es deswegen nie wieder Vorfälle geben wird oder wir als Organisation unterdrückungsfreie Räume schaffen können. Denn wie bereits erwähnt leben wir in einer Gesellschaft, die stetig unterdrückerisches Verhalten reproduziert. Deswegen ist es jedoch die Aufgabe einer jeden Organisation einen Umgang damit zu finden, Vorfälle aufzuarbeiten und wenn es geht, Personen gar nicht erst zu Tätern werden zu lassen. Das machen wir, während uns gleichzeitig bewusst ist, dass um sexistische und übergriffige Verhaltensweisen hinter uns zu lassen, es nicht nur reicht, an uns selbst zu arbeiten. Wir müssen das Problem bei der Wurzel packen, das gesamte Patriarchat mitsamt der Klassengesellschaft zerschlagen.

<h3>Konkreter Vorwurf und jetzt?</h3>

Zuerst einmal müssen wir jeden Vorwurf und jedes Anzeichen ernst nehmen. Sollte also ein Vorwurf aufkommen, muss sofort gehandelt werden. Es wird eine Kommission gegründet, bestehend aus mehrheitlich gesellschaftlich Unterdrückten. Die Kommission hat dabei das Ziel, den Fall im Interesse der Organisation zu untersuchen und ist ihren Strukturen rechenschaftspflichtig, sowie wähl- und abwählbar. Ihre Aufgabe ist, den Fall zu untersuchen und eine Empfehlung bzgl. des Täters an die demokratisch legitimierte Leitung auszusprechen, welche dann darüber entscheidet.
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Im Gegensatz zu einer Einzelperson hat das Kollektiv die Möglichkeit, darüber zu diskutieren, wie zu verfahren ist und das Problem wird nicht bei einer Einzelperson abgelegt, wie es in Teilen der radikalen Linken üblich ist. Die Kommission untersucht nicht aufgrund von Misstrauen gegenüber der betroffenen Person den Fall, da wir ihre Aussage auch als Indiz werten. Da es aber manchmal widersprüchliche Aussagen gibt oder auch das Ziel ist, herauszufinden, ob von der beschuldigten Person weiter Gefahr ausgeht, braucht es eine überprüfende Instanz. Dabei hat die betroffene Person viele Rechte. Beispielsweise hat sie die Möglichkeit, eine Sprecherperson für sich zu wählen, damit sie nicht zwangsläufig mit fremden Genoss_Innen darüber sprechen muss oder kann auch wesentlich später eine Aussage machen, falls es ihr nicht gut geht. Ebenso kann sie auch Einspruch einlegen, wenn sie mit dem Ergebnis der Kommission nicht einverstanden ist.
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Die beschuldigte Person auf der anderen Seite wird ihrer demokratischen Rechte enthoben, während gleichzeitig ihre Pflichten gegenüber der Organisation bestehen bleiben. Dies ist nicht mit der Schuldsprechung gleichzusetzen, sondern gilt zum Schutz der Organisation. Dieser Zeitraum kann auch unterschiedliche Auflagen mit sich bringen, beispielsweise Kontakteinschränkungen um Gossip und Falschdarstellungen durch den Täter zu unterbinden. Hier ist aber die Mitarbeit am Kommissionsprozess verpflichtend. Der Name von betroffenen Personen wird aus Schutzgründen nicht genannt, während der Täter aus Sicherheitsgründen intern genannt werden muss, um Transparenz vor der Mitgliedschaft zu gewährleisten.
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Wir möchten an dieser Stelle noch einmal betonen, dass es wichtig ist, diese Prozesse nicht vor der Mitgliedschaft zu verheimlichen! Natürlich dürfen keine Details veröffentlicht werden, von denen Schlüsse gezogen werden können, wer die betroffene Person ist, oder unnötig intime Details der Tat, die niemanden was anzugehen haben. Aber nur die (interne) Transparenz kann helfen, Täterschutz zu unterbinden. Zeigt der Täter keine Einsicht, hält sich mehrmals nicht an die Auflagen oder ist nicht reflexionswillig, so wird er aus der Organisation ausgeschlossen. Hier behalten wir uns vor, die Person an andere linke Strukturen zu outen. Dabei ist es für uns zentral, dass wir klare Aufforderungen machen, wie die Tat aufgearbeitet werden soll, da es uns darum geht, Druck aufzubauen, um die Aufarbeitung in Gang zu setzen, aber auch einen Weg aufzeigen, über den ein Täter wieder zurück in die Organisation finden kann.
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Der Kommissionsprozess dient zur Klärung des Falles, bringt der Betroffenen an sich jedoch wenig, zumal so ein Prozess meist emotional belastend ist. Der Fokus sollte natürlich sein, die Betroffene zu unterstützen und ihr zu helfen, wieder ein selbstbestimmter Teil der Organisation zu sein und an politischen Treffen und Aktionen teilnehmen zu können. Als politische Organisation haben wir nur begrenzt Ressourcen und als in diesem Bereich unausgebildete Jugendliche können wir keine psychologische Aufarbeitung gewährleisten.
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Daher unterstützen wir Betroffene auch bei der Suche nach Hilfsangeboten. Auf eine andere Art und Weise verfahren wir mit dem Täter, sobald er die Tat glaubhaft eingestanden hat. Hier stellen wir keine Ressourcen für die Aufarbeitung bereit, sondern geben Auflagen vor und überprüfen dessen Stand. Eine Aufarbeitung passiert nicht in ein paar Wochen oder Monaten, je nach Intensität der Tat kann eine (aus unserer Sicht verpflichtende) Therapie nötig sein. Meist fordern wir auch eine politische Auseinandersetzung mit der Tat oder das Vorbereiten von Inputs oder Artikeln zum Thema.
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So kann die Auseinandersetzung mit der übergriffigen Verhaltensweise überprüft werden und ob dabei wirklich Fortschritte gemacht werden. Wir halten hier den Ansatz des Konzepts der transformative Justice für interessant. Der Täter muss neben dem glaubhaften Eingeständnis auch Anerkennen, welchen Schaden er durch sein bewusstes Handeln angerichtet hat. Er muss die Gründe für sein Handeln nachvollziehen und herausfinden, ob zusätzliche Abhängigkeitsstrukturen durch ihn geschafft wurden. Zentral ist es, Strategien aufzuzeigen, wie er diese Verhaltensweisen zukünftig verhindern sollte. Dahinter steht ein fortschrittliches Menschenbild: Wir glauben daran, dass Menschen sich ändern können! Ansonsten könnte man es mit dem Kommunismus auch insgesamt vergessen.

<h3>Reicht das?</h3>

Aber ein sehr wichtiger Aspekt dieses Ansatzes ist auch, dass die Community, Szene oder Gruppe in dessen Kontext die Tat geschehen ist, ebenso angesehen wird. Wurden Anzeichen übersehen? Gibt es konkrete Ansätze der Gruppe, die so etwas verstärken können wie zum Beispiel, dass individuelle Gewalt und besonders männlich-dominantes Auftreten als legitime politische Mittel angesehen werden, psychische Gewalt als nicht so schlimm abgetan wird oder es kein genügendes Verständnis davon gibt, was eigentlich schon alles patriarchale Gewalt ist?
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Gibt es überhaupt Mechanismen, wo man sich präventiv z.B. mit Konsens auseinandersetzen kann? Gibt es Möglichkeiten zur kollektiven Reflexion? Und noch einen sehr anderen wichtigen Punkt vor allem bzgl. Täterschutz, der von vielen vergessen wird: Gibt es sowohl für die Mitgliedschaft als auch für Aussenstehende eine nachvollziehbare Ansprechperson, im besten Fall ein Teil der Leitung, um solche Fälle zu melden? Um Täterschutz zu vermeiden und einen Umgang mit Gewalt zu finden, sollten sich Organisationen diese Fragen stellen!
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Insgesamt muss uns jedoch bewusst sein: Als politische Organisation haben wir begrenzte Ressourcen für Prävention, zur Unterstützung von Betroffenen oder zur Aufarbeitung mit Tätern. Das ist in jedem Fall – insbesondere für die Betroffenen- ein Problem. Verursacht wird das jedoch nicht durch falsche Schwerpunktsetzung einzelner Organisationen, sondern ist Ergebnis des gesellschaftlichen Missstandes im Umgang mit sexualisierter Gewalt.
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Das heisst: Der oben beschriebene Umgang mit sexueller Gewalt ist nicht genug. Deswegen muss es die Aufgabe von Kommunist:innen sein, für gesamtgesellschaftliche Veränderungen einzustehen, auch wenn man den Umgang in der eigenen Organisation oder der Linken insgesamt ändern will. Konkret heisst das: Wir können das Elend der Gesellschaft nicht auffangen, deswegen müssen wir zeitgleich dafür kämpfen, dass eine Bewegung entsteht, die das Problem – den Kapitalismus an der Wurzel packt, während man auch für konkrete Verbesserungen im hier und jetzt kämpft:

<ul class="liste">
<li class="liste">Nein heisst Nein reicht nicht aus! Für die Pflicht aktiv sexuellen Konsens zu suchen! Verbot einer Befragung, bei der die Betroffene nach Kleidung gefragt wird oder ihr in irgendeiner anderen Weise die Schuld zu gesprochen wird.</li>
<li class="liste">Anzeigen dürfen keine Hürden sein! Flächendeckende Anlaufstellen zur Meldung von sexueller Gewalt! Sofortige, kostenlose psychologische Betreuung, wenn gewünscht; sowie der Ausbau von Frauen-FLINTA-Häusern! Statt Polizei Untersuchungskommissionen bestehend aus Gewerkschaften & Betroffenenvertretungen, die vollen Zugang zu den Mitteln der Polizei haben!</li>
<li class="liste">Kostenlose Rechtsberatung und Übernahme der Prozesskosten, sowie längerfristige Hilfeangebote für Betroffene von sexueller Gewalt, finanziert durch den Staat! Für das Recht auf mehr bezahlte Urlaubstage, sowie eine Mindestsicherung angepasst an die Inflation!</li>
<li class="liste">Weg mit den Berufsrichter:innen, für rechenschaftspflichtige, demokratisch wähl- und abwählbare Tribunale, die sich aus der Arbeiter:innenklasse und Menschen mit verschiedenen Unterdrückungserfahrungen zusammensetzen!</li>
<li class="liste">Für demokratisch gewählte und organisierte Selbstverteidigungskomitees von Frauen und LGBTIA+ in Zusammenschluss mit der Arbeiter:innenklasse!</li>
<li class="liste">Für die Einrichtung und Ausbau von Rehabilitationsprogrammen für sexuelle Gewalttäter.</li>
</ul><p><em></em><p><small>Zuerst erschienen auf arbeiterinnenmacht.de</small>]]></description>
<pubDate>Mon, 04 May 2026 08:13:00 +0200</pubDate>
<guid>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/feminismus/warum-gibt-es-ueberhaupt-patriarchale-gewalt-in-linken-strukturen-009638.html</guid>
</item>

<item>
<title><![CDATA[Leben als Totalität: Über Individualität und Beziehungen]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/leben-als-totalitaet-ueber-individualitaet-und-beziehungen-009667.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Der folgende Text wurde vor einigen Jahren für die anarchistische Bewegung geschrieben. Für alle Menschen, die sich fragen, wie sie ihr Leben gestalten und aufbauen wollen, kann er meiner Ansicht nach von enormer Bedeutung sein.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/buecher_stapel_w.jpg><p><small>Bücher  Foto:  </small><p>Eine der wohl grössten Schwierigkeiten, mit denen Anarchisten im täglichen Leben konfrontiert sind, ist die Suche nach zuverlässigen Gefährten. Menschen, mit denen sie kontinuierlich Projekte der Revolte verwirklichen können, die untrennbar mit ihrem Leben verbunden sind – Projekte, die über die üblichen Formeln hinausgehen, die überall zu finden sind (Food Not Bombs, Critical Mass, Kollektivunternehmen….). Diese Projekte entwickeln sich leicht, weil sie wenig Nachdenken erfordern.
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Aus dem gleichen Grund scheinen die meisten Anarchisten wenig Probleme mit spontanen einmaligen nächtlichen Aktivitäten zu haben. Aber es ist schwierig, ein laufendes Projekt aufrechtzuerhalten, bei dem eine vereinte praktische und theoretische Anstrengung notwendig ist. Solche Projekte erfordern eine kontinuierliche Bewertung dessen, was wir tun und warum wir es tun, im Hinblick auf unsere revolutionären Wünsche, unsere Beziehungen zu Gefährten und anderen Menschen und die Realität, mit der wir konfrontiert sind. Sie stellen unser Leben immer wieder infrage und bieten keine Möglichkeit uns zurückzulehnen und zu sagen: „Ich bin zufrieden, ich habe alles unter Kontrolle, ich habe keinen Grund, mit mir selbst zu kämpfen“. Ich denke, dass wir das alle fürchten.
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Für die meisten Anarchisten sind Anarchie und Revolution Abstraktionen, die irgendwie extern sind, weil sich auch ihr eigenes Leben ausserhalb abspielt. Sie sehen ihr Leben nicht als Gesamtheit und betrachten daher nicht, was sie damit auf dieser Ebene anfangen wollen. Sie haben daher nie das Bedürfnis, praktische Projekte als Ergebnis eines Lebens der Revolte zu schaffen, mit Beziehungen, die die von ihnen begehrte Welt widerspiegeln. Es geht hier nicht nur um ein persönliches Versagen einzelner Anarchisten.
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Es gibt konkrete soziale Gründe, warum Menschen es meist nicht schaffen, diesen Punkt der gedankenlosen Aktivität zu überwinden. Die soziale Realität, in der wir leben, formt eine eigene Totalität und drängt sie unserem Leben auf. Wenn wir diese erzwungene Totalität direkt anerkennen würden, wären wir mit einem Ultimatum konfrontiert, dem nur die wenigsten von uns bereit sind zu begegnen. Es bedeutet, dem Schrecken unserer gegenwärtigen Welt ins Auge zu sehen und sich dafür zu entscheiden, sich ihr in ihrer Totalität zu widersetzen. Es fällt uns leichter, unser Leben in getrennte Abläufe, Ereignisse, Räume und Momente aufzuteilen, um nicht die volle Tragweite dieser auferlegten Totalität sehen zu müssen. Aber diese Totalität ist die des Staates und des Marktes, die ineinandergreifende Herrschaft von Reichtum und Macht.
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Sie zwingt sich gerade dadurch auf, dass sie unser Leben in einzelne Abschnitte, unverbundene Momente, entfremdete Fragmente zerlegt. Unsere Tendenz, uns auf diese Weise zu schützen, spielt ihr also direkt in die Hände. Auf diese Weise getrennt, verlieren die Ereignisse, Beziehungen, Aktionen und Momente unseres Lebens ihre Bedeutung für uns als Individuen. Diese Tendenz zur Fragmentierung ist also etwas, das wir in jedem Moment bekämpfen müssen.
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Aber um sie zu bekämpfen, müssen wir versuchen zu verstehen, wie sie konkret funktioniert. Es ist die Realität unseres täglichen Lebens, die endlose Abfolge sinnloser Interaktionen und Aktivitäten, an denen wir teilnehmen müssen: Arbeiten, Mieten, Kaufen und Verkaufen, Rechnungen bezahlen, mit Polizisten, Bürokraten, Chefs, Vermietern usw. umgehen, etc. All dies macht uns abhängig von der Totalität der sozialen Ordnung und verwandelt uns gleichzeitig in Atome, die in der bedeutungslosen, unaufhörlichen Bewegung des Handels, durch Umstände ausserhalb unserer Kontrolle, meist zufällig aufeinander zu stossen scheinen. In den Vereinigten Staaten hat sich daraus eine Ideologie entwickelt, die absurderweise den Namen „rugged individualism“ trägt.
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Die Absurdität ist zweierlei. Zunächst einmal definiert diese Ideologie „Individualität“ gerade im Sinne dieser atomisierten Existenz, in der jeder einzelne nichts anderes ist als eine Ziffer, gleichwertig und getrennt von allen anderen im Nichts. Zweitens werden diese atomisierten Wesen, die die „Individuen“ dieser Ideologie sind, von der gesellschaftlichen Ordnung absolut abhängig gemacht, die ihr Leben als Konkurrenz um die gleichen belanglosen Ziele definiert und so ihre fortdauernde Identität und Trennung garantiert. An dieser erbärmlichen Abhängigkeit ist sicherlich nichts „rugged“ (wild/robust). Der Aspekt der sozialen Fragmentierung, den diese Ideologie zu rechtfertigen sucht – die Entfremdung -, spielt eine grosse Rolle bei unserer Unfähigkeit, echte Projekte der Affinität zu verwirklichen, die aus unserem eigenen Leben hervorgehen. Insbesondere, wenn diese ideologischen Rechtfertigungen bereits in unsere eigene Vorstellung von Individualität eingedrungen ist.
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Mir scheint, dass wir die Dinge noch oft fragmentiert und atomisiert wahrnehmen. Wir betrachten Arbeit, Mietzahlung, Kauf und Verkauf usw. als getrennte Probleme und entwickeln Lösungen wie Arbeitsvermeidung, Besetzen, Ladendiebstahl und Containern usw. (alles gute Dinge, die wir tun können, wohlgemerkt, aber nur im Rahmen der bewussten Gestaltung unseres Lebens in der Revolte gegen diese Welt). Da wir das Problem fragmentiert wahrnehmen, betrachten wir fragmentierte, oft isolierte Aktivitäten als Lösungen, und unsere Praxis bleibt die des Durchkommens in dieser Gesellschaft. Es bedarf also eines tiefgreifenderen Ansatzes für unsere Projekte, der die Totalität des Feindes vor uns und die Totalität dessen, was wir wollen, auf einer konkreten Ebene erkennt. Dies beginnt damit, dass wir unser Leben als eine eigene Totalität begreifen. Aber was bedeutet das?
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Von Stirner bekommen wir den Hinweis, dass jede Person ihre eigene Basis sein muss, und von Vaneigem bekommen wir den weiteren Hinweis, dass dies eine „Umkehrung der Perspektive“ erfordert, d.h. sich umzudrehen, um die Welt aus einer neuen Perspektive zu betrachten – unserer eigenen. Aber diese Hinweise bleiben nutzlos, wenn wir Individualität weiterhin so begreifen, wie es diese Gesellschaft tut, als etwas Abstraktes und isoliertes, als eine mystische „Natur“ in jedem von uns, völlig losgelöst von den Beziehungen, die unser Leben ausmachen. Wenn wir Individualität auf diese Weise betrachten, werden wir nicht in der Lage sein, die Gesamtheit unseres Lebens zu erfassen, denn wir werden all die Beziehungen, Interaktionen und historischen und sozialen Realitäten verlieren, die mit dem verwoben sind, wer wir sind und wer wir werden.
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Der von dieser Gesellschaft auferlegte Begriff der Individualität steht als kristallines und reines Objekt ausserhalb aller Beziehungen, aber echte handfeste Individualität ist in der Tat eine Beziehung. Ich bin, wer und was ich bin in Bezug zu Esther, Dave, Tiger, Susannah, Mary, Ivy, Anais, Membrane, Brendan, Brandon, Avram, Mandy, der Frau im Café, den Predigern in der Kirche, zu der mich meine Eltern geschickt haben, meinen Eltern selbst, den Polizisten, dem Staat, der Wirtschaft, dem technologischen Apparat, etc., etc. Keine dieser Beziehungen bestimmt, wer ich bin, aber alle spielen eine Rolle dabei, wie ich erschaffe, wer ich bin. Eine Beziehung ist keine Kristall-Statue. Sie ist eine Aktivität, eine Bewegung. Somit ist dies auch die Beschaffenheit der Individualität. Ich möchte nicht missverstanden werden – meine Individualität ist nie fehlerhaft oder unvollkommen. Sie ist immer vollständig, aber das Ganze ist eine Bewegung – ein art Tanz mit anderen Menschen – und ist daher nie zu Ende. Ihr Ende kann nur der Tod sein.
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Somit kann ich behaupten, dass meine Individualität eine Dialektik zwischen mir selbst, als begehrendes und handelndes Wesen ist, und dem Umfeld, durch das ich mich bewege (einschliesslich aller persönlichen und sozialen Beziehungen, an denen ich direkt oder indirekt beteiligt bin).
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Diese Dialektik – die Umkehrung der Perspektive – auf praktischer Ebene zu verstehen, bedeutet, all diese Beziehungen entweder als Bereicherung meiner selbst zu betrachten, die es verdient haben, gefördert und gestärkt zu werden. Oder sie sind Hindernisse auf meinem Weg, die ich aus meinem Leben entfernen und wenn nötig zerstören werde. Durch die Totalität dieser Gesellschaft wird das Bewusstsein für diese Dialektik zerstört. Durch die Verknüpfung von Individualität mit dem heiligen (d.h. privatem oder kollektivem „Besitz“) Eigentum (als Identität, die sowohl bildlich durch den Wettbewerb um Prestige als auch buchstäblich durch die Identifizierende Ware erworben wird), wird sie in dieser Gesellschaft externalisiert und untergräbt so unser Bewusstsein für die Dialektik zwischen uns und der Welt um uns herum. Als heiliges Eigentum ist unsere Individualität nicht das was wir tun, sondern eine etwas ausserhalb von uns, das wir kaufen müssen, das heisst, wir müssen darum konkurrierend kämpfen. Aber wie ich bereits erwähnt habe, entfremdet und homogenisiert uns dieser Wettbewerb und untergräbt damit jede echte Individualität.
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Der Unterschied zwischen dem Verständnis von Individualität als wirtschaftliches Gut und dem von Individualität als relationale Aktivität lässt sich besser nachvollziehen, wenn man das Merkmal der Stärke betrachtet. In dieser Gesellschaft ist Stärke eine Art Privateigentum. Es ist die Fähigkeit des Menschen zur Verteidigung, zur Bewaffnung, um allein gegen die Welt zu stehen. Als solche ist sie begrenzt und messbar und daher leicht erschöpft. Diese Konzeption kann eine verzerrte Dynamik zwischen den Individuen erzeugen.
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Die Menschen sind oft bereit, die Schwäche anderer zu nähren, indem sie eine Art persönliche Almosen anbieten, die die anderen in ihrer Schwäche erhält und die Rolle des Helfers als starker Versorger bewahrt. Natürlich sind solche Beziehungen wechselseitig, und der Prozess verläuft grösstenteils unbewusst. Schuldzuweisungen haben an dieser Stelle also keinen Sinn. Dennoch bewahren solche Beziehungen das private Eigentum an Stärke für denjenigen, der die „Fürsorge“ leistet. Und wenn Stärke tatsächlich Privateigentum ist, wenn es einfach die Fähigkeit ist, äusseren Angriffen standzuhalten und allein gegen die Welt zu bestehen, ist es sinnvoll, so zu handeln.
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In der Tat kann man des anderen Held sein, indem man die eigene Kraft mit Bedacht einsetzt, um sie zu schützen, aber man kann nie wirklich Genosse oder Komplize sein und die Grenzen zwischen den individuellen Stärken aufbrechen, sodass sie miteinander verschmelzen und sich gegenseitig verstärken können. Da Anarchisten eine andere soziale Realität anstreben, müssen wir ein anderes Konzept von Stärke entwickeln. Eines, das auf der Ablehnung der Vereinzelung basiert, und auf der Entdeckung von Freude und Fülle, die wir ineinander finden können. Das bedeutet, zu erkennen, dass Stärke keine Ware mit begrenztem Angebot ist, um die wir konkurrieren, sondern dass sie vielmehr zunimmt, wenn sie geteilt wird. Es geht nicht um Selbstverteidigung und allein gegen die Welt stellen, sondern um die Fähigkeit, unsere Bedürfnisse in dieser Welt im Zusammenwirken mit anderen zu verwirklichen. In diesem Sinne ist es meine eigene Stärke, aber nicht als Privateigentum mit seinen Grenzen, sondern mein individuelles Potenzial, das ständig herausfordert und erweitert wird. Sie wird also nicht geschwächt, sondern erweitert, wenn ich sie mit der von anderen kombiniere, deren Ziele sich mit meinen überschneiden.
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Individualität als relationale, dialektische Bewegung zu erkennen heisst, die Vorstellung abzulehnen, dass Stärke – und ähnliche Eigenschaften wie Liebe, Freiheit, etc. – begrenztes Privateigentum ist, das gehortet und beschützt werden muss. Dann wird klar, dass das Verständnis des eigenen Lebens in seiner Totalität, mit dem Ziel, gegen diese Gesellschaft zu kämpfen, bedeutet, alle Beziehungen zu erfassen, die das eigene Leben ausmachen. Natürlich ist diese Aufgabe nie abgeschlossen. Die soziale Realität, die uns umgibt, drängt sich ständig auf und setzt sich durch. Wir können es also nur in der ständigen Revolte gegen diese Gesellschaft anstreben. Aber der ständige Kampf um das eigene Leben erfordert ein hohes Mass an Bewusstsein. Wir müssen jede Beziehung, die wir eingehen, betrachten, nicht moralisch, sondern um festzustellen, ob sie uns hilft, praktisch das Leben aufzubauen, das wir uns wünschen.
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Wir sind nicht auf der Suche nach besseren Überlebensstrategien, sondern streben es an das Leben als eine von uns geschaffene Gesamtheit zu begreifen. Es kann sein, dass wir uns im Kampf gegen diese Gesellschaft für Projekte entscheiden, die eher durchgeführt werden können, wenn wir einen festen Wohnsitz haben – und das kann im gegenwärtigen sozialen Kontext bedeuten, Miete zu zahlen oder ein Haus kaufen. Wir brauchen vielleicht Geld oder spezifische Werkzeuge, um unsere Projekte durchzuführen, und können einen Job, eine Rente oder andere Wohlfahrtsbehörden nutzen, um diese Dinge zu bekommen. Es hat keinen Sinn, darüber zu jammern oder zu moralisieren. Wichtig ist, genau zu wissen, warum wir die Entscheidungen treffen, die wir in Bezug darauf treffen, wie wir unser Leben und unsere Projekte der Revolte verwirklichen wollen.
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Damit kommen wir aber erneut zu den Beziehungen untereinander zurück. Wenn wir in Gemeinschaft leben wollen, wenn wir Freundschaft, praktische Affinität und Solidarität aufbauen wollen, dann müssen wir klar und deutlich kommunizieren, damit wir intelligente Entscheidungen treffen können. Das widerspricht allem, was uns diese Gesellschaft beibringt. Wir sind darauf trainiert, alle Menschen als Rivalen zu betrachten und bauen eine unbewusste Abwehrhaltung auf. So haben wir die Tendenz, Manipulation statt direkter Kommunikation zu verwenden, und eher um einander herum, statt miteinander zu tanzen. Wenn vermeintliche Gefährten und Komplizen ständig umeinander herumtanzen und sich unbewusst gegenseitig manipulieren, um das zu bekommen, was sie wollen, wird niemand jemals in der Lage sein, kluge Entscheidungen zu treffen, da alle unsere Entscheidungen auf Illusionen beruhen werden. Doch so lernen wir uns zueinander zu verhalten – es ist die Grundlage für Verhandlungen und Kompromisse.
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Aber wie kann daraus jemals praktische Affinität, Freundschaft, Komplizenschaft und solidarisches Miteinander entstehen? Wir müssen den Feind – das Herrschaftssystem und seine Lakaien – oft täuschen und anlügen. Da wir aber bestrebt sind, unser gemeinsames Leben auf eine andere Weise zu gestalten, können wir uns so nicht aufeinander beziehen. Um Affinität und Gemeinsamkeit aufzubauen, müssen wir ehrlich miteinander sein, in Bezug auf unsere Bedürfnisse, Wünsche, Fähigkeiten, Bestrebungen, Träume und wie wir uns bei der Verwirklichung dieser Dinge gegenseitig unterstützen wollen. Leben, Stärken, Kämpfe und Projekte können nur dann vorteilhaft zusammenwirken, wenn alle Beteiligten ihre Ziele und Wünsche klar formulieren und so eine echte Basis für Affinität schaffen.
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Revolution ist nicht nur eine Menge versprengter Einzelgänger, die sich gegen die Mauern der Gesellschaft werfen. Es sind Individuen, die sich selbst als solche erkennen, sich gegen einen gemeinsamen Feind zusammenschliessen und Möglichkeiten finden, laufende Kämpfe zu verknüpfen. Die Aufstandsgeschichte zeigt, dass dies auch dort zutrifft, wo es keine Hinweise darauf gibt, dass vor dem Aufstand ein Potenzial für dieses Bewusstsein bestand. Diejenigen unter uns, die sich eine andere Welt wünschen, müssen bereit sein, jetzt schon andere Beziehungen anzustreben.
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Das bedeutet, praktische Beziehungen der Affinität zu entwickeln. Affinität wird allzu oft als etwas Abstraktes betrachtet: Wir haben ähnliche Ideen, deshalb haben wir Affinität. Aber wenn wir es nicht schaffen, diese gemeinsamen Ideen in konkrete Projekte umzusetzen, in eine echte, zielgerichtete Verflechtung von Leben und Kämpfen, dann ist unsere vermeintliche Affinität nur ein weiteres sinnloses Gespenst, das in unseren Köpfen herumspukt. Deshalb müssen wir die Stärke ineinander erkennen und uns um gegenseitige Stärkung bemühen, anstatt einander Mitleid zu schenken und damit die Schwäche zu fördern. Dies ist, wo Stirners Verein der Egoisten und Kropotkins gegenseitige Hilfe zusammenkommen.
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Wenn wir also unser Leben in seiner Totalität begreifen wollen, um es in vollen Zügen zu geniessen und daraus Waffen gegen die Totalität dieser Gesellschaft zu machen, müssen wir uns klarmachen, wie wir uns verhalten, um die Individualität jedes Menschen zu fördern. In diesem Zusammenhang lohnt es sich näher hinzuschauen: Was ist praktische Affinität? Ist es nicht echtes gegenseitiges Wissen über Ideen, Träume, Wünsche, Fähigkeiten, Ziele und Bedürfnisse, das uns erlaubt, uns auf einer projektbezogenen Basis zu treffen und unsere Rebellionen zu verbinden? Und das erfordert, dass wir ohne Hintergedanken miteinander reden. Was ist Freundschaft? Ist es nicht die Bereitschaft, sich gegenseitig praktisch zu unterstützen, uns auf unsere Gefährten zu verlassen, denn sie sind unser Glück und unsere Lebensfreude. Was ist Komplizenschaft?
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Ist es nicht die Anerkennung einer konkreten Verflechtung von Projekten, bei der es sinnvoll ist, Kräfte zu bündeln, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen – die unmittelbare Anerkennung von Kämpfen und Aufständen, die zusammenkommen? Und was ist Mutualität? Ist es nicht eine Gegenseitigkeit, die nicht misst oder abwägt. In ihr erkennen sich alle Beteiligten gegenseitig als Quelle der Kraft, des Vergnügens und der Fülle des Lebens, der einzigen Art von Reichtum, die zählt. In der Praxis müssen wir uns fragen, ob unsere Beziehungen unsere eigene Schöpfung oder das Ergebnis unbewusster Gewohnheiten sind, die von dieser Gesellschaft vermittelt werden? Beruhen sie auf gegenseitiger Stärkung und Entfaltung? Schaffen und fördern wir den Reichtum des Lebens und der Freude miteinander? Verstärken wir unsere Entschlossenheit gegen diese autoritäre, geldbasierte Zivilisation, indem wir unser Leben und unsere Kämpfe miteinander verflechten?
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Wenn nicht, sollten wir uns fragen, warum wir irgendeine Art von Beziehung haben. Denn es geht nicht darum, dass wir uns gegenseitig etwas schulden. Das tun wir nicht. Die Idee der Verschuldung ist Teil des wirtschaftlichen Rahmens dieser Gesellschaft. Der Punkt ist, dass der beste Weg, unser Leben in vollen Zügen zu geniessen und zu verwirklichen und gegen diese Gesellschaft zu kämpfen, darin besteht, jeden Moment, jede Aktivität und jede Beziehung bei der Schaffung eines ganzheitlichen Lebens bedeutsam zu machen, so weit wir dazu in der Lage sind. Es wird ein ständiger Kampf und eine Herausforderung sein, bis wir die Gesellschaft zerstören, die uns in jedem Moment ihre Realität aufzwingt. Das erfordert ein hohes Mass an Bewusstsein und gegenseitiger Anstrengung.
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Ich möchte all dies weiter mit Menschen diskutieren, die bereit sind, sich gemeinsam für die Überwindung der verschiedenen Denk- und Handlungsmuster einzusetzen, die sich aus der Entfremdung und Atomisierung dieser Gesellschaft ergeben, die bereit sind, sich zu engagieren, um gemeinsam zu kontinuierlichen Schöpfern ihres Lebens, ihrer Beziehungen und Kämpfe zu werden, die bereit sind, gemeinsam fortlaufende Projekte der Revolte zu verfolgen. Projekte, die unmittelbar darauf abzielen, bestimmte Faktoren dieser Gesellschaft anzugreifen, die uns hier und jetzt im Wege stehen und die die Natur dieser Gesellschaft in ihrer Totalität aufzeigen.<p><em></em><p><small>Hier gefunden: <a class="fussnoten_links" href="https://anarchistischebibliothek.org/library/wolfi-landstreicher-leben-als-totalitaet" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://anarchistischebibliothek.org/library/wolfi-landstreicher-leben-als-totalitaet</a></small>]]></description>
<pubDate>Fri, 01 May 2026 12:52:00 +0200</pubDate>
<guid>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/leben-als-totalitaet-ueber-individualitaet-und-beziehungen-009667.html</guid>
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<title><![CDATA[Die Technik wird's schon richten? Vom kollektiven Gedächtnisverlust und der Sehnsucht nach Tagträumen]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/die-technik-wird-s-schon-richten-vom-kollektiven-gedaechtnisverlust-und-der-sehnsucht-nach-tagtraeumen-009665.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Keine Frage, dass man auch den links-grün versifften Hirnen eine Spülung wünschen tät'.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Chernobyl_10_(13511028923)_w.webp><p><small>Kernkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chernobyl_10_(13511028923).jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> 	Stefan Krasowski</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY 2.0 cropped)</a></small><p>Angesichts der miesen Nachrichten aus allen Erdteilen, den bei Lidl und Aldi gehandelten Untergangs-Szenarien und dem klassenübergreifenden politischen Missmut fehlt es den demokratischen Kräften an erholsamen Tiefschlaf: Man wacht erholt auf, spuckt in die Hände und packt an. Stattdessen Jammer bei den Geisteswissenschaften: Kein Schwein ruft mich an.
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Die Ingenieure biegen gleich rechts ab und schwören Stein und Bein, dass es die Technik schon richten wird. Mehr als je leiden die Gesellschaften und ihre Angehörigen heute an Gedächtnisverlust, Verwirrtheit und Persönlichkeitsveränderungen: Es fehlt an Tiefschlaf, es fehlt an Tagträumen, an Überzeugungskraft für bessere Zeiten. Kein Wunder bei den Sauereien auf der Welt.
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Nehmt doch nur mal Tschernobyl – und jetzt kein Wort zu Fukushima, Harrisburg oder der geologischen Zeitbombe Neckarwestheim: kommt Zeit, kommt Rat. Die Männerpartei AfD etwa überwindet die Grenzen alter Milieus und hält die Demokratie auf Abstand, verkürzt aber den zur CDU/CSU. Atomfreunde aller Länder, vereinigt euch.
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Die Lage in Tschernobyl reicht öffentlich-rechtlich eben mal für ein Viertelstündchen mit Geiger-Erzähler vor Ort. Nach dem Drohnenneinschlag vor zwei Jahren steigen die Reparaturkosten für die kaputte Schutzhülle auf wenigstens 500 Millionen Euro – halb so viel wie die Sanierung der Stuttgarter Oper. Ein Deal! Skeptiker sehen schwarz: 4 bis 6 Opern, ohne Beleuchtung.
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Logisch: Die Ukraine kann den Sarkophag nicht allein stemmen, aber auf der anderen Seite (westwärts) kriegen die milieugeschädigten G-7-Staaten ja nicht mal den Arsch hoch, um ausreichend Mittel für Pflegekräfte, Altenheime und Krankenhäuser zu generieren. Wie tröstlich: Die aktuelle Strahlenbelastung in Deutschland durch Tschernobyl ist noch zu gering für Alarm, aber man weiss: Ein grossflächiger Schutz in Mitteleuropa gegen eine neue Wolke ist eh' sehr schwierig; Experten raten im Notfall zu Tiefschlaf im Endlager.
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Meine Omi Glimbzsch in Zittau spottete schon damals in Zittau/DDR: „Alle 100 000 Jahre ein Atomunfall? Wie schnell doch die Zeit vergeht!“<p><em></em><p>]]></description>
<pubDate>Tue, 28 Apr 2026 12:33:04 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Demokratieförderung made in Germany: Wer nicht passt, wird passend gemacht]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/demokratiefoerderung-made-in-germany-wer-nicht-passt-wird-passend-gemacht-009660.html</link>
<description><![CDATA[<strong>In rund 3.600 Fällen hat die Bundesregierung NGOs und Leute wie Dich heimlich durch den Verfassungsschutz überprüfen lassen. Na, wie denn sonst? frag ich da!</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Verfassungsschutz_berlin_w.webp><p><small>Das Gebäude des Bundesamtes für Verfassungsschutz auf dem Kasernengelände am Treptower Park in Berlin.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Verfassungsschutz_berlin.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wo st 01</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 3.0 cropped)</a></small><p>Soll sich der VS etwa vorher anmelden, damit die Kleinkriminellen rechtzeitig Waffen, Drogen und Material von Donald Trump verschwinden lassen können?
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Verfassung hin oder her - wichtig ist doch nur eins: Auf der windfrischen Grund- und Faktenlage wurde entschieden, wer Geld kriegt, also staatliche Fördermittel zur Demokratie-Förderung - und wer nicht. Natürlich alles ohne Wissen der Betroffenen und natürlich ohne klare gesetzliche Grundlage. Wer wird denn da in die Luft gehen? Wir sind doch hier nicht in China!
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Aber klar: Bei sowas steigen sofort die links-grün-versifften Blasen auf, die beim Wal ausbleiben. Kritiker:innen warnen vor Willkür und Intransparenz und sehen in der Kontrolle der Zivilgesellschaft durch Staat und Verfassungsschutz eine Gefahr für den Rechtsstaat.
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Die soll'n sich mal nich in die Hose machen, tät da meine Omi Glimbzsch in Zittau sagen. Dort hat die AfD schon lange die Demokratie gesichert rechtsradikal überholt und hält jede Art von Verfassungsschutz eh für überholt. Morgen könnt' sie ihn abschaffen, da leg' ich meine Hand in Feuer. Vielleicht sollt' man sich die alten Stasi-Mitarbeiter mit ins Boot holten, um den Linken eins auszuwischen? Ach, hat man schon? Sorry.
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„Die CDU-SPD-Sparpläne treffen auch uns“, jammern die gepamperten NGO'ler. Zentrale Projekte stünden auf der Kippe, sagen sie: Hilfe für Betroffene rechter Gewalt, Beratungs- und Infos-Angebote für engagierte Leute vor Ort, Geld für die Ausstellung „Mein Name ist Mensch“ in Schulen, Vereinen und Initiativen, Aufklärung und Gegen-strategien zu Rechtsextremismus und Demokratiefeindlichkeit vor Ort und im Netz - kein Geld mehr da. Und Monitoring, d.h. Überwachung, systematische Erfassung, Messung und Auswertung von Daten, Prozessen oder Funktionen. Halt! Das macht doch schon Palantir, Kinder! Palantir, von der Fascho-Firma Peter Thiels entwickelt, wird u.a. von der Polizei in Bayern, Hessen, NRW und mithilfe der Grünen auch in Baden-Württemberg eingesetzt, um z.B. Straftaten weiszusagen und Dein Personenprofil zu erstellen.
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Trost bietet jetzt nur Berlin. Die BVG hat „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=YEYim54pJ00" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Is mir egal</a>” (feat. Kazim Akboga) noch im Netz.<p><em></em><p>]]></description>
<pubDate>Mon, 27 Apr 2026 10:55:00 +0200</pubDate>
<guid>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/demokratiefoerderung-made-in-germany-wer-nicht-passt-wird-passend-gemacht-009660.html</guid>
</item>

<item>
<title><![CDATA[Heaven Can Wait: 1. Mai Berlin 2026]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/heaven-can-wait-009653.html</link>
<description><![CDATA[<strong>“Ein Mensch ist immer das Opfer seiner Wahrheiten” (Albert Camus) James: “The same procedure as last year, Miss Sophie?” Miss Sophie: “The same procedure as every year, James!”</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/machen_ist_wie_wollen_w.webp><p><small>  Foto:  zVg</small><p>Nun haben sich die kümmerlichen Überreste der Postautonomen – die schon mit den Füssen scharren für ihr neues sensationelles Kampagnenjahr – und die diversen neuen K-Gruppen – an denen neu nur ihr völlig verkümmertes Verständnis von gesellschaftlichen Prozessen ist, während ihre historischen Vorgänger jenseits des stupiden autoritären Weltbildes wenigstens eine materialistische Klassenanalyse vorzuweisen hatten - wieder lieb und gestalten die alljährliche Wallfahrt zum 1. Mai in Berlin gemeinsam. Beide Lager haben endlich die Inklusion für sich entdeckt und so präsentieren sich die veröffentlichten Aufrufe im späteren Text und auch schon im Header in 'einfacher Sprache'.
<br><br>
'Freiheit, Frieden, Solidarität'. Nicht weit weg vom “Friede, Freude, Eierkuchen' der Loveparade des bekennenden Antisemiten Dr. Motte, der 1995 in einem Interview mit dem Tagesspiegel meinte: „Dies ist mein Aufruf an alle Juden der Welt, sie sollen doch mal eine neue Platte auflegen. Und nicht immer nur rumheulen.“
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Und nein, wir schlagen an dieser Stelle nicht den Bogen zum virulenten Antisemitismus, der sich tief eingegraben hat in die berechtige Wut der Bewegung gegen den mörderischen Krieg, den Israel gegen die Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen führt, das wäre zu billig, wenn auch rhetorisch reizvoll. Wobei auf den falschen Campismus, der spätestens mit dem Beginn des Krieges in der Ukraine 2022 seinen erneuten Siegeszug in der Linken angetreten hat, noch zurückzukommen ist.
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<em>Give me all of your dreams<br>
And let me go alone on your way<br>
Give me all of your prayers to sing<br>
And I′ll turn the night into the skylight of day.</em><br>
(Meat Loaf – Heaven Can Wait)
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“Wir werden am 1. Mai für euch den Himmel auf die Erde holen. Seid dabei!” und “Wir organisieren den Aufruhr!” tönt es auf dem Twitter Account des” Revolutionären 1. Mai Berlin” und die Interventionistische Linke, deren 'Zwischenstandspapier #2' vor 2 Jahren noch gut 30 Seiten aufwies, verzichtet in ihrem Aufruf zum 1. Mai in Berlin 'Gegen die Gesamtscheisse' auf jegliche theoretische Unterfütterung und versucht sich in historische Reminiszenz kurz und knackig am Slang jener Bewegung, die einst den 1. Mai in Berlin in die Geschichtsbücher einschrieb: “Mit rebellischer Munterkeit laden wir zu einem Block auf der revolutionären 1. Mai-Demo alle ein: Wütende und Traurige, Lohnabhängige und vermeintlich Überflüssige, Kind und Kegel, Schlawinerinnen und Rabauken, Militante und die gesamte Bagage. In unserer Vielfalt finden wir die Einheit. [sic!]”
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Aus dem Nichts ersteht ein 'Antifa-Block' wieder auf, während in den letzten Jahren Antifa in Berlin vor allem eine Angelegenheit von Sitzblockaden und Partizipation an den diversen 'Wir sind mehr' Massenkundgebungen war, die von einem breiten Bündnis aller 'demokratischen Parteien' organisiert wurden und vor allem eins waren: Eine bedingungslose Einschwörung auf die Verteidigung des kapitalistischen Normalzustandes, während sich an den Versuchen Aufmärschen der Strassenfaschisten direkt entgegenzutreten, meist nur im besten Fall einige Dutzend Menschen beteiligten und die überwiegende Mehrzahl der Demos im Kontext der fast beispiellosen Repressionswelle gegen militante Antifas (Antifa Ost Verfahren, etc.) nur einige hundert Menschen (wenn überhaupt) mobilisieren konnten und es in Berlin mittlerweile Standard ist, das ehemalige Führungskader der Nazis über Stunden Antifa Aktionen abfilmen können und höchstens mit Regenschirmen symbolisch „abgeschirmt“ werden.
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Nun also “Antifa in die Offensive”, natürlich im Schutz der alljährlichen Massenlatschdemo am 1. Mai. Und natürlich darf ein Aufruf zu einem 'anarchistischen Block' im 'Antifa-Block' nicht fehlen und mensch fragt sich, wo all die unterzeichnenden “Autonome und Anarchisten” die restlichen 364 Tage im Jahr stecken, soweit sie nicht den aktionistischen Splittern zuzurechnen sind, die regelmässig mit Brandsätzen an Kabelsträngen die Berliner S-Bahn sabotieren, wenn sie nicht ausnahmsweise einen lichten Moment haben und das Tesla Werk bei Grünheide lahmlegen, aber das sofort wieder toppen, in dem sie der Thermometersiedlung im Südosten Berlins mitten im Winter bei Dauerfrost für Tage Licht und Wärme kappen, was für sie, ganz lässig im Militärjargon, als 'Kollateralschaden' durchgeht.
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Die Thermometersiedlung, eines jener typischen Neubaughettos, wie sie Anfang der 70er überall an den Rändern von Berlin entstanden sind. Über die Hälfte der 5000 Menschen dort haben einen Migrationshintergrund, ein grosser Teil muss sich mit prekären Arbeitsverhältnissen durchschlagen, fast jede/r Fünfte lebt von Sozialhilfe, die Kinderarmut liegt bei fast 40 %. Die Thermometersiedlung ist ein Schwerpunkteinsatzgebiet der Berliner Bullen seit Silvester 2022, als Berlinweit Krawalle ausbrachen, die den Bullen völlig aus dem Ruder liefen.
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Jedes Jahr werden nun ganze Einsatzhundertschaften zum Jahreswechsel in die Siedlung verlegt. Wenn es in dieser Stadt heimliche Sympathien für 'L'Insurrection qui vient' gäben sollte, so sind sie mit Sicherheit unter den rebellischen Fraktionen des jugendlichen migrantischen Surplus Proletariats zu finden, das in der Thermometer Siedlung beheimatet ist. Dass sie in den zahlreichen Wortmeldungen und Folge-Communiques der diversen anarchistischen – und Vulkangruppen nicht einmal Erwähnung finden, sagt alles über die völlige Selbstbezogenheit dieser Tendenz der anarchistischen Galaxie aus, deren moralische Selbsterhöhung den „gewöhnlichen“ Menschen ihre Subjektivität raubt, sie zu Objekten in einer quasi militärischen Guerilla Konfrontation mit dem Staat und dem technologischen Komplex degradiert.
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<em>“Weltweit dürfte keine weitere linksradikale Szene existieren, die ähnlich paradox an einem Ritual der eigenen Konzeptlosigkeit festhält, wie die Berliner am 1. Mai.”</em>
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<em>Autonome Gruppen – Jetzt oder nie! Über den nächsten und vielleicht letzten 1. Mai (2017)</em>
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Kommen wir, wie versprochen, zurück zu den Anfängen dieser Polemik, denn um eine solche handelt es sich ohne Zweifel, alle produktiven theoretischen und vor allem praktischen Initiativen, diesem alljährlichen Spektakel Leben einzuhauchen, sind längst gescheitert, waren vielleicht von Anfang an zum Scheitern verurteilt, weil so wie die Eruption am 1. Mai 1987 eine ganz praktische Kritik an der „Gesellschaft des Spektakels” gewesen war, so war die 1988 erstmalig organisierte „Revolutionäre 1. Mai Demo” schon in ihrer Genese selbst ein gesellschaftliches Spektakel.
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Vorrangig angeschoben von jenen autonomen Kreisen, die nach dem 1. Mai 1987 vor allem mit der Inszenierung von sogenannten “Kiezpalavern” beschäftigt waren (und sich öffentlich von der “ziellosen Gewalt” zu distanzieren), auf denen sie eben nicht mit den plündernden und brandschatzenden Proleten, sondern mit der neuen linksgrünen Middle Class zusammen hockten, boten die Demos in den ersten Jahren immerhin einen Raum, der militante Initiativen ermöglichte, diese waren aber im besten Fall nur politisch, niemals sozial bestimmt und den meisten Fällen nur schlicht taktischer Natur.
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Spätestens mit der Verlegung der alljährlichen Demo in die Abendstunden (die ursprünglich nur erfolgte, um vielen Leuten sowohl eine Intervention gegen einen grossen Nazi Aufmarsch in Leipzig am Mittag und die abendliche Beteiligung in Berlin zu ermöglichen) begann die endgültige Eventisierung der Demo. Abertausende, völlig unorganisiert, mit der Bierflasche in der Hand, schlenderten am Ende und am Rande der Demos mit, der Übergang zum staatlich inszenierten Befriedungsprojekt Myfest gelang fliessend, etliche Securities des Myfestes wurden unter den migrantischen Jugendlichen rekrutiert, die sonst mit die ersten waren, die die Bullen mit Steinen eindeckten.
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Die diversen “linksradikalen” Grüppchen glänzten mit eigenen Ständen auf oder am Rande des Myfestes, money rules the world. Und es war viel Geld zu verdienen am 1. Mai. Irgendwann war der Frontblock nur noch eine leere Hülse, die Bullen hatten die volle Kontrolle darüber, wann und wo dieser zerlegt wurde. Und er wurde immer zerlegt. Mit ein Grund, warum er jedes Jahr kleiner wurde und irgendwann von den letzten autonomen Zusammenhängen an die neuen roten Gruppen vererbt wurde, die immerhin eine beeindruckende Anzahl von roten Winkelelementen vorzuweisen hatten.
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2009 gab es dann noch ein für alle völlig überraschendes Revival und über eine Länge von mehreren Kilometern wurden ganze Hundertschaften massiv mit Steinen eingedeckt und mussten sich mehrmals zurückziehen. Dann war Ende mit organisierter Militanz, ein paar Jahre noch schaffte es sich die sogenannte Kotti Party zu etablieren, auf der sich vor allem reichlich Betrunkene, aber auch einige Gruppen des migrantischen Surplus Proletariats Faustkämpfe mit den Bullen lieferten.
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Seit diesen Zeiten ist der 1. Mai auf das reduziert, was er im Kern schon immer war: Ein Spektakel, ein Event, das von seinem Mythos lebt und der vagen Hoffnung, dass etwas passieren könnte, woran man sich am nächsten Tag noch erinnert. Eigentlich gibt es kaum etwas Traurigeres, als alljährlich zu erleben, wie Zehntausende mit sehr viel Verbalradikalismus wie eine Schafherde als civil wargame für die aus allen Bundesländern herbeigekarten Einsatzhundertschaften fungieren.
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“Ich habe eiserne Prinzipien.” Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich noch andere.” (Groucho Marx)
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Nun also die nächste Aufführung am 1. Mai, es ist wie mit einem Abonnement der Theatergemeinde, du willst eigentlich die eine geile Brecht Inszenierung am Berliner Ensemble sehen und musst den ganzen Rest an Langeweile, Mittelmässigkeit und Borniertheit mit in Kauf nehmen, weil du sonst nie an Karten kommen würdest. Wenigstens muss man dafür nicht früh aufstehen. Immerhin dürfte der diesjährige Aufmarsch weitere Bodenlosigkeiten mit sich bringen.
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Die Zeiten, wo Nationalfahnen auf der 1. Mai Demo verpönt waren, gehören ja nun der Vergangenheit an, früher praktizierten das eigentlich nur ein paar Spinner der Cuba Freundschaftsgesellschaft und das wurde allgemein als Folklore geduldet. Die Einzigen, die mit dieser Selbstverständlichkeit brachen, waren die Antipoden der heutigen Organisatoren der 1. Mai Demo, die Antideutschen, die tatsächlich Mitte der 90er mit Fahnen von den USA, GB und der von Frankreich auftauchten, was natürlich als blosse Provo gedacht war und soweit ich weiss, konnten sie damit auch nicht mitlaufen.
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Dieses Jahr dürfte sich das aber endgültig erledigt haben mit der Kritik an den Nationalstaaten, schon letztes Jahr waren neben einem Fahnenmeer von Palästina Fahnen einige libanesische Fahnen zu sehen und was das noch mit irgendeiner Form von Revolution oder Emanzipation zu tun hat, dürfte selbst den Schülern der Dialektik schwerfallen zu erklären (wobei zu vermuten ist, dass den Kadern der neuen K-Gruppen selbst das Wesen der Dialektik irgendwie verschlossen geblieben ist).
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Nun also, wo sich im Gefolge des Massakers am 7. Oktober der Krieg auf fast den gesamten Nahen Osten ausgedehnt hat, eine Tatsache, die nicht den grössenwahnsinnigen Fantasien einiger Psychopathen geschuldet ist, sondern die allgemeine Tendenz zum Krieg als FOLGE DER VERWERTUNGSKRISE repräsentiert, die multipolare Neuordnung der Welt, oder wie Sandro Moiso in “Ein Verbrechen namens Krieg”* schrieb:
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“Konflikte und Widersprüche, die zwangsläufig entstehen und sich exponentiell verschärfen werden, sind nicht die Folge von Systemfehlern, noch sind sie dessen faulige Früchte oder eine vorübergehende Notwendigkeit, sondern im Gegenteil die vollständige Verwirklichung eines politischen, wirtschaftlichen und militärischen Wandels, der nur durch einen radikalen Umsturz seines Wesens und seiner Paradigmen beendet werden kann.
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Wie Rosa Luxemburg, die bereits im Epigraf zitiert wurde, feststellte: 'Seine weitere Herrschaft ist mit dem Fortschritt der Menschheit unvereinbar', denn zum ersten Mal in der Geschichte sind Ausbeutung und Arbeitslosigkeit, Entfremdung und Krise, Krieg und Zerstörung nicht die zufälligen Produkte und Nebenwirkungen einer bestimmten Art der Produktion und Reproduktion des Lebens und seines Unterhalts, sondern vielmehr ihre unvermeidliche und notwendige Folge, ihre 'Lebensbedingung'.
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Doch solche analytischen Durchdringungen der Realität, der wir alle unterworfen sind, und die uns mit in ihren geschichtlichen Abgrund reissen wird, wenn wir ihr nicht in den Arm fallen, sind nicht mehr en vogue, auch die neuen K-Gruppen, die das Erbe der kommunistischen Bewegung zu vertreten behaupten, sind letztendlich auch nur ein Ausdruck der allgemeinen Tendenz der Linken zur blossen Identitätslinken, völlig losgelöst von jeglicher materialistischen Gesellschaftskritik.
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Und so ist es auf Dringendste zu befürchten, dass wir dieses Jahr das Vergnügen haben werden, dass die Fahne der Islamischen Republik dutzendfach auf der 1. Mai Demo spazieren getragen wird als Repräsentanz der “Achse des Widerstandes”. Ein dumpfer, dummer Antiimperialismus, ein zutiefst reaktionärer Campismus, der auf die toten iranischen Schwestern und Brüder spuckt, die zu Tausenden von den Mullahs in Teheran abgeschlachtet wurden.
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<b>Jin, Jiyan, Azadî – und sonst nichts**</b>
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<b>Parham Shahrjerdi</b>
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<b>Berlin Kreuzberg, den 11. April 2026 </b><p><em></em><p><small>* https://bonustracks2.noblogs.org/post/2026/03/27/ein-verbrechen-namens-krieg/
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** https://bonustracks2.noblogs.org/post/2026/01/12/iran-frau-leben-freiheit-und-sonst-nichts/
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<b> Text gefunden auf:<br>
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https://non-milleplateaux.de/heaven-can-wait-1-mai-berlin/</small>]]></description>
<pubDate>Fri, 17 Apr 2026 10:53:00 +0200</pubDate>
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</item>

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<title><![CDATA[Der Riss im Beton: Ungarns politischer Bruch und die Illusion des schnellen Sieges]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/der-riss-im-beton-ungarns-politischer-bruch-und-die-illusion-des-schnellen-sieges-009652.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Wie eine Wahl die Achse verschiebt – und warum Demokratie mehr braucht als ein Kreuz auf dem Stimmzettel.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/The_Stakes_of_the_Election_(24)_w.webp><p><small>Wahlen in Ungarn, 11. April 2026.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_Stakes_of_the_Election_(24).jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> 	Elekes Andor</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY 4.0 cropped)</a></small><p>Budapest sendet wieder – unüberhörbar für alle, die noch hören wollen. Während andernorts die Trommeln des Nationalismus dröhnen, während sich in Europa und darüber hinaus autoritäre Versuchungen wieder geschniegelt und gebügelt mit öffentlich-rechtlichen Wohlwollen präsentieren, geschieht in Ungarn etwas, das man fast verlernt hatte: Der politischer Bruch.
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Die neue Tisza-Partei fegt das System Viktor Orbán nicht einfach vom Tisch – sie verschiebt die Achse. Zwei Drittel der Sitze: das ist ein Misstrauens-votum gegen die Logik der Abschottung, der Angstbewirtschaftung, der „illiberalen Demokratie“: Auch gegen ein Europa, das seit Jahren wegsieht, wenn an seinen Rändern Recht gebrochen wird.
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Köszönöm, Magyarország! Danke für diesen Riss im Beton.
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Doch wer jetzt in Jubel ausbricht, sollte sich nicht täuschen: Die Linke kam in diesem Spiel nicht mehr vor. Nicht, weil ihre Themen verschwunden wären – im Gegenteil. Aber wie wurde in der politischen Neuordnung marginalisiert. Wer Orbán loswerden wollte, wählte strategisch. Bündelung statt Vielfalt. Zweck statt Programm. Das ist verständlich – und zugleich ein Problem.
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Denn Demokratie lebt nicht vom Wahltag. Sie lebt vom Alltag. Vom Widerspruch in der Kantine, vom Engagement im Betrieb, von der Zivilcourage auf der Strasse. Wer glaubt, mit einem Kreuz alle vier, fünf Jahre sei es getan, hat schon verloren – egal ob in Budapest, Berlin, Brüssel, Birmingham oder Boston.
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Doch Mooomentle! Wenn wir nach Ungarn schauen, sollten wir im Rücksiegel auf die rechtspopulistische Kräfte im eignen Land blicken, wo sie „die stärkste der Parteien“ sind. Auch bei uns wird über Menschenrechte debattiert, als seien die eine Option unter vielen. Flüchtlinge? Zu oft ein „Problem“, selten Menschen. Das Mittelmeer? Massengrab, verwaltet mit bürokratischer Kälte – von der Mitte mit dem demokratische Menschenrechtsmäntelchen.
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Merke: Wer in höchster Not ist, braucht Hilfe. Punkt. Kein „Aber“, kein „Jedoch“. Aber wir haben gemeinsam ein Europa geschaffen, das viel lieber redet als rettet.
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Ungarn zeigt: Propaganda ist nicht allmächtig. Lügen sind nicht unbesiegbar. Selbst ein durchorganisiertes Machtgefüge kann Risse bekommen. Das ist die Hoffnung – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt. Dort. Und hier.<p><em></em><p>]]></description>
<pubDate>Wed, 15 Apr 2026 10:52:00 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Für Achim Szepanski oder: Der Blick zurück in das Jahr 2018]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/im-deutschsprachigen-raum-findet-keine-relevante-diskussion-ueber-offenkundig-notwendiges-statt-009650.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Achim Szepanski hat uns einen Schatz hinterlassen, so gross, dass es wohl Jahre dauern wird, diesen zu heben. Aber irgendwo kann man ja anfangen...</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Achim-Szepanski-verstorben_w.webp><p><small>Achim Szepanski.  Foto:  </small><p>Da sind die drei Essays ‚Imperialismus, Staatsfaschisierung und die Kriegsmaschinen des Kapitals' (2018) – sowie unten verlinktes Interview mit dem Autonomie Magazin (auch 2018) ein guter Start. Als Appetithäppchen hier die Zusammenfassung des dritten Essays ‚Staatsfaschisierung und Rechtspopulismus' vom Autor selbst:
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„Der kommende Faschismus, der als solcher in Anführungszeichen zu setzen ist, wird durch die staatliche Politik des präemptiven Krisen- und Risikomanagements forciert, das, angetrieben von Präventionspolitiken und hypertechnologisierten Paranoia-Aggregaten, das Chaos oder einen Systemfeind überall und nirgends vermutet und deshalb mit immer drastischeren Mitteln eingreifen muss, um das – nach Ansicht des Staates Schlimmste – zu verhindern.
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In Engführung mit den globalen Kriegsmaschinen des Kapitals adressiert der Staat längst nicht nur die Terroristen als Feinde, vielmehr sichtet er überall und nirgends Feinde, und das heisst, in der Gestalt eines Unternehmens sowie einer motorisierten Exekutivmaschine von Direktiven fungiert er als ein Instrument der Ausbeutung, der Kontrolle und der Disziplinierung einer längst globalisierten Arbeitskraft. Und es kommt, was kommen musste: Die nach der Finanzkrise von 2008 von den Staaten selbst institutionalisierte Klaviatur der Rassismen und Nationalismen wird heute immer stärker von den rechtspopulistischen Bewegungen bespielt, welche die Staatsfaschisierung in Richtung eines offenen Bürgerkrieges treiben wollen, der als seine primären Feinde Flüchtlinge, Muslime und die Fremden im Generellen definiert, um schliesslich, im engen Schulterschluss mit dem Staat, einen derart hochexplosiven Zustand zu erreichen, an dem die Politik der Gefühle um des eigenen Glücks willen den Genozid an der Surplus-Bevölkerung im globalen Süden einfordert.“
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Zum Einstieg in das Werk von Achim Szepanski eignet sich auch die Einleitung zur Erinnerungsfeier von Karl-Heinz Dellwo:
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„Mit Achim konnte man sich über alles unterhalten. Über die Beschränktheit des traditionellen Kommunismus, über die Beschränktheit einer woken Linken, über die Ohnmacht, die uns allen gleich ist, wenn wir die Aufgabe setzten, die fortschreitende Destruktion und Selbstdestruktion eines untergehenden Zeitalters aufzuhalten und vieles andere mehr. Aber eines kennzeichnete Achim: er hätte nie aufhören können, über den strukturellen Hintergrund und seine negative Prozesshaftigkeit nachzudenken und zu schreiben.
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Oft war er deprimiert darüber, dass so wenig Diskussionen stattfanden, vielleicht auch, dass er ignoriert wird. Ich habe ihn oft zu trösten versucht, indem ich ihm sagte, dass dieses ignoriert-werden nicht ihm gelte, sondern ein Versuch ist, über die eigene Ohnmacht hinweg zu tanzen. Wir kennen das von früher: Über Dinge, die unveränderbar scheinen, nichts weiter wissen zu wollen. Man muss aber sagen: das ist etwas spezielles in der deutschen Diskussion.
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Im englischsprachigen Raum gibt es eine lebhafte marxistische Diskussion, es ist dort normal, sie zu führen. Achims Auflagen dort waren bald vergriffen. In China wurde seine Analyse über Kapital und Macht vom zweitgrössten chinesischen Staatsverlag für marxistische Theorien ins chinesische übersetzt und mit grossen Brimborium von fünf marxistischen Professoren der dortigen Öffentlichkeit vorgestellt. Achim hat das gefallen.
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Wie so oft gilt: Der Prophet gilt wenig im eigenen Land. Er hat diese Würdigung auch verdient. Im deutschsprachigen Raum herrscht nur ein geistloser Mainstream und findet keine relevante Diskussion über das offenkundig Notwendige statt: Das historische Ende einer Epoche wird so behandelt, als könne alles einfach immer weiter verlängert werden. Dabei gerät alles Zivilisatorische des politischen Systems des Kapitalismus unter die Räder.<br>
(…)<br>
Ja, es bleiben noch die ideologischen Faschisten von der AFD mit ihrem Führerimitaten, als da: In der Entwertung aller Werte durch die sich vollendende Totalität der Lebensverwertung betrachten auch die unten, euphemistisch »Das Volk« genannt, alle Werte auch nur noch als instrumentell für ihre eigenen Zwecke. Auch das ist kein Fundament für einen neuen alten Faschismus. Auch den ideologischen Faschisten wird ihre Grundlage brüchig. Aber es ist die Grundlage für die Barbarei des Interesses. Jedes Interesse ist strukturell reaktionär. Für die, die hier noch eine Bemerkung zu DIE LINKE vermissen, achja, die kann man gerade vergessen.
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Achim wusste das und bestand deshalb darauf, dass wir uns über das Grundsätzliche Gedanken machen, dass wir die Prozesse verstehen müssen, die uns verohnmächtigen und in den Untergang treiben. Manche werfen Achim vor, dass er kompliziert geschrieben hat. Ja, stimmt, es ist nicht alles einfach konsumierbar und erhellt gleich unser Begreifen. Aber auch das hat historisch seine Gründe, wenn etwas noch nicht so einfach auftritt wie eine Neue Welt, die man irgendwann vor seinen Augen sieht und sich dann verblüfft fragt: ‚Wieso habe ich so lange dazu gebraucht'. Dazu muss wahrscheinlich viel zerfallen sein vorher. Aber das zumindest ist unsere Pflicht: zu sehen, dass etwas zerfällt und wir nichts darin retten können.“
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Wenn das Interesse geweckt ist, folgendes Interview aus dem Jahr 2018 ist weiterhin zum Verständnis unserer Zeit relevant und spricht wichtige Themen an:
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Die Surplusbevölkerung vegetiert heute auf dem schmalen Grat zwischen Überleben und Liquidierung. Interview mit Achim Szepanski - Ausschnitt:
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„Das Grosskapital ist international aufgestellt, braucht für die Logistik offene Grenzen, während kleinere Unternehmen eher die Konkurrenz fürchten müssen. Was bedeutet dies für die Tendenz zur Faschisierung?
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Das heisst zunächst einmal, dass die Gefahren für das Entstehen eines alten »vollen« Faschismus gering sind. Allerdings hat gerade die spezifisch kapitalistische Globalisierung in den kapitalistischen Kernländern aufgrund einer langanhaltenden ökonomischen Stagnation, die eben mit der Globalisierung zusammenhängt (Teile des produktiven Kapitals wurden nach China ausgelagert und ermöglichten dort schnelles Wachstum), dafür gesorgt, dass der Staat die Mittel einer keyneasianischen Nachfragestimulierung nicht mehr aufbringen kann, sodass seine Funktion als Institution des Interessenausgleichs zwischen Kapital und Arbeit eingeschränkt ist. Stattdessen wird seine Funktion als soziale Polizei und Überwachungsorgan hochgefahren und erweitert. Dies begünstigt wiederum Faschisierungsprozesse im Staat selbst.“<p><em></em><p><small><b>Quellen:</b>
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Interview mit dem Autonomie Magazin: <a class="fussnoten_links" href="https://www.autonomie-magazin.org/blog/2018/11/22/die-surplusbevoelkerung-vegetiert-heute-auf-dem-schmalen-grat-zwischen-ueberleben-und-liquidierung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.autonomie-magazin.org/blog/2018/11/22/die-surplusbevoelkerung-vegetiert-heute-auf-dem-schmalen-grat-zwischen-ueberleben-und-liquidierung/</a>
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Imperialismus, Staatsfaschisierung und die Kriegsmaschinen des Kapitals. Drei Essays: <a class="fussnoten_links" href="https://non-milleplateaux.de/wp-content/uploads/2018/11/Dokument0.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://non-milleplateaux.de/wp-content/uploads/2018/11/Dokument0.pdf</a>
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Karl-Heinz Dellwo's Einleitung und viele weitere Widmungen:<br>
<a class="fussnoten_links" href="https://non-milleplateaux.de/fur-achim/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://non-milleplateaux.de/fur-achim/</a></small>]]></description>
<pubDate>Wed, 15 Apr 2026 08:49:00 +0200</pubDate>
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</item>

<item>
<title><![CDATA[Widerstandskollektiv und End Cement kündigen Zementwerksblockade von Heidelberg Materials an]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/oekologie/widerstandskollektiv-und-end-cement-kuendigen-zementwerksblockade-von-heidelberg-materials-an-009597.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Das Widerstands-Kollektiv und das Aktionsbündnis End Cement kündigen an, am Donnerstag, den 16. April, das Zementwerk von Heidelberg Materials zu blockieren.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Ennigerloh_Zementwerk_HeidelbergCement_--_2014_--_8672_w.webp><p><small>Das Heidelberger Zement Werk in Ennigerloh Süd.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/User:XRay" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dietmar Rabich</a> - <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Main_Page" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wikimedia Commons</a> - <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ennigerloh,_Zementwerk_HeidelbergCement_--_2014_--_8672.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ennigerloh, Zementwerk HeidelbergCement -- 2014 -- 8672</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 4.0 cropped)</a></small><p>In der Vergangenheit gab es bereits mehrere Blockaden vor dem Zementwerk, bei denen teils bis zu 100.00 Euro Sachschaden von Heidelberg Materials geltend gemacht wurden.<a href="#footnote-1" id="ref-1">[1]</a>
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„Wir werden dafür sorgen, dass die Zementindustrie ihre zerstörerische Arbeit an diesem Tag nicht weiterführen kann“, so Kim Z. (27) Sprecherin des Bündnisses gegen die Menschenrechtsverletzungen und das Kulturwashing von Heidelberg Materials.
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Die Studentin ergänzt: „Während Heidelberg Materials weltweit Menschenrechte verletzt und das Klima belastet, setzen wir ein Zeichen des Widerstands - direkt vor den Werkstoren.“
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Die Initiative lädt offen zur Teilnahme ein: „Komm am Donnerstag, dem 16. April, um 12 Uhr nach Leimen zum Zementwerk und schliesse dich der Blockade an“.<br>
Die geplante Blockade erfolgt in der Zeit des End Cement Camps, das vom 12. bis 20. April in Heidelberg stattfindet. Das Camp wendet sich gegen das Sponsoring des Musikfestivals “Heidelberger Frühling” durch Heidelberg Materials.
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Das Widerstands-Kollektiv ist eine Gerechtigkeits-Bewegung, die sich Ende Februar 2025 als eines der beiden Nachfolge-Projekte aus der <em>Letzten Generation</em> gegründet hat.
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Im Fokus des Widerstands-Kollektivs steht die Notwendigkeit gerechten Klimaschutzes.
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Das Projekt sieht die Klimakatastrophe als eine soziale, ökologische und demokratische Krise. Es versucht jedoch nicht mehr, Druck auf eine Regierung auszuüben, die sich in den vergangenen Jahren als unfähig (oder unwillig) erwiesen hat, sondern wird gerechten Klimaschutz selber machen.<br>
Das Widerstands-Kollektiv setzt überall dort an, wo sich Zerstörungen und Ungerechtigkeiten abspielen.
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Dafür werden verschiedene Protestformen genutzt. Beispielsweise werden Parkplätze in Grünflächen umgewandelt oder Radwege gemalt gemacht. Ausserdem nimmt die Gruppe diejenigen, die sich an der Zerstörung bereichern, in die öffentliche Verantwortung. Durch ungehorsame Versammlungen sollen Konzernzentralen, Flughäfen oder Baustellen besetzt werden. Umweltschäden werden direkt verhindert, etwa durch die Stilllegung klimaschädlicher Anlagen oder das öffentliche Blossstellen von klimaschädlichen Konzernen.<p><em></em><p><small><b>Fussnoten:</b>
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<a href="#ref-1" id="footnote-1">[1]</a> <a href="https://www.n-tv.de/regionales/baden-wuerttemberg/Anklage-nach-Zementwerk-Blockade-in-Leimen-erhoben-article25748874.html" class="fussnoten_links" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.n-tv.de/regionales/baden-wuerttemberg/Anklage-nach-Zementwerk-Blockade-in-Leimen-erhoben-article25748874.html</a>
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Alle Infos zur Kampagne End-Cement: <a class="fussnoten_links" href="https://end-cement.earth/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://end-cement.earth/</a></small>]]></description>
<pubDate>Sat, 11 Apr 2026 08:46:00 +0200</pubDate>
<guid>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/oekologie/widerstandskollektiv-und-end-cement-kuendigen-zementwerksblockade-von-heidelberg-materials-an-009597.html</guid>
</item>

<item>
<title><![CDATA[Das Lebendige schlägt zurück: Raum für eine revolutionäre Praxis schaffen]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/medien/das-lebendige-schlaegt-zurueck-raum-fuer-eine-revolutionaere-praxis-schaffen-009630.html</link>
<description><![CDATA[<strong>1995 - Die Dinge bekommen leben – doch es ist ihnen egal! Über Wissenschaften und Kommunikationstechnologie.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Gestalter_fuer_immersive_Medien_Werbeflyer_w.webp><p><small>  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gestalter_f%C3%BCr_immersive_Medien_Werbeflyer.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Griddings</a> (PD)</small><p>Bei den universitären Sozialwissenschaften wird die Dialektik als Untersuchungsmethode mehr und mehr als unwissenschaftlich abgelehnt. Aus anarchistischer Sicht sollte dies ein Grund zur Freude sein, eben dass die Dialektik von diesen Soziotechnikern, Soziokybernetikern und universitären Laborratten nicht mehr missbraucht wird. Es bleibt zu hoffen, dass sie vielmehr wieder eine lebendige und praktische Methode wird. Wo könnten eventuell Ansatzpunkte für eine anarchistische Kritik der Medien und Kommunikationstechnologien sein?
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Zunächst sollten technische Artefakte weder als neutral oder als Heilsbringer betrachtet werden, noch sollten sie dämonisiert werden. Es ist daher umso wichtiger, sie in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung und Funktion zu begreifen. Die Manipulation durch Medienprodukte erhält erst dadurch ihre enorme Wirkung und Effektivität, dass sie auf vereinzelte und entfremdete Menschen trifft.
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Medientheorie als nicht-materialistische Theorie zu betrachten, wie es häufig aus marxistischer Sicht geschieht, erfasst nicht den materialistischen Kern der Kontrolle, den Informationen durch ihre Verarbeitung, ihre Steuerung und Regelung auf den Menschen ausüben. Simulation ist eine äusserst effiziente und mächtige Technik. „Was durch sie ausgeblendet wird, ist zunächst die Konstruktionsmaschinerie selbst und des Weiteren die bewusste Manipulation, die auf der Kenntnis des Funktionierens der Wahrnehmungsmechanismen beruht.“<a href="#footnote-1" id="ref-1">[1]</a>
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Das Sichtbare, mit all seinen Verzerrungen, Ausblendungen und Zerstückelungen, wird dem Wirklichen gleichgesetzt und dieses wiederum mit dem Wahren. Dies war zwar schon immer Teil von Konstruktionen und das ist bei allen Medienprodukten ähnlich gelagert, egal ob es sich um Schriftstücke, gesprochene Vorträge, Fotos oder Fernsehprodukte handelt. Doch dieses Prinzip hat sich mit der Simulation und der Computeranimation wesentlich verschärft.
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Technische Artefakte bieten des Weiteren nicht nur Verfügbarkeit an, sie verlangen auch Verfügbarkeit vom Menschen.
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Sie dienen im Kapitalismus, aus dem sie ja schliesslich entstanden sind, zur Produktivitätssteigerung und somit auch zur Steigerung der Produktionsgeschwindigkeit, was sich auf die gesellschaftliche Arbeitsorganisation, das menschliche Zeitempfinden (Zeitmangel) usw. auswirkt.
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Es ist eine logische Folgerung, dass neue Technologien unsere Wahrnehmung und unser Zeitempfinden verändern. Doch wenn dies zum Ausgangspunkt einer Medientheorie wird, ist die Gefahr allerdings gross, in einen Traum von Ursprünglichkeit und Echtheit (Authentizität) zu fallen und somit in die Nähe eines elitären und bisweilen reaktionären Kulturpessimismus zu geraten.
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Auch fatalistische Theorien à la Baudrillard zu verinnerlichen, verhindert die Möglichkeiten revolutionären Handelns und führt zu einer Selbstlähmung. Es besteht eben keine Deckungsgleichheit zwischen subjektivem Zeiterleben und der technischen und medialen Zeittransformation. Was Marx für die Epoche der Industrialisierung beschrieben hat, ist auch für die Epoche der „Elektronisierung“ zutreffend: Technik und Produktionsverhältnisse schaffen „nicht nur einen Gegenstand für das Subjekt, sondern auch ein Subjekt für den Gegenstand.“ Hier ist das Subjekt entscheidend mitberücksichtigt.
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Zwar gibt es die dumpfen Technikschergen, die nur das machen, wozu die Maschinen programmiert sind, und das im Sinne von Herrschaft und Kapital. Doch es ist das Subjekt, mit allen seinen Eigenschaften, wie Emotionalität, sinnhaftes Handeln usw., das in einem Bezug zum technischen Gegenstand steht. Dadurch ist auch subversives Handeln, Sabotage, Zweckentfremdung … möglich.
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Nach Baudrillard ist das Subjekt im Medienzeitalter nur noch ein fraktales<a href="#footnote-2" id="ref-2">[2]</a>, „das in eine Vielzahl von winzigen gleichartigen Egos zerfällt,“<a href="#footnote-3" id="ref-3">[3]</a> also überhaupt keines mehr. Daher gibt es seiner Ansicht nach keine Entfremdung mehr.
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Anarchistische Medienkritik sollte dahingegen zwischen erlebter und gelebter Zeit unterscheiden. Auch wenn das was als „gelebt“ gelten könnte, nur durch eine revolutionäre Praxis zu bestimmen ist. Sie sollte die Kluft von „mediafiction“, Mediendystopien<a href="#footnote-4" id="ref-4">[4]</a> und sozialwissenschaftlicher Medienanalyse überwinden und sich radikale Positionen mit dem Umgang neuer Kommunikationstechnologien erarbeiten. AnarchistInnen können zeigen, dass der Mensch eben nicht wie eine Maschine funktioniert und sich nicht so verhält; was jedoch nicht bedeuten kann, den Begriff Entfremdung aufzugeben.
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Beweisen, dass eine absolute Kontrolle niemals möglich ist, bedeutet, sich Raum für eine revolutionäre Praxis zu schaffen. Das „wie?“ ist rein theoretisch und a priori nicht zu beantworten, das vermag nur der praktische Versuch mit theoretischer Reflexion, also eine lebendige Kritik.<p><em></em><p><small><b>Fussnoten:</b>
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<a href="#ref-1" id="footnote-1">[1]</a> Helga Nowotny: „Das Sichtbare und das Unsichtbare“, 1994
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<a href="#ref-2" id="footnote-2">[2]</a> Ein fraktales Objekt zeichnet sich dadurch aus, dass sämtliche Informationen die dieses Objekt bezeichnen, im kleinsten Detail einbeschlossen sind. (z.B. bei der Holographie)
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<a href="#ref-3" id="footnote-3">[3]</a> Baudrillard: s.o.
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<a href="#ref-4" id="footnote-4">[4]</a> Dystopie: negative Utopie; Horrorszenario (z.B.: Orwell: 1984)
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Ganzer Text:<br>
Die Dinge bekommen leben – doch es ist ihnen egal! Über Wissenschaften und Kommunikationstechnologie 1995
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Schwarzer Faden. Vierteljahresschrift für Lust und Freiheit. 4/95 (Nr. 55) 16.Jg. URL: <a class="fussnoten_links" href="https://archive.org/details/schwarzer-faden/1995-55-Schwarzer%20Faden_f/page/n35/mode/2up" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://archive.org/details/schwarzer-faden/1995-55-Schwarzer%20Faden_f/page/n35/mode/2up</a></small>]]></description>
<pubDate>Thu, 09 Apr 2026 08:51:00 +0200</pubDate>
<guid>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/medien/das-lebendige-schlaegt-zurueck-raum-fuer-eine-revolutionaere-praxis-schaffen-009630.html</guid>
</item>

<item>
<title><![CDATA[Huthis, Hass und Hoffnung: Die Märkte sind durchgeschüttelt, die Energiepreise hoch]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/huthis-hass-hoffnung-die-maerkte-sind-durchgeschuettelt-die-energiepreise-hoch-009615.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Der Bürger als solcher ist dieser Tage ganz schön irritiert: Eben noch konnte er über verdammt hohe Spritpreise jammern.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/2026-03-03_Treibstoffpreise_nach_Beginn_von__Epic_Fury_w.webp><p><small>Treibstoffpreise nach Beginn von "Epic Fury" am 28.02.2026. Aufgrund der Einschränkungen der Straße von Hormus werden höhere Preise erwartet.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2026-03-03_Treibstoffpreise_nach_Beginn_von_%22Epic_Fury%22_HOF8331_RAW-Export_cens.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">PantheraLeo1359531</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 4.0 cropped)</a></small><p>Über die vielen Faulenzer und Schmarotzer, die den Staat ausplündern, über Merz oder kriminelle Migration und das bissel Krieg, da tauchen die Huthis aus dem Nichts auf und die vergessenen Terroristen! Gott sei Dank nur in Frankreich. Als ob ich's geahnt hätte! Und alles vor Ostern!
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Wir wissen: Das iranische Regime leugnet den Holocaust und das Existenzrecht Israels und fordert stattdessen einen palästinensischen Staat, andererseits mehren sich in Israel die Stimmen rechts von Rechts und fordern kein Brot und kein Wasser in Gaza. Oft schlagen die Leut' die Händ' überm Kopf zusammen, wenn man sie beim abendlichen Frühschoppen im Fernsehen mit „diesen Gräuel da“ in Be'eri, Kfar Aza oder Nir Oz belästigt: Nichts wie wegsehen!
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Dass unsere deutschen Grossväter zwischen '33 und '45 ebenso gemeingefährlich und brutal mit den Menschen umgegangen sind und die Vernichtung der Juden zur Staatsräson gehörte – nee, echt jetzt? Wann soll das gewesen sein? Kein guter Grund, jetzt die Etats für Demokratie- und Allgemeinbildung zusammenzustreichen.
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Und jetzt? Donalds Trump hat einen Irankrieg entfesselt, dessen Folgen die ganze Welt tragen muss, aber sie glaubt's noch nicht. Die Märkte sind durchgeschüttelt, die Energiepreise hoch, das Risiko, dass einem der Osterurlaubs verdorben wir, ist hoch.
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Ich kann's noch nicht glauben, dass die guten Zeiten vorbei sind. Beim Klimawandel wussten wir wenigstens, dass es eine Katastrophe wird. Wenn Ihnen das alles zu resignativ ist - bitte: Noch haben Sie die Chance, sich einzumischen, ganz praktisch und täglich. „Sej a Mensch“, wie meine Omi Glimbzsch aus Zittau oft sagt.<p><em></em><p>]]></description>
<pubDate>Fri, 03 Apr 2026 10:50:00 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Der Deutsche Buchhandlungspreis und der Kulturkampfminister Weimer]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/medien/der-deutsche-buchhandlungspreis-und-der-kulturkampfminister-weimer-009614.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Liebe lesende Gemeinde, neulich in der Bahn: eine Frau fragt ihr Gegenüber: “hast Du schon die Sache mit dem Buchhandelspreis gehört?“.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Unterzeichnung_des_Koalitionsvertrages_w.webp><p><small>Kulturstaatsminister Wolfram Weimer am 5. Mai 2025.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2025-05-05_Unterzeichnung_des_Koalitionsvertrages_der_21._Wahlperiode_des_Bundestages_(Martin_Rulsch)_019.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Martin Rulsch, Wikimedia Commons</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 4.0 cropped)</a></small><p>Ja, man muss Wolfram Robert Wilhelm Weimer, der sich mit dem Titel „Kulturstaatsminister“ schmücken darf, geradezu dankbar sein: der Buchhandel ist – endlich einmal wieder! – in aller Munde, und zudem ist diese Branche eng zusammengerückt gegen einen Menschen, der genau dies gerade nicht wollte.<br>
Was war geschehen? Seit 2015 wird der Deutsche Buchhandelspreis vergeben. „Noch ein Preis“, könnte man sagen, wo es im Kulturbereich vor Preisen nur so wimmelt.
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Doch einer vielfach ökonomisch prekären, jedoch kulturell bedeutsamen Branche mehr Sichtbarkeit zu geben und die Bemühungen vieler unabhängiger Buchläden um eine sorgfältige Buchauswahl, ihre vielfältigen Veranstaltungen rund ums Buch und ihre Rolle als kulturelle Orte zu würdigen, dies ist Grund genug für diesen Preis: ja, er ist sinnvoll! Nun hat allerdings der Kulturstaatsminister erstmals mit dem sogenannten „Haber-Verfahren“ (einer 2004 erstmals vom Ex-RAF-Anwalt und späterem Innenminister angewendeten Anfrage zur Überprüfung öffentlich geförderter Projekte beim Verfassungsschutz) herausgefunden, dass drei der von einer unabhängigen Jury ausgezeichneten Läden „bedenklich“ sind und eine nachträgliche Streichung von diesem Preis durchgesetzt, somit auch die besagte Jury übergangen.
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Es sind dies der nach seinem einstigen Standort benannte „Buchladen Rote Strasse“ (der meine eigenen politische Sozialisation in den 1980er Jahren entscheidend beförderte, seit vielen Jahren ist der Laden zugleich lokaler Standort der ehemals gewerkschaftlichen „Büchergilde Gutenberg“), der sympathische „Golden Shop“ in Bremen sowie  der „Buchladen zur schwankenden Weltkugel“ in Berlin, ein Ableger des mir ebenfalls gut bekannten Buchladen „Schwarze Risse“, welcher seinerseits lange Jahre mit dem im Volksmund „Roter Buchladen“ genannten Göttinger Buchladen verlegerisch kooperierte. Es liegt im Wesen der Staatschutz-Geheimniskrämerei, dass die ominösen „Erkenntnisse“ gegen diese Buchläden nicht benannt und entsprechend auch nicht überprüft werden können. Schäbig auch die dreiste Lüge Weimers, der zunächst behauptete, die drei Buchläden seien von der Jury gar nicht ausgezeichnet worden.
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Mit seiner Entscheidung begeht Weimer einen massiven Eingriff in die Meinungsvielfalt, die gerade für den Buchhandel immer essentiell war: offene Diskurse, politische Debatten, gesellschaftliche Diversität, das Einsetzen für eine inklusive, emanzipatorische Kultur, das ist geradezu der Nährboden für eine lebendige Buchkultur. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die oberste Interessenvertretung von Verlagen und Buchhandlungen, kritisierte Weimers Vorgehen denn auch scharf: „Die Würdigung der kulturellen Leistung einer Buchhandlung von einer etwaigen politischen Ausrichtung ihres Sortiments abhängig zu machen, lehnen wir grundsätzlich ab“.
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Bremens Bürgermeister liess in einer Presseerklärung verlauten: „Der Schutz der Kunstfreiheit ist ein verfassungsrechtliches hohes Gut, welches es entschieden zu schützen gilt. Augenscheinlich gab es nicht mal eine Information, geschweige denn eine Anhörung der Betroffenen. Das ist nicht akzeptabel" (das in Bremen gerade ein psychisch labiler Mensch als V-Mann enttarnt wurde, der jahrelang das linke Milieu bis weit in zivilgesellschaftliche Strukturen hinein ausspähte, sei hier wenigstens am Rande vermerkt). Viele Kommentare in den Medien wiesen zudem darauf hin, dass Weimer sich als vermeintlicher Vertreter von Kultur in die fatale Linie der rechten Un-Kultur US-amerikanischer „schwarzer Listen“ stellt („Book banned“).
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Der Schriftsellerverband PEN Deutschland fordert denn auch: „Wehret den Anfängen – ansonsten werden wir im Handumdrehen amerikanische Zustände haben“. Man muss zu dem Haber-Verfahren auch wissen, dass bereits 2019/ 2020 der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages wie auch die Bundesbeauftragte für den. Datenschutz und die Informationsfreiheit dieses kritikwürdige Vorgehen als verfassungsrechtlich bedenklich bzw. datenschutzrechtswidrig beurteilten.
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Es ist kennzeichnend für rechte Strategien, dass sie sich als „unpolitisch“ ausgeben. So äusserte Weimer wiederholt, dass Kultur kein geeigneter Austragungsort für linke oder rechte Politik sei – was einerseits ein antiquiertes Kulturverständnis offenbart, zudem aber auch schlicht verlogen ist, da Weimer wie keiner seiner Vorgänger für ein reaktionäres rechtes Weltbild steht. So ist der formal parteilose Weimer ein Freund von Friedrich Merz, Verfasser eines „konservativen Manifests“, Gründer des spätestens seit 2012 immer stärker nach rechts gerückten Magazins „Cicero“.
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Weimer ist mit seinen flüchtlingspolitischen – bzw. flüchtlingsabwehrenden – Positionen Gegner einer offenen Gesellschaft, er ist Vertreter eines restaurativen Geschlechter- und Familienbildes (Familie ist ihm ein „Vaterland des Herzens“), er ist ein sogenannter Klimaskeptiker, der seinen Kulturbegriff mit Nationalismus bzw. Patriotismus auflädt („Der Konservative ist Patriot, der Konservative steht zum gefühlten Vaterland wie zur Muttersprache, der Konservative fühlt das Abendland als Heimat“). Angesichts dieses Hintergrundes ist es eine verbale Blendgranate, wenn Weimer gegenüber dem Börsenblatt des Deutschen Buchhandels verlauten lässt, sein Vorgehen entspräche „der politischen Linie der Bundesregierung, Extremismus in jeder Form entschlossen und konsequent zu begegnen. Das gelte für Rechtsextremismus wie Linksextremismus“.
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Der Schriftsteller Rafik Schami bemerkte „Es ist widerlich, wie man mit einer unnachahmlichen Penetranz Tür und Tor für die Rechtsradikalen öffnet, indem ein Minister Weimer und seine Verfassungsschützer Buchhandlung öffentlich bestrafen, weil sie links stehen“. Weimer bestärkt damit – man darf annehmen: durchaus bewusst, denn so viel Intelligenz muss man ihm zubilligen - die AfD: Er steht damit Seite an Seite mit Kanzler Merz (der seinem Duz-Freund denn auch sogleich sein volles Vertrauen ausspricht), Maskendealer Jens Spahn, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (die ebenfalls vorgeblich rechts und links gleichsetzt, während sie faktisch rechte Ideologeme bedient) und „Bildungsministerin“ Karin Prien, deren Programm – gerade will sie Demokratieprojekten den Geldhahn zudrehen – es rechtfertigt, ihren Titel fortan nur noch in Gänsefüsschen zu nennen. Man ahnt: es geht nicht nur um Weimer – aber irgendwo muss man ja mal anfangen.
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Allesamt stärken diese kultur- und niveaulosen, rechtspopulistischen Gestalten nach Kräften die AfD: „Staatliche Förderpreise dürfen nicht dazu beitragen, politisch extremistische Milieus zu legitimieren oder finanziell zu stärken“, so denn auch deren kulturpolitischer Sprecher. Ja, extremistisch sind eben nur die anderen. In der „aktuellen Stunde“ im Bundestag zum Buchhandlungspreis fragte Götz Frömming von der AfD scheinheilig, was los gewesen wäre, wenn die Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen den Preis bekommen hätte und meint, diese – eine Buchhändlerin, die im Kontext der neuen rechten agiert, entsprechende Verlage protegiert, schon mal die Identitären-Aktivistin Caroline Sommerfeld bei sich lesen lässt und ihre Branche kurzum als „vollkommen verblödet“ bezeichnet - bekäme „nie den Buchhandlungspreis“. Eine typische rechte Falschinformation: Dagen wurde zweimal ausgezeichnet. Frömming griff Weimers Ball dankbar auf und meinte, dem Düsseldorfer BiBaBuZe-Buchladen eine RAF-Veranstaltung anhängen zu können – inzwischen musste Frömming eine Unterlassungserklärung für seine Falschbehauptung unterschreiben. Die Botschaft aber ist deutlich: es soll nicht bei drei inkriminierten Buchhandlungen bleiben.
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Weimer befeuert mit seinem Agieren also einen stramm rechten Kulturkampf. Entgegen der irreführenden „Extremismus“-Debatte von rechts zerlegt die umfassende Berliner Studie zu politischen Einstellungen praktisch zeitgleich zu Weimers Preisaberkennung gerade eindrucksvoll die „links=rechts“-Theorie: Es sind die Rechten und Rechtsextremen, die die Demokratie bedrohen. Verteidigt wird sie hingegen am verlässlichsten von jenen, die sich im politischen Spektrum am weitesten links verorten.
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Die Befunde der Studie sind mehr als erschreckend: so stimmen fast 50 Prozent der Berliner*innen der Aussage teilweise oder ganz zu, dass Deutschland „eine einzige starke Partei“ brauche, „die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“. Mehr als 65 Prozent der Berliner*innen wollen ganz oder teilweise „endlich wieder Mut zu einem starken Nationalgefühl haben“ und 50 Prozent stimmen ganz oder teilweise zu, dass Deutschland „durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Mass überfremdet“ sei (taz, 23.2.2026. Gegen diese wahrhaft bedrohlichen Einstellungen engagieren sich nicht zuletzt die drei Buchläden, denen nun der Preis aberkannt wurde. Und genau in diesem Kontext ist Weimers Agieren einzuordnen. Deshalb: Weimer muss weg!
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Jedoch, wie ich eingangs sagte, man muss dem Kulturkampfminister Weimer regelrecht dankbar sein. Die Branche hat nun die Gelegenheit, zu zeigen, dass sie sich nicht spalten lässt. „Wir sind bereit, unsere betroffenen Kolleg*innen in jedweder Hinsicht zu unterstützen“, so äusserten sich Frankfurter Buchläden. Das gemeinsame Statement der 118 zum Buchhandelspreis nominierten Buchläden (inkl. der drei ausgeschlossenen Läden) spricht eine klare Sprache: „Für uns alle unfassbar strich Kulturstaatsminister Weimer 3 Buchhandlungen aus der Liste der Nominierten. Sie zeichnen sich durch ein Sortiment aus, das Themen wie Antikapitalismus, Feminismus und antikoloniales Denken umfasst.
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Wir protestieren entschieden gegen diese Streichung und erklären hiermit deutlich unsere Solidarität mit den ausgeschlossenen Buchhandlungen“. Mehr als die Hälfte der nominierten Buchläden erklärte sich bei einem ersten spontanen Rundruf bereit, Geld an ein Spendenkonto zu überweisen, um den drei Buchhandlungen das Preisgeld zu ersetzen. Der Berliner Landesverband des Börsenvereins betont: „Wir zeigen Gesinnungsschnüffelei die Rote Karte und fordern den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien auf, seiner Aufgabe als Förderer der Kultur gerecht zu werden und nicht als Kulturkämpfer zu agieren“.
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Nachdem mehrere der mit dem Buchhandelspreis ausgezeichneten Buchläden öffentlich äusserten, nicht zur Preisverleihung nach Leipzig am 19.3. kommen zu wollen (und andere explizit die drei ausgeschlossenen Buchläden zum Kommen einluden), entschloss sich der feige Kulturstaatsminister, die öffentliche Verleihung abzusagen und den ausgezeichneten Buchhandlungen Preisgeld und Urkunde direkt zuzusenden – wohl. um eine absehbare öffentliche Blamage für ihn zu vermeiden. Das er nun bis auf die Eröffnung alle Termine bei der Leipziger Buchmesse absagte und regelrecht abtaucht, als Kulturstaatsminister also eines der beiden Buch-Grossevents des Jahres fast vollkommen meidet, zeigt schon, dass Weimer zumindest für die Buch-Welt als Minister vollkommen untragbar geworden ist.<br>
Die Kampagne <a href="https://lesen-hilft.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">lesen-hilft.org</a> will ebenfalls – wie die Sammlung unter den ausgezeichneten Buchläden) die drei Buchläden unterstützen. Denn das Preisgeld (je 7.000 Euro, für besonders herausragende Buchhandlungen je 15.000 Euro) bedeutet angesichts der prekären Situation vieler Buchläden eine Menge oft bitter nötiges Geld. Die Kampagne „Lesen hilft“ erinnert in ihrem Aufruf daran, dass Buchläden – nicht zuletzt die drei vom Buchhandelspreis ausgeschlossenen - Orte der Begegnung, Räume für Diskussion und Debatte, Treffpunkte für Literatur und kritisches Denken und Teil einer lebendigen demokratischen Öffentlichkeit sind.
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Eben dies ist Weimer ein Dorn im Auge. Ach ja, der Unkultur-Staatsminister legte noch nach: im März 2026 wurde seine Entscheidung bekannt, den seit 2018 geplanten Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek am Standort Leipzig nicht zu bauen. Als Grund nannte Weimer, das Sammeln physischer Werke sei „nicht mehr zeitgemäss“. Doch längst geht es – und auch dafür darf man Weimer ironischerweise dankbar sein – um Grundsätzlicheres: um die Autonomie der Kultur und die Bewahrung kultureller Vielfalt, um den Kampf gegen rechte Hegemoniebestrebungen und um offene Debatten um eine widerständige Kultur.<p><em></em><p>]]></description>
<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 16:47:00 +0200</pubDate>
<guid>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/medien/der-deutsche-buchhandlungspreis-und-der-kulturkampfminister-weimer-009614.html</guid>
</item>

<item>
<title><![CDATA[Arme Kinder: Sorge um den Nachwuchs der Nation]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/bildung/arme-kinder-sorge-um-den-nachwuchs-der-nation-009612.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Und Rücksichtslosigkeit gegenüber den Arbeits- und Lebensbedingungen der Mehrheit. Wie das passt!</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Hauptgebaeude_Nelly-Sachs-IGS_w.webp><p><small>Schulhof und Hauptgebäude der Nelly-Sachs-IGS in Worms-Horchheim.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hauptgeb%C3%A4ude_Nelly-Sachs-IGS.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Affegass</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 4.0 cropped)</a></small><p>Ob direkt oder indirekt, Kinder sind zurzeit häufig Thema der öffentlichen Debatte und in den Äusserungen von Politikern. Das fängt schon damit an, dass es sie in ausreichender Zahl nicht gibt – ein Missstand, der z.B. gleich zur Sprache kommt, wenn die Verrentung der Babyboomer zum Problemfall erklärt wird. Sind sie dann da, hindern sie ihre Eltern Vollzeit zu arbeiten und fallen zudem vielfach in die Problemkategorien „Kinderarmut“ oder „Gewaltbereitschaft“. Beim Pisa-Test schneiden sie nicht gut ab, zeigen zunehmend Verhaltensstörungen und sind in grosser Zahl zu dick. Und das bei ständigem Handykonsum. Was ist da los?

<h3>Arm an Kindern</h3>

Schon vor der Geburt sind die Kinder hierzulande fest verplant, schliesslich braucht es ständig Nachschub an Arbeitskräften, die den Reichtum für andere erarbeiten oder sich für den Staat nützlich machen. Zwar herrscht an Kindern in der Welt kein Mangel, aber Politiker wie Medien sind sich weitgehend einig, dass es gefälligst Kinder sein müssen, die von Eingeborenen stammen. „Kinder statt Inder“ hiess dazu die klassische Parole eines christlichen Politikers. Die eigenen sollen quasi von Geburt an loyal zu „ihrem“ Staat stehen. Kinder oder Schwangere aus dem Ausland lässt man dagegen lieber im Mittelmeer ertrinken, die passen qua Volksnatur nicht zu den Ansprüchen hiesiger Politik und Leitmedien.
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Weil ein Leben von Lohn und Gehalt ständig Notlagen in Form von Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Alter produziert, sind die Kinder auch gleich als Beitragszahler für die verschiedenen Sozialkassen eingeplant, die ja zum Teil auf einem Generationenvertrag beruhen sollen. Die Ressource Jugend wird eben dringend benötigt, um den Kapitalstandort D am Laufen zu halten und voranzubringen. Schliesslich werden dessen Einwohner nicht nur in der Arbeit verschlissen, sondern sind auch umfassender Vergiftung – über Feinstaub in der Atemluft, Herbiziden im Essen oder Pfas in der Kleidung – ausgesetzt.
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So dominieren die sogenannten Zivilisationskrankheiten wie Kreislaufbeschwerden und Krebs die einschlägigen Statistiken und für das Aushalten dieser Schädigungen braucht es ein umfassendes Gesundheitssystem, das auch noch als Reichtumsquelle für Ärzte, Kapitalgesellschaften und Pharmafirmen dienen soll. Der wechselnde Gang des Geschäfts macht Arbeitslosigkeit zum festen Bestandteil des Arbeitslebens und so braucht es eine Sicherung, damit das Arbeitsmaterial nicht verkommt, vielmehr tauglich bleibt. Auch für die Versorgung der Alten, die nach dem Berufsleben einkommenslos sind, sollen in Zukunft die noch nicht Geborenen aufkommen. Somit muss allerlei getan werden, damit es ausreichend Nachschub an der Heimatfront der Nation gibt.
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Das Blöde ist nur, dass man in der Nachwuchsfrage nichts direkt verordnen kann. Höchstens Ermahnen geht, wie etwa in Frankreich, wo die Endzwanziger/-innen einen Brief von ihrer Regierung bekommen, der sie darauf hinweist, dass die biologische Uhr tickt. So direkt wird in Deutschland nicht verfahren, auch wenn die Politiker sich viel einfallen lassen, damit der Nachwuchs nicht ausbleibt. Mit mehr oder weniger hoheitlichem Nachdruck soll den jungen Erwachsenen das Kinderkriegen schmackhaft gemacht werden. So gibt es Kindergeld, bezahlte Erziehungszeiten, aber auch erhöhte Beiträge zur Pflegeversicherung, wenn sich das gewünschte Resultat nicht einstellt. Dennoch muss Bild am Sonntag (22.2.26) erschüttert feststellen:
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„Deutschland schrumpft. Nicht irgendwann, sondern jetzt. 2025 wurden hierzulande nur noch rund 650 000 Kinder geboren – etwa 20 000 weniger als im Vorjahr. Die Geburtenrate sank auf 1,35 Kinder pro Frau. Ein historischer Tiefstand.“ Womit einmal mehr klargestellt ist, wozu Frauen in dieser Gesellschaft gut sind, nicht nur als Arbeitskraft, sondern auch für die Produktion des nationalen Nachwuchses! Und das nicht nur einmal, sondern möglichst mehrmals!<br>
Angesichts der an die Wand gemalten Katastrophe wirft Bild die Frage auf, ob dies etwa am Geld oder besser gesagt am fehlenden Geld liegen könnte.
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Zwar bringt das Blatt eine Reihe von Beispielen, die vor Augen führen, dass viele Bürger schlicht zu arm für die Übernahmen dieser „Verantwortung“ sind: Ein Gehalt bei gleichzeitiger Kindererziehung reicht nicht, die Mieten für eine angemessene, grössere Wohnung können vom Verdienst nicht bestritten werden usw. Dennoch will das Sprachrohr des kleinen Mannes bzw. der kleinen Frau bei allem Verständnis für deren Nöte sich mit dem Urteil nicht abfinden, das die Mehrheit der von Bild Befragten gerade von sich gegeben hat: dass man sich in dieser Gesellschaft Kinder nicht leisten kann.
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Am Beispiel eines gut verdienenden Paares (Einkommen von 14 000 € pro Monat) wird dann vorgeführt, dass es am Geld nicht liegen kann, wenn Paare zu diesem Schluss gelangen. Da muss es an der richtigen Einstellung fehlen: „Ja, Kinder kosten bis zum 18. Lebensjahr weit über 180 000 Euro. Aber sie sind kein finanzieller Verlust. Sie sind ein Gewinn, der sich nicht auf dem Kontoauszug zeigt. Sie sind Verantwortung, Zukunft, Sinn und im besten Fall die Krönung der Liebe zweier Menschen.“ (Bild) Für den Lobgesang aufs Kinderkriegen muss der Schreiber ziemlich schönfärben.
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Welches Kind ist mit 18 Jahren schon mit der Ausbildung fertig? Was soll an der Verantwortung für ein Kind schön sein, wenn es in der Familie hinten und vorne am Nötigen fehlt? Wenn die Zukunft für das Kind eine mehr als unsichere Sache ist? Und nur zu oft sind Kinder nicht die „Krönung der Liebe“, sondern der Kitt einer kaputten Beziehung. Nicht umsonst müssen immer die höheren Werte herhalten, um die damit verbundenen Nöte zu überspielen. Sinngebung dient eben regelmässig dazu, Entbehrungen als Dienst für etwas Höheres umzudeuten.

<h3>Arme Kinder</h3>

Sind die Kinder wirklich da, dann stören sie – im Prinzip jedenfalls. Denn wie sollen Vater und Mutter Vollzeit arbeiten und gleichzeitig ein Kind versorgen? Und das in Zeiten, wo die Sorge um die Work-Life-Balance offiziell in Verruf geraten ist? Zwar wird einem Elternteil für eine gewisse Zeit zugestanden, sich um das Kind zu kümmern, aber dann soll er oder sie auch möglichst schnell wieder rein in die Arbeit. Schliesslich arbeiten die Menschen hierzulande nicht, um zu leben, sondern leben, um zu arbeiten. Kinder müssen aber irgendwie versorgt werden, daher hat die deutsche Politik das Recht auf einen Kita-Platz und die Ganztagsschule versprochen, das Versprechen allerdings nicht gehalten: „Ganztagsbetreuung für Grundschüler: Zehntausende Plätze fehlen“ (SZ, 26.2.26).
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Dort, wo es sie gibt, sind die Plätze mangelhaft ausgestattet, denn das Ganze kostet staatliches Geld, das für die Förderung der Wirtschaft und die Rüstung notwendiger gebraucht wird. Fest kalkulieren können die Eltern mit dieser Betreuung also nicht, werden auch je nachdem mit nicht zu knappen Gebühren zur Kasse gebeten und müssen ständig improvisieren oder die Grosseltern als Springer einsetzen.
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Alle Eltern wollen für ihre Kinder nur das Beste – und das heisst hierzulande: den Erfolg in der Konkurrenz um Noten und später im Beruf. Das macht den Umgang mit den Kleinen nicht gerade leicht, müssen sie doch einerseits zu Leistungen angehalten, andererseits aber auch vor zu belastendem Druck geschützt werden. Ein eindeutiges Erfolgsrezept gibt es hier nicht. Schliesslich werden die Kleinen in der Schule nicht einfach gebildet, sondern an Hand des Lehrstoffs einem Leistungsvergleich unterzogen, in dem es immer Gewinner und Verlierer gibt. Wer zu den Verlierern gehört, ist dabei eine so gut wie ausgemachte Sache: diejenigen, deren Familien sowieso zu den Verlieren zählen; die also über die falschen Eltern verfügen, die selber keinen guten Schulabschluss erreicht haben und meist zu den Armen im Lande gehören.
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Doch so wollen es die hiesigen Ideologen und Politiker nicht stehen lassen. Sie thematisieren in regelmässigen Abständen – etwa in der regierungsoffiziellen Armutsberichterstattung – die Kinderarmut. Dabei gibt es die so gar nicht. Kinder verfügen schliesslich nicht über ein Einkommen. Arm sind Kinder dann, wenn sie in einer armen Familie oder bei einem armen Elternteil aufwachsen. Doch diese Lebenslage ist kein grosses Sorgethema, schliesslich soll ja nach Ansicht von Politikern und Medienvertretern hierzulande jeder seines Glückes Schmied sein. Aus diesem Blickwinkel sind arme Erwachsene eher Versager und im Prinzip selber schuld. Die sozialpolitische Leitlinie heisst ja zur Zeit: Mehr fordern statt geduldig fördern!
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Diese Ideologie blamiert sich jedoch bei Kindern, die noch keine Gelegenheit hatten zu schmieden, dennoch arm sind und absehbar auch arm bleiben. Denn schulischer Erfolg hängt ja nicht nur von der Anstrengung des Kindes in der Schule ab, sondern auch von dessen Vorbildung durch die Eltern bei Eintritt in die schulische Konkurrenz. Zudem lassen sich schlechte Noten in der Schule auch mit finanziellen Mitteln ausgleichen – mit Nachhilfe, Privatschulen oder Internat. Die Chance hat eben nicht jeder, deshalb werden zwar mit dem Befund „Kinderarmut“ stets die mangelnden Erfolgschancen thematisiert, aber nicht beseitigt. Also kann sie immer wieder diskutiert werden...
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Kinder werden in der Schule nicht nur miteinander verglichen und damit auf die Hierarchie der Berufe verteilt, sondern auch einem internationalem Vergleich ausgesetzt; das geschieht seit dem Jahr 2000 in Form der Pisa-Studien. Sie sollen mit der Erhebung des Bildungsstandes als Garant für den nationalen Erfolg Aussagen über die Chancen ermöglichen, die das Land bei der Durchsetzung in der staatlichen Konkurrenz hat – und daher gilt ein mittelmässiges oder gar unterdurchschnittliches Pisa-Abschneiden geradezu als nationale Katastrophe. Was aber nicht bedeutet, dass die Schulgebäude renoviert oder die Betreuung der Schüler verbessert werden. Zuerst heisst das, dass der Leistungsdruck eben erhöht werden muss.
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Doch nicht nur beim schulischen Erfolg und in der Erziehung zeigen sich Kinder oft als Problemfälle. Sie sind vielfach zu dick und gelten damit als potentielle Risikofälle für die Krankenversicherungen und das Gesundheitssystem; und sie sind, last but not least, nur eingeschränkt wehrtauglich. Die Ursachen werden von den Fachleuten leicht ermittelt: falsche statt bewusste Ernährung; zu viele Fertigprodukte und zu viel Süsses. Und das in Zeiten, in denen die Eltern doch vielfach zu umweltbewusstem und kritischem Verbraucherverhalten aufgefordert und angeleitet werden.
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Dass in vielen Familien nur noch selten gekocht wird, während im Fernsehen ständig Kochsendungen laufen, ist ja heute Alltag. Neben dem Job einkaufen gehen, kochen und den Haushalt betreiben – das hat sich zu einer regelrechten Stressveranstaltung entwickelt. Was liegt da näher, als zu den Produkten zu greifen, die schnell zuzubereiten sind  und den Geschmack der Kinder treffen: Fertigprodukte mit hohem Zuckeranteil, die von Kindern widerspruchslos vertilgt werden. Die Resultate prägen unser Stadtbild.
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Um der Gesundheitsgefährdung durch Übergewicht zu begegnen, sind Politiker und Gesundheitswissenschaftler auf die grandiose Idee verfallen, mit einer Zuckersteuer die Menschen zu einem anderen Konsumverhalten zu bewegen: Wenn zuckerhaltige Produkte teurer werden, würden Verbraucher zu nicht oder weniger zuckerhaltigen Produkten greifen. Diese haben nur den Schönheitsfehler, dass sie meist auch teurer sind als die billigen Fertigprodukte. Mit dieser Herausforderung würden dann die Familien, die notorisch unter Geldmangel leiden, konfrontiert. Die Zuckersteuer würde also die jetzt schon galoppierende Inflation bei Lebensmitteln weiter anheizen. Einen Gewinner gäbe es trotzdem: Der Staat würde sich so zusätzliche Einnahmen verschaffen. Angesichts der immensen Ansprüche der Nation, mit aller Gewalt eine Führungsrolle in der Welt zu erlangen, wäre natürlich jeder zusätzliche Euro im Staatshaushalt willkommen.

<h3>Arm im Geiste</h3>

Das Ergebnis der problembeladenen Kindheit zeigt sich dann bei den Jugendlichen: „Viele Jugendliche fühlen sich im Stich gelassen. Knapp die Hälfte der 14-20-jährigen in Deutschland klagt über Einsamkeit, zeigt eine Studie. Viele wünschen sich mehr Beistand durch die Schule, erleben dort aber das Gegenteil: Stress und Leistungsdruck.“ (SZ, 27.2.26)
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Wer ständig in Konkurrenz zu anderen steht – wie in der Schule – oder sich mit anderen vergleicht – wie in den sozialen Netzwerken –, der wird wohl kaum seine Mitschüler als Freunde oder Freundinnen erleben. Und dass Hilfe ausgerechnet von der Institution kommen soll, die die Lernkonkurrenz veranstaltet, sagt einiges aus über den Bildungsstand dieser Schülerschaft, die trotz gegenteiliger Erfahrung an der Vorstellung festhalten will, Schule sei doch eigentlich für sie da.
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Und damit tut sich ein neues Problem auf: „Diese negativen Einflüsse auf das eigene psychische Wohlbefinden können durch soziale Medien verstärkt werden. Das belegt auch die neue Studie: Demnach nutzen junge Menschen, die sich einsam fühlen, soziale Medien deutlich häufiger, um ihre Einsamkeit zu bekämpfen. Viele finden dort aber nicht die Nähe und den Austausch, die sie aus ihrer Isolation herausholen würden.“ (SZ) Kaum kann man sich mit moderner Informationstechnik ein bisschen Kompensation verschaffen, klagen Pädagogen, Medien und Politik auch schon darüber, dass die jungen Menschen zu viel auf ihr Handy glotzen und sich in den sozialen Medien herumtreiben.
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Die Diskussion um Handyverbote – je nach Alter abgestuft, in der Schule oder überhaupt, um zeitlich begrenzte Handynutzung usw. – wird lebhaft geführt und erste Massnahmen werden eingeleitet. Stellt sich nur die Frage, was die Kids denn nun machen sollen in einer Zeit, wo Resilienz und Kriegstüchtigkeit von jedem Einzelnen verlangt sind: Sollen sie lernen, brutal gegen sich oder andere vorzugehen? Auf die zweite Alternative setzt offenkundig die Bundeswehr mit dem neuen Wehrdienst und einer Verpflichtung von Minderjährigen, die rücksichtslos vorangetrieben wird und neue Rekorde aufstellt.Das ist ja auch mal ein bemerkenswerter Fortschritt der BRD auf dem Weg zur Führungsnation: Über 3 000 Kindersoldaten (so die offizielle Einstufung laut UN-Kinderrechtskonvention) dienen mittlerweile ihrem Land!<p><em></em><p>]]></description>
<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 14:30:17 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Im Morgengrauen: Im Grunde haben wir noch nicht einmal begonnen]]></title>
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<description><![CDATA[<strong><b>Nummer 58 ‚ein mutagen-t' Im Morgengrauen mentale dekolonialisierung ohne praktische deindustrialisierung existiert nicht. im grunde haben wir noch nicht einmal begonnen.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/13713445773_5276215d3a_w.webp><p><small>  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://www.flickr.com/photos/skohlmann/13713445773/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sascha Kohlmann</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 2.0 cropped)</a></small><p><b>Nummer 58 ‚ein mutagen-t' Im Morgengrauen</b>
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mentale dekolonialisierung ohne praktische deindustrialisierung existiert nicht.
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im grunde haben wir noch nicht einmal begonnen.
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die urbane lebensweise und das teilnehmen an der verbürgerlichten moderne ist per se kolonial, sprich vergewaltigend.
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es gibt keine linke, es gibt keine kunst, keine wissenschaft und keine organisation, die in irgendeiner weise positiv wirkt, solange sie nicht deindustrialisierung als voraussetzung für geistige dekolonialisierung begreift, genauso wie ohne die verwirklichung des männlichen in der frau, sowie des weiblichen im mann mensch nicht sein kann.
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die flotilla kolonisiert, indem sie gutmenschlich die palästinenser retten, sie ‚füttern und wässern' will, wie es ghassan (Anm.: Abu-Sittah) so schön sagt.
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der versuch auf die öffentliche meinung der moderne einzuwirken ist per se teil des bürgerlichen apparats und insofern systemstabilisierend.
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es gibt keinen widerstand, ausser wir tun da, wo wir sind, alles, um die maschine zu stoppen (was zuallererst lediglich desertion sein kann, aus dem individualisierten überlebenskäfig der moderne, aus der trennung an sich, aus dem überleben), zuerst in mir, dann in der nachbarschaft gemeinsam … solange wir das individualisierte überleben nicht verlassen, aus dem technologisch ermöglichten traumatismus nicht desertieren und sowohl wirkliches leben ohne geklaute energie, als auch geistige und soziale deprogrammierung in einem TUN, ist nichts von dem, was wir tun, etwas anderes als teilnahme an der aufrechterhaltung der alten raubritterordnung.
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in der gegend rumzufliegen, um die welt zu retten, den glauben an das gute von schreibtisch oder bühne aus aufrechtzuerhalten – alles ausser umfassender desertion aus den bestehenden verhältnissen, sowohl mental als auch physisch, nur beides zusammen ist wirklich – ist komplizität, co-autorenschaft in der todesmaschine.
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sowohl der die mentalen und sozialen strukturen nicht überwindende permakultur-fuzzi aufm land, als auch der elfenbeinturm-revolutionär am schreibtisch oder auf bühne, der sein leben auf der petroleumhungrigen alibi-spielwiese der bürgerlichen gesellschaft fristet – selbst wenn heroisch prekär – ist ein essenzielles rädchen im funktionieren der todesmaschine.
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absonderung zur gemeinschaft, absonderung durch effektiv gemeinsames, in geist und körper, in maximaler entledigung von den elektroden im innen und aussen, ist das einzig wirklich andere.
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es gibt keine halben sachen, gabs noch nie, jetzt erst recht nicht mehr.
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all die jungen revoltierenden im stil der soulevements leben davon, leben es momentweise, notre-dame-des-landes ist das recent ur-beispiel, aber da es sich immer noch auf ‚den kampf gegen' bezieht, zerfällt es nach ‚dem sieg'.
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auswilderung als das AllEine ritual, umfassend, stetig, unumkehrbar, langsam! – ist der einzige weg.
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dekolonialisierung heisst wirklich zu begreifen – lebenderweise – dass schnelligkeit immer diebstahl bedeutet. ein flug zu einer dekolonialisierungskonferenz oder einem weltrettungseinsatz ist ein widerspruch in sich – auch wenn ich ihn wegdenke, er löst sich nicht auf. jeder applaus auf der bühne, und sei er für den herzzerreissendsten aufruf zur einheit des menschen, bedient unebenbürtigkeit, reproduziert anstatt aufzulösen. alle reformversuche sind selbstblendend, ein falsch aufgezäumtes pferd. um die jahrhunderte- wenn nicht jahrtausendealte galeere zu beenden, müssen wir im grundsätzlichsten von vorne anfangen, und das geht am ehesten mit 3, 5 oder 7 einzeln sich einenden in einem deindustrialisierten alltag.
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am physisch kolonialen tropf dekolonisiert sich weder geist noch wesen. sich auf dem land zu verkriechen und an den blumen im eigenen garten zu riechen, dekolonialisiert nicht automatisch den geist.
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der revolutionäre urbanit ist so halb wie der weltabgewandte aussteiger.
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der gegen die welt anrennende aktivist ist genauso halb wie der sich ins nichts meditierende. alles sackgassen, bruchstücke und behinderungen – symptome der grundsätzlichsten selbstlüge des westlichen geistes, genannt aufklärung, die ob ihrer bequemen leckerheit inzwischen die ganze welt infiziert hat. die ausklammerung des unbegreiflichen (auch gott genannt) war der beginn der selbsttäuschung, damals schon im kampf gegen das aufflackernde bewusstsein, dass eigentlich wir die barbaren sind. die beseitigung gottes war der kunstgriff, um weiter plündern und vergewaltigen zu können. aber wie jede selbstlüge – je länger ich sie überdehne, desto tödlicher wird sie.
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auswilderung hilft.
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lediglich wenn praktisch-materielle und ökonomische, mit rhythmischer, geistiger und sozialer auswilderung einhergehen, wird mensch.
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die deprogrammierung des haustieres ist ein holistischer prozess, es el camino que nunca deja de hacerse andando…
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(Anm: „ist der Weg, der erst durch das Gehen entsteht“)
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es gibt keine bürgerliche befreiung.
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es gibt kein industrielles paradies,
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es gibt keine nehmende liebe.
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es gibt keinen ungekreuzigten jesus.
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es gibt kein halbes draussen.
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es gibt kein halbes ganz.
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quien no cambia todo no camba nada.
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(Anm: Wer nicht alles ändert, ändert gar nichts)<p><em></em><p><small><a href="https://olaf.bbm.de/nummer-58-ein-mutagen-t-im-morgengrauen" class="fussnoten_links" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://olaf.bbm.de/nummer-58-ein-mutagen-t-im-morgengrauen</a></small>]]></description>
<pubDate>Sun, 29 Mar 2026 10:38:00 +0200</pubDate>
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<item>
<title><![CDATA[Die AfD ist sicher in Deutschland: SPD - Herzliches Beileid]]></title>
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<description><![CDATA[<strong>Wenn eine gestandene konservative Partei wie die SPD mit einem einzigen Schluckauf vom Rheinhessischen 10 Prozent ihrer Wähler verliert.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Strong_economy_-_Flickr_w.webp><p><small>Wahlplakat der SPD in Frankfurt am Main, 3. März 2026.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Strong_economy_-_Flickr_-_conceptphoto.info.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">conceptphoto.info</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY 4.0 cropped)</a></small><p>30 000 an die AfD! - und im Stammland des schwäbischen Liberalismus beim Urnengang gerade mal am Untergang vorbei schreddert, müsste man genauer hinschauen. Müsste, könnte, sollte.
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Ja wo sind sie denn, unsre flinken linken Schwestern und Brüder? Möglich, dass sie gemeinsam mit der Linken in ihrem Häusle an einer handgemachten Mietpreisbremse basteln. Möglich, dass der Nachbar mit der grösseren Karre (Jahreswagen, grün lackiert) seit einiger Zeit sein Deutschland-Fähnle am First des Eigenheims flattern lässt. Vielleicht wählt er auch gleich AfD, während Maria aus Wroclaw die Mutti füttert und ihm sein Zahnarzt Dr. Baschar Kahled die Beisserchen repariert. Sonderpreis, arg ginschtig.
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Die Kinder sind aus dem Haus, tendieren eher in Richtung sichere Renten, fürchten sich vor Krieg und Klimawandel und wissen nicht warum. Sie haben lebenslang noch nie eine Tageszeitung gelesen, keine Ahnung, ob Hannah Arendt eine Nummer im Frauenfussball ist und Jan Böhmermann dieser Urwalddoktor da aus Lambarene. Ach ja, der Religionsunterricht.
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Und dann das N-Wort, es käme ihnen nie über die Lippen. Das darf allenfalls Boris Palmer sagen, der Aperol Spritz aus Tübingen. Voll im Trend das alles, wie Rote Bete, Pak Choi und lila Kartoffeln aus heimischer Erde. Alles Bio, ausser Gaza.
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Kein Mensch kennt mehr niemanden, alles geliked. Die AfD ist sicher in Deutschland, wer dagegen ist: Geh doch nach drüben.
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Aber drüben ist auch nicht mehr ganz so, wie es mal sein wollte und nie wurde. Da passt es, dass die Blauen jetzt die stärkste der Parteien sind und eine Brandmauer gegen die Demokratie bauen. Pass bloss auf in Weimar.
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Ich hab Mendelssohn und Ludwig aus Feuerbach, die Rosa Luxemburg, Traven und Tom Prox, Diotima aus Matineia, Edith Stein und machmal Bertha von Suttner. Das sollte reichen.<p><em></em><p>]]></description>
<pubDate>Sat, 28 Mar 2026 10:34:00 +0100</pubDate>
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<title><![CDATA[Würdigung eines überzeugenden Werbeslogans: „Heute den Frieden von morgen verteidigen!“]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/wuerdigung-eines-ueberzeugenden-werbeslogans-heute-den-frieden-von-morgen-verteidigen-009591.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Sowas macht eine Bundeswehr. Und mit dem Slogan will sie alle, die zu unserem„Wir“zählen, davon überzeugen, dass sich der Einsatz des eigenen und vor allem fremden Lebens lohnt, zumindest für diejenigen, die das „Morgen“ erleben.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/The_Road_to_Gold_-_GAFPB_Day_w.webp><p><small>Soldaten der Bundeswehr in der US-Luftwaffenbasis Ramstein, 19. Februar 2026.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_Road_to_Gold_-_GAFPB_Day_0_(9532020).jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Trevor Calvert</a> (PD)</small><p>Die Toten sind dann Helden und kriegen posthum Orden. Was ist denn das für ein famoses „morgen“? Heute möglichst viele Igors und Ludmillas massakrieren (oder sich umgekehrt sich von denen massakrieren lassen), damit morgen dann die Übriggebliebenen drüben nicht mehr aufmucken können? Klar, wenn„wir“<br>
erfolgreich verteidigen, dürfen die Restlichen vom anderen„Wir“…sich irgendwie ein- und unterordnen. Bravo! Schöner Frieden!

<h3>Frieden ist doch besser als Krieg…</h3>

…denken Hans und Franziska womöglich. Auch das leuchtet unmittelbar ein! Etwa so: Schokoladenpudding schmeckt doch besser als Hundescheisse! Wirklich? Dass der „Frieden“ irgendwie doch besser schmeckt als der Krieg, setzt allerdings voraus, dass man ihn am Massstab„Krieg“misst! Dann stimmt so ein merkwürdiger Vergleich.
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Was wäre davon zu halten, den „Frieden“ selbst einmal näher zu betrachten? Offenbar ist das ein so urgemütlicher Zustand, dass es dann ziemlich regelmässig auf den anderen hinausläuft. Frieden ist die Periode zwischen Kriegen…wie kommt das eigentlich?

<h3>…und immer wieder dessen Grundlage!</h3>

Die Gründe für Kriege entstehen eben im Frieden. Wann denn wohl sonst? S.o.: Die Verlierer des letzten Krieges müssen die Bedingungen der Sieger für den gerade beginnenden Frieden akzeptieren. Die Sieger haben ihre „Sicherheit“ wiederhergestellt (bravo!), was heisst: Sie können über Land, Leute und Ressourcen, Märkte, Roh- und andere Stoffe der Verlierer so verfügen, wie es ihre Freiheit oder ihr Wirtschaftsstandort erfordern. Das wars doch. Und das ist die schlichte und brutale Wahrheit!
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Bis die Verlierer sich aufgerappelt und aufgerüstet haben, neue Allianzen geschmiedet und neue Drohnen erfunden haben. Und ihre Sicherheit, ihre Freiheit oder ihre Werte gefährdet sehen. Dann beginnt die nächste Runde Friedensverteidigung.

<h3>Was bedeutet das?</h3>

<ul class="liste">
<li class="liste">„Sivis pacem para bellum!“…soll von einem Herrn Cicero stammen.</li>
<li class="liste">Bravo! Selbst die Alten finden sowas plausibel? Plausibel vielleicht (leider!), aber muss so eine intellektuelle und praktische Idiotie überzeugen, womöglich wegen eines Filosofen?</li>
<li class="liste">Dass die Herrschaften mit Macht und Gewalt sowas propagieren, muss nicht verwundern. Macht und Gewalt machen es möglich, sofern (!) Hans und Franziska…es sich eben einleuchten und sie sich in (Kriegs-)Dienst nehmen lassen.</li>
<li class="liste">Die Herrschaften mit Macht und Gewalt sehen„unser“Wirtschaftswachstum, „unsere“ Freiheit, „unsere“ Sicherheit gefährdet durch…eben die anderen. Exakt dasselbe sagen eben die anderen auch.</li>
<li class="liste">Und das Schlimmste ist: Das stimmt tatsächlich! Das sollte zu denken geben!</li>
<li class="liste">Etwas besseres als Frieden gibt es allemal...</li>
</ul><p><em></em><p>]]></description>
<pubDate>Thu, 26 Mar 2026 08:39:00 +0100</pubDate>
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</item>

<item>
<title><![CDATA[Krieg gewinnt nie: Einmischen muss demokratische Herzenssache sein]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/krieg-gewinnt-nie-einmischen-muss-demokratische-herzenssache-sein-009599.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Vor 70 Jahren zeigten die Nordamerikaner der Welt, was eine Harke ist. Rechtzeitig zur Suezkrise entsenden die USA mehrere Kriegsschiffe und Flugzeugträger in dortige Mittelmeer und zwingen Israel, den Arrraber und Frankreich militärisch wie politisch zum Beenden ihrer militärischen Intervention am Suezkanal.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/General_Dan_Caine_and_Secretary_of_War_Pete_Hegseth_w.webp><p><small>General Dan Caine und Kriegsminister Pete Hegseth hören zu, während Präsident Donald J. Trump am 1. März 2026 in Mar-a-Lago, Palm Beach, Florida, die Operation „Epic Fury“ leitet.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:General_Dan_Caine_and_Secretary_of_War_Pete_Hegseth_listen_as_President_Donald_J._Trump_oversees_Operation_Epic_Fury_at_Mar-a-Lago_(55125232216).jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Daniel Torok</a> (PD)</small><p>Seither ist Ruhe im Karton. Und jetzt geht's wieder los! Kein Wunder, dass Donald Trump die Geduld verliert und Rot-China um Hilfe bittet. Meine Omi Glimbzsch kennt Burschen wie ihn aus Zittau und hält es für möglich, dass Donald persönlich bei seinem Freund Friedrich Merz auftaucht und mit vorgehaltener Waffe den Einsatz des Bundeswehr in Nahost fordert. Staatsräson.
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Was die demokratische Ordnung angeht: Der geht's schlecht. Viele mögen sie ja überhaupt nicht, andere hassen sie, dritte sagen, sie sei eh eine Fiktion und wollen nach Russland oder in die USA auswandern. Und jetzt mal ganz unter uns: Was wäre Ihre Ziel? Abwarten und Tee trinken, bis bei den nächsten Wahlen die drittstärkste Partei die Zweitstärkste überholt? Manfred Weber durch Manuel Hagel ersetzen? Brücken bauen statt Flüchtlinge ertrinken lassen? Niemand hat da keine gute Lösung. Brandmauern sind eben auch nicht mehr das, was die Berliner Mauer mal war.
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Der Rechtsradikale lebt ja nicht nur neben uns, er lebt auch in uns allen. Das Talent dazu hat angeblich jeder Mensch, sagt Habermas:
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Einmischen muss demokratische Herzenssache gegen die Zerstörung von Brandmauern sein. Demokratie entsteht und gedeiht auf der Strasse, in Gesprächen, in Zeitungen (nein, nicht jeder), sie ist im Netz zu Hause, überall dort, wo wir, die Leute, Meinungen austauschen. Das ist Öffentlichkeit! Also raus aus den guten Stuben. Ohne Öffentlichkeit verkümmert die Demokratie.
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Wenn sie funktioniert, dann entscheidet am Ende nicht die Macht, sondern das bessere Argument. Gut, das sind lange Prozesse für mühselig Beladene wie uns, die seit Jahrzehnten gegen Trotz und Starrsinn der Mächtigen kämpfen. Das ist schwerer geworden, und da ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Insoweit gehört ja sogar eine Brandmauer zu Staatsräson. Aber jetzt machen Sie sowas mal der CDU in Bad Cannstatt begreiflich, von Habermas ganz zu schweigen.<p><em></em><p>]]></description>
<pubDate>Mon, 23 Mar 2026 10:53:00 +0100</pubDate>
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</item>

<item>
<title><![CDATA[Sofapazifisten aufgepasst: So ein Wohlleben muss geschützt werden]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/sofa-pazifisten-aufgepasst-so-ein-wohlleben-muss-geschuetzt-werden-009598.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Alle Wetter, bequem auf dem Sofa liegen und sich als Pazifist jeder Verantwortung entziehen, so sieht ein deutscher Ex-General offenbar viele seiner Landsleute.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Not_your_average_couch_potato_w.webp><p><small>Not your average couch potato, Malpas, Newport.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Not_your_average_couch_potato,_Malpas,_Newport_-_geograph.org.uk_-_7729940.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jaggery</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 2.0 cropped)</a></small><p>Die kümmern sich einfach nur um ihr persönliches Wohlergehen und wollen die Gefahren nicht sehen, denen ihr eigenes Wohlleben ausgesetzt ist. Es gab Zeiten, da nannte man solche Leute„vaterlandslose Gesellen“, was nicht etwa als Kompliment gemeint war. Der ehemalige General weiss, wovon er spricht. Er findet, den Deutschen gehe es so gut, dass sie einfach nicht wahrnehmen wollen, welche Gefahr droht und stattdessen Bequemlichkeit vorziehen nach dem Motto „lieber auf dem Sofa liegen als Krieg führen“ oder so ähnlich.

<h3>In der Tat…</h3>

…dürfen die Menschen idula* z.B. arbeiten gehen bitte sehr! Sie dürfen! Niemand nötigt sie, das Sofa zu verlassen, da lässt es sich doch prima mit Luft und Liebe aushalten… Sie dürfen bei Arbeitgebern anklopfen, die ihnen sogleich die Möglichkeit bieten, all ihr kreatives Potential einzubringen und schöne Sachen zu machen. Ihre Wohltäter zahlen ihnen dafür sogar noch ein üppiges Salär. Wo gibt es denn so etwas?
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Damit können sie sich nach Herzenslust all die schönen Dinge besorgen, die sie haben wollen. Und um die Ecke wohnen die Hausbesitzer, die ihnen ohne Umstände ihr Haus überlassen mit Platz für die Kinder und Garage fürs Elektroauto. Falls sie Lust haben, können sie Urlaub machen, auf den Bahamas oder so. Und das alles für ein kleines Kreuzchen auf einem Papier, das ihnen alle vier Jahre mal eben rübergereicht wird, damit sie ihre „Vertreter“beauftragen, sich weiter für sie krummzulegen.

<h3>Die Barbaren kommen!</h3>

Das wollen diese Sofapazifisten einfach nicht bemerken: So ein Wohlleben muss geschützt werden. Ganz aktuell. Die Barbaren warten nur darauf, die Deutschen in die Knechtschaft zu nehmen. Dann wird ihnen alles genommen: Sie müssen arbeiten für kargen Lohn, sie müssen sich eine Wohnung suchen und dann auch noch Miete bezahlen!
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Sie müssen beim Aldi oder Lidl einkaufen, oder wie die dann heissen und immer schön einteilen, was sie–man nennt das - „sich leisten können“, also vorher überlegen, ob der Burger noch drin ist…Ach ja, Urlaub geht dann in Balkonien, oder bestenfalls auf Malle…Die Sache mit dem Kreuzchen hat sich dann auch erledigt, dann herrscht nämlich ein Autokrat mit P.

<h3>Was bedeutet das?</h3>

<ul class="liste">
<li class="liste">Überlegt Euch gut, Hans und Franziska, ob ihr weiter auf dem Sofa liegen wollt!</li>
<li class="liste">Das Risiko ist sehr gross, die Barbaren sind entschlossen, euch die Freiheit zu nehmen. * Die Politiker sind nicht müde, Euer Wohlergehen zu sichern und legen sich nicht etwa aufs Sofa…</li>
<li class="liste">Am Ende ist es aber–ehrlich gesagt–wurscht, ob ihr mitziehen wollt, dann werdet ihr nämlich sowieso eingezogen.</li>
<li class="liste">Aber mehr Schwung hat die Sache schon, wenn ihr frühzeitig einseht, dass wir nicht mehr im Frieden sind!</li>
<li class="liste">Auf gehts, stellt euch vor, es ist Krieg und ihr...</li>
</ul><p><em></em><p><small>* selig Helmut Kohl „in diesem unserem Lande“</small>]]></description>
<pubDate>Thu, 19 Mar 2026 16:31:00 +0100</pubDate>
<guid>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/sofa-pazifisten-aufgepasst-so-ein-wohlleben-muss-geschuetzt-werden-009598.html</guid>
</item>

<item>
<title><![CDATA[Buchhandlungen von Preisträgerliste gestrichen: Angriff auf linke Buchläden]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/medien/buchhandlungen-von-preistraegerliste-gestrichen-angriff-auf-linke-buchlaeden-009596.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Wir – der Buchladen Schwarze Risse - gratulieren den Kolleg:innen der Buchläden 'Golden Shop', 'Rote Strasse' und 'zur schwankende Weltkugel' zur Verleihung des Prädikats: verfassungsgeprüft 'gefährlich'!</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Cafe-morgenrot_schwankende-weltkugel_kastanienallee_85_2022-03-23_w.webp><p><small>Der Buchladen zur schwankenden Weltkugel (links) und das Kollektiv Café Morgenrot in Berlin-Pankow (Prenzlauer Berg).  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cafe-morgenrot_schwankende-weltkugel_kastanienallee_85_2022-03-23.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Babewyn</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 4.0 cropped)</a></small><p>Für die Buchhandlungspreisvergabe hat dem Minister die gewählte Fachjury nicht genügt, Wolfram Weimar hat für seine Entscheidung die Behörde herangezogen, die im geheimen agiert. Weshalb ja auch dem Minister die Inhalte seiner Entscheidungrundlage unbekannt sind, so sagt er.
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Bekannt ist hingegen, dass diese mit der Verfassungsprüfung beauftragte Behörde nicht nur zu den ausspionierten Informationen über die Buchläden schweigt, sondern auch zur eigenen Rolle bei den rassistischmotivierten Morden des NSU. Über eine mögliche Mitwisserschaft oder anderes soll der Aktendeckel gleich mal ganze 120 Jahre unter Verschluss bleiben.

<h3>Wohin will Minister Weimar die Kultur führen?</h3>

Der Angriff auf die linken Buchläden mit dem Verweis auf ihre verfassungsgeprüfte Gefährlichkeit ist kein Einzelfall. Er reiht sich ein in diverse Vorfälle repressiver Massnahmen (Fördergeldkürzungen, Distanzierungsforderungen, Skandalisierung von Meinungen) mit denen sich Institutionen und/oder Personen konfrontiert sehen, die nicht im Fahrwasser der Staatsräson mitschwimmen woll(t)n, diejenigen, die die bestehende Ordnung in Frage stell(t)en.
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Wer dies tut, kann schnell ins Visier der Behörden geraten und je nach gesellschaftlicher Stimmung zum Abschuss frei gegeben werden.
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Wir gratulieren zum verliehenen Prädikat 'gefährlich', zeigt er doch, dass diese Läden als Orte der Kritik gesehen werden: Linke Buchläden sind voll von Stimmen und Erzählungen, die kritische Perspektiven auf die bestehenden Verhältnisse werfen und aufzeigen, wie lebensbedrohlich und gefährlich, für Mensch, Tier und Natur - nicht die verfassungsgeprüften Buchhändler:innen, Autor:innen, Extremist:innen und Terrorist:innen - sondern die bürgerlichen, kapitalistischen Verhältnisse sind.
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Die Erkenntnisse und Schilderungen über die Gewalt und Grausamkeiten, mit denen die herrschende Ordnung, die Besitz-und Eigentums-, die Reich- und Armutsverhältnisse durchgesetzt und aufrechtgehalten werden, sind vielfältig von denkenden und mutigen Menschen und Kollektiven analysiert und aufgeschrieben worden.
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All dieses Wissen, all diese Anregungen sind in grosser Auswahl in linken Buchläden anzutreffen, dazu die Buchhändler:innen, die im Austausch mit Autor:innen, kleinen Verlagen und ihrer Kundschaft dieses breite Sortiment zusammenstellen: wertschätzend, kritisch, kämpferisch, liebevoll - in jedem Fall mit grosser Leidenschaft!
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Erfreulich, dass die betroffenen Kolleg:innen in den letzten Tagen so viel Zuspruch erhalten haben!
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Mit dieser Solidarität und dem bewussten Aufsuchen der Buchläden tragen alle gemeinsam zum Erhalt linker Buchläden bei - ggf. auch ohne staatliche Gelder.
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In Solidarität mit den betroffenen Buchläden!<p><em></em><p>]]></description>
<pubDate>Thu, 19 Mar 2026 11:06:42 +0100</pubDate>
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<title><![CDATA[Gestern Bauplatzbesetzung, morgen im Aufsichtsrat von Rheinmetall]]></title>
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<description><![CDATA[<strong>Schöner Gigolo, armer Gigolo, denke nicht mehr an die Zeiten, wo du als Husar, goldgeschnürt sogar, konntest durch die Strassen reiten...</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Cem_oezdemir_and_Xenia_Brand_w.webp><p><small>Cem Özdemir und Xenia Brand von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft bei einem Protest von "Wir haben es satt" vor dem Global Forum for Food and Agriculture, 18. Januar 2025.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cem_%C3%96zdemir_and_Xenia_Brand_at_Wir_haben_es_satt_protest_at_GFFA_2025-01-18_03.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Leonhard Lenz</a> (PD)</small><p>Uniform passee, Liebchen sagt Ade, schöne Welt, du gehst in Fransen! Wenn das Herz dir auch bricht: Zeig ein lachendes Gesicht. Man zahlt - und Du musst tanzen!
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Kann ja sein oder ist so: da haben viele taktisch gewählt, weil sie keine Experimente! wollten: Lieber einen starken Türken, selbst wenn er aus Bad Urach kommt, als einen schwarzen Afghanen aus Ehingen: Beide Orte sind gerade mal einen Steinwurf weit entfernt. Palantir lieben beide so wie kein Verbrenner-Aus - und Hagel ist zu Kurz gekommen. Schnee von gestern.
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Reden wir lieber mal von der SPD. Wir brauchen die. Wegen Geschichte und so, Erfahrung und Enttäuschung, Träumereien vom Achtstundentag. Aber da, besonders da, lachen ja die Hühner, vor allem nach dem Internationalen Frauentag, wo so manche Mutti nach der Demo einen Dritt-Job sucht, um nach Feierabend über die Runden zu kommen: Der Alte hat die Seiten gewechselt, so ist er eben, der Zeitgeist. Heute hier, morgen dort.
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Man kann der SPD manches verdenken und vieles verzeihen.
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Das ist bei den Grünen nicht anders: Gestern Bauplatzbesetzung, morgen im Aufsichtsrat von Rheinmetall oder so. Auch Panzer sollten umweltfreundlich fahren können, im Notfall.
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Genossinnen und Genossen, Kameraden an der Front. Sprechen!
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Ihr müsst mehr sprechen, ihr von oben mit den unten, denen der Arsch auf Grundeis geht. Und widersprechen lernen, sonst wird das níx mit dem Neuanfang. Singt mit!
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Wenn das Herz dir auch bricht:
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Zeig ein lachendes Gesicht
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Man zahlt. Und Du musst tanzen!<p><em></em><p>]]></description>
<pubDate>Sat, 14 Mar 2026 08:08:00 +0100</pubDate>
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<title><![CDATA[Sprachkritik III: Fukushima und der „Super“-GAU]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/sprachkritik-iii-fukushima-und-der-super-gau-009587.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Anlässlich des fünfzehnten Jahrestages der Nuklearkatastrophe von Fukushima, zu dem mal wieder in zahlreichen Artikeln der Begriff <em>„Super“</em>-GAU perpetuiert benutzt wird, möchte ich eine weitere<a href="#footnote-1" id="ref-1">[1]</a> Sprachkritik veröffentlichen, die auch in meinem in Arbeit befindlichen Buch enthalten sein wird.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Appearance_of_Fukushima_I_Nuclear_Power_Plant_Unit_3_w.webp><p><small>Reaktorgebäude 3 des Kernkraftwerks Fukushima nach der Explosion, 15. März 2011.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://en.wikipedia.org/wiki/File:Appearance_of_Fukushima_I_Nuclear_Power_Plant_Unit_3_after_the_explosion_20110315.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">資源エネルギー庁</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY 4.0 cropped)</a></small><p>Sprache ist immer auch Herrschaftssprache, da sie Herrschaftsverhältnisse / hierarchische Beziehungsverhältnisse durch die alltägliche Reproduktion zementiert. Am bekanntesten ist hierbei die Reproduktion patriarchaler Herrschaft, wo insbesondere die Unsichtbarmachung von Frauen (im angeblich „generischen“ Maskulinum) durch die feministischen Sprachkritik thematisiert wurde. Aber die Herrschenden manipulieren die Sprache auch für alle möglichen anderen Zwecke:
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Als 1986 das russische Kernkraftwerk <em>Tschernobyl</em> explodierte, war ich als (angehender) Physiker zunächst einfach nur zutiefst deprimiert, weil die Leute erst über dieses (absehbare) Unglück kapiert haben, dass wir als wissenschaftliche Mahner vor den Risiken der Nutzung von kerntechnischen Anlagen zur Energiegewinnung sowie als Kritiker der Energiepolitik und Teil der Anti-AKW-Bewegung, ihnen vorher keinen Mist erzählt hatten. Weil anscheinend die Menschen nur über Leid fähig zur Erkenntnis sind, und nicht, wie sich einbilden, durch den Verstand und wissenschaftliche Diskurse. Zusätzlich war ich aber auch über die bis heute in den Medien verbreiteten Wortkreation <em>„Super“</em>-GAU genervt.
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„GAU“ bedeutet „grösster anzunehmender Unfall“ und eine Steigerung eines Superlativs ist schon grammatikalisch nicht vorgesehen, höchstens als dichterische Freiheit, um etwas sehr spezielles zum poetischen Ausdruck zu bringen. In diesem Fall jedoch, wo es um einen klar wissenschaftlichen Gebrauchszweck geht, ist solche poetische Freiheit sinnfrei und unwissenschaftlich, wie es beispielsweise auch in dem mathematischen Begriff „kleinster gemeinsamer Nenner“ keine sinnvolle Steigerungsform gibt.
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Eine internationale Exper*innengruppe aus Vertreter*innen der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat 1990 offiziell eine siebenstufigen Internationalen Bewertungsskala für nukleare und radiologische Ereignisse (INES) eingeführt. Auch wenn INES zwischenzeitlich ein paar Mal erweitert und überarbeitet wurde, so blieb die Skala im Wesentlichen unverändert<a href="#footnote-2" id="ref-2">[2]</a>und listet in der höchsten Stufe „Major accident“ (Katastrophaler Unfall) nur bzw. genau die beiden entsprechenden Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima (2011) auf. Von wissenschaftlicher Seite werden diese Ereignisse mit „major“ (grösster) und nicht mit einem poetischen „super-major“ bezeichnet.
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Die unwissenschaftliche Begriffskreation <em>„Super“</em>-GAU propagiert eine Ereignissingularität und versucht damit nebenbei den inneren Widerspruch zu übertünchen, dass es nicht nur ein Ereignis, sondern inzwischen schon zwei entsprechende „Ereignisse“ gibt. Das Märchen von der Singularität aber erzählt das Märchen von der Nicht-Wiederholbarkeit, war wiederum durch das alte Märchen von der Technikbeherrschung begründet wird. Letzteres war aber genau jenes Märchen, das viele Wissenschaftler*innen kritisiert und dekonstruiert hatten, gegen das die Anti-AKW-Bewegungen gekämpft hatten und das die GAUs von Tschernobyl und Fukushima eindrücklich widerlegt haben.
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Betrachtet mensch die mit dieser Begriffskreation „Super-GAU“ transportierten vorgenannten Narrative geführten Mainstream-Diskurse, so ist die politische Stossrichtung offensichtlich: Es geht um die, von technokratischen Naturbeherrscher*innen<a href="#footnote-3" id="ref-3">[3]</a> erneut aufgestellten Forderungen nach Erhalt, gar Ausbau, von Energieproduktion durch Kernkraft, die aktuell mit Verweis auf die laufenden Krisen des menschengemachten Klimawandels und durch den Ukraine- und den Iran-Krieg eine zusätzlich begründet werden sollen. Und da müssen die potentiellen Gefahren kerntechnischer Anlagen möglichst kleingeredet und negiert werden, um die Massen im Kommunikationskrieg zu betäuben.
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Diese Realitätsverweigerung dient nur der Sicherung bestehender Herrschaftsverhältnisse:

<ul class="liste">
<li class="liste">Der Profitgewinnung durch das Kapital, das übrigens nicht allen Folgekosten (sog. „Ewigkeitskosten“) für die Endlagerungen des produzierten radioaktiven Mülls vollumfänglich verantwortet, da Privatunternehmen das gar nicht auf so lange Zeiträume, d.h. für die nächsten mehrere zehntausend Jahre, gewähren können, so dass im Endeffekt die Allgemeinheit dafür einspringen muss.</li>
<li class="liste">Der mit der zivilen Nutzung auf das Engste gekoppelten Gewinnung bombenfähigen nuklearen Materials, wie Plutonium, das nur durch Ausbrüten in Reaktoren gewonnen werden kann.</li>
<li class="liste">Die Abwehr dezentraler Strukturen zur Energieerzeugungen, da jede Dezentralisierung Machtverlust für die herrschende Klasse der Reichen und Mächtigen bedeutet.</li>
<li class="liste">Auf einer tiefer liegenden, kriegerisch-patriarchalen kulturellen Ebene wird zudem das Märchen der <em>Beherrschbarkeit</em> von Technik und Natur reproduziert, was sich weit über das Thema Kernenergie hinaus auswirkt und das meiste Leben auf diesem Planeten bedroht, einschliesslich unserem.</li>
</ul>

Die Nutzung der Begriffskreation „Super-GAU“ reproduziert und sichert zugleich diese Herrschaftsverhältnisse. Wer diese Kreation nutzt, und damit sind insbesondere auch „linke“ oder sich sonst wie als „aufklärt“ verstehende Medien (wie die taz mal wieder<a href="#footnote-4" id="ref-4">[4]</a>), Parteien oder politische Organisationen gemeint, macht sich mitverantwortlich für die kommenden, dadurch verursachten Katastrophen.<p><em></em><p><small><b>Fussnoten:</b>
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<a href="#ref-1" id="footnote-1">[1]</a> Ich hatte schon 2022 auf der Webseite „Eutopie“ meiner damaligen Gruppe <em>Perspektive Solidarität</em>, <a class="fussnoten_links" href="https://eutopie.noblogs.org/post/2023/11/26/wir-wurden-geloescht/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">die von autoritären oberflächlichen „Antifaschisten“ gelöscht worden ist</a>, zwei Sprachkritiken veröffentlicht, die ich auch hier unter dem Menüpunkt <a class="fussnoten_links" href="https://solidarrevolution.noblogs.org/texte/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Texte</a> zur Verfügung stelle.
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<a href="#ref-2" id="footnote-2">[2]</a> Meldung vom 6. Oktober 2008 auf world-nuclear-news.org, erhalten <a class="fussnoten_links" href="https://web.archive.org/web/20111001000000*/http://www.world-nuclear-news.org/RS_Event_scale_revised_for_further_clarity_0510081.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">im Web-Archiv</a>.
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<a href="#ref-3" id="footnote-3">[3]</a> Das muss gegendert werden, da Naturbeherrschung auch auf höchst offiziellen Ebenen längst keine rein männlich-patriarchale Angelegenheit mehr ist, wie das anhaltend intensive <a class="fussnoten_links" href="https://www.tagesschau.de/ausland/europa/eu-frankreich-atomkraft-von-der-leyen-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Engagement</a> der Präsidentin der EU-Kommission Ursula von der Leyen für weitere Investitionen in die Kernenergie zeigt. Sie steht dabei übrigens auch in einer familiären Kontinuität zur Atompolitik ihres Vaters, dem ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, der für die gewaltsame Durchsetzungsversuche für das ehemals geplante „Endlager“ Gorleben verantwortlich war.<p></p>

<a href="#ref-4" id="footnote-4">[4]</a> Siehe taz-Artikel <a class="fussnoten_links" href="https://taz.de/Fukushima-und-das-AKW-Risiko/!5755630/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Die einkalkulierte Katastrophe“</a> zum heutigen Jahrestag.</small>]]></description>
<pubDate>Fri, 13 Mar 2026 13:10:00 +0100</pubDate>
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</item>

<item>
<title><![CDATA[Christliche Kriegstheologie im Update]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/religion/christliche-kriegstheologie-im-update-009575.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Bislang galten in der BRD Besitz und Einsatz von Atomwaffen als politisches, völkerrechtliches und auch friedensethisches Tabu. Die Lage wandelt sich. Kriegstheologen helfen dabei, dass alle Hemmungen fallen.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Evangelische_Kirche_in_Deutschland_-_panoramio_w.webp><p><small>Evangelische Kirche in Deutschland.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Evangelische_Kirche_in_Deutschland_-_panoramio.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kl Aas</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY 3.0 unported - cropped)</a></small><p>Renate Dillmann hatte zuletzt die Frage „Braucht Deutschland die Atombombe?“ aufgeworfen und dazu die jüngsten militär- und rüstungspolitischen Fortschritte in der BRD aufgegriffen, die sich – in einem Land, das den Atomwaffensperrvertrag unterschrieben hat – eigentlich per se verbieten müssten. Eine eigene „deutsche Bombe“ steht denn auch laut Bundeskanzler Merz – vorerst – nicht auf der politischen Agenda. Deutschland soll zunächst nach einer europäischen Lösung gemeinsam mit Franzosen und Briten suchen, obwohl Politiker und Politikexperten immer wieder zu bedenken geben, dass beide Kandidaten wegen ihrer nationalen Ambitionen für einen „europäischen Schutzschirm“ nicht in Frage kommen.
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In der politischen Klasse der BRD ist die Frage aber längst angekommen. Und die Leitmedien – etwa die FAZ – diskutieren ohne Hemmungen über die Notwendigkeiten, bei denen sich die Politik noch zurückhalten muss. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang: Eine Aufrüstung ohne Wenn und Aber, die alle Optionen der modernen Massenvernichtung einbezieht, erhält nicht nur medialen Feuerschutz, sondern (man höre und staune – oder auch nicht) Unterstützung aus der christlichen Friedensethik.
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Das Gewerkschaftsforum hat jüngst auf die einschlägigen Fortschritte der Kriegstheologie in Deutschland aufmerksam gemacht. Speziell die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat dabei mit ihrer neuen Denkschrift „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“ einen Markstein gesetzt. Anlässlich dieser Entwicklung hier einige Hinweise auf oppositionellen friedensethischen und friedensbewegten Einspruch, der sich erfreulicherweise noch gegen solche Positionierungen zu Wort melden kann.

<h3>„Militärkirche“ hat Kriegstüchtigkeit im Blick</h3>

Peter Bürger von „Pax Christi“ hat zur EKD-Position im letzten Jahr 35 Stellungnahmen eingesammelt und bereits im Januar 2026 seine „Umdenkschrift“ vorgelegt. Eine Kritik an der evangelischen Schrift von Ex-Pfarrer Matthias-W. Engelke, die in Bürgers Band erschienen ist, hat jetzt auch die Zeitschrift der Friedensbewegung, FriedensForum, in ihrer Nr. 2/26 veröffentlicht, nachdem dort zunächst die friedensethischen Bemühungen des deutschen Protestantismus in etwas rosigem Licht erschienen waren. Mit den neuen Stellungnahmen wird der EKD, um es milde auszudrücken, kein gutes Zeugnis ausgestellt. „Die Kritik an der kirchlichen Obrigkeit will einfach nicht mehr verstummen“, so Bürger.
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Da die EKD „ziemlich getreu die aktuelle Militärdoktrin des Staates nachplappert“, zeige sich „so etwas wie ein lagerübergreifendes Unbehagen an der Staatsnähe des bürgerlichen Kirchenapparates“; speziell der sicherheitspolitische Teil der Denkschrift lese sich „wie eine militärkirchliche Dienstleistung für den Staat und scheint überhaupt der eigentliche Zweck bzw. Kern des ganzen Dokumentes zu sein“ (I, 13).
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Engelke, Mitglied in zahlreichen friedensethischen und -politischen Gremien, nimmt zur EKD-Denkschrift unter dem Titel „EKD – Auf dem Weg zur Militärkirche?“ Stellung. Er sieht die Gefahr, dass die Kirche ihr „Proprium“, im modernen Jargon: ihr „Alleinstellungsmerkmal“ aufgibt. Und das „zu einem Zeitpunkt, an dem offen davon gesprochen wird, dass sich Europa auf einen Krieg gegen Russland vorbereiten muss und zu Weihnachten Tischdecken verkauft werden, mit Sternen und Panzern, wie zur Zeit des Ersten und Zweiten Weltkrieges... Täglich werden in der Ukraine Menschen für die Erhaltung von Staatsgrenzen geopfert und russischen Gegnern das Recht auf Leben abgesprochen.“ (I, 243)
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Die theologischen Defizite sind der Ausgangspunkt für Engelkes Argumentation, dann geht es um die fatalen Konsequenzen, z.B. die Abwertung der Kriegsdienstverweigerung (siehe Nr. 169 und 177 der Denkschrift), vor allem aber um die aktive Bestätigung und – im Grunde – Verschärfung des deutschen Hochrüstungskurses. Die Denkschrift folge ganz der nationalstaatlichen Logik, „in der die Drohung und Anwendung von Atomwaffen wieder plausibel (Nr. 145)“ erscheinen (I, 243).
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Engelke geht auch auf die sicherheitspolitische Legendenbildung ein, die sich die EKD-Oberen – in Übereinstimmung mit der selbstgerechten Deutung demokratischer Herrschaften – für ihren „gerechten Krieg“ leisten. Die Denkschrift vertritt z.B. die Auffassung, „dass jeder Einsatz von Gewalt und insbesondere jedes Töten eines anderen Menschen die sorgsame ethische Prüfung vor dem eigenen Gewissen erfordert“ (Nr. 170; vgl. 77). Die Realitätsferne dieses Idealismus greift Engelke an und erinnert an die Realität des Schlachtfelds und der Befehlsstrukturen. Wenn der Kriegsfall angeordnet ist, geht es „viel weniger um eine individuelle Reaktion auf Bedrohung des Lebens durch Waffengewalt, sondern um organisiertes staatliches Handeln. Dabei schränkt die Friedensschrift die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen de facto dort wieder ein, wo sie rechtfertigt, dass Staaten Menschen zu Zwangsdiensten verpflichten können“ (I, 244). Der Autor bleibt jedoch nicht nur bei der Klage, am Schluss ruft er dazu auf, dass Christen und Gemeinden zu einem Konvent zusammenkommen sollen, um gegen die Denkschrift ein eigenes Votum zu setzen.

<h3>Atomkrieg abgesegnet</h3>

In Bürgers Sammelband ist der Bogen der Beiträge weit gespannt. Es beginnt mit einem Kommentar der Journalistin Bascha Mika, die die „gefährliche Anbiederung an die Macht“ beklagt. Deutlich zeige sich dies „in der Haltung zu Atomwaffen. Hier eiert die Denkschrift atemberaubend herum, um irgendwie christlich und dennoch staatsloyal daherzukommen“ und dann am Schluss der atomaren Aufrüstung den kirchlichen Segen zu erteilen, indem realistisch mit dem Stand der heutigen Grossmachtkonkurrenz argumentiert wird. Woraus „statt Bewahrung der Schöpfung die mögliche Vernichtung der Welt als christliche Risikooption“ resultiere (I, 20).
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Bei diesem neuen Realismus ist ja vor allem bemerkenswert, dass mittlerweile die militärischen Mittel im Atomzeitalter, das kirchlicherseits bislang am Sinn von Kriegen zweifeln liess, als „politisch notwendig“ akzeptiert werden und sogar, wenn sich die nationale Führung entsprechend bedroht fühlt, laut EKD „eine präventive militärische Reaktion gerechtfertigt sein“ kann. Darauf verweist in dem Band der Beitrag „Gegen die Propaganda einer christlichen Kriegstheologie“, der aus der gewerkschaftlichen Basisinitiative „Sagt NEIN!“ stammt (I, 174). Dem schliesst sich eine detaillierte Analyse von Karl-W. Koch an, der „vor allem die Fehlbewertung in der neuen Haltung zu den Atomwaffen“ aufgreift: „Warum hier in dieser Art ein ‚Kurswechsel' um 180° vollzogen wird, bleibt vermutlich allen informierten evangelischen Christen ein Rätsel“ (I, 177). Zu der Legitimation präventiver Massnahmen, also zur Klarstellung in Sachen Verteidigungsnotwendigkeit, heisst dann das Resümee: „Man kann hier herauslesen, dass bei weiter wachsender Bedrohung durch Russland ein atomarer Erstschlag (‚Enthauptungsschlag') denkbar und ... moralisch wie christlich zu verantworten wäre.“ (I, 185)
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Die EKD spricht damit übrigens eine Wahrheit aus, die in der Verbreitung der Abschreckungsideologie meist verloren geht, und bietet gleichzeitig schon das Rechtfertigungsmuster für einen Krieg, den Deutschland gegebenenfalls vom Zaun brechen wird. Abschreckung zielt ja auf die eigene Überlegenheit, die den Gegner militärisch handlungsunfähig machen soll, ihm einen Schaden androht, den er nicht verkraften kann und ihn so in die Schranken verweist. Was aber, wenn der Gegner ebenfalls rüstet, was das Zeug hält, um diese unterlegene Position nicht eintreten zu lassen? Dann ist es – so die kirchliche Lehre Anno Domini 2025 – durchaus legitim, einen Krieg „präventiv“ anzufangen, um den des Gegners zu verhindern. Und das Ganze nennt sich dann auch noch „Reaktion“.

<h3>Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist...</h3>

In dem Sammelband werden neben den sicherheitspolitischen Aspekten natürlich speziell die ethischen und theologischen Fragen aufgegriffen, wobei die Wortmeldungen aus einem breiten Spektrum stammen, nicht nur aus kirchlichen Initiativen und Gruppierungen, sondern auch aus Publizistik und Wissenschaft, aus der Friedensbewegung oder der gewerkschaftlichen Opposition. Abschliessend kommen hier bemerkenswerte Analysen zu Wort, so vom renommierten Friedensforscher Markus Weingardt, dessen Schlusswort lautet: Wenn die Kirche in der von der EKD beschworenen „Welt in Unordnung“ nicht mehr zu sagen hat als diese Denkschrift, „dann hat sie nichts mehr zu sagen. Sie macht sich überflüssig.“ (I, 277)
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Einen wichtigen Beitrag liefert auch Professor Egon Spiegel, bis 2022 Inhaber eines katholischen Lehrstuhls für Praktische Theologie und seitdem (sowas gibt's!) auf einem UNESCO-Lehrstuhl für Friedenswissenschaft in der Nanjing University, China, tätig. Spiegel nimmt beide christliche Konfessionen ins Visier. Die katholischen Christen in Deutschland durften sich ja schon früher (nämlich im Februar 2024) des Erhalts eines Friedenswortes rühmen: „Friede diesem Haus“ von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Für den Fachmann spielen da die theologischen Defizite (und die daraus folgende Tradition der Gewaltfreiheit, die grosszügig beiseite gelegt wird) eine besondere Rolle.
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Gemeinsam sei „beiden Verlautbarungen im Kern: ein bibeltheologisches Wegducken vor dem unmissverständlichen Gewaltverzichtspostulat Jesu“ sowie die Tatsache, „dass sie explizit vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine zu verstehen sind und sich in ihrer wortreichen Positionierung durchweg dem politischen Mainstream andienen. Auch wenn beide Dokumente in einem kirchlichen Ambiente durch ein von ihrer Kirche ausgewähltes Team verfasst und von den Oberen sanktioniert wurden, hätten diese bis in die Details der Ausführungen ebenso gut im Verteidigungsministerium – vielleicht noch mit dem Segen des jeweiligen Militärbischofsamtes – abgefasst worden sein können. Auch dort wird ethisch abgewogen, aber auch nicht mehr, und am Ende das Eintreten in einen Krieg nicht ausgeschlossen und deshalb vorbereitet.“ (I, 248)

<h3>Die Diskussion geht weiter</h3>

Peter Bürger hat zu seiner Sammlung kritischer Stimmen jetzt eine Fortsetzung „Umdenkschrift II“ vorgelegt, wobei ein Schwerpunkt der Dokumentation die „skandalöse kirchliche Atombomben-Duldung in Deutschland“ ist, die ja in der Tat neue Massstäbe setzt. Burkhard Paetzold, der 1978-1989 Mitglied der „ad hoc-Gruppe Abrüstung“ im Referat Friedensfragen der Theologischen Studienabteilung beim Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR war, bemerkt in dem neuen Band zu den kriegstheologischen Fortschritten: „Atomwaffen zielen auf die glaubhafte Androhung massenhafter, unterschiedsloser Vernichtung von Menschen, Lebensgrundlagen und Zukunft... Die Logik nuklearer Abschreckung bindet das eigene Überleben an die Bereitschaft, im Ernstfall Unvorstellbares zu tun“ (II, 68; siehe auch Paetzolds Beitrag im Overton-Magazin). Das ist übrigens die entscheidende Leistung der Kirchenleute, die ja nicht über die materiellen und personellen Massnahmen der Aufrüstung zu entscheiden haben: Sie machen das Unvorstellbare wieder vorstellbar – als Tat christlichen Soldatentums, das im Vertrauen auf die staatliche Autorität seinen gottgewollten Dienst erfüllt.
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So steht z.B. der katholische Militärbischof Overbeck schon Gewehr bei Fuss und trägt seinen Teil zur moralischen Aufrüstung bei. E er „will die Militärseelsorge auf einen möglichen bewaffneten Konflikt mit Russland vorbereiten“. Wie er Ende Februar mitteilte, muss die katholische Militärseelsorge, falls es zu einem bewaffneten Konflikt kommt, eine seelsorgliche Begleitung von Soldatinnen und Soldaten während ihrer Einsätze und bei ihrer medizinischen Versorgung gewährleisten. „Um es deutlich zu formulieren: Es geht hier um die Begleitung von Einheiten im Kampf beziehungsweise im Einsatz sowie die Bereitstellung von Seelsorge für Verwundete und Sterbende“. Und dabei befindet sich der Mann ganz im Einklang mit den neusten friedensethischen Erkenntnissen, zu denen evangelische und katholische Lehrautoritäten gelangt sind.
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Die Theologen Günter Brakelmann und Arno Lohmann erinnern dagegen an die „Tatsache, dass es mächtige Minderheiten sind, die die Entscheidungen für einen Krieg treffen. Völker, auch demokratisch verfasste, haben bisher noch nie über Krieg und Frieden mit abgestimmt. – Kirche muss von ihren ethischen Kriterien her ohne Rücksicht auf die Regierenden und auf die öffentliche Meinung auf diese Zusammenhänge hinweisen.“ (II, 19) Das, was EKD und DBK aber seit dem deutschen Vorhaben zur „Wehrdienstmodernisierung“ verlauten lassen, geht erkennbar in die entgegengesetzte Richtung. Es ist eine einzige Rücksichtnahme auf die Ansagen und Planungen der Machthaber.
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Professor Spiegels Fazit zur neuesten christlichen Friedensethik lautet daher kurz und bündig: „Hofschreiberei“ (I, 248)! Sollte das das letzten Wort bleiben, bevor der nukleare Holocaust beginnt? Dass Thron und Altar zu ihrer altehrwürdigen Symbiose zurückgefunden haben, in Ewigkeit, Amen?<p><em>Johannes Schillo</em><p><small><b>Nachweise</b>
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I: Peter Bürger (Hg.), Umdenkschrift zum Evangelischen Diskurs über Krieg und Frieden – Kritische Wortmeldungen aus der EKD-Kontroverse. Eine Sammlung, herausgegeben im Auftrag der Solidarischen Kirche im Rheinland und des Ökumenischen Instituts für Friedenstheologie, edition pace, Band 43, BoD – Books on Demand 2026. Siehe die Vorstellung im Overton-Magazin.
<br><br>
II: Peter Bürger (Hg.), Umdenkschrift II zum Evangelischen Diskurs über Krieg und Frieden – Weitere kritische Wortmeldungen aus der EKD-Kontroverse. Zweite Sammlung, herausgegeben im Auftrag der Solidarischen Kirche im Rheinland und des Ökumenischen Instituts für Friedenstheologie, edition pace, Band 44, BoD – Books on Demand, 2026.</small>]]></description>
<pubDate>Fri, 06 Mar 2026 12:45:00 +0100</pubDate>
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<title><![CDATA[„Zur Beruhigung“: Manchmal reicht ein kalter Krieg]]></title>
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<description><![CDATA[<strong>Deutschlands mutiger Vorstoss anno 1939, „ab fünf Uhr früh zurückzuschiessen“ und in Europa Ordnung zu schaffen, ging ziemlich in die Hose.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/US_Army_tanks_face_off_against_Soviet_tanks_Berlin_1961_w.webp><p><small>Panzer der US-Armee stehen am Checkpoint Charlie in Berlin im Oktober 1961 sowjetischen Panzern gegenüber.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:US_Army_tanks_face_off_against_Soviet_tanks,_Berlin_1961.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">USAMHI</a> (PD)</small><p>Die Slaven wurden zwar ordentlich dezimiert (ca. 27 Mio.), es reichte dennoch nicht, die Taiga zu arisieren oder wenigstens einen grossen Teil davon. Napoleon liess grüssen…

<h3>Nicht der erste Versuch…vergeigt</h3>

Am Ende durften die sogar als „Alliierte“ bei der Neuaufteilung Europas mitmachen und ganz schön profitieren: Einen Teil Deutschlands (später bekannt als „Ossiland“) kriegten die Kommunisten unter ihre Knechtschaft.
<br><br>
Dann begann im Westen das Wirtschaftswunder. Obwohl es gar kein Wunder ist: Hans und Franziska durften ranklotzen, dass die Schwarte kracht. Das taten sie folg- und genügsam wie immer. Und sie durften sogar ihre Adenauers per Kreuzchen wählen.
<br><br>
Darüber waren sie so glücklich, dass sie eben…ranklotzten und unsere (wessen bitte? Ach was solls…) Wirtschaft und unser (genau: unser!) Land zur Exportnation Nr. 1 machten.

<h3>Manchmal reicht ein kalter Krieg</h3>

Schon der britische Möchtegern-Metzger Churchill hatte gemutmasst, im WK II das falsche Schwein geschlachtet zu haben und so begann bald ein neuer Krieg als sog. „kalter“. Mit grossem Erfolg: Die Ostzone gab auf (sowas gabs übrigens noch nie!), die Kommunisten gaben mitsamt ihrem Warschauer Kriegspakt auf, und die Länder des ehemaligen Ostblocks und späteren Wertewestens wanderten fast alle in den Friedenspakt.
<br><br>
Anfang der 2000er wollten sogar die Russen beitreten,…har har! Als dann einer der letzten ehemaligen Vasallenstaaten ins Friedensbündnis wollte, zeigten die Slaven ihr wahres Gesicht und machten einen sog. Angriffskrieg (im Wertewesten unbeliebt, da kennt man bestenfalls Verteidigungsmassnahmen).

<h3>Jetzt haben wir unsere Chance!</h3>

Und jetzt auch noch das: Der Oberhäuptling unserer grossartigen Schutzmacht meint doch glatt: Macht euren Kram an der Ostfront alleine und bezahlt dafür bitte höchstselbst! Wir haben andere Prioritäten. Nach kurzer Irritation war es klar: Ärgerlich, aber das ist unsere Chance, unsere europäische und damit vor allem deutsche! Wir sind endlich Führungsmacht in Europa! Wir sind wieder da, wie der ambitionierte Mathelehrer Merz deutlich formulierte. Anno 2026 auf einer sog. Sicherheitskonferenz. Endlich nannte einer die Barbaren beim Namen!

<h3>Was bedeutet das?</h3>

<ul class="liste">
<li class="liste">Darf man fragen, was eigentlich so toll daran ist, dass Schland „wieder da“ist?</li>
<li class="liste">„Wir sind Germanen, gemütlich und brav, - Wir schlafen gesunden Pflanzenschlaf, Und wenn wir erwachen, pflegt uns zu dürsten, - Doch nicht nach dem Blute unserer Fürsten“.</li>
<li class="liste">Okay,„Fürsten“gibts auch heute noch stellenweise, die tatsächlichen Herrschaften heissen heutzutage anders.</li>
<li class="liste">„Wir nennen sie Väter, und Vaterland - Benennen wir dasjenige Land, - Das erb- eigentümlich gehört den Fürsten; Wir lieben auch Sauerkraut mit Würsten.“</li>
<li class="liste">Na gut, die„Väter“sind heute gewählte Politiker und einigen Blaublütigen gehört noch erklecklich Land, aber der Rest…gehört doch uns allen, oder? Und Sauerkraut dürfen nicht nur Vegetarier heute auch ohne Würste verspeisen.</li>
<li class="liste">„Wenn unser Vater spazieren geht, - Ziehn wir den Hut mit Pietät; - Deutschland, die fromme Kinderstube, - Ist keine römische Mördergrube.“</li>
<li class="liste">Fürwahr! Deutschland kommt endlich wieder ganz gross raus. Wartet nur ab!</li>
<li class="liste">Zitate stammen von Heinrich Heine aus seinem (1844!) veröffentlichen Gedicht…siehe ganz oben!</li>
</ul><p><em>jorgo</em><p>]]></description>
<pubDate>Fri, 06 Mar 2026 10:47:00 +0100</pubDate>
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<title><![CDATA[Systemfrage: Demokratie - oder gibt's irgendwo was Preiswerteres]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/systemfrage-demokratie-oder-gibts-irgendwo-was-preiswerteres-009571.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Also jetzt mal ganz unter uns: Soo wichtig ist das Völkerrecht nun auch wieder nicht. Das Völkerrecht sollte sich mal ein Beispiel an den Menschenrechten nehmen!</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/25659143542_e46088721d_w.webp><p><small>  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://www.flickr.com/photos/skohlmann/25659143542/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sascha Kohlmann</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 2.0 cropped)</a></small><p>Das vorab, bevor unser Boss ins Weisse Haus kriecht und mit Kündigung der Mietverträge in Stuttgart-Vaihingen droht. Dort hat eines der elf Kampfkommandos des US-Verteidigungs-ministerium sein zu Hause: Das EUCOM. Es plant und realisiert militärischer Operationen ausserhalb von Stuttgart, v.a. im Nahen Osten. Einen Steinwurf weiter koordiniert das AFRICOM Militäroperationen und manches mehr in, nicht mit 53 afrikanischen Staaten.
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Die vornehmste Aufgabe aller Anstrengungen und Ausgaben, wo auch immer, ist der Schutz westlicher Lebensart: „Wie ich Dir, so du mir“. So wie das Völkerrecht vom Mitmachen oder Weggucken lebt, geht's auch der Demokratie - Brot und Spiele. Das Brot muss satt machen.
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Im brutalen Leben sind immer weniger Menschen bereit, sich für's „Grosse Ganze“ zu engagieren. Dann kippelt eine Gesellschaft. Bei uns in Möhringen und Vaihingen und drumrum maulen, meckern, mosern etwa 40 % der Leute, in der Ex-DDR fast 50 %, über Staat und Gesellschaft.
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Sie stellen insgeheim die Systemfrage: Demokratie - oder gibt's irgendwo was Preiswerteres? So manch einer hat seine Wohnung, seine Frau, seine Arbeit, seinen Appetit oder sein Vertrauen in Land und Leute, Staat und das ganz Drumherum verloren - den „...Sommer, wie er früher einmal war“.
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Die Leute fühlen sich nicht aufgehoben, gehört, im Stich gelassen. Sie wollen verreisen (Spiele!), wissen aber nicht wohin. Totes Meer?
<br><br>
Julia Klöckner weiss: Politikverdrossenheit! Vielen geht das am Arsch vorbei, sie haben wie Julia ihr Schäfchen im Trockenen. Andere sitzen in Dubai oder Katharr fest und verpassen die Wiederwahl von Kretschmann junior.
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Die Speicher sind gefüllt, die Konten auch. Wir schicken Heizlüfter nach Kiew, Trockenzwieback nach Gaza, Schutzwesten nach Israel und gute Worte nach Teheran: Volk, halte durch, vergiss die Milliardengeschäfte deutscher Unternehmen mit dem iranischen Regime, die in den vergan-genen Jahrzehnten von fast ausnahmslos allen deutschen Parteien und Regierungen gefördert wurden. „Nadierlich is das völkerrechts-widridsch, aba was willste machn?“ weiss meine Omi Glimbzsch in Zittau. Hoffentlich wird der Sprit nicht zu teuer. Dieses Jahr fliegen wir nach Usedom.<p><em>Peter Grohmann</em><p>]]></description>
<pubDate>Thu, 05 Mar 2026 10:51:00 +0100</pubDate>
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<title><![CDATA[Fluorid im gesellschaftlichen Diskurs]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/fluorid-im-gesellschaftlichen-diskurs-009570.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) lässt über Zahnärzte eine <a href="https://www.kinderzahnaerzte-bonn.de/downloads/fluorid-1pager-nov24.pdf" target="_blank" rel="nofollow noopener">Broschüre</a> an Patient*innen verbreiten, die grobe Unwahrheiten enthält und statt sachlicher Aufklärung gezielte Propaganda betreibt. Wie seriös sind die Argumente, die hier vorgebracht werden?</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Kollage_Fluorid_Broschuere_w.webp><p><small>Kollage aus der Fluorid Broschüre.</small><p>Im gesellschaftlichen Diskurs und in den Regalen der Drogeriemärkte, ist eine Verschiebung der öffentlichen Wahrnehmung des Themas Fluorid-Zahnpasta, zumindest an der gesellschaftlichen Basis zu vernehmen. Zwischen Evangelist*innen wie der Bundeszahnärztekammer und Esoteriker*innen fällt die Orientierung manchmal schwer.
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Aber selbst unter Expert*innengesellschaften ist eigentlich unumstritten, dass Fluorid giftig ist. Die Deutsche Gesellschaft für Toxikologie nennt Fluorid „Gift des Monats“ (im August 2025) und weist darauf hin, dass die <a href="https://toxikologie.de/toxikologie/artikel-des-monats/fluorid-efsa-neubewertung-zur-sicheren-aufnahmemenge-und-berechnung-der-individuellen-aufnahme-mit-rechner-der-beratungskommission/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit</a> bzw. die Beratungskommission empfiehlt, dass Schwangere Frauen die Fluoridaufnahme durch Tees oder fluoridisiertes Salz reduzieren sollten. Auch solle man Zahnpasta mit Fluorid nicht herunterschlucken.
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Ein häufig enthaltenes Fluorid in Zahnpasta ist Natriumfluorid und diese Substanz hat ganz offiziell eine GHS-Gefahrstoffkennzeichung „Gefahr“, das ist das Totenkopf-Symbol in einer Raute. Dass man also nicht leichtsinnig mit einer solchen Substanz im Alltag umgehen sollte, kann man sich also denken.<br>
Die <a href="https://www.efsa.europa.eu/de/news/fluoride-safety-updated-intake-levels-all-ages" target="_blank" rel="noreferrer noopener">EFSA hat ihre Aufnahmeempfehlungen</a> überarbeitet und etwas strenger neu herausgegeben, sieht aber insgesamt Fluorid als wenig gefährlich an.
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Und das Bundesinstitut für Risikobewertung befindet, dass „Fluorid nicht in Nahrungsergänzungsmittel[n]“ verwendet werden sollte.<br>
https://www.bfr.bund.de/cm/343/hoechstmengenvorschlaege-fuer-fluorid-in-lebensmitteln-inklusive-nahrungsergaenzungsmitteln.pdf<br>
Erstaunlicherweise trommeln aber teilweise auch „Öko-Institutionen“ wie die <a href="https://utopia.de/ratgeber/zahnpasta-oeko-test-marken-probleme-titandioxid-blei-fluorid_490399/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zeitschrift Ökotest</a> für Fluorid. Dort werden fluoridfreie Zahnpastas auf „mangelhaft“ (!) abgewertet.
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Anmerkung: Der Autor gesteht ein, seit 25 Jahren Karies- und Lochfrei „mangelhafte“ Naturkosmetik beim Zähneputzen zu verwenden.

<h3>Die Giftigkeits-Debatte: Fluorid vs. Kochsalz</h3>

Aber nun zur Broschüre der Bundeszahnärztekammer, die versucht, mit  seltsamen und vollkommen falschen Vergleichen, die Patient*innen einzuschüchtern, auf dass diese sich beim nächsten Drogeriemarktbesuch nicht mehr trauen sollen, fluoridfreie Zahnpasta zu kaufen, auch wenn ihre Zähne gesund sind.<br>
Ein zentrales Argument der BZÄK lautet:
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„Fluorid ist nicht zu verwechseln mit Fluor – einem giftigen Gas. Fluorid ist in der Menge, die durch das tägliche Zähneputzen aufgenommen wird, für den menschlichen Körper absolut unbedenklich und sogar besser verträglich als Kochsalz.“
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Doch ein Blick auf die toxikologischen Daten, die sogar bei <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Fluoride" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wikipedia</a> und überall sonst frei zugänglich sind, zeigt: Diese Aussage ist falsch. Die tödliche Dosis für Kochsalz (<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Sodium_chloride" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Natriumchlorid</a>) liegt bei etwa 3.000–3.500 mg/kg Körpergewicht (oral, Ratte). Also über 200 Gramm für einen Erwachsenen. Die tödliche Dosis für Natriumfluorid beträgt hingegen 50–250 mg/kg Körpergewicht (oral, Ratte) – ca. 5-20 Gramm für einen Erwachsenen, also ist Fluorid etwa 10-45x toxischer als Kochsalz!
<br><br>
Die BZÄK behauptet das Gegenteil der wissenschaftlichen Fakten: Fluorid ist nicht „fast zehnmal weniger giftig“ als Kochsalz, sondern deutlich giftiger. Dass die aufgenommenen Mengen beim Zähneputzen meist zu gering für akute Vergiftungen sind, ändert nichts an der grundsätzlichen Toxizität – und an der Fahrlässigkeit, mit der hier Fakten verdreht werden.

<h3>Greenwashing: „Fluorid ist natürlich!“</h3>

Ein weiteres „Argument“ in der Broschüre lautet: „Fluorid ist ein Bestandteil vieler in der Natur vorkommender Mineralien. Fluoride sind nicht nur in der Erde, im Wasser, in Pflanzen und der Luft, sondern auch im menschlichen Körper verbreitet.“
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Hier wird der natürliche Ursprung eines Stoffes mit seiner Harmlosigkeit gleichgesetzt – ein klassisches Greenwashing-Muster. Dass etwas „natürlich“ vorkommt, sagt nichts über seine Sicherheit für den Menschen aus: Arsen, Blei oder Quecksilber sind ebenfalls natürlich...
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Die BZÄK verschweigt geflissentlich, dass künstlich zugesetztes Fluorid in Zahnpasta in einer Konzentration vorliegt, die in der Natur so nicht vorkommt. Der Verweis auf „natürliche Verbreitung“ dient einzig dazu, Bedenken zu zerstreuen – nicht aber, um sachlich aufzuklären.

<h3>Die Strategie der Verunsicherung: Fluorid ≠ Fluor</h3>

Ein besonders subversives Argumentationsmuster in der Broschüre ist, dass man Fluor in Abgrenzung zu Fluorid ins Spiel bringt: „Fluorid (z.B. Aminfluorid oder Natriumfluorid) ist ein Salz und nicht zu verwechseln mit Fluor, einem in der Tat giftigen Gas.“
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Natürlich ist Fluorid nicht dasselbe wie elementares Fluor – doch diese Aussage suggeriert, Fluorid sei im Gegensatz dazu harmlos. Dabei ist Natriumfluorid ein hochgiftiger Stoff, der in Insektiziden und Rattengift eingesetzt wird. Die BZÄK vergleicht hier ungefragt Äpfel mit Birnen: Dass Fluorid ein Salz ist, macht es nicht automatisch sicherer.
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Noch mehr Verwirrung stiftet die Bundeszahnärztekammer, wenn sie Kochsalz nun gegenüber Fluorid ausspielen will. Auch dies ist wissenschaftlich unseriös. Chlorid (im Kochsalz) ist für den Körper essenziell – Fluorid ist es nicht. Der Körper hat keine wichtige Verwendung für Fluorid – es wirkt toxisch und wird sofort wieder ausgeschieden.
<br><br>
Daneben spricht die BZÄK von einem „Wiedereinbau“, ganz so, also wäre etwas verloren gegangen. Da heisst es: „Durch den Wiedereinbau verlorener Mineralien stärken Fluoride die Zähne und machen sie widerstandsfähiger.“
<br><br>
Dabei handelt es sich aber nicht um einen natürlichen Prozess, sondern um eine chemische Reaktion, die den Zahnschmelz verändert. Die BZÄK verschweigt, dass Fluorid keine Karies heilt, sondern lediglich das Bakterienwachstum hemmt – ein Effekt, der auch durch zahnfreundliche Ernährung erreicht werden kann, ohne potentiell toxische Nebenwirkungen durch zu viel Aufnahme von Fluorid (Fluorose).

<h3>Fazit: Aufklärung statt Beschwichtigung</h3>

Die Bundeszahnärztekammer betreibt eine strategische, man könnte sagen, propagandistische Verharmlosung. Die Giftigkeit von Fluorid wird weggewischt oder relativiert („weniger giftig als Kochsalz“ – obwohl das Gegenteil der Fall ist). Ausserdem wird die Natürlichkeit als Sicherheitsgarantie dargestellt; aber nicht alle natürlich vorkommenden Substanzen sind ungiftig. Auch werden komplexe chemische Prozesse vereinfacht dargestellt („stärkt die Zähne“), ohne auf Risiken einzugehen.
<br><br>
Statt Aufklärung zu betreiben, präsentiert die Bundeszahnärztekammer ihre „Fakten“ unter dem Deckmantel institutioneller Autorität – ein klassischer Appeal to Authority der „Götter in Weiss“. Am Ende werden die Menschen für sich zwischen Nutzen und Risiko abwägen. Denn es bleibt eine Unsicherheit in Bezug auf die Frage, ob eine giftige Substanz, über Jahrzehnte in kleinen Mengen aufgenommen, möglicherweise doch Schaden anrichten könnte. Dies lässt sich nicht definitiv ausschliessen. Die Entscheidung fällt also zwischen Vorsorgeprinzip und Risikoakzeptanz: Sollte man potenzielle Gefahren vermeiden – oder ist uns ein minimal härterer Zahnschmelz wichtiger? Die hier vorgestellte Broschüre zeigt aber, wie ideologisch aufgeladen dieses Thema unter Schulmediziner*innen offenbar ist.<p><em>Christopher Stark</em><p>]]></description>
<pubDate>Tue, 03 Mar 2026 08:25:00 +0100</pubDate>
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</item>

<item>
<title><![CDATA[Der Wettbewerb um die meisten Toten im Krieg]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/der-wettbewerb-um-die-meisten-toten-im-krieg-009556.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Hey Europeans, im Krieg in Afghanistan habt ihr euch sehr vornehm zurückgehalten! Und wir MAGA-Leute mussten die Drecksarbeit für uns alle übernehmen.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/TF_Lobos_medevac_crews_conduct_rescue_hoist_training_with_Germans_DVIDS428968_w.webp><p><small>Deutsche Bundeswehrsoldaten in Afghanistan, 16. Juli 2011.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:TF_Lobos_medevac_crews_conduct_rescue_hoist_training_with_Germans_DVIDS428968.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Joe Armas</a> (PD)</small><p>Das geht gar nicht! Schämt Euch, Feiglinge!…soweit der Maximo Líder kürzlich unmissverständlich.

<h3>Hey Buddy...</h3>

…so lassen wir uns das nicht so gern sagen. Wir haben uns ordentlich ins Zeug gelegt. Bei jedem von uns gab es eine Menge Tote bittesehr!<br>
Okay, die meisten davon hatten die Briten, aber wir anderen hatten auch reichlich!

<h3>Okay okay Europeans…</h3>

…ihr habt ja Recht, die Briten sind eben die wirklichen Europäer und unsere wahren<br>
Bundesgenossen, der Rest…f... the EU!

<h3>Fazit</h3>

<ul class="liste">
<li class="liste">Der Wettbewerb um die meisten Toten im Krieg hat ganz nebenbei begonnen.</li>
<li class="liste">Solch anschauliche Wettbewerbe um Totenstatistiken machen richtig kriegstüchtig. * Aufschrei in den Medien? Welche Medien? Wieso denn?</li>
<li class="liste">Die Briten sind eben auf Kurs dank Brexit (haha!).</li>
<li class="liste">Gewöhnt euch dran, Hans und Franz(iska), das ist eure Zukunft.</li>
<li class="liste">Schöne Aussichten.</li>
</ul><p><em>jorgo</em><p>]]></description>
<pubDate>Fri, 20 Feb 2026 10:56:06 +0100</pubDate>
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</item>

<item>
<title><![CDATA[Politischer Aschermittwoch: Führer Friedrich]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/politischer-aschermittwoch-fuehrer-friedrich-009555.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Asche auf's Haupt – aber erst am Mittwoch, da will ich dabei sein: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Politischer_Aschermittwoch-Vof2011-BP-1_w.webp><p><small>Politischer Aschermittwoch der Bayernpartei in Vilshofen an der Donau im Jahr 2011.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Politischer_Aschermittwoch-Vof2011-BP-1.JPG" target="_blank" rel="noreferrer noopener">High Contrast</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY 3.0 cropped)</a></small><p>Das sind saubere Aussichten, auch wenn die Menschheit weiss: Feinstaub bleibt Feinstaub und Weintraub bleibt Weintraub! Jetzt ist Schluss mit lustig – bis zum Ostermarsch wird gefastet, in Gaza und Ostafrika deutlich länger, so Gott will.
<br><br>
Die deftigsten Sprüche, immer altbacken, ordinär und verlässlich frauenfeindlich (bis zum 8. März) wabern am Aschermittwoch aus den Bierzelten. Es riecht nach gestern und Sitzenbleibern und nirgends was von Gottes Segen, wenn Sie mich fragen.
<br><br>
Die Vorkonferenz zum Aschermittwoch ging am 15. Februar in der Braustadt München in die Brüche, also dem Ende zu, wie immer mit grossen Versprechen und kleinen Hoffnungen. Was die Kleinen und die Hoffnungen angeht: Der 15. Februar ist ja unbekannterweise auch „Kinderkrebstag“. Da erinnern wir uns vielleicht daran, dass bei uns die Mittel für Krebsforschung gekürzt werden. Friedrich hat genickt, Lars auch: Sehr ernste Gesichter. Da spüren wir's wieder: Die Welt braucht Führung, allen vorab die unsere, die westliche. Kennen Sie jemanden?
<br><br>
Westliche Welt und westliche Werte sind zwei Paar Stiefel. Bei uns stehen die Menschenrechte ganz, ganz oben auf dem Papier. Deshalb sind die Regierenden hier „über die Vorgänge dort“, in den USA, so stark beunruhigt: Dort ist das Papier noch billiger, so billig wie etwa in Ungarn, der Türkei, Russland. Es braucht<br>
logischerweise offenbar einen Führer, der die Führungsrolle in die Hand nimmt. Friedrich, mach' du es!
<br><br>
Ich hab's kommen sehen – und meine Omi Glimbzsch aus Zittau ergänzt: „Das is erscht der Anfang!“ Die Werte vieler Leute lassen sich im Slogan „Beten, ballern, Trump“ zusammenfassen. Vielleicht ist der Ruf nach eigenen Atomwaffen etwa in der Eifel nur Eifelsucht?
<br><br>
Egal statt Égalité! Das Ergebnis ist Maga - ein Loch ist im Eimer, oh Henry, ein Loch...<p><em>Peter Grohmann</em><p>]]></description>
<pubDate>Wed, 18 Feb 2026 15:48:26 +0100</pubDate>
<guid>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/politischer-aschermittwoch-fuehrer-friedrich-009555.html</guid>
</item>

<item>
<title><![CDATA[Epstein Files: Verkommene Eliten]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/epstein-files-verkommene-eliten-009549.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Eins, zwei, drei, vier, Epstein. Alles muss versteckt sein. Hinter mir und vor mir gilt es nicht, und an allen Seiten nicht: Eins, zwei, drei – ich komme jetzt!</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/bill_gates_epstein_w.webp><p><small>  Foto: Bill Gates, Epstein Files. (PD)</small><p>Wer ist ich? Die Aufklärer im Waisenhaus? Elon Musk, die Clintons, Melle-Merit, Goldman Sachs, Bill Gates, Joscha Lach? Und hat etwa Wladimir ein As in der Hinterhand? Epstein war Putins Finanzberater, bevor der Kinder gegen Wissen verkaufe.
<br><br>
Eins, zwei, drei,vier Epstein ist die inoffizielle Hymne einer globalen Oberschicht, die weiss, wie man sich versteckt: Mal hinter Büschen im Hinterhalt, mal unter Betten, mal hinter Anwälten, Stiftungen, Fluglisten, Regierenden, Trusts, dem Datenschutz. Klappe zu – Affe tot, wie Jeffrey Epstein.
<br><br>
Der Epstein-Skandal ist kein Ausrutscher. Da ist kein einzelner „böser Mann“, der zufällig von hinten in höchste Kreise kroch. Er war selbst höchster Kreis. Epstein ist das Schaufenster des freien Westens, dort, wo Geld, Macht und komplette Verwahrlosung eine enge Wohngemeinschaft bilden. Wer mächtig genug ist, muss nichts erklären – er lässt erklären, wer elitär genug ist, muss keine Verantwortung übernehmen – er lässt verschwinden.
<br><br>
Wenn es sein muss, die Opfer, die Zeugen. Epstein war der Schlüsselmeister eines Systems, das sich selbst schützt. Er war der Türöffner und der Türsteher. Nun gibt's andere. Forget it.
<br><br>
Ich glaube: Wer Macht hat, trägt Verantwortung. Sollte. Wer sie missbraucht, verliert jedes Recht auf Schutz durch Schweigen. Müsste. Wer heute noch meint, der Skandal sei vorbei, verwechselt Ruhe mit Gerechtigkeit. Wie gesagt: Glaub' ich. Ich glaub' an Rechtsstaatlichkeit und die freie Republik, auch wenn meine Omi Glimbzsch in Zittau aus Erfahrung lacht: „Peter, Glauben heisst nicht Wissen, das weesste doch!“ Ich will am liebsten garnicht alles wissen, sag' ich mir.<p><em>Peter Grohmann</em><p>]]></description>
<pubDate>Fri, 13 Feb 2026 10:49:59 +0100</pubDate>
<guid>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/epstein-files-verkommene-eliten-009549.html</guid>
</item>

<item>
<title><![CDATA[Zum Flächendeckenden GDL-Streik: Faule Hunde]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/zum-flaechendeckenden-gdl-streik-faule-hunde-009511.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Ist Streik ein Verbrechen? Oder ein Weckruf? Immer, wenn Busse stehen und Bahnen schweigen, heisst es: „Unverschämt! Wie soll man denn zur Arbeit kommen?“</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/SBH_Nienburg_2401120849_w.webp><p><small>Abgestellte S-Bahn in Nienburg wegen des GDL-Streik am 12. Januar 2024.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:SBH_Nienburg_2401120849.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Clic</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY 4.0 cropped)</a></small><p>Die ehrlichere Frage wär': Wie kommen die eigentlich noch zur Arbeit? Nachts. An Feiertagen. Bei Glatteis, Starkregen, 35 Grad im Schatten. Mit Überstundenkonten, die nie leer werden, mit Rücken, die knacken, Infekten, die verschleppt werden, weil Ausfälle sonst den ganzen Betrieb lahmlegen. Wer im ÖPNV arbeitet, hält den Laden am Laufen – und wird bezahlt, als wäre er austauschbares Zubehör.
<br><br>
Ein Streik ist kein Angriff auf die Gesellschaft. Er ist ihr Notruf. Denn eine freie, demokratische Gesellschaft braucht Gewerkschaften wie der Körper Sauerstoff. Ohne sie gibt's keine Verhandlung auf Augenhöhe, nur Durchhalteparolen von oben und Erschöpfung von unten.
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Ganz abgesehen davon werden ja überall die Rechte arbeitender Menschen geschleift. Renten? Unsicher. Mieten? Explodieren. Lebens-mittelpreise? Steigen. Während sich Pflegekräfte, Fahrerinnen, Erzieher und Müllwerker rechtfertigen müssen, gelingt es Grossverdienern seit Jahrzehnten, sich elegant aus der Bürgerpflicht zu stehlen: CumEx, Briefkastenfirmen, Auslandskonten, Steuerflucht. Die tausend Reichsten dieses Landes bunkern mehr Vermögen als zehn Millionen „Normal-bürger“. „Leistung muss sich wieder lohnen“ ist die Lachnummer der Saison.
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Was Wunder, wenn das Vertrauen in Parteien und Institutionen weiter schwindet und die Demokratie Risse bekommt! Trotz der Aufklärungs-arbeit von Menschen wie Anne Brorhilker versagen Staatsanwaltschaften und Finanzaufsichten. Politische Konsequenzen? Fehlanzeige. Der Rechtsstaat hinkt dem Recht hinterher.
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Wie gut also, dass es dem berühmten Satiriker Peter Grohmann und seiner Omi Glimbzsch (Zittau) gelungen ist, mit Beharrlichkeit einen bescheidenen Beitrag zur Razzia bei der Deutschen Bank zu leisten. Ein Beweis dafür, dass Engagement wirkt – aber auch dafür, wie selten es geworden ist.
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Was wir jetzt brauchen, ist mehr davon. Mehr Haltung. Mehr Streit. Mehr Solidarität. Und die Einsicht, dass die Demokratie gefährdet ist, wenn Populisten auf dem Siegeszug sind. Die eingeschlafenen Füsse in der gesellschaftlichen Mitte brauchen dringend ein Eisbad. Der Streik im ÖPNV ist kein Ärgernis – er ist ein Stresstest für unsere Demokratie. Wer ihn nicht aushält, muss sich fragen, auf wessen Schultern er eigentlich steht.<p><em>Peter Grohmann</em><p>]]></description>
<pubDate>Tue, 03 Feb 2026 16:48:23 +0100</pubDate>
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</item>

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<title><![CDATA[Eier in der Hose: Sprache verrät Gesinnung]]></title>
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<description><![CDATA[<strong>“Jeder Schuss ein Russ, jeder Stoss ein Franzos“: Freudig und kopflos jubelnd zogen die Deutschen pflichtschuldigst in den WK I.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Erster_Weltkrieg_w.webp><p><small>Wohlfahrts-Karte des Vaterländischen Frauenvereins (circa 1914), Provinzialvereins Berlin zum Besten der Kriegsfürsorge. Jeder Schuß – ein Russ'! Jeder Stoß – ein Franzos'! Nun woll'n wir sie mal dreschen!  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Erster_Weltkrieg_(Jeder_Schu%C3%9F_%E2%80%93_ein_Russ%E2%80%99!_Jeder_Sto%C3%9F_%E2%80%93_ein_Franzos%E2%80%99!)_OeNB_14672316_(1).jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studio A. Mocsigay, Hamburg</a> (PD)</small><p>Zieh' schneller, Soldat. Im März 1916 begann das zehnmonatige Menschen-schlachten in Verdun: 300 000 Soldaten, 400.000 Verwundete. Dennoch nichts gelernt.
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Eier in der Hose - ein Satz wie ein Schulterklopfen mit Stahlkappe, wunderbar in der Debatte heute, die Zupacken in Vollzeit statt telefonische Krankmeldung fordert.
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Eier in der Hose – das ist Kraft, Potenz, Mann, Entschlossenheit, Tat statt Rat. Es signalisiert Durchsetzungswillen und Kriegstüchtigkeit selbst nach verlorenen Kriegen, wo solche Kampfbegriffe entstehen: Dort, wo Sprache über Nacht verroht. Die Sprache ist das neue KI-gestützte Waffenarsenal, der eigene Körper der Beweis, der andere ein einziges Defizit.
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Sprache verrät Gesinnung. „Eier in der Hose“ sagt, was man selbst gern wäre – Sieger, Zupackender, Gewinner - und was den anderen abgeht: Standvermögen, Schläue, Stärke. Wer zweifelt, taugt nichts. Wer zögert, fällt zurück. Wer scheitert, ist selbst schuld. Damals wie heute: Deitsch woll'n mer sei! Das ganze ideologische Gepretze wird meistbietend als Mut verkauft: Selber schuld, wer keinen hat.
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Wer Eier in der Hose hat, fährt auch mit Sommerreifen bei Blitzeis mit fünf Mass Bier im Ranzen.
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Beim Blick von der grönländischen Front rüber zum Festland USA fallen dieser Tage die bewaffneten Einsatzkräfte von Donald Trump auf: Die ICE Agents und Officers, verantwortlich für Mord und Totschlag. Sie sind den Versagern der Gesellschaft hart auf den Fersen, allen, die zu laut sind, nichts leisten, die anders aussehen, riechen, krank sind, um Hilfe betteln, die keine wetterfeste Erwerbsbiografie herzeigen können: “Move your ass!” .
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Im deutschen Diskurs bleiben wir (noch) höflich: Das spricht man von Eigenverantwortung, Belastungsgrenzen, Ordnung, Leistung, Leitkultur. Und das wird man doch noch sagen dürfen. 2025 ist das Vermögen der etwas Reicheren Menschen um weitere 2,5 Billionen US-Dollar gewachsen. Der Anstieg entspricht dem gesamten Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung. Also?
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Wir stehen früh auf. Wir reissen uns zusammen. Wir halten durch. Auch wenn's schwerfällt, bei drei Jobs . Gerade dann. Wir sind vernünftig, belastbar, pflichtbewusst und bleiben mit wohlfeilen Sätzen im sprachlichen Schützengraben.<p><em>Peter Grohmann</em><p>]]></description>
<pubDate>Fri, 30 Jan 2026 10:52:41 +0100</pubDate>
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<title><![CDATA[Das Pflanzengift Glyphosat: Krebs im Bauch]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/oekologie/das-pflanzengift-glyphosat-krebs-im-bauch-009484.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Vorab Bekanntes: Donald Trump lügt und betrügt, er ist hinterhältig, gemein, skrupellos und krank - also unberechenbar für Mensch und Maus.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Greenpeace_gegen_Glyphosat_w.webp><p><small>  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Greenpeace_gegen_Glyphosat.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Arquus</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 4.0 cropped)</a></small><p>Bitte drucken Sie diesen Text in geeigneter Form gut lesbar aus hängen sie ihn sichtbar in Augenhöhe auf. Aber nicht vergessen: Ganoven wie Trump sind immer noch mehr oder weniger anerkannte Repräsentieren westlicher Werte.
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Und nu mach schön einen Diener, Friedrich.
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Jetzt aber Rucki-Zucki vom geborenen zum ungeborenen Leben, nach Massgabe v.a. von CDU/CSU im allerhöchsten Masse schützenswert. Soviel wissen wir jetzt unter Garantie: Das Pflanzengift Glyphosat ist selbst in kleinsten Mengen krebserregend. Die Vergesslichen unter uns erinnern sich gern an früher: Das Pestizid stellt nämlich weit über den Krebs hinaus (hat heute ja fast jedeR) eine ernste Gefahr für die gesamt-menschliche Gesundheit dar:
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Glyphosat steht im Zusammenhang mit Parkinson- und Alzheimer-Erkrankungen, Entzündungen des Nervensystems, Schädigungen des Mikrobioms und mit negativen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit, auf die Entwicklung des menschlichen Fötus und auf die frühkindliche Entwicklung. Wenn das mal alles is! Mensch, was brauchst du mehr, um zu sterben?
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Das alles zeigt eine neue unabhängige Langzeitstudie, die Alois Rainer (Bundeslandwirtschaftsminister, CSU) vorliegt und zu der er mit zusammengebissenen Zähnen eisern schweigt. Wenn sich nun aber der zuständige Fachminister feige wegduckt, die aktuelle Studien ignoriert und nicht handelt, gefährdet er geborenes als wie ungeborenes Leben. Sein Ministerium ist jedoch von Gesetzes wegen zum Handeln gezwungen: Vorsorgeprinzip. Das soll uns vor gesundheitlichen Schäden zu bewahren, besonders Kinder, die keine Junge Union als Fürsprecher haben. Aber vielleicht täusche ich mich. Demenz,
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Das Vorsorgeprinzip dient der Risikovermeidung und sagt, dass eine Massnahme nicht durchgeführt werden darf, wenn sie der Allgemeinheit oder der Umwelt Schaden zufügen kann und weiterhin kein wissenschaftlicher Konsens zu diesem Thema besteht. Viel Blabla, aber so isses. Also gibt's jetzt eine Fachaufsichtsbeschwerde „wg. Missachtung des Vorsorgeprinzips nach Art. 191 AEUV“. Der Vertrag regelt die Arbeitsweise der Europäischen Union. Oder soll.
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Vorab: Hier gehts nicht um Schuld, sondern um fehlerhafte Amtsführung, also Bekanntes. Dann schau'n wir mal. Weiter. Weg.<p><em>Peter Grohmann</em><p>]]></description>
<pubDate>Fri, 23 Jan 2026 10:42:10 +0100</pubDate>
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<title><![CDATA[Was für eine Schule wollen wir? Stofffülle: Weniger ist mehr.]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/bildung/was-fuer-eine-schule-wollen-wir-stofffuelle-weniger-ist-mehr-009485.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Das Schulwesen ist gegenwärtig nicht allein infolge seiner Unterfinanzierung in einem schlechten Zustand.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/ETH_zurich_(Ank_Kumar_Infosys_Limited)_28_w.webp><p><small>ETH Zürich.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:ETH_zurich_(Ank_Kumar_Infosys_Limited)_28.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ank kumar</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 4.0 cropped)</a></small><p>Als problematisch erweisen sich nicht nur grosse Klasse und der Lehrermangel, sondern auch die für den Unterricht massgeblichen schulischen Strukturen.
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Schüler klagen darüber, dass sie „mit Unterrichtsstoff zugeballert werden”. Kaum beginnen Schüler, sich in etwas zu vertiefen, steht bereits ein anderes Lernfach auf der Tagesordnung. Sie müssen sich, ob sie wollen oder nicht, an die Zusammenhangslosigkeit des Wissens gewöhnen. Einerseits haben Lehrer Wissensdurst anzuspornen, andererseits wird er auch immer wieder gestoppt. Eine Immunisierung gegen Inhalte bleibt nicht aus. Sie verlieren an subjektiver Bedeutsamkeit.<br>
Wer etwas lernt, behält es nur, wenn neue Inhalte an bereits vorhandenem Wissen anknüpfen und mit ihm Netzwerke bilden. Es muss im Arbeitsgedächtnis sinnhaftig in Beziehung gesetzt und verarbeitet werden. Passiert dies nicht, geht es für das Langzeitgedächtnis verloren.
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Auch deshalb erweist es sich als sinnvoll, themenübergreifend und in längeren Einheiten zu lernen. Verschiedene Fachlehrer könnten in mehreren Stunden ein Thema aus verschiedenen Perspektiven behandeln und es in der Gruppen- und Einzelarbeit vertiefen lassen. In einer anstrebenswerten Schule ist es not-wendig, die angebotene Stofffülle im Schultag anders zu bändigen als bislang.

<h3>Bulimie-Lernen</h3>

Angesichts der Stofffülle und des Zeitdrucks in der gegenwärtigen Schule findet in ihr häufig „Bulimie-Lernen” statt. Es handelt sich um eine schnelle Aneignung von Fakten, Formeln und Sachverhalten. Damit lässt sich im günstigen Fall zwar die jeweils bevorstehende Leistungsüberprüfung bestehen, das Gelernte bleibt aber meist nur im aktuellen Kurzzeitgedächtnis präsent. Bald darauf aber gerät es in Vergessenheit. Dem Schüler fehlt oft die Übung, das Gelernte dadurch tiefer zu verstehen, dass er es auf ähnliche Probleme anwendet.
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Eine desillusionierende Feststellung über den Nutzen des meisten Schulwissens trifft der Neurowissenschaftler Gerhard Roth (2013). „Selbst einfachster Stoff, wie beispielsweise Dreisatz-Rechnen, wird nach wenigen Jahren nicht mehr beherrscht.” Sollen Schüler das Gelernte länger im Kopf behalten, „müssen wir uns von dem Wahn verabschieden, möglichst viel Stoff in kürzester Zeit in die Schülerhirne zu trichtern“, denn „weniger Stoff, der systematisch wiederholt wird, wird effektiver gespeichert.“

<h3>Benotung und instrumentelles Verhältnis zu den Unterrichtshalten</h3>

Die Stofffülle und der Zeitdruck machen es Schülern schwer, ein selbständiges Lerninteresse zu entwickeln. In einer anstrebenswerten Schule ist der Unterricht so einzurichten, dass die Schüler fragen „Was ist von der Sache her und für sich selbst betrachtet bedeutsam?“ Stattdessen dominiert gegenwärtig häufig eine Zielverschiebung. Die Schüler orientieren sich an der Frage: „Was bekomme ich dafür, wenn ich mir etwas einpräge, diese Handlung ausführe, mich so und so verhalte oder wenigstens ein bisschen so tue?” (Waldrich 2007, 93).
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Die Benotung legt es Schülern nahe, nicht zu viel Mühe in Themen zu „investieren”, die sich nicht in relevanten Noten „auszahlen”. Die Zensuren legen dem Schüler nahe, sein Nichtwissen zu verbergen, statt es offenzulegen. Soweit der Schüler die Auswahl hat, wird er aufgrund der schulischen Dominanz der Note über den Inhalt denjenigen Stoff vorziehen, bei dem er (durch Vorwissen oder Neigung etc.) leichter eine gute Zensur erzielen kann, als jenen Inhalt, von dem er vielleicht gern mehr wüsste, dies aber eben auch mehr Arbeit nach sich zöge.
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Anke Langner, Professorin für Erziehungswissenschaft, leitet einen Schulversuch (Universitätsschule Dresden). Sie sagt: „Noten sind keine intrinsische Motivation, sondern ein extrinsisches Steuerungsinstrument. [...] Wirklich nachhaltiges Lernen entsteht [...] nicht durch Noten, sondern durch Interesse, persönliche Relevanz und eine sinnvolle Verknüpfung mit realen Kontexten” (Langner 2025). Im Dresdener Schulversuch gibt es erst ab der 9. Klasse Noten, und dies auch nur, damit Schüler in andere Schulen wechseln können, in denen es „noch” Noten gibt.

<h3>Selektion</h3>

Bei den Angstträumen Erwachsener nimmt das Thema Schule einen grossen Raum ein. Das ist ein deutliches Indiz für die dort erlebte Versagensangst. Schüler verarbeiten in der gegenwärtigen Schule ihre Schwächen in bestimmten Fächern häufig so, dass sie pauschale negative Urteile über sich fällen. Das verringert das Selbstvertrauen in die eigene Selbstwirksamkeit. „Der Lehrer glaubt Mathematik zu lehren, tatsächlich aber lehrt er diese Schüler Misserfolg, Demütigung, Beschädigung des Selbstwertgefühls“ (Singer 1998, 153).
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Die gegenwärtige Schule sozialisiert Kinder und Jugendliche zu Einzelkämpfern. Schüler gewöhnen sich an die Befürchtung, andere Personen im gleichen Feld seien „viel besser und perfekter, jedenfalls immer dabei, uns zu überflügeln. Wir sehen uns auf einer Leiter, die wir niemals ganz erklimmen können, ständig vom Absturz bedroht. Oben stehen diejenigen, ‚die etwas erreicht haben'. Wir hassen sie im Grunde unserer Seele, wollen zugleich aber auch ganz dort oben sein“ (Waldrich 2007, 40). Die Schüler haben im durch Konkurrenz dominierten Unterricht wenig Raum dafür, Hilfe, gegenseitige Unterstützung und Miteinander zu entwickeln.
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Die Ichschwäche und das Rivalisieren bilden zwei Seiten einer Medaille. Der Ehrgeizige sucht aussen, was ihm innen fehlt. Er ist sich seiner selbst und seiner Mitmenschen nicht sicher. Status- und Karriereerfolge sollen andere Person zur Zuwendung motivieren und der betroffenen Person selbst ihren Wert vergegenwärtigen.
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Sicherlich versuchen gute Lehrer, Schülern nicht nur abfragbaren Stoff beizubringen, sondern zu deren Individualitätsentwicklung positiv beizutragen. Gewiss gibt es in Schulen immer wieder Reformbemühungen, die beabsichtigten, die benannten Probleme anzugehen. Im Endeffekt dringen sie aber nicht durch. Die Gegenkräfte und -tendenzen bleiben jedoch bislang stärker.
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Die Selektion ist umso unerbittlicher, desto weniger Fördermassnahmen für „leistungsschwächere“ Schüler vorgesehen sind bzw. an ihnen gespart wird. In einer anstrebenswerten Schule hängt über Schülern nicht mehr das Damoklesschwert, dass sie mit geringeren Leistungen von höherer Schulbildung ausgeschlossen werden. Angst, Furcht und Neid erschweren das Lernen.
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Lernpsychologisch ist das fatal. Eine anstrebenswerte Schule muss sich an der Erkenntnis ausrichten „Gelernt wird immer dann, wenn positive Erfahrungen gemacht werden“ (Spitzer 2002, 181). Die Möglichkeiten des Gehirns lassen sich nur nutzen, wenn es nicht durch negativen Stress abgelenkt und absorbiert wird. „Wenn wir [...] wollen, dass unsere Kinder und Jugendlichen in der Schule für das Leben lernen, dann muss eines stimmen: die emotionale Atmosphäre beim Lernen“ (Spitzer 2003).
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Der Zeitdruck wirkt eher lernhemmend. Nützlich ist er dafür, Leistungsunterschiede leicht messen zu können. Verglichen wird de facto die Fähigkeit, sich schnell dasjenige anzueignen, was notenrelevant ist. Die Schule misst also nicht nur unabhängig von ihr bestehende Unterschiede, sondern stellt sie zum Teil erst selbst her.
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Eine für die bürgerliche Gesellschaft typische Einstellung besteht darin, die Unterschiede zwischen Stellen mit niedrigen und hohen Arbeitseinkommen als gerecht anzusehen. Sie würden den Begabungsunterschieden von Personen entsprechen. Die formale Gleichheit vor dem Gesetz koexistiert mit der scheinbar ebenso selbstverständlichen wie harmlosen Feststellung, Menschen hätten nun einmal verschiedenen Begabungen. Gleichmacherei gelte es abzuwehren. Praktisch ist mit der Betonung „verschiedener” Begabungen nicht gemeint, dass der eine besser singen und der andere besser malen kann. Vielmehr geht es darum, die Hierarchie zwischen verschiedenen Arbeitseinkommen zu legitimieren. Wer mehr „drauf hat”, verdiene mehr, und das sei auch gerechtfertigt.
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Dazu gesellt sich gern ein anderes bürgerliches Ideologem: Nichts motiviere so sehr zur Arbeit als die Bezahlung und das Erfolgsgefühl, mehr verdienen zu können als andere. Diese Meinung klammert das Ausmass und den gesellschaftlichen Wert prosozialer Motive für Arbeit aus. (Vgl. dazu Creydt 2023.) Im Unterschied zu dieser Auffassung stellt sich die Frage, ob eine Gesellschaft stärker bspw. an solchen Ärzten interessiert sein müsste, die ihre Aufgaben aus einem professionellen Ethos heraus gut erfüllen als an solchen Medizinern, die ihren Beruf, koste es was es wolle, zum Mittel machen, um ihren Kontostand in die Höhe zu treiben. Das gilt auch für andere Berufe.
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In der gegenwärtigen Schule kommt der Schnelligkeit der Aneignung faktisch ein sehr grosser Stellenwert bei der Beurteilung des Schülers zu. Eine anstrebenswerte Schule gibt unterschiedlichen Schülern verschieden Zeit. Sie berücksichtigt damit praktisch die Erkenntnis, dass Schüler, die zunächst als langsam erscheinen, häufig erst einmal nur einen anderen Lernrhythmus aufweisen.

<h3>Alternativen zu Noten</h3>

In einer anstrebenswerten Schule wird es üblich, so Langner, Schüler „bereits im Lernprozess zu unterstützen, ihnen kontinuierlich zwischendurch Feedback zu geben und „nicht erst am Ende eine Bewertung vorzunehmen”. Schüler sehen „ihren Lernbericht als eine nachvollziehbare Rückmeldung: ‚Das kann ich schon, und hier habe ich noch Entwicklungspotenzial'.” Solche Gelingensnachweise können mehrfach wiederholt werden, bis ein Thema wirklich verstanden ist. In der Referendarausbildung wird dies zukünftigen Lehrern bereits heute beigebracht. Die Stichworte heissen „Formatives Assessment” und „diagnoseorientiertes Unterrichten”. Allerdings kommt diese Vorgehensweise in Konflikt mit dem engen zeitlichen Rahmen.
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Vom blossen Auswendiglernen unterscheidet sich der heute viel beschworene kompetenzorientierte Unterricht. Er findet wahrscheinlich am meisten in Grundschulen statt. Dort sind der Zeitdruck und die Festlegungen durch den Lehrplan geringer als im Unterricht für ältere Schüler. Wie das Verhältnis zwischen kompetenzorientiertem Lernen und der gründlichen Reflexion der Inhalte aussieht, steht auf einem anderen Blatt.
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Würden Noten einfach wegfallen, ohne dass praktische „Alternativen zur Lernprozessbegleitung” existieren, wären die Lehrkräfte überfordert. Sie „müssten gezielt geschult werden, um individuelle Lernstände differenziert zu dokumentieren und Kinder und Jugendliche gezielt zu fördern. Dafür fehlen bislang standardisierte Modelle und wissenschaftlich fundierte Instrumente, die im Schulalltag praktikabel sind” (Langner).
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Die Universitätsschule Dresden verwendet in hohem Umfang digitale Tools wie Lernpfade und KI-gestützte Rückmeldesysteme. Sie finden auch in „normalen” Schulen zunehmend Verwendung. Vorgebracht wird, sie würden die Diagnose von Schülerproblemen erleichtern. Allerdings erscheint es als problematisch, solchen Geräten zu überantworten, den Schülern Aufgaben zu geben. Noch problematischer ist es, die persönliche Interaktion zwischen Lehrer und Schüler zu verringern. Insgesamt bleibt umstritten, ob die Qualität einer Schule abhängig ist von der Anzahl digitaler Endgeräte in ihr. Tim Engartner zitiert in seinem aktuellen Buch über die „Bildungsfalle” (2024) internationale Meta-Studien. Ihnen zufolge ergibt der schulische Einsatz digitaler Medien keinen positiven Effekt auf die fachlichen Leistungen der Schüler. Mittlerweile ist in Schweden der Einsatz von Tablets erst für Schüler ab zwölf zugelassen.

<h3>Individualisiertes Lernen</h3>

Gegenwärtig existiert ein starker Hype um „individualisiertes“, „personalisiertes“ oder „selbstgesteuertes Lernen“. Die damit verbundenen Formeln „jedes Kind ist einzigartig” und „alle Schüler sollen individuell ihr Lernen steuern können” erwecken positive Assoziationen.
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John Hattie ist ein neuseeländischer Bildungsforscher und bekannt geworden mit „Visible Learning“ („Lernen sichtbar machen“), einem Überblick über die Ergebnisse empirischer Bildungsforschung. Hattie (2025) warnt vor der „Überbetonung des Alleinarbeitens. Der Kern schulischen Lernens war schon immer Zusammenarbeit und soziales Lernen […]. Wenn Schülerinnen und Schüler hauptsächlich individuell, in ihrem eigenen Tempo und auf ihre eigene Weise lernen, laufen sie Gefahr, zu isolierten ‚Einzellernenden' zu werden.”
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Hattie zufolge können personalisierte Ansätze soziale Ungleichheiten schulisch sogar noch verstärken. Das passiert bspw. dann, wenn Schüler aus sog. bildungsfernen Haushalten auf solchen  „individualisierten” Lernpfaden landen, „die nur begrenzten Zugang zu hochwertigen Unterrichtsgesprächen oder zum Austausch mit leistungsstarken Mitschülerinnen und Mitschüler bieten. Diese Schülerinnen und Schüler arbeiten häufig Arbeitsblätter ganz allein ab, ohne Gelegenheit zu tieferem Lernen, zu Transfer oder kritischem Denken”, von der Zusammenarbeit mit anderen Schülern ganz zu schweigen.

<h3>Qualität und Quantität</h3>

Gewiss würde sich einiges am Lernen ändern, gäbe es mehr Lehrer, kleinere Klassen, mehr Förderunterricht sowie mehr Schulsozialarbeiter und -psychologen. Pädagogen sind sich schnell einig darüber, dass mehr Geld in das Schulwesen gehört. Uneinigkeit aber kommt jedoch ebenso rasch auf, wenn es um die Frage nach den Strukturen des Schulunterrichts und um seine Selektionsaufgabe geht. Gegen die Mangelwirtschaft im Schulwesen regt sich Widerstand. Weniger Opposition gilt dem „heimlichen“ Lehrplan, der aus den Strukturen der Schule folgt. Die notwendige qualitative Veränderung wird sich jedoch nicht allein als Wirkung der quantitativen Erweiterung (mehr Lehrer, Sozialarbeiter usw.) einstellen. Um die problematischen Formen der Beschulung zu überwinden bedarf es anderer Veränderungen.<p><em>Meinhard Creydt</em><p><small><b>Literatur:</b>
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Creydt, Meinhard 2023: Die Antriebe für wirtschaftliche Aktivität in einer Gesellschaft des guten Lebens. In: Junge Welt, 26.1. 2023, S. 12f. <a class="fussnoten_links" href="http://www.meinhard-creydt.de/archives/1554" target="_blank" rel="noreferrer noopener">http://www.meinhard-creydt.de/archives/1554</a>
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Engartner, Tim 2024: Raus aus der Bildungsfalle. Warum wir die Zukunft unserer Kinder gefährden. Frankfurt M.
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Hattie, John 2025: Beitrag auf der Konferenz „Bildung Digitalisierung” in Berlin. In: <a class="fussnoten_links" href="https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/john-hattie-warnt-vor-falsch-verstandener-individualisierung-des-lernens/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/john-hattie-warnt-vor-falsch-verstandener-individualisierung-des-lernens/</a>
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Langner, Anke 2025: Förderndes Feedback statt Bewertung: Wie Schule ohne Noten funktionieren kann. Interview, geführt durch Michael Klitzsch <a class="fussnoten_links" href="https://www.campus-schulmanagement.de/magazin/foerderndes-feedback-statt-bewertung-wie-schule-ohne-noten-funktionieren-kann-anke-langner" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.campus-schulmanagement.de/magazin/foerderndes-feedback-statt-bewertung-wie-schule-ohne-noten-funktionieren-kann-anke-langner</a>
<br><br>
Roth, Gerhard 2013: Viel Wissen geht verloren. Interview. In: Focus online, 15.04. 2013
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Singer, Kurt 1998: Die Würde des Schülers ist antastbar. Reinbek bei Hamburg
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Spitzer, Manfred 2002: Lernen, Gehirnforschung und die Schule des Lebens. Heidelberg
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Spitzer, Manfred 2003: Medizin für die Pädagogik. In: Die Zeit, Nr. 39
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Waldrich, Hans-Peter 2007: Der Markt, der Mensch, die Schule. Köln</small>]]></description>
<pubDate>Wed, 21 Jan 2026 12:31:25 +0100</pubDate>
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</item>

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<title><![CDATA[Wenn die Anzeige wegen CumEx im Faxgerät hängen bleibt]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/wenn-die-anzeige-wegen-cumex-im-faxgeraet-haengen-bleibt-009478.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Was würden Sie gern zuerst erobern im Neuen Jahr? Kanada oder doch lieber Grönland? Island oder Iran?</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/The_CumEx-files_w.webp><p><small>CumEx-Files  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_CumEx-files.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">CORRECTIV</a> (PD)</small><p>Ich bin für den Iran: Dort könnte Donald den Schah machen und sich weiter anreichern: Gewusst wie! Auf dem Weg nach Teheran könnten die USA selbstredend auch das Recht auf Menschenrechte performen, etwa ein Leben vor dem Tod.
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Themenwechsel! Schuldig oder nicht – jeder Tote ist ein Toter zu viel. Allein 2025 gab es in den USA fast 14 000 Todesfälle durch Schusswaffen (ohne Selbstmorde und ohne Tote durch Gift, Messerstecher, Prügel, Ertränken, Ersticken, Erfrieren, Verhungern und vergleichbare Methoden). Die 1000 Menschen, die jedes Jahr durch die US-Polizei vom Leben in den Tod gebracht werden, kommen noch hinzu. Denken Sie daran, wenn Sie hier weg wollen und irgendwo Asyl suchen.
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Ich bin ein grosser Freund von Gesetz und Ordnung, auch wenn die Freundschaft nicht viel bringt. Rechtsstaatlichkeit, sagt meine Omi Glimbzsch in Zittau gern, ist eine Frage des Charakters - „auf irgendwen musste dich doch verlassen könn'!“ Die Partei war's damals nicht. Merz oder Drohbring sind es heute auch nicht - und über Lars Klingbein (Finanzen) oder Stefanie Hubig (Justiz) würde ich hier in dem Zusammenhang nur ungern reden: Versager wie Söder. Das müssen Sie jetzt nicht 1 zu 1 nehmen, wir sind ja hier in der Glosse!
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Was mich allerdings stutzig macht bei Recht und Ordnung, bei Geldwäsche, Geldwechsel, Steuerbetrug, sind die Staatsanwälte, die Richter, der ganze Justizapparat. OK, die Jungs und Mädels haben zu tun. Mal bleibt eine Anzeige wg. CumEx im Faxgerät hängen, mal ist der Oberstaatsanwalt auf Fortbildung – alles kein Thema.
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Aber dass Ermittlungen 10 bis 12 Jahre dauern, bis es überhaupt zu Anklagen kommt (wenn es kommt), dass die Täter mit den billigsten, primitivsten Ausreden über Jahre den Staat, die Gesellschaft belügen und betrügen, dass die Medien fast allesamt nicht willens oder in der Lage sind, die Tragweite der CumEx-Skandale zu erfassen, dass bis heute von (erfundenen!) Gesetzeslücken und Schlupflöchern gefaselt wird, dass in das ganze Schlamassel 'seriöse' Kanzleien, Steuerberater, Finanzämter, Banken, Staatsbedienstete, Politiker verwickelt sind, dass diese ganze Corona nach wie vor so tut, als seien das Kavaliersdelikte von Tennisspielern oder Folgen von Überlastung, ist ein Skandal und ein Armutszeugnis für Rechtsstaat und Justiz.
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Der Gesellschaft gehen immer noch jedes Jahr Milliarden verloren. Nur etwa 10 % der tatsächlichen Sauereien sind überhaupt erfasst. Grob gerechnet, könnten mit dem Diebesgut die 30 000 Schulen der Republik mit je 1 Million Euro könnte saniert werden.
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Doch nun streitet mal schön über Ursache, Wirkung und Staatsverdrossenheit und eine unangemessene Wortwahl. Ich stell' inzwischen Strafanzeige wegen Strafvereitelung im Amt gemäss §§ 258, 258a des Strafgesetzbuchs (StGB) bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Schliessen Sie sich an.<p><em>Peter Grohmann</em><p>]]></description>
<pubDate>Thu, 15 Jan 2026 10:55:22 +0100</pubDate>
<guid>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/wenn-die-anzeige-wegen-cumex-im-faxgeraet-haengen-bleibt-009478.html</guid>
</item>

<item>
<title><![CDATA[Ewiges Leben - in einer endlos scheinenden Welt]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/ewiges-leben-in-einer-endlos-scheinenden-welt-009460.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Das Jahr ist vorbei, denken wohl einige, vielleicht nur weil es für diejenigen hinüber ist. Schauen wir auf die Ereignisse genauer hin, stellen wir schnell fest, dass nichts wirklich vorbei ist.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/14057839037_b864605fce_w.webp><p><small>  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://www.flickr.com/photos/skohlmann/14057839037/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sascha Kohlmann</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 2.0 cropped)</a></small><p>Die Sonne ist nur am genau gleichen Ort wie letztes Jahr. So genau, dass ein Wissenschaftlicher Geist schnell zu Zweifeln beginnt und ein mulmiges Gefühl von der ewigen Spiegelung bekommt. Darum macht er sich schnell auf die Suche nach Beweisen einer Veränderung. Die Ewigkeit ist im Grunde konstanter als Endlichkeit. Auf jeden Fall ist die Endlichkeit konstruierter als die Ewigkeit. Die Ewigkeit oder Unendlichkeit ermöglicht all diese Möglichkeiten. Die Endlichkeit ist ein Versuch, uns zu befreien. Nach dem Tod dies und das. Dabei gibt es keinen Beweis für den Tod. Es gibt keine Abwesenheit vom Leben.
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Nichts gibt es nicht. Nur als Konstrukt, das viele bühnentaugliche Vorzüge hat. Menschen sterben und sind nicht mehr da in dieser Form wie sie da waren. Haben sie Kinder gezeugt, dann leben sie in diesen noch weiter. Und dies gilt bei jeglicher Form ihrer Kreativität. Der tote Körper zersetzt sich durch Bakterien, seine Atome nehmen andere Verbindungen an. Es ist nicht sehr unwahrscheinlich, dass du ein Atom von Napoleon in dir hast, von einer Supernova, wohl sowieso, eines Triceratops oder von Hippokrates auch. Das Bewusstsein soll im Kopf sein.
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Der letzte Satz ist auch so ein Versuch, die Endlichkeit zu preisen, damit wir endlich Ruhe von der Ewigkeit haben. Was ist Bewusstsein? Und was ist der Kopf? Ohne Raum keine Erinnerung. Wo ist diese Erinnerung gespeichert? Im Raum oder im Kopf? Oder ist da wieder die ewige Spiegelung im Spiel? Jedes Jahr genau gleich, als ginge es immer aufwärts mit der Sonne und dann wieder abwärts, dazwischen eine grosse Bühne der Ablenkung und wieder Aufwärts und wieder Abwärts. Ja, das wäre eine sehr lange Zeit, um uns mit den Dingen zu beschäftigen, die wirklich relevant sind. Etwa 80 Mal können wir dies versuchen. Bei so vielen Versuchen käme sicherlich etwas brauchbares heraus.
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Wieso stellen wir uns einen Tod vor? Wie soll das Bewusstsein im Kopf sein, falls es überhaupt existiert? Bin ich der Herr meines Selbst? Gewiss nicht, wenn ich mich von der grossen Bühne ablenken lasse. Ist dieser letzte Versuch aber nicht auch dasselbe wie alles andere? Ein Versuch, die ewige Spiegelung als solches zu brechen? Wie wir als Kinder schon gelernt haben, ist eine Spiegelung sehr schwer zu besiegen. Meistens nur durch Ablenkung und vergessen. Ich glaube aber, dass wir gar nicht kämpfen müssen gegen die erschreckende Ewigkeit.
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Diese gibt mir das Gefühl einer möglichen Freiheit. Es birgt auch die Sorge vor dem Wahnsinn und genau darum bleiben so ziemlich alle auf der grossen Bühne der Ablenkung und nur ein paar wenige trauen sich darüber hinaus. Dafür kommen sie dem Ideal des ewigen Lebens, also einem bewussten körperlichen Leben am nächsten. Die Möglichkeit, alles in Betracht zu ziehen, wie im Sinne der Idee von Assassinen; «Nichts ist wahr, alles ist Möglich», gibt einem eine unglaubliche Freiheit. Und vergiss die ins Unendliche Dehnbarkeit der Zeit nicht!
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«Zieh es in Betracht!»
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«Was? Sowas ist unmöglich?»
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«Wieso? Nur weil es noch niemand durfte?»
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«Weil es sich niemand getraute?»
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«Glaub mir, nichts ist wahr, alles ist möglich!»
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«Aber das ist doch Wahnsinnig!»
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«Ja! Es ist wahnnsinnig befreiend!»
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In der Quantenphysik gibt es folgendes bewiesenes Phänomen: Ein Teilchen auf der Erde kann sich in bestimmten überprüfbaren und rekonstruierbaren Fällen ganz genau verhalten wie ein anderes Teil irgendwo im Weltraum und somit auch auf der Erde. Da fangen die Physiker aus Angst vor der ewigen Spiegelung der Ewigkeit an, an Gott zu glauben. Denn mit der Gottesvorstellung scheint die Welt fassbarer, linearer, berechenbarer, klarer. – Haben wir dies verstanden, sind wir ein wenig leichter. Klarer.
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Vielleicht ist das der Weg?
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Welcher Weg?
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Der Weg in die Unendlichkeit, in das ewige Leben, leichter und leichter zu werden.
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Ist es nicht einfach die Angst vor dem Tod, die uns am Leben erhält?
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Eben, erhält! Heller und heller! Ein heller Kopf nahe am hohlen Kopf.
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Jetzt rutsche ich auch auf die Bühne der ewigen Ablenkung, um mich von der ewigen Spiegelung der Ewigkeit abzulenken. Die Bühne der Ewigen Ablenkung ist quasi ein Reset-Knopf am Computer, der ihn wieder normal zum Laufen bringt, so wie er sollte. Obwohl es unendliche Möglichkeiten gibt, anders zu laufen. Der Beweis dafür ist der Reset-Knopf am Computer und die ständig neuen Computer mit ständig neuen, noch nie dagewesenen Möglichkeiten oder mit den schon immer dagewesenen Möglichkeiten, die wir nicht sehen, weil wir uns gerne von der Bühne der ewigen Ablenkung blenden lassen.
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Sobald wir etwas ausserhalb des Tellerrandes sehen, drücken wir den Reset-Knopf um wieder in der Mitte des Tellers zu sein, wo der Rand gar nicht ersichtlich ist, geschweige was ausserhalb dessen ist. Ja, aus Angst, purer Angst, alles zu verlieren. Wir sind so tief in dieser Angst, dass wir die einfache Umkehrung des letzten Satzes als unglaublich betrachten. Dabei liegt es in der Hand: Wenn wir alles verlieren können, können wir auch alles gewinnen. – Ein bisschen länger gedacht: Können wir denn überhaupt etwas verlieren?
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Ist nicht alles da und es liegt einzig an uns, wie wir es sehen? Was wir damit machen? Frieden in der Ukraine? Ja klar! Um welchen Preis? Na, um jeden Preis, Menschenleben so schnell wie möglich retten! Darum geht es doch! Nicht? Um was sonst? Geopolitik? Ja, aber das kann auch ohne sterben geschehen! Wie? Stell dir vor, es ist Krieg und niemand geht hin! Ach, das ist doch Schwachsinn. Ja, da hast du wohl recht. Das kann sich kaum jemand vorstellen. Es ist jenseits von Gut und Böse, das versteht heute kaum ein Mensch. Obwohl es heute einfacher verständlich sein sollte. Ist es aber nicht.
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Es gibt keine Linearität oder Kontinuität. Leben, Tod, Sterben, Sein, Nicht sein. – Ach, im Grunde ist es doch egal. – Keineswegs! Das wäre faul, was geschieht mit einer faulen Frucht? Das Ansteckende daran finde ich besorgniserregender. Die sterben aus. Wenn sie meine Warnung nicht hören, muss ich sie gehen lassen, denn ich will nicht angesteckt werden. Wach will ich sein, Hell! Leicht! Gibt es etwas leichteres als Gedanken? Wohl das Licht! Gibt es was schnelleres als Licht? Die Gedanken sind wohl irgendwo zwischen dem Schall und der Lichtgeschwindigkeit. Obwohl! Mein Grossvater würde mir da widersprechen.
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Als ich ein kleiner Junge war, fragte er mich, was das schnellste auf der Welt sei. Das Licht wohl! War meine klare Antwort. Nein, das sei es nicht. Die Gedanken meinte er! Jetzt in dieser Vorstellung kann ich auf dem Mond sein, während das Licht unterwegs ist. Er wäre wohl ein guter Quantenphysiker geworden. Auf jeden Fall verstand er die Metaphysik besser als seine befreundeten Pfarrer, die kaum jenseits von Gut und Böse denken konnten.
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In diesem Sinne will ich dir etwas ganz Kleines für die ewige Spiegelung der Ewigkeit mitgeben. Nur logische mathematische Konstruktionen und Konzepte können richtig oder falsch sein und dies auch nur innerhalb dieser konstruierten Gesetzte und Räume. Die können zwar dienlich sein für weitere materielle Konstruktionen, aber auch diese haben Grenzen, so wie scheinbar unser Leben. Sind es schliesslich, so wie alle diese Buchstaben, nicht alles Versuche, dir und mir die Angst zu nehmen? Die Angst vor den unendlichen Möglichkeiten?
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Ich glaube eben, dass wir keine Angst davor haben sollten. Denn alles endliche ist im Grunde ein Versuch, die Welt zu verstehen.
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Durch Metaphern, Formeln und ähnlich komprimierende Konstrukte, wie auch die Logik, können wir vieles fassen. Das Fass ist aber endlos und vielleicht ein anderes. Haben wir keinen Gegenbeweis, müssen wir von der Unendlichkeit ausgehen und zwar überall! Und diese Unendlichkeit eröffnet uns unendliche Möglichkeiten! Ja, jetzt wiederhole ich mich. Ein Zeichen einer temporären Erschöpfung. Reset-Knopf? Nein! Keineswegs!
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Weiter und zwar immer für das Leben! Wieso? Weil wir's können!<p><em>Bujar Berisha</em><p>]]></description>
<pubDate>Sat, 10 Jan 2026 10:45:30 +0100</pubDate>
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<title><![CDATA[Der Spruch von der „Gnade der späten Geburt“ gehört vom Kopf auf die Füsse gestellt]]></title>
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<description><![CDATA[<strong>Einer der dümmsten Sprüche der Nachkriegszeit ist der von der „Gnade der späten Geburt“, den der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl geprägt hatte. Er legt nahe dass man, weil spät geboren, in der Nazizeit keine Schuld mehr auf sich habe laden können.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Barbara-Volhard-14-Jahre_w.webp><p><small>Barbara Volhard, 14-Jahre.  Foto:  zVg</small><p>Kohl war Jahrgang 1930 und war nur mit Glück der Rekrutierung in den „Volkssturm“ entgangen, in den 1945 alle Jungen ab 15 Jahren eingezogen wurden. Die meisten Jungen seines Alters hatten dieses Glück nicht. Wenn man den Film „Die Brücke“ gesehen hat, bekommt man eine Ahnung davon, was das damals bedeutete (der Film ist <a href="https://www.youtube.com/watch?v=i8J7QYHR_Qw" target="_blank" rel="noreferrer noopener">auf Youtube noch zu sehen</a>). Es gibt schreckliche Geschichten von fanatischen Hitlerjungen, die als Volkssturmangehörige mit Waffen ausgestattet die wenigen Flüchtlinge, denen es gelang aus KZs oder von Todesmärschen zu fliehen, gnadenlos erschossen haben.
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Das ist ihnen kaum vorzuwerfen, denn selbst ich, vier Jahre jünger als Kohl, hatte schon 1944 als Zehnjährige die zweifelhafte Chance, schuldig zu werden, und es war mehr Glück als Verstand, dass ich es nicht wurde. Um das erzählen zu können, muss ich ausholen und die Indoktrination beschreiben, der ich als Kind schon in der Grundschule ausgesetzt war und die dazu führte, dass ich meinen Verstand fast nicht eingesetzt hätte.

<h3>Hintergrund</h3>

Dazu gehört auch, wo wir wohnten und warum. Mein Vater war Arzt und hatte seit 1935 eine Stelle als Oberarzt und Privatdozent an der Uniklinik in Danzig. Als die Nazis 1939 Polen besetzt und auch Danzig eingenommen hatten, machte er im Freundeskreis eine positive Bemerkung über Juden. Sofort wurde er von einem seiner „Freunde“ bei der GESTAPO angezeigt. Die Folge war: Ihm wurde seine Lehrerlaubnis an der Universität entzogen und er wurde strafversetzt an das Städtische Krankenhaus in Bromberg (heute Bydgoszcz), wo er immer wieder auf die Kommandantur zitiert wurde, um sich dort beschimpfen zu lassen, dass er sich nicht wie ein „richtiger Deutscher“ verhalte. Er hatte beispielsweise polnischen Patienten genauso wie deutschen Patienten bei der Visite die Hand gegeben: So etwas tut ein anständiger Deutscher nicht.  Das alles erfuhr ich erst sehr viel später, aber es erklärt, warum meine Eltern sich hüteten, meiner schulischen Indoktrination etwas entgegen zu setzen.

<h3>Was ich in der Schule lernte</h3>

So wurde ich 1940 in Bromberg eingeschult. In der dritten und vierten Klasse hatten wir Frau Pich als Klassenlehrerin, und nun wurde es ernst. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte mir Papi die Welt erklärt, jetzt erklärte sie Frau Pich. Wir lernten nicht nur Lesen, Schreiben, Rechnen und Heimatkunde, sondern vor allem eine ganze Rangordnung von besseren und schlechteren Rassen, besseren und weniger guten Deutschen und besseren und schlechteren Feinden.
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Die beste Rasse waren die Germanen, zu denen wir Deutschen auch gehörten, auch die Engländer, nur dass die leider unsere Feinde waren, aber immerhin als Germanen bessere Feinde. Eine schlechtere Rasse waren die Romanen, zu denen die Franzosen gehörten, die „natürlich“ unsere Feinde waren. Nur waren die Italiener auch Romanen, aber die waren mit uns verbündet und deshalb irgendwie besser. Das war verwirrend, aber jede Regel hat halt ihre Ausnahme, und dahin gehörte dies wohl auch.
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Die schlechteste Rasse waren die Slawen, zu denen die Russen und die Polen gehörten. Die waren Untermenschen. Aber auch da gab es eine Ausnahme: von den Ukrainern nämlich waren ganze Regimenter zu uns übergelaufen und kämpften mit uns gegen die Russen, daher waren sie auch irgendwie besser. Und Klara, Adalbert und Frau Poszlednik, die bei uns im Hause wohnten, waren zwar Polen, aber von denen wusste ich nun genau, dass sie keine Untermenschen waren, daher mussten sie auch zu den Ausnahmen gehören.

<h3>Mensch oder Tier?</h3>

Dann gab es noch Wesen, die weit unter den Untermenschen standen, das waren die Juden. Frau Pich sprach von ihnen nur als Bestien, Schädlinge, die den Untergang Deutschlands wollten. Ich stellte sie mir als eine Mischung von Mensch und Tier vor. In der Fibel gab es eine abschreckende Karikatur dieser Wesen, und wir bekamen Angst vor ihnen. Aber da beruhigte uns Frau Pich: Wir brauchten keine Angst vor ihnen zu haben, denn der Führer habe sie bereits alle ausgerottet. Sie sagte wirklich „ausgerottet“, und das beruhigte mich wirklich. Denn Schädlinge mussten doch ausgerottet werden, nicht wahr?

<h3>Der Führer als Pop-Idol</h3>

Überhaupt: der Führer. Den hatte Gott gesandt, um Deutschland zu retten. Das konnte man schon daran erkennen, dass er während des 1. Weltkrieges, in dem er tapfer gekämpft hatte, so verletzt wurde, dass er erblindete. Aber Gott hatte ihm sein Augenlicht wieder gegeben, damit er Deutschland retten könne. Frau Pich schilderte uns den Führer als so wundervolle, heldenhafte Figur, dass ich – und ich vermute auch meine Klassenkamerad:innen – für ihn schwärmte wie heute viele Kinder oder Jugendlichen für ein Musik-Idol.  Selbstverständlich hatte ich „Führer,  Volk und Vaterland“ innerlich Treue geschworen, und hätte man mich aufgefordert, für diesen Führer und dieses Vaterland zu sterben, hätte ich auch das gerne und voller Überzeugung getan, so wie heutzutage in manchen Kulturen Kinder zu bewegen sind, sich für Bombenattentate zu opfern.

<h3>Kinder sind nicht ernst zu nehmen</h3>

Ich erinnere nochmal daran: Ich war acht, neun, zehn Jahre alt, als ich all dies lernte und glaubte. Ich vermute, dass meine Eltern über das Ausmass von Indoktrination, dem ich da ausgesetzt war, wenig wussten. Unsere Tischgespräche hatten andere Themen. Die übliche Frage von Eltern: „Wie war's in der Schule?“ wurde von mir vermutlich mit dem ebenso üblichen „Och, wie immer“ beantwortet (wie ich das jedenfalls aus späteren Zeiten erinnere).
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Als ich am 20. Juli 1944 im Radio hell entsetzt von dem Attentat auf Hitler erfuhr, sagte ich zu meiner Mutter so etwas wie „Ist das nicht schrecklich?“ und erinnere von ihr ein sehr laues „Ja, ja.“ Dass ihre Reaktion so lau war, fiel mir nicht weiter auf, denn ich schob es auf meine Erfahrung, dass ich als Kind eben nicht ernst genommen wurde, solche Dinge mit mir nicht besprochen wurden. Daher erschien mir das „normal“. So normal, wie ich auch fand, was Frau Pich von uns forderte: „Wenn eure Eltern etwas gegen Hitler sagen, müsst ihr mir das sagen, dann muss ich mal mit ihnen reden!“ Selbstverständlich hätte ich das getan, denn meine Eltern, das wusste ich, hätten mir doch nicht geglaubt, wie grossartig Hitler war. Nein, da hätte schon Frau Pich „mit ihnen reden“ müssen. Soviel zur „Gnade der späten Geburt“. Schon dadurch hätte ich mit acht oder neun Jahren schuldig werden können. Wurden andere Kinder vielleicht in ähnlicher Weise „schuldig“? Konnten sie danach damit weiterleben?

<h3>Hausaufgabe Zeitungslektüre</h3>

Übrigens gehörte zu unseren Hausaufgaben schon in der dritten Grundschulklasse die tägliche Zeitungslektüre, vor allem des Wehrmachtsberichts. Darüber wurden wir am nächsten Tag abgehört und mussten jeweils in der Lage sein, den Frontverlauf mit Fähnchen auf der grossen in der Klasse hängenden Karte abzustecken. Dadurch blieb uns natürlich auch nicht verborgen, wie die Ostfront uns in Bromberg ständig näher kam. Aber auch da beruhigte uns Frau Pich: Der Führer liess gerade an einer Wunderwaffe arbeiten. Die war fast fertig und so grossartig, dass sie auf einen Schlag den Krieg beenden würde. Heute kennen wir diese „Wunderwaffe“ unter dem Namen Atombombe.

<h3>Noch einen Vater zu haben wird peinlich</h3>

Weniger grossartig war, dass immer mehr Kinder aus meiner Klasse ihre Väter verloren, die – wie den Todesanzeigen zu entnehmen war – alle den Heldentod gestorben waren, selbstverständlich im Dienst von Führer, Volk und Vaterland. Keinen Vater mehr zu haben wurde langsam „normal“, und mir wurde es fast peinlich, dass mein Vater nicht an der Front kämpfte, also kein Held war und deshalb noch lebte. Zwar war ich einerseits froh darüber, andererseits beantwortete ich die von vielen  Erwachsenen immer üblicher werdende „taktvolle“ Frage nach meinem Vater trotzig mit dem Satz: „Er ist an der Heimatfront eingesetzt.“

<h3>„Heim“ ins Reich</h3>

Die Ostfront kam jedoch immer näher, und im Sommer 1944 schickten daher viele Männer ihre Frauen und Kinder „heim ins Reich“. Das wurde dann wegen Defätismus verboten („Defätist“ war, wer nicht an den Sieg glaubte) und führte in letzter Konsequenz dazu, dass am Schluss, als schon alle eingekesselt waren und die Flucht endlich erlaubt wurde, es kaum noch Fluchtmöglichkeiten gab.
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Gleichzeitig aber wurde mein Vater von Bromberg nach Gotenhafen (heute Gdynia) versetzt, wir mussten also dort hin umziehen. Ich war damals zehn Jahre, meine jüngere Schwester sieben Jahre, meine jüngste Schwester zehn Monate alt. Es gelang meiner Mutter, die Erlaubnis zu bekommen, uns drei Kinder zu Verwandten im Reich zu bringen, angeblich nur für die Zeit des Umzugs, damit wir „aus dem Wege“ waren. Sie musste jedoch versprechen, uns gleich danach wieder zurück zu holen. Ausserdem konnte sie uns dort nur „abliefern“ und musste noch mit dem gleichen Bus, mit dem wir in Masserberg/Thüringen ankamen, wieder zurück fahren.
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In Masserberg hatte mein Grossvater ein Ferienhaus, das – weil er zehn Kinder hatte – recht gross war. Nun allerdings waren mehrere Familien dieser Kinder, meist Mütter mit ihren Kindern, vor den Bomben in Frankfurt und Magdeburg dorthin geflohen, so dass in dem Haus damals 21 Menschen wohnten, darunter mit uns Dreien 13 Kinder im Alter von wenigen Monaten bis 14 Jahren. Im Februar des nächsten Jahres kamen meine Eltern noch dazu, und es wurde noch enger. Aber von September 1944 bis Februar 1945, also ein halbes Jahr lang war ich dort ohne meine Eltern.

<h3>Einsam unter lauter Kindern</h3>

Ich hatte mich sehr auf diese Reise gefreut: Endlich würde ich meine Kusinen und Vettern kennenlernen! Und ein Haus voller Kinder, das war sicher spannend! Ich hatte natürlich keine Ahnung, dass dies einen Abschied für immer bedeuten würde, Abschied von meiner Heimat, von meinen Freundinnen, vom Meer, nach dem ich mich so sehnte, denn natürlich glaubte ich die Mär von der baldigen Rückkunft. Und ich freute mich auf die Wohnung in Gotenhafen, die ganz nahe am Meer lag, wie mein Vater in Briefen beschrieb.
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Es wurde ein halbes Jahr grosser Einsamkeit. Die jüngeren Kinder waren mir zu jung, den Älteren war ich zu jung. Ich ging zur Schule in ein nach Masserberg evakuiertes Düsseldorfer Gymnasium, für welches das Kurhaus in ein Internat umgewandelt worden war. In der Klasse fand ich  als Auswärtige keinen Anschluss, vielleicht auch, weil es den Kindern in dieser Klasse auch nicht besser ging als mir: auch sie waren ja von ihren Eltern getrennt. Irgendwann fing ich an, wieder in die Hose zu machen, wofür ich mich halb zu Tode schämte: Mit zehn Jahren noch in die Hose machen, und das auch noch jeden Tag! Natürlich begriff ich nicht, dass das psychogen war, ich war nur voller Entsetzen und Scham. Eine Tante, der ich mich anvertrauen musste, denn ich brauchte ja täglich frische Wäsche, reagierte zum Glück sehr vernünftig darauf, so dass ich schliesslich so viel Vertrauen zu ihr bekam, dass ich das „In-die-Hose-machen“ nach einer Weile wieder sein lassen konnte. Aber ich weiss nur zu gut, wie es den vielen Kindern ging, die in die „Kinderlandverschickung“ kamen, die manchmal in fremden Pflegefamilien landeten, oft aber in Heimen, in denen ihnen vermutlich kaum jemand half, wie auch die „verschickten“ Kinder in jenem Düsseldorfer Gymnasium.

<h3>Der neue Onkel</h3>

Im Herbst 1944 – ich vermute Oktober – klopfte ich eines Tages an die Tür jener Tante, wartete aber nicht auf ein „Herein“, sondern öffnete gleich die Tür. Zu meinem Schrecken lag da ein fremder Mann in ihrem Bett! Schnell wollte ich die Tür wieder zumachen, da winkte er mich heran, fragte mich, wer ich sei und erklärte mir dann: Er sei der Mann meiner Tante, der Bruder meines Vaters, und ich dürfe niemandem sagen, dass er hier sei. Ich nickte verwirrt, wusste immerhin, dass dieser Bruder meines Vaters Luftwaffenpilot war, sah im Hinausgehen seine Uniform über einen Stuhl hängen und blieb draussen entgeistert stehen. Denn ich dachte: Wenn ich niemandem sagen darf, dass dieser Onkel hier ist, dann heisst das doch, dass er nicht auf Urlaub hier ist. Das aber heisst doch, dass er desertiert ist. Und das heisst wiederum: Dann ist er doch ein Verräter an Führer, Volk und Vaterland! Ein Feigling! Also muss ich ihn doch melden!
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Aber dann – das wusste ich sehr genau – wird er erschossen. Das fand ich auch richtig so: Wie sollten wir denn den Sieg erringen, wenn die Soldaten feige davon liefen? Andererseits war er mein Onkel, der Mann jener Tante, der Vater von drei Kusinen. Ich geriet in einen fürchterlichen Konflikt zwischen zwei für mich gleichwertige Loyalitäten: Der Loyalität zu „Führer, Volk und Vaterland“ und der Familien-Loyalität. Und ich war entsetzlich alleine damit, denn ich konnte ja niemanden fragen: In der Familie würden natürlich alle sagen, dass ich den Onkel nicht melden dürfte, hätte ich aber die Lehrerin gefragt, hätte ich ihn doch schon verraten.

<h3>Glück und Verstand</h3>

Ich weiss nicht mehr, wie lange ich damit herumlief, ob Tage oder Wochen. Jedenfalls aber kam ich an einen Punkt, an dem ich es nicht mehr aushielt. Mir war klar, dass ich eine Entscheidung fällen musste und dass ich dafür nochmal sehr genau nachdenken musste. Denn das hatte ich durch eine frühere, ganz unpolitische aber wichtige Erfahrung mit sieben Jahren schon gelernt: Wenn man genau nachdenkt (also seinen Verstand einschaltet), dann kann man sich aus schrecklichen, sogar lebensbedrohlichen Situationen selbst herausarbeiten. Dem Professor Schmidt, Ordinarius für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten an der Universität Danzig,  der mir damals zu dieser Erkenntnis verhalf, bin ich bis heute dankbar.
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Ich setzte mich also hin, dachte sorgfältig nach und kam zu folgender Überlegung: Wenn ich den Onkel melde, wird er erschossen. Das kann ich nicht mehr rückgängig machen. Wenn ich ihn aber nicht melde, kann ich das noch rückgängig machen. Ich beschloss also, ihn – vorläufig! – nicht zu melden und hoffte, dass von irgendwoher noch ein Zeichen kommen würde, das mir sagen würde, ob ich ihn doch – oder vielleicht auch nicht – melden müsse. Das mag wie ein ziemlich sophistisches Herumdrücken um eine Entscheidung aussehen. Aber diese jetzt bewusste Entscheidung entlastete mich dennoch, weil ich die eigentliche Entscheidung nun an ein kindlich-magisch erhofftes „Zeichen“ abgegeben hatte. Ich war immerhin erst zehn Jahre alt!

<h3>Das Wunder</h3>

Und dann geschah das Wunder: Das „Zeichen“ kam! Allerdings erst im Januar 1945. In den Monaten bis dahin war dieser Onkel weiterhin für mich nichts weiter als ein Feigling und ein Verräter, ich hatte nur Verachtung für ihn übrig. Im Januar 1945 aber war meine jüngste Schwester, die im September 1944, als wir nach Masserberg kamen, erst 10 Monate alt gewesen war, nun 14 Monate alt. Sie konnte stehen, aber noch nicht laufen. Eines Tages aber öffnete ich die Tür zu dem allgemeinen Aufenthalts- und Esszimmer und blieb stehen: Da sass der Onkel, hatte meine kleine Schwester vor sich hingestellt und sie torkelte jubelnd und juchzend auf ihn zu. Er fing sie auf, stellte sie wieder hin, ermunterte sie immer wieder zum Laufen und sie war sichtbar glücklich. Die ganze Szene hatte etwas so Liebevolles an sich, dass ich sofort wusste: Das war das „Zeichen“! Ich musste ihn nicht melden!
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Ich war unendlich erleichtert. Zugleich aber hatte ich diesen Onkel zum ersten Mal als den liebevollen Menschen gesehen, der er wirklich war, nicht als das Zerrbild, als das ich ihn zu sehen gelehrt worden war. Als die Amerikaner im April 1945 Masserberg besetzten, zog er seine Uniform an und ergab sich. Als ich das sah, dachte ich entsetzt: Warum tut er das? Jetzt wird er doch erschossen! Ich hatte noch nicht gelernt, dass Kriegsgefangene keineswegs immer erschossen werden.

<h3>Erinnerung und spätes Begreifen</h3>

Ich nehme an, weil die Geschichte gut ausgegangen war, konnte ich sie vergessen. Als sie mir wieder einfiel, waren sowohl meine Eltern als auch jener Onkel und meine Tante verstorben, und ich hatte sie nie jemandem erzählt. Nun aber war ich etwa 60 Jahre alt und jetzt wurde mir heiss und kalt. Denn erst jetzt begriff ich, auf welch messerscharfem Grat ich damals herum balanciert war und wie leicht ich auf der falschen Seite hätte abrutschen können. Ich begriff, dass es eine Mischung aus Glück und Verstand war, die mich damals gerettet hatte. Das Glück bestand darin, dass es sich um einen Familienangehörigen handelte. Wäre es ein Fremder gewesen, ich hätte ihn sofort und bedenkenlos gemeldet. So aber hatte mich dieses Glück gezwungen, meinen Verstand einzusetzen. Und zugleich wusste ich: Hätte ich damals falsch entschieden, hätte ich nicht nur meinen Onkel in den Tod geschickt, sondern würde auch selbst nicht mehr leben. Denn ich bezweifle, dass ich mit dieser Schuld hätte leben können, ich glaube nicht, dass ich sie mir in Hinblick darauf, dass ich ja nur ein Kind war, hätte verzeihen können.
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Zugleich fragte ich mich, wie viele Kinder meiner Alterskohorte es wohl gegeben haben mag, die ähnliche Entscheidungen haben treffen müssen, und wieviele davon wohl später nicht damit haben leben können oder wenn doch, wie. Vielleicht damit, dass sie jenen unsäglichen Spruch von der „Gnade der späten Geburt“ für sich als Entlastung in Anspruch nahmen?

<h3>Entsetzliche Frage – und keine Antwort</h3>

Ich konnte das nicht. Als ich 1969 in Ausschwitz das erste Mal ein KZ besuchte, war ich erschüttert. Allerdings nicht nur von dem Grauen, das mich schon 1945 als Elfjährige mit den Bildern in den Besatzungszeitungen schockiert und traumatisiert hatte, sondern auch von der Erkenntnis, dass ich mir eine entsetzliche Frage nicht wirklich beantworten konnte: Was wäre geschehen, wenn meine schulische Erziehung bruchlos so weitergegangen wäre, wäre ich dann mit 18 Jahren vielleicht eine ganz brauchbare KZ-Wärterin oder KZ-Sekretärin geworden? Ich war 35 Jahre alt und wusste nur zu gut, wie dumm und gedankenlos ich als 18-Jährige noch gewesen war.
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Vor diesem Hintergrund sehe ich die Verurteilung damals 18-19-Jähriger mit gemischten Gefühlen, genauso wie die angeblich so grossartige „Verarbeitung“ unserer Vergangenheit. Da ist nichts „verarbeitet“ worden, im Gegenteil. Die meisten derjenigen, die wussten, was sie taten, kamen auch nach der Hitlerzeit wieder in Amt und Würden oder konnten mit staatlicher oder kirchlicher Hilfe fliehen. Verurteilt wurden diejenigen, die vielleicht zu jung oder zu dumm waren, wirklich zu verstehen, was sie taten, wobei sie vermutlich tatsächlich nur gedankenlos Befehlen gefolgt waren. Das kann man von den Globkes, Kiesingers und Filbingers, um nur wenige Beispiele von vielen zu erwähnen, kaum sagen. (Wer darüber Genaueres wissen will, lese das Buch von Ralph Giordano: „Die zweite Schuld“).

<h3>Hilflosigkeit</h3>

Vor allem aber wurden wir, die Spätgeborenen und die noch Jüngeren alleine gelassen mit dieser sogenannten „Verarbeitung“. Das begann schon mit unserem Geschichtsunterricht, der zumindest teilweise noch von Nazilehrern erteilt wurde, die sich erfolgreich darum drückten, uns die Geschichte von 1933-1945, geschweige denn, wie es dazu kam zu lehren. Mein eigener Geschichtsunterricht (Abitur 1953) endete zum Beispiel im Jahr 1914. Später hörte ich von Jüngeren, dass das auch in den frühen 60er Jahren noch so war.  Als ich in den 90er Jahren mit einem Bekannten, der ungefähr 10 Jahre jünger als ich gewesen sein mochte, über die Geschichte mit meinem Onkel sprach, erzählte er mir, dass sich ein Drittel (!) seiner Klassenkameraden umgebracht hätten, weil sie mit ihren Nazi-Vätern nicht mehr hätten leben können. Diese Suizide sind schrecklicher Ausdruck der Hilflosigkeit, der wir Jüngeren ausgeliefert blieben. Für diese Jungen war ihre späte Geburt zum tödlichen Fluch geworden.
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Auch in meiner Ausbildung zur Lehrerin für Deutsch und Englisch in den 70er Jahren war nie die Rede von Geschichte oder Vergangenheitsbewältigung, geschweige denn davon, wie wir die unseren Schülern beibringen sollten. So dass auch ich nur hilflos war angesichts von Bemerkungen wie: „Meine Oma sagt, das war alles ganz anders“. Was sollte ich auch gegen eine Oma sagen, die nicht verkraften konnte, dass ihr Mann für ein Verbrecher-Regime gestorben war!

<h3>Unterschiedlich wertvolle Deutsche</h3>

Die „Gnade der späten Geburt“ ist also eine Fiktion. Es gab jedoch eine „Gnade“ der frühen (!) Geburt, von der allerdings kaum jemand etwas weiss, weshalb es notwendig ist, davon zu erzählen. Dafür muss ich nochmal zu Frau Pich zurückkehren.
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In Frau Pichs Denkuniversum hatten nämlich auch Deutsche unterschiedliche Wertigkeiten. Am höchsten stehend waren die Reichsdeutschen, das waren die Deutschen, die nach der Besetzung in diesen jetzt „Westpreussen“ genannten Teil Polens gezogen waren. Zu denen gehörte auch meine Familie, und ich war stolz darauf, nicht nur Germanin, sondern auch Reichsdeutsche zu sein.
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Dann gab es die Volksdeutschen, die einen geringeren „Wert“ hatten. Das waren Deutsche, die auch schon in Bromberg gewohnt hatten, als es noch polnisch war (und von denen manche viele Jahrzehnte später als „Aussiedler“ nach Westdeutschland kommen sollten). Zwar vermittelte uns Frau Pich diese Wertigkeit, wir jedoch machten innerhalb unserer Schulklasse keinen Unterschied zwischen Reichs- und Volksdeutschen.
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Die drittbesten Deutschen waren die „Eingedeutschten“. Das waren diejenigen Polen oder sonstigen Ausländer, die Deutschland laut Frau Pich so wunderbar fanden, dass sie unbedingt Deutsche werden wollten und daher „eingedeutscht“ wurden. Solche „Eingedeutschten“ sollten wir kennenlernen und zugleich auch lernen, dass Frau Pich offensichtlich gar nichts von ihnen hielt.

<h3>„Eingedeutschte“</h3>

In unserem Klassenzimmer standen damals jene Schulbänke, die es heute vielleicht gar nicht mehr gibt: Je eine Bank, zusammengeschraubt mit einem Tisch für zwei Schüler:innen. Diese Schulbänke standen in drei Reihen von jeweils sechs oder sieben Bänken hintereinander. Wir sassen verteilt über diese drei Reihen, als uns Frau Pich eines Tages (ich glaube, in der vierten Klasse, da waren wir 9 Jahre alt) befahl, uns auf zwei Reihen zusammen zu setzen, so dass die dritte Reihe frei blieb. Schon das gefiel uns gar nicht, wir mussten uns ja ganz anders zusammensetzen als wir vorher gesessen hatten.
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Dann ging die Tür auf, und herein kamen 12-14 Kinder unseres Alters, die sich auf die Plätze der freigemachten Schulbank-Reihe setzten. Darunter war ein Mädchen, das so wunderschön war mit ihren weissblonden Haaren, dass ich sofort dachte: Die möchte ich zur Freundin haben! Daraus wurde allerdings nichts. Denn nun erklärte uns Frau Pich, diese Kinder seien eingedeutschte Polen. Wir hätten die Aufgabe, sie zu bewachen und darauf zu achten, dass sie kein Polnisch sprechen. Zusätzlich ordnete sie den besseren Schüler:innen unter uns je eines dieser Kinder zu, auch mir. Wir hatten in den kleinen Pausen die Hausaufgaben dieser Kinder für die jeweils nächste Stunde zu überprüfen und Fehler mit Bleistift anzustreichen. Das wurde dann anschliessend von Frau Pich kontrolliert.

<h3>Heimlicher Widerstand Neunjähriger</h3>

Das war das erste Mal, dass sich bei mir so etwas wie Widerspruchsgeist regte. Was sollte das? Diese Kinder waren jetzt doch Deutsche, also war doch alles in Ordnung? Sollten wir gar petzen? Also das ging gar nicht. Ich vermute mal, die anderen in der Klasse dachten ähnlich, nur sprachen wir leider nie darüber. Mir war ein Junge zugeteilt, der so schüchtern war, dass er kaum wagte, mit mir zu reden. Ich versuchte, ihm so freundlich wie möglich seine Fehler zu erklären, aber er nickte immer nur. Ansonsten waren diese nun für uns durch zusätzliche Arbeit gefüllten kleinen Pausen natürlich keine Pausen mehr, sondern eine Belastung.
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Die einzige Pause, die wir alle wirklich hatten, war die grosse Pause. In ihr stürmten wir deutschen Kinder befreit hinaus auf den Schulhof – und, als ob wir das verabredet hätten, so weit wie möglich weg von dem Gebäude, wo wir dann spielten. Gelegentlich beobachtete ich aus der Ferne, wie unsere polnischen Klassenkamerad:innen in drei kleinen Grüppchen entlang der Mauer des Schulgebäudes standen und zornig (das konnte man ihren Gesichtern ablesen) miteinander sprachen. Niemand von uns wollte wissen, ob sie polnisch oder deutsch sprachen. Petzen ging nun mal gar nicht. Warum diese Kinder so zornig waren, wusste ich aber auch nicht.
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Ich weiss nicht mehr, wie viele Wochen oder Monate dieser Zustand andauerte. Aber eines Tages waren die polnischen Kinder wieder weg. Einfach weg. Frau Pich hielt es nicht für nötig, uns irgend etwas zu erklären – und wir fragten nicht. Ich glaube, wir waren einfach nur erleichtert, jedenfalls war ich das. Da wir untereinander nie darüber gesprochen hatten und auch jetzt nicht darüber sprachen, kann ich nur vermuten, dass es uns allen so ging. Es war vor allem eine Belastung gewesen, die wir zwar nicht verstanden, aber dennoch gespürt hatten. Ich habe mich jahrelang gefragt, was aus diesen Kindern wohl geworden war.

<h3>Gnade oder Fluch?</h3>

Erst Jahrzehnte später (auch das gehört zu unserer so grossartigen „Verarbeitung“) erfuhr ich von der „Aktion Lebensborn“, jener schrecklichen Institution, die polnischen Eltern ihre „arisch“ aussehenden (!) Kinder zu Tausenden einfach weggenommen, manchmal auf der Strasse oder im Kindergarten abgegriffen hatte, um sie dann zwangsweise einzudeutschen und von SS- oder SA-Familien adoptieren zu lassen.
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Hier kann man aber von einer „Gnade der FRÜHEN Geburt“ sprechen. Ich jedenfalls hoffte, dass meine polnischen Klassenkamerad:innen, die damals ja auch schon 9 Jahre alt waren, eine Chance hatten, ihre richtigen Eltern wiederzufinden, weil sie sich noch an sie und an ihren richtigen Namen erinnern konnten. Anders war das nämlich bei dem älteren Mann, den ich vor einigen Jahren anlässlich einer Ausstellung über die „Aktion Lebensborn“ in Freiburg kennenlernte. Er war seinen polnischen Eltern schon im Alter von zwei Jahren entrissen worden und hatte sein Leben damit verbracht, vergeblich nach seinen richtigen Eltern zu suchen. Auch bei ihm und vielen anderen war die späte Geburt nicht Gnade sondern Fluch geworden.

<h3>Fazit</h3>

Ich fand es notwendig, davon zu erzählen, weil heute, im Jahr 2025, die Medien nicht genug tun können, auf die „Bösartigkeit“ der Russen hinzuweisen, unter anderem  mit der Begründung, sie würden ukrainische Kinder entführen, um sie zu „russifizieren“. Dass sie dergleichen von uns Deutschen gelernt haben könnten, wird nie dazugesagt, gehört jedoch dazu.
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Aber mehr noch: Aus meiner eigenen Schulzeit heraus weiss ich ziemlich genau, was ukrainische und russische, israelische und palästinensische, sudanesische und myanmarische Kinder, jedenfalls alle Kinder, die im Krieg aufwachsen, in der Schule lernen: „Wir sind die Guten, die anderen sind die Bösen und müssen vernichtet werden.“ Vernichtet! Als Kind hält man das dann für normal. Deshalb gibt es weltweit Kindersoldaten, die ihr Soldatentum ebenfalls für normal halten, sich sogar für Bombenattentate opfern, weil sie ernstlich glauben, ihrem Gemeinwesen damit etwas Gutes zu tun.

<h3>Abgrenzung und Ausgrenzung</h3>

Was wir Deutschen aus unserer Geschichte hätten lernen müssen, was aber die Wenigsten von uns wirklich gelernt haben, ist der Unterschied zwischen Abgrenzung und Ausgrenzung. Mit der Ausgrenzung aus Lokalen, Strassenbahnen, Theatern, Schulen, Universitäten, Berufen usw. begann die Ausgrenzung der Juden, die schliesslich in ihrer Ausgrenzung aus dem Leben endete. Diese furchtbare Konsequenz trägt „Ausgrenzung“ potentiell immer in sich, auch wenn man glaubt, so etwas doch gar nicht zu meinen.
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Wenn Menschen „anders“ sind als wir selbst, also eine andere Meinung haben, oder anders aussehen, anders sprechen, anders denken, eine andere Religion haben oder eine andere Kultur, so ist es verständlich, wenn uns das erst einmal abschreckt. Denn die Vorsicht vor dem, was uns unbekannt ist, ist uns angeboren und hat eine natürliche Schutzfunktion.
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Ebenfalls angeboren ist uns jedoch die Neugier auf alles „Andere“, die wir übrigens mit vielen Tieren teilen. Sie kann uns helfen zu entdecken, dass solche „Anderen" ja auch interessant und eine Bereicherung sein könnten. Schon deswegen dürfen wir sie niemals ausgrenzen, sondern sollten genau auf sie hinschauen und hinhören.
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Wir dürfen und sollten uns jedoch abgrenzen von dem, was uns nicht richtig erscheint oder unbehaglich ist. Das ist allerdings erheblich anstrengender als das einfache In-eine-Schublade-stecken und basta. Denn dazu müssen wir mit den je „Anderen“ zunächst einmal sprechen, um sie vielleicht auch zu verstehen. Das setzt Denken und Handeln voraus, gar Argumente finden, was vielen von uns zu mühselig ist.
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Eines ist jedoch sicher: Das Aushalten der „Anderen“ neben und mitten unter uns ist garantiert leichter als das Aushalten und Ertragen von Terror oder Bomben. Wenn die Menschheit überleben soll, müssen wir Menschen das schaffen. Und ich denke: Das können wir auch!
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Es gibt <a href="https://www.youtube.com/watch?v=bAUqHW1_03s" target="_blank" rel="noreferrer noopener">auf Youtube</a> einen wunderbaren dänischen Drei-Minuten-Film von vor sieben Jahren, auf Englisch, aber mit deutschen Untertiteln, der uns dabei helfen kann: „Was passiert, wenn wir aufhören Menschen in Schubladen zu packen?“  Der Film zeigt uns, dass wir – wie unterschiedlich wir auch sein mögen – mehr miteinander gemein haben als wir glauben.<p><em>Barbara Volhard</em><p>]]></description>
<pubDate>Tue, 06 Jan 2026 10:52:39 +0100</pubDate>
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<title><![CDATA[Silvesterkracher: Grönland bleibt deutsch]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/silvesterkracher-groenland-bleibt-deutsch-009455.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Manches ist so grottenfalsch, dass nicht einmal das Gegenteil davon wahr ist, sagte mir Karl Krauss. Der Wiener ahnte, was ihn erwartete.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Rheinmetall_kf51_dynamisch_hohe_aufloesung_R6MJ1833_w.webp><p><small>Rheinmetall KF51 Panther.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rheinmetall_kf51_dynamisch_hohe_aufloesung_R6MJ1833.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> 	Rheinmetall Defence</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 4.0 cropped)</a></small><p>Schon lange vor '33 warnte er meine Omi Glimbzsch und ihre Mischpoke in Zittau vor den Nazis - und der Ahnungslosigkeit der Bürger, die bis heute nie von nix was wussten.
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Auch in den USA warnten kluge Zeitgenossen vor vielen Jahres-wechseln, dass dort eine Oligarchie mit extremem Reichtum, Macht und Einfluss entstehe, die die Demokratie, die Grundrechte und Freiheiten für alle bedrohe. Das war vielen Nordamerikanern gerade recht, sprach ihnen aus tiefster Seele. Was sie nicht ahnen: Einen direkten Gesandten Gottes kriegt man kaum mehr los. Es sei denn, man nimmt JD Vance.
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Nur der Wissende hat die Wahl, anders als die Dinosaurier. Die kannten im Mesozoikum ja kaum soziale Medien und hatten Pech: Ausgestorben. Zu viel Panzer, zu wenig Hirn. Heute haben wir die Wahl, hört man. Entweder wir ziehen mit alten Haubitzen und Vorderladern ins Feld - da lacht sich der Russe scheps! - oder wir fragen nach Alternativen. Was weiss Rheinmetall? Deren Aktienkurs sagt mehr als tausend Worte. Steigerung seit Kriegsbeginn in drei Jahren über 800 %. Ohne Krieg läuft halt nix.
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Deshalb sagt das Unternehmen ja auch, dass etwa sein Panther KF51 ein revolutionärer Kampfpanzer ist und „Future Tanknology“ verkörpert! Future! Future! Also Fokus auf höchste Zerstörungskraft (neue 130-mm-Kanone), verbesserte Überlebensfähigkeit, vollständige Digitalisierung für vernetzte, automatisierte Kriegsführung - konzipiert, um die Herausforderungen der nächsten Generation zu meistern...
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Leute, das alles sind die wahren Raketen beim Wechsel 2025/2026! Und da sieht der Russe alt aus, alt wie der Afghane, der vor fast 25 Jahren Deutschland am Hindukusch verteidigen musste und nicht ahnen durfte, wie gründlich man ihn heute dafür verarscht. Hindu, kusch!
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Ein neues Jahr bringt weitere neue Herausforderungen. Ich nenne nur die nun notwendig werdende Verteidigung Grönlands. Diesmal dürfen wir nicht abseits stehen, auf glitschigen Gletschern im schmelzenden Eis, und auf Donald Trump als von Gott gesandten Erlöser warten! Wir müssen früher da sein.
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Dazu wünsch' ich Ihnen klare Sicht, ein herzhaftes Glückauf und viele seltene Erden.<p><em>Peter Grohmann</em><p>]]></description>
<pubDate>Fri, 02 Jan 2026 10:16:37 +0100</pubDate>
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<title><![CDATA[Christlicher Pronatalismus: Die Zukunft im Schoss der Hetero-Häuslichkeit]]></title>
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<description><![CDATA[<strong>Im Namen Gottes und der Geburtenrate kämpfen christlich-fundamentalistische Bewegungen gegen reproduktive und sexuelle Selbstbestimmung.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Lost_Baby_Toy_(35163242)_w.webp><p><small>  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lost_Baby_Toy_(35163242).jpeg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nicolas Mathieu</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY 3.0 unported - cropped)</a></small><p>Glaubt man* evangelikalen „Pro-Life“-Gruppen oder rechts-katholischen Regierungen, entscheidet sich unser nationales Schicksal im Kreisssaal. Das Szenario geht etwa so: Wie mit einem trojanischen Pferd findet auf der einen – der falschen – Seite „im Kreisssaal Einwanderung statt“ (Fundis LOL 2024, S. 23), während im Bett daneben so effektiv gegen den Arbeitskräftemangel gekämpft wird wie nirgends sonst, vorausgesetzt natürlich, dass keine konspirativen Gynäkolog*innen die neuen „Fachkräfte schon vor der Geburt geschlachtet“ (ebd.) haben. Was hier passiert, bestimmt nichts weniger als die Zukunft der Nation.
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Christlich-fundamentalistische Gruppen, die den überwältigenden Teil der „Lebensschutz“-Bewegung ausmachen, gibt es schon lange, in den letzten Jahren haben sich allerdings die Rahmenbedingungen geändert, in denen sie operieren: Nach Jahren der Sorge vor globaler Überbevölkerung bietet der jetzt fortschreitende Rückgang der Geburtenrate in westlichen Ländern den unterschiedlichsten bevölkerungspolitischen Bestrebungen, von religiös bis neoliberal, Legitimation. Ähnlich wie in anderen Kreisen die Klimakrise, sind „Geburtenrate!“, „demographischer Wandel!“ und im selben Atemzug deren Folgen für den Arbeitsmarkt und „unsere Renten“ plötzlich angsteinflössende Begriffe für viele. Ob das alles überhaupt ein Problem ist, steht dabei nicht infrage.
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Eine Geburtenrate unter replacement level – also die durchschnittlich erforderliche Anzahl der Kinder pro Frau, um die Bevölkerungszahl konstant zu halten, ohne Berücksichtigung von Migration – ist das Drohszenario der Gegenwart. Fragt man* christlich-fundamentalistische Gruppen, ist die Lösung dafür ganz einfach: Frauen aus ihrem „Zeugungs- und Gebärstreik“ (Sanders et al. 2014, S. 38f.) reissen! Aber der Kampf gegen Abtreibung und für die traditionelle Mutterrolle ist dabei mehr als nur ein Schritt, um die Geburtenrate westlicher Länder in die Höhe zu treiben – er ist Ausgangspunkt für ein umfassendes Programm zur Wiederherstellung der „gottgewollten“ natürlichen Gesellschaftsordnung.

<h3>Kultur des Lebens</h3>

Über den Aktivitäten vieler Akteure der „Lebensschutz“-Bewegung schwebt das Evangelium Vitae 1995, in dem der polnische Papst Johannes Paul II. zu einer christlichen „Kultur des Lebens“ im Kampf gegen eine von „perversen Freiheitsvorstellungen“ durchzogene „Kultur des Todes“ aufrief (ebd., S. 19). Aufnahmen des linken Filmkollektivs Leftvision vom „Marsch für das Leben“ am 21. September 2024 in Berlin zeigen Verfechter*innen dieses Kampfs, darunter einen blassen Demonstranten mit Kreuzkette, der sich sicher ist: „Selbst, wenn eine Frau vergewaltigt wird, gibt es nicht das Recht abzutreiben. Ist natürlich sehr schlecht für die Frau, mit Leiden verbunden, aber trotzdem haben wir kein Recht das Leben zu nehmen, denn das Leben nimmt nur Gott.“
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Konsequenterweise, obwohl das also alles sehr schlecht für die Frau ist, wurden reproduktive Rechte in Ländern wie Polen oder den sogenannten USA längst massiv eingeschränkt. In vielen US-Bundesstaaten sind medizinische Eingriffe in eine Schwangerschaft ausschliesslich erlaubt, um das Leben der schwangeren Person zu retten, allerdings nicht, um gesundheitliche Schäden Gebärender zu verhindern. Was bedeutet das? Frauen berichten, bei Komplikationen aus der Notaufnahme nach Hause geschickt worden zu sein mit den Worten: „Kommen Sie wieder, wenn Sie zusammenbrechen!“ Heisst: Kommen Sie wieder, wenn Sie im Sterben liegen.
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Die auslegungsbedürftige Sprache in Gesetzestexten führt dazu, dass Ärzt*innen aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen nicht eingreifen. Jede noch so kleine Änderung am Gesetzestext verhindern Politiker*innen, die wegen massiven Drucks der Anti-Abtreibungs-Aktivist*innen um ihre politische Karriere fürchten. In North Dakota etwa verhinderten republikanische Gesetzgeber einen Änderungsantrag, der Abtreibungen nach der Sechs-Wochen-Grenze in Fällen von Vergewaltigung von Kindern erlauben würde – wenn also beispielsweise eine Zehnjährige schwanger würde –, weil die North Dakota Catholic Conference, eine Vertretung der beiden katholischen Diözesen des Staates, angekündigt hatte, sich gegen den Antrag zu stellen (Surana 2024b). Die 28-jährige Amber Thurman starb in Atlanta, Georgia, weil nach einer Abtreibung, für die sie in einen anderen Bundesstaat gefahren war, fötales Gewebe in ihrem Uterus zurückblieb, der zu einer Sepsis führte. Aus Angst die Entfernung des Gewebes würde als Abtreibung gelten, warteten die Ärzt*innen so lange mit dem lebensrettenden Eingriff, dass die Patientin währenddessen verstarb (Surana 2024a). Ob das auch im Sinne Gottes ist?
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Die „Fingerabdrücke des Vatikans“ (Datta 2019, S. 8) sind Berichten des Europäischen Parlamentarischen Forums für Bevölkerung und Entwicklung (EPF) zufolge in der „Anti-Choice“-Bewegung in Europa deutlich erkennbar. Ein zentraler transnationaler Player, der mittlerweile alle bedeutenden „Anti-Choice“-Gruppen in Europa vereint, ist das 2018 aufgedeckte Netzwerk „Agenda Europe“, initiiert unter anderem von Terrence McKeegan, damals Rechtsberater der Ständigen Beobachtermission des Heiligen Stuhls bei der UNO.

<h3>We're in a holy war!</h3>

Gegründet als „christlich inspirierter Thinktank“, fordert die extremistische rechts-katholische Vereinigung „Agenda Europe“ in ihrem Positionspapier „Restoring the Natural Order“ („Die natürliche Ordnung wiederherstellen“ (DNOW)) eine Kulturrevolution gegen den Verfall des Westens. Die Mehrheit der Beteiligten ist katholisch, aber auch traditionalistische Protestant*innen sowie Vertreter*innen der Orthodoxen, manche von ihnen Politiker*innen, die in den nationalen Parlamenten Europas sitzen – zu den deutschen Hauptakteur*innen gehört Gabriele Kuby, Deutschlands leidenschaftlichste Kämpferin gegen die Gender-Ideologie.
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Das erklärte Ziel der Agenda sind Einschränkungen von Menschenrechten in Bezug auf Sexualität und Reproduktion. Bei Gipfeltreffen – Treffpunkt dafür war 2014 Schloss Fürstenried bei München, das Exerzitienhaus der katholischen Erzdiözese München und Freising – schliesst sich etwa an die Feier der heiligen Messe als Tagesordnungspunkt an, „nationale anwaltschaftliche Arbeit gegen Gleichbehandlungsgesetze zu betreiben“. (ebd., S. 14) Man* kennt es: Abtreibung, Verhütung und Sexualbildung verbieten, LGBTQ-Rechte aberkennen, die traditionelle Familie stärken und so weiter und so fort. (Funfact: So sehr hier für eine „Kultur des Lebens“ gekämpft wird, die „Todesstrafe ist nicht an und für sich unrechtmässig. Sie bildet somit eine Ausnahme zum Recht auf Leben.“ (aus dem Manifest DNOW, S. 63; zitiert nach Datta 2019, S. 19)
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Der internationale Zusammenschluss der Verbände für Tradition, Familie, und Privateigentum (TFP) geht noch einen Schritt weiter: Gegründet in den 1960er Jahren in Brasilien, positionieren sie sich als Revoluzzer gegen die progressivere Ausrichtung der katholischen Kirche unter Papst Franziskus, insbesondere gegen progressive Bischöfe in Deutschland, und fordern eine Konterrevolution. Dabei wollen sie nicht zurück zur traditionellen Familie der 1950er Jahre, sondern – unter Führung des Adels – in die natürliche und in jeder Hinsicht ungleiche Ordnung des Mittelalters (Kemper 2022). Konsequenterweise entspricht ihre inhaltliche Ausrichtung einem wilden Mix aus „Sozialkonservatismus mit wirtschaftlichem Hyperliberalismus und einem Erbe der Komplizenschaft mit rechtsextremen Bewegungen“ (Datta 2020, S. 3).
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Aber scheinbar gilt: Je absurder die Fantasien, desto grösser der politische Einfluss der Fundamentalist*innen. So hat etwa eine nationale Unterorganisation von TFP 2013 in Estland mit einer Petition gegen gleichgeschlechtliche Ehen den Legalisierungsprozess zum Stoppen gebracht. Und der polnische TFP-Ableger, der Jurist*innenverband Ordo Iuris, war 2016 mit seiner bürgerlichen Gesetzesinitiative „Universeller Schutz des Lebens“ massgeblich verantwortlich für die massive Einschränkung reproduktiver Rechte in Polen und hat weiterhin enge Verbindungen zu der von 2016 bis 2024 regierenden Partei Prawo i Sprawiedliwość (PiS), deutsch Recht und Gerechtigkeit.
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Das alle Gruppierungen vereinende Ziel scheint zu sein: Die Göttliche Ordnung in einer Welt herstellen, die durch aufklärerische Menschenrechte in Unordnung gebracht wurde. Untergangsszenarien vor der Drohkulisse der sinkenden Geburtenrate schreien nach radikaler Veränderung – laut „Agenda Europe“ ist das auch dringend notwendig, denn die Zeit ist knapp: „Uns bleibt noch ein schmales Zeitfenster von 10 bis 20 Jahren. Wenn wir dieses Zeitfenster nicht nutzen, kann es gut sein, dass die westliche Zivilisation sich zerstört haben wird, weil sie sich eine perverse Ideologie zu eigen gemacht hat.“ (DNOW, S. 8; zitiert nach Datta 2019, S. 17)

<h3>Das Volk stirbt im Mutterleib</h3>

In ihrem Kampf gegen die Übel eines liberalen Universalismus trifft die religiöse „Lebensschutz“-/Anti-Choice-Bewegung nicht selten auf die Neue Rechte. Im Herzen beider Gruppierungen steht ein antifeministischer nationalistischer Natalismus, mit dem sie sich in einen globalen Trend des „less of them, but more of us“ (Population Matters, 2021, S. 22) einreihen: Gegen einen „Bevölkerungsaustausch” durch Migration oder einen bevorstehenden „Volkstod“ (Kemper 2024, S. 70ff.), ist eine „Willkommenskultur für Neugeborene“ (Blum 2020) das beste Gegenmittel. Den dafür nötigen Eingriff in die Selbstbestimmungsrechte gebärender Personen legitimiert, so die polnische Philosophin Ewa Majewska, die Doktrin des „Ausnahmezustands“ nach Carl Schmitt, die besagt: In einer generellen Notlage kann und muss sich der Souverän über Gesetz und Institutionen hinwegsetzen, um das Land zu retten. Im Falle der PiS in Polen ermöglichte beispielsweise ein mit einer parteitreuen Mehrheit an Richter*innen umgebautes Verfassungstribunal den politischen Alleingang.
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Entzieht sich die weisse Frau dem Willen des Souveräns, ist die Nation in Gefahr (man* erinnere sich an den Kreisssaal). Zur Zeit des Nationalsozialismus drückte sich dies wie folgt aus: Während weibliche Homosexualität anders als männliche nicht unter Strafe stand, erregten lesbische Frauen durch das Übertreten geschlechtlicher Grenzen Verdacht. „In dem Glauben, dass eine Ethnie Entartung und Sterilität riskierte, wenn ihre Frauen Androgynität oder Männlichkeit zeigten, wetterten die Nazi-Ideologen gegen die ‚Vermännlichung' der ‚arischen' Frauen.“ (Marhöfer 2016, S. 1176)
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Die Sorge galt also weniger dem Lesbischsein als der Angst, dass eine vermännlichte Frau keine Kinder kriegen würde. Dass alle nicht-‚arischen' Frauen dabei von vornherein aus der Kategorie „Frau“ mit ihren Rechten und (Fortpflanzungs-)Pflichten ausgeschlossen waren, reiht sich ein in eine lange Geschichte des Ungendering, also des Vorgangs, bei dem rassistisch markierten Personen – etwa Schwarzen Personen während der Sklaverei – jegliche Geschlechtlichkeit, Menschlichkeit und Familienzugehörigkeit abgesprochen wurde. In fortbestehender rassistischer Entmenschlichung von Eltern zeigt sich dessen Kontinuität – ihre Familien werden nicht als schützenswert gesehen, ihre Kinder sind staatlich nicht gewollt. Während davon die einen in Deutschland durch das Raster des Wohlfahrtsstaats fallen oder ihre Familien im Asylsystem auseinandergerissen werden, wird gleichzeitig der Tod der anderen durch deutsche Waffen oder an EU-Aussengrenzen als Kollateralschaden hingenommen – ethnonationalistische Grenzen unterteilen Leben in ‚grievable' (betrauerbar) und ‚ungrievable' (nicht-betrauerbar). Für Letztere ist das gegenwärtige Leben bestimmt durch das Wissen „um mich würde nicht getrauert“ (Butler 2012, S. 10), an ihnen verübte Verbrechen bleiben straflos.

<h3>Die Zukunft im Schoss der Hetero-Häuslichkeit</h3>

Träumen christliche „Tradwives“ im 1950er Jahre-Kleid heute auf Social Media von einem zurück zu den Wurzeln, dann imaginieren auch sie die weisse Ehefrau, die zu Hause den Laden schmeisst und die Moral der zukünftigen Fachkräfte aufrechterhält, während ihr Mann ins Feld zieht und alles weitere aus dem Oval Office regelt. Die Familie als Keimzelle der Nation unterfüttert Anti-Migrations-Rhetorik und soziale Hierarchien mit nativistischen Argumenten: Sie ist ein Spiegel der Nation im Kleinen. Die Hausfrau backt Brot aus selbst geernteten organischen Zutaten? Genauso rein und heimatlich sollte auch die Zusammensetzung der Bevölkerung sein. Hierarchische Beziehungen und ökonomische Abhängigkeit von Menschen, die auch mal Gewalt ausüben? Das muss so sein, kennt man* ja von zu Hause. Falls doch manchmal Zweifel an der Richtigkeit neoliberaler Ungleichheiten aufkommen sollten, keine Sorge: Vererbter Reichtum und Privilegien, so der brasilianische TFP-Gründer Plinio Corrêa de Oliveira, Grossgrundbesitzer, sind nichts weniger als heilig: „Und mit Ordnung meinen wir den Frieden von Christus in der Herrschaft Christi, das heisst, die christliche Zivilisation, streng und hierarchisch, grundlegend sakral, anti-egalitär, und anti-liberal“ (Datta 2020, S. 8).
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In ihrer Unhinterfragbarkeit ist die Familie das beste bevölkerungspolitische Instrument für das Fortbestehen und die Expansion der nationalen „natürlichen Ordnung“. So wie Eltern ihre Kinder schützen und ihnen Regeln aufzeigen, so, wird suggeriert, schützt uns der Staat, wenn wir uns an ein paar Regeln halten, darunter Naheliegendes wie: „Geschlechtsverkehr ist nicht zum Spass haben, denn was ganz natürlich dabei entsteht, ist ein Kind“ (Leftvision 2024). Sex ohne Outcome ist in den Augen katholischer Regierungen wie der PiS so gefährlich, dass in dem einzig verbliebenen offiziellen Dokument für Sexualbildung an polnischen Schulen „Preparation for Family Living“ das Wort „Sex” nur zweimal vorkommt – „Familie“ dagegen über 170 Mal (Population Matters, 2021, S. 16).
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Die Familie als solche ist eine futuristische Institution, insofern als der familistische Imperativ, sich um hypothetische zukünftige Generationen zu kümmern, nicht zuletzt durch eine Anhäufung von Vermögen, ein stärkeres Argument ist als die Sorge um bereits existierende, nicht verwandte Menschen. Abtreibende und queere Personen widersetzen sich dem „reproduktiven Futurismus“ der fundamentalistischen Familienvorstellung, in dem schon die Gegenwart durch die Figur des Kindes strukturiert wird – das ungeborene Babygesicht, das jedes Jahr die „Märsche für das Leben“ oder „Demos für alle“ anführt, ist darin Ausdruck einer wünschenswerten Zukunft, in der die heteronormative monogame Ehe zwischen Mann und Frau eine neue, aber unveränderte „reine“ Generation nach der anderen schafft (siehe Edelman 2020). Dieser Mission und dem Vatikan zur Treue verpflichtet, stellen sich die jungen Männer der TFP Deutschland auf ihrem „Europäischem Kreuzzug für die Familie“ (zu erkennen an den „majestätischen roten Standarten, auf denen ein goldener Löwe, das Symbol unseres Herrn prangt“ (TFP 2024) – seriously?!) tapfer dem grössten Widersacher der göttlichen Schöpfung entgegen: der Gender-Ideologie in Regenbogenflagge.

<h3>LGBTotalitarismus und die Rainbow Mafia</h3>

„Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib“ (Genesis 1.27), deklariert Sharla, Mutter von Ren, einer High School-Schülerin in Grapevine, Texas. Sie geht dazu über, ihr trans Kind und dessen Geschichte öffentlich auf dem Altar der Evangelikalen zu opfern, deren Wortführer*innen auf Podien stehen und vor versammelter Menge schreien: „My pronouns are bible believer gun carrier jesus warrior and mama bear!“ (NBC News Studios 2022) Aus Angst vor der eigenen Mutter läuft Ren schliesslich von zuhause weg und sucht Schutz bei ihrem Vater und seiner neuen Partnerin – und trotzdem: Sharla, die weisse christliche vorstädtische Mutter ist das perfekte Bild, um Mitleid zu erwecken – Mütter wissen schliesslich, was das Beste für ihre Kinder ist! Rechtsextreme und christlich-fundamentalistische Gruppen könnten sich kaum ein besseres Aushängeschild für ihre autoritären Projekte wünschen, ein Alibi der Harmlosigkeit.
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Als Diskursbeiträge verkaufte Hetzreden (vergebens wartet man* auf den Tag, an dem bürgerliche Medien die Existenz von trans Personen nicht mehr als Frage freier Meinungsäusserung handhaben) geben den besorgten Müttern recht: Nicht ihre Kinder, sondern sie sind zu Emotionalität und Ausser-sich-sein berechtigt. Das Transsein ihrer Kinder widerfährt ihnen als fatales Schicksal, nicht zuletzt, weil es die „ganz normalen“ Grossmutterträume durchkreuzt. Moralische Panik – die künstlich erzeugte Angst, eine noch so kleine Minderheit bedrohe das Gleichgewicht der gesamten Gesellschaft – macht Gewalt gegen trans Personen „menschlich“ und erzeugt einen neuen Feind: Wir müssen uns vor den Eindringlingen in die cisgender Staatsbürgerschaft schützen! Dazu bedienen sich fundamentalistische Gruppen eines wichtigen Instruments (das Strategiepapier der Agenda Europe nennt es „die Waffen des Feindes nutzen“), der metaphor of inverted fascism (Metapher des umgedrehten Faschismus; Tebaldi 2023, S. 6) – Narrative werden so gebaut, dass diejenigen, die nach Toleranz streben, die wahren Faschist*innen sind, „tolerance is authoritarian intolerance (of racism and homophobia)“ (ebd.).
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Also: Das T in LGBT steht für Totalitarismus, egal ob sich fünf- oder 50-Jährige dahinter verbergen. Jegliche Form von Gleichstellungspolitik ist diskriminierend gegenüber religiösen Menschen oder verdeckt die Verfolgung von Christen in Europa (Datta 2019, S. 15), und der Wunsch von Schüler*innen mit richtigem Pronomen angesprochen zu werden, kommt einer Gewalttat gegen Lehrer*innen gleich. Die rechtsradikale Tradwife Dissident Mama expliziert das Bild weiter in gewaltvollen queerfeindlichen Bildern: In den Augen von Dissident Mama ist ihr 12 Jahre alter (!) trans Neffe ein „mafioso“ der feindlichen Rainbow Mafia. Andere so akzeptieren zu sollen, wie sie sind, komme „sozialer Vergewaltigung“ gleich und die Infragestellung von Tradition vergleicht sie mit erzwungener „analer Penetration“ (Tebaldi 2023, S. 6, 8).

<h3>Im Namen der Elternrechte</h3>

Als ein Schweizer Gericht im Juli diesen Jahres den Eltern eines inzwischen 16-jährigen trans Sohnes (vor Gericht durch die christliche Organisation ADF International vertreten) das Sorgerecht entzog, weil diese ihrem „psychisch vulnerablen“ Kind seit dem 13. Lebensjahr Unterstützung bei sozialer sowie medizinischer Transition vorenthielten, kommentierte der führende Silicon-Valley-Pronatalist Elon Musk auf X: „This is insane. This suicidal mind virus is spreading throughout Western Civilization.“ Die Gleichsetzung von Transgeschlechtlichkeit mit einem Virus, der besonders bei jungen Leuten zu „sozialer Ansteckung“ führe, sowie der daraufhin von Anti-Trans-Netzwerken und besorgten Eltern vorgeschobene „Schutz unserer Kinder“ – welcher?! –, führen dazu, dass trans Teenagern im Namen proprietärer Elternrechte abgesprochen wird, über ihre eigene Identität Aussagen zu treffen. Das Bild kindlicher Unschuld rechtfertigt Bevormundung von Kindern durch ihre Eltern hin zur Angstmache vor „Frühsexualisierung“ (Kemper 2024, S. 18).
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Unschuld ist dabei höchst selektiv: Die einen Kinder sollen vor der Beschmutzung durch andere in Sicherheit gebracht werden. Den anderen Kindern (aka „mafiosos“) dagegen soll jegliche Unterstützung, die ihr Geschlecht anerkennt und der Reduktion von konkretem Leid bis hin zur Suizidprävention dienen könnte, entzogen werden. Turns out: Der von „mama bear“ imaginierte Schutz ihres geliebten Eigentums nimmt es nicht nur in Kauf, sondern zielt darauf ab, tödlich zu enden, im Zweifel auch für das eigene Kind. In den Worten der brillanten Historikerin Jules Gill-Peterson handelt es sich dabei um die genozidale „rationalization of ‚letting die' as a form of social hygiene for the nation [Rationalisierung des „Sterbenlassens“ als einer Form nationaler Sozialhygiene]“ (2024, S. 207, Übers. al).

<h3>Klassenfrage und Widerstand</h3>

Der Angriff auf reproduktive und sexuelle Rechte steht im Zentrum jeder faschistischen Bewegung, jede noch so liberale Regierung spricht aktuell ohne Problembewusstsein laut darüber, die Geburtenrate zu steigern und trotzdem wird der Schutz dieser Rechte nicht als zentrales Element jeder Demokratie besprochen, sondern maximal als „frauenpolitische“ Identitätspolitik. Warum? Die Gleichzeitigkeit der Unterdrückung von Frauen, trans Personen sowie prekarisierten und rassifizierten Menschen in diesem Kontext ist kein Zufall. In der marxistisch-feministischen Analyse sind sie alle Objekte von Feminisierung, das heisst – völlig unabhängig von essentialistischen Geschlechtsvorstellungen – sie sind überdurchschnittlich betroffen von der materiellen Abwertung reproduktiver Arbeit, wie der Pflege von Kindern und Angehörigen, aber auch Gebären an sich.
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Diese Abwertung, die auch in der Verschiebung reproduktiver Tätigkeiten in den ökonomisch unregulierten privaten Bereich besteht, übersetzt sich wiederum in gewaltvolle soziale und sexuelle Unterdrückung, und ist integraler Bestandteil jedes kapitalistischen Systems. Männlichkeit als soziale Kategorie entspricht dem dominanten Gegenstück; sie ist keine Sammlung an Eigenschaften, sondern eine auf der Ausbeutung reproduktiver Arbeit basierende Herrschaftsform, deren ultimativer Ausdruck darin liegt, über feminisierte Körper als nationale Ressourcen zu verfügen und staatlich gewollte von ungewollten Kindern zu unterscheiden.
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Um die männliche Herrschaft zu brechen, muss die materielle Privilegierung verschiedener Werte über andere, zum Beispiel von Dominanz über Fürsorge, bekämpft werden. Ansonsten gilt: Je mehr ein Wohlfahrtsstaat von Jahren neoliberaler Politik ausgehöhlt ist, desto mehr bietet er Angriffsfläche für staatlich organisierten religiösen Pronatalismus. Das Einfallstor für die pronatalistische Agenda der PiS-Regierung in Polen und letztlich den Abbau sexueller und reproduktiver Rechte war das von ihnen durchgesetzte ausserordentlich grosszügige Kindergeld „Familie 500+“, das die Unterstützung der Bevölkerung sicherte und von Anfang an als „revolutionäres sozial-demographisches Projekt“ angekündigt war – auf dem Weg zum christlich-katholischen „polnischen Wohlfahrtsstaat“ (Walker 2020). Abtreibung und Kinderkriegen sind Klassenfragen, weder das eine noch das andere darf von finanziellen oder sozialen Zwängen abhängen – mit liberalem Choice-Feminismus kommt man* da nicht weit, es würde hingegen nicht schaden, sich an den Feminismus-Fantasien des Feindes zu orientieren.
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In ihrem Video „Yes all Feminists“ argumentiert die rechte Tradwife Lacey Lynn in einem Rant über die Ursprünge des Feminismus: „Die rechtliche Anerkennung der Frau fiel zusammen mit der Veröffentlichung des kommunistischen Manifests (Marx 1848) und war daher eine elitäre kulturmarxistische Verschwörung zur Zerstörung der Familie und der weissen Gemeinschaft.“ (Tebaldi 2023, S. 7) Wäre ein Anfang.<p><em>Agnes Laffert<br><a class="author_link" href="https://kritisch-lesen.de/essay/christlicher-pronatalismus" target="_blank" rel="noreferrer noopener">kritisch-lesen.de</a></em><p>]]></description>
<pubDate>Mon, 29 Dec 2025 08:47:07 +0100</pubDate>
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<title><![CDATA[Nicht nur zu Weihnachten ist alles eine Frage der Verpackung]]></title>
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<description><![CDATA[<strong>Was lernen die Kinder in Gaza in diesen besinnlichen Tagen und Wochen von Israel? Was lernen sie über weh weh weh, wichtige westliche Werte, die wir gemeinsam verteidigen?</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/AK_-_Frohliche_Weihnachten_-_1896__w.webp><p><small>Weihnachtskarte - Fröhliche Weihnachten, 1896.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:AK_-_Fr%C3%B6hliche_Weihnachten_-_1896.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Unknown author</a> (PD)</small><p>Was wissen sie schon von Jesus Christus und seinen Botschaften, von der Heiligen Maria, was von den Aposteln, die die Botschaft des Herrn verbreiten? Und was bleibt hängen?, fragt meine Omi Glimbzsch in Zittau. Als Atheistin weiss sie: Lernen kann per se nützlich sein. Aber halt nicht immer:
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Es treffsicheres Beispiel fürs Nicht-Lernen-Wollen ist bekanntlich Weihnachten: Presse, Funk und Fernsehen, alles, uns seit Ende des Sommers auf die „frohen Festtage“ einstimmt und Hand in Hand heiss macht auf polnische Sosse, belasteten Aal und überzuckerte Lebkuchen aus China, auf Fernflug-Unfug und Kreuzfahrten auf die Galapagos-Inseln, ahnt ja im Grunde, wie belastend der Gabentisch ist. Die Deutscher Mastgans erreicht bereits nach 10 – 12 Wochen ihr Schlachtgewicht, lebend gerupft bis zu viermal vor ihrer Schlachtung. Dafür ist Schildkröten-Suppe nur unter der Hand zu haben: Artenschutz.
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Nicht nur zu Weihnachten ist alles eine Frage der Verpackung: Rot, Weiss und Grün – diese Farbkombination animiert und stimuliert unser Rauschgefühl, sorgt für vitale, hoffnungsvolle Stimmung im Unterbewussten. Rot – ich hab's geahnt! - ist der Anstifter für Energie und Liebesimpulse, Grün simuliert Harmonie und Natur, und Weiss (wer weiss?) Reinheit ohne Klarheit. Anders gesagt: Das alles belastet eben letztlich so einen wie dich und mich!
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Und nu? Es weihnachtet. Nimm die Botschafter beim Wort, egal, woher sie kommen, eins zu eins, wie bare Münze, egal, ob es Schwarze oder Weisse oder Rote, Farbige, Farblose oder Grüne sind. Die Feinschmecker unter uns (1. Mose 1,26 ) sind sich einig: Wir sollen freundlich zu allen sein, dürfen nicht ausbeuten und die Schwachen unterdrücken. Das fällt allen schwer. Aber keine Angst, es gilt offenbar nur kurz über die Weihnachtstage (wenn überhaupt) und nicht für Regierende. Die sind ans Gesetz gebunden und nicht ans Gewissen. Fröhliche Weihnachten.<p><em>Peter Grohmann</em><p>]]></description>
<pubDate>Wed, 24 Dec 2025 08:46:29 +0100</pubDate>
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<title><![CDATA[Kampf gegen sexuelle Gewalt: „Catcalling“ und die Koalition]]></title>
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<description><![CDATA[<strong>Einer Studie aus dem Jahr 2021 zufolge haben über 90 % aller Frauen und 80 % aller queeren Menschen schon „Catcalling“ miterleben müssen.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/1071_CatCalling_is_Violence_w.webp><p><small>Protest gegen CatCalling in Berlin (Kreuzberg) an der Reichenberger Straße.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:1071_CatCalling_is_Violence.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">C.Suthorn - commons.wikimedia.org</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 4.0 cropped)</a></small><p>Im Schnitt erfahren Betroffene zum ersten Mal im Alter von 15,5 Jahren solche alltäglichen verbalen sexuellen Belästigungen.
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In mehreren EU-Ländern stellt dies mittlerweile eine Straftat dar. In Frankreich, Spanien, Portugal, Belgien und den Niederlanden wird sie mit Geldstrafen, in Spanien in besonders krassen Fällen auch mit Haftstrafen geahndet. In Deutschland scheiterten alle bisherigen Versuche, diese Form systematischer sexueller Belästigung als Straftat zu bewerten, an den Mühlen von Koalitionsblockaden oder am Bundesrat. Zuletzt im Februar 2025, als das SPD-geführte Land Niedersachsen einen Gesetzesentwurf einbrachte.
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SPD-Justizministerin Stefanie Hubig will nun eine weitere Vorlage auf den Weg bringen, die verbale sexuelle Belästigung, die mit dem Begriff „Catcalling“ eigentlich verharmlost wird, zukünftig als Straftatbestand definieren soll. Ob diese die Hürden des Koalitionsausschusses überwinden wird, ist allerdings fraglich, auch wenn der Koalitionsvertrag von SPD und CDU/CSU eine Erweiterung des strafrechtlichen Schutzes vor Belästigungen vorsieht. Doch Papier ist bekanntlich geduldig.
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Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion lehnt einen Gesetzesentwurf ab. „Symbolgesetzgebung und in der Praxis nicht durchsetzbare Regelungen helfen den Betroffenen am Ende nicht weiter“, erklärt deren rechtspolitische Sprecherin Susanne Hierl. Da hilft es auch wenig, dass sich lt. DER SPIEGEL eine Mehrheit des Bundesrates sogar für eine Gesetzänderung aussprechen würde. Nur Bremen, Berlin und Sachsen lehnten eine solche kategorisch ab. Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt wollen erst eine Vorlage konkret beurteilen.

<h3>Reaktionäre Kritik</h3>

Derweil formiert sich die bürgerliche und konservative Kritik. Natürlich, so betont auch diese, müsse man verbale sexuelle Übergriffe ernst nehmen. Aber, so heisst es, man könne nicht alles per Strafrecht regeln, erst recht, wenn ein Verbot in der Praxis gar nicht durchsetzbar wäre. Stattdessen, so gibt sich die CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit Susanne Hierl geradezu fortschrittlich, müsse man das gesellschaftliche Bewusstsein ändern, so dass die „verbalen Belästigungen schlicht inakzeptabel sind“.
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Diese politischen Nebelkerzen können wir als groteske Mischung aus Komik und Zynismus abhaken, befördern doch gerade die Konservativen und Rechten tagtäglich ein reales rückschrittliches Bewusstsein, Geschlechterrollen, Moralvorstellungen und eine gesellschaftliche Arbeitsteilung, die nicht nur verbale sexuelle Belästigungen und Übergriffe regelmässig hervorbringen.
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Die beschworenen Schwierigkeiten in der Umsetzung verweisen ja gerade auf ein sexistisches gesellschaftliches Klima, das zur Zeit von der extremen Rechten, aber auch von Konservativen aller Art in der Hetze gegen den angeblichen „Genderwahn“ noch forciert wird. Auch der Verweis darauf, dass sich „verbale sexuelle Gewalt“ schwer von „harmlosen“ „falschen Komplimenten“ unterscheiden liesse, verharmlost nur, was verbale sexuelle Gewalt bedeutet.
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Dieser ganze Einwand ist ein Popanz. Erstens wird so getan, als wären die Gesetzesvorschläge, wie sie z. B. von der SPD-Fraktion diskutiert werden, so weit gefasst, dass zukünftig auch jedes ungeschickt geäusserte „Kompliment“ vor Gericht verhandelt würde. Das ist schlichtweg falsch. Vielmehr muss dem/der Täter:in ein Vorsatz nachgewiesen und müssen auch die Umstände der Tat berücksichtigt werden. Zweitens lenkt dieser Einwand davon ab, dass es in der Regel durchaus klar ist, wann eine „gezielte, erhebliche, mündliche sexuelle Belästigung“ vorliegt, wird sie doch in der Regel geäussert, um die belästigte Person für diese und andere erkennbar zu erniedrigen und überdies Macht auszuüben. Die aktuelle Folgenlosigkeit, ja Akzeptanz verbaler und gezielter sexueller Belästigung drückt sich nicht zuletzt auch darin aus, dass sie erst gar nicht als strafrechtlich relevant gilt, während z. B. ein einfacher Diebstahl mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden kann.

<h3>Grenzen</h3>

Daher lehnen wir diese reaktionäre Kritik grundlegend ab. Zugleich dürfen wir aber unsere Augen vor den Grenzen und Problemen der bürgerlich-liberalen Reformpolitik nicht verschliessen, wie sie von der SPD oder auch den Grünen und „reformwilligen“ Teilen der CDU vertreten wird.
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Wieso der Kampf gegen widerliche sexistische Sprüche und ekeliges Hinterhergepfeife durch meist cis Männer nicht in Form einer Bestrafung einzelner Täter durch Änderung des Strafgesetzbuchs, wie es die Justizministerin Hubig (SPD) fordert, gelöst werden kann, möchten wir im folgenden Abschnitt erläutern.
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Hierzu sollten wir zunächst betrachten, worin der Ursprung von „Catcalling“ besteht und wie es überhaupt dazu kommt. Als Teil sexistischer Unterdrückung wird durch es gegenüber weiblich gelesenen Personen psychische Gewalt ausgeübt und die Machtstellung der Täter demonstriert. Doch diese sexistischen Verhaltensweisen kommen nicht von ungefähr. Solche Unterdrückungsformen, wie sie durch Alltagssexismus in Erscheinung treten, gehen aus einer materiellen bzw. systematischen Grundlage hervor.
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Im Kapitalismus legt die unterdrückerische gesellschaftliche Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau den Grundstein für die Unterdrückung der Frau bzw. FLINTA-Personen. Diese im Produktions- und insbesondere im Reproduktionsprozess verankerte Unterdrückung wirkt sich auch auf das gesellschaftliche Leben und den Umgang von Menschen untereinander aus. Wir alle werden von diesen sexistischen Strukturen geprägt und beeinflusst. Die Auswirkungen davon finden wir auf verschiedensten Ebenen. In den schlimmsten Fällen führt sexistische Unterdrückung zu Femiziden. Sichtbar wird sie aber eben auch in widerlichen sexistischen Pfiffen oder Sprüchen auf der Strasse.
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Justizministerin Hubig hat dem nun den Kampf angesagt und möchte genau das unter Strafe stellen. Bleibt offen, inwieweit das Problem damit tatsächlich bekämpft wird. Die Gesetzesvorlage impliziert eine Lösung, welche bei einzelnen Individuen ansetzt und das System verkennt, welches ein solches Verhalten verursacht und begünstigt.
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Wenn „Catcalling“ wirklich aufhören soll, müssen wir nicht nur die Auswirkungen, sondern auch den Ursprung sexistischer Unterdrückung angreifen. Denn bürgerliches Recht im Kapitalismus existiert nicht losgelöst von den Produktionsverhältnissen, welche besagte Arbeitsteilung reproduzieren und von dieser profitieren. Die bürgerlichen Ideale von Freiheit, Gleichheit oder Demokratie sind dementsprechend nicht aus reiner Freundlichkeit entstanden, sondern notwendiges Produkt dieser Gesellschaft. So wie die Ware die Rechtsform braucht, braucht diese den bürgerlichen Staat als Institution, um das Recht überhaupt durchzusetzen. Das Recht spielt also eine elementare Rolle in der Aufrechterhaltung des kapitalistischen Systems.
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Kernaufgabe ist es, den Warentausch zu ermöglichen und das Privateigentum zu schützen – und das drückt sich wiederum auch in der Rechtsprechung aus. Es reduziert soziale Beziehungen auf formale Gleichheit zwischen Individuen. Das bedeutet, dass Unrecht nicht als Klassenfrage, sondern als individueller Konflikt erscheint. Ohne den Kapitalismus anzugreifen, drohen Verbesserungen nur kurzfristig zu bestehen, zu verpuffen oder auf eine rein formale Ebene beschränkt zu werden.
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Dasselbe gilt für Appelle an die Justiz, „Catcalling“ jetzt schon als Beleidigung im Sinne des Strafgesetzbuches zu bestrafen. Dies ignoriert die Grundlage, worauf die Unterdrückung beruht, und schafft so dauerhaft keine Verbesserungen für die Arbeiter:innenklasse. Ein solches neues Gesetz könnte zwar einzelnen Frauen rechtliche Möglichkeiten verschaffen, aber es wäre kein Mittel, um sexistischer Unterdrückung als solcher zurückzudrängen. Nicht nur, weil es die Durchsetzung des bürgerlichen Staates und seines Machtmonopols erfordert, sondern auch, weil es ein Luftschloss ist, zu glauben, dieses Symptom isoliert vom Kapitalismus abzuschaffen. Nur eine proletarische Kraft, die den bürgerlichen Staat zerschlägt, ist in der Lage, auch dieses System infrage zu stellen und die Unterdrückung ein für alle Mal zu beseitigen.

<h3>Was tun?</h3>

Natürlich bedeutet das nicht im Umkehrschluss, dass wir den Kampf gegen „Catcalling“ und Sexismus auf nach der Revolution vertagen. Das Fehlen von funktionierenden gesellschaftlichen Strukturen für den Umgang mit sexueller Gewalt kann zwar nicht von einzelnen linken Kleingruppen aufgefangen werden, dennoch müssen wir für Massnahmen eintreten, die den gesamtgesellschaftlichen Mangel anfangen zu beseitigen, die materielle Grundlage der Frauenunterdrückung angreifen sowie die Organe des bürgerlichen Staates in Frage stellen.
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Zuerst bedeutet das, jede Form von verbalen sexuellen Übergriffen in der Arbeiter:innenklasse und unter den Unterdrückten scharf zu bekämpfen. Sie erniedrigen und unterdrücken damit Teile der eigenen Klasse – und vertiefen damit auch deren Spaltung. Daher müssen solche Formen der sexuellen Belästigung in den Betrieben, Gewerkschaften, in linken Organisationen und Parteien auch systematisch bekämpft werden, indem einerseits schon früh Bewusstsein geschaffen und Verhalten nicht nur kritisiert, sondern auch kollektiv verändert wird. Dazu braucht es auch das Recht von Frauen und LGBTIA-Personen auf gesonderte Treffen, um solche Formen zu bekämpfen.
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Hinsichtlich der Gesellschaft überhaupt müssen wir den Kampf für konkrete Verbesserungen so führen, dass er sich nachhaltig auf die Selbstorganisation der Unterdrückten und die Entwicklung des Bewusstseins und der Kampfkraft der gesamten Klasse auswirkt. Daher treten wir ein für:

<ul class="liste">
<li class="liste">Nachbarschaftskomitees, um Frauen aus der Isolierung zu holen! Für die Einrichtung und den Ausbau von Rehabilitationsprogrammen für (sexuelle) Gewalttäter!</li>
<li class="liste">Schluss mit dem Schweigen: Flächendeckende Anlaufstellen zur Meldung von sexueller Gewalt sowie sofortige, kostenlose psychologische Betreuung, wenn gewünscht! Kampf der Diskriminierung an Schule, Uni und im Betrieb! Für breite Aufklärungskampagnen für einvernehmliche sexuelle Praktiken und gegen Sexismus, organisiert von Gewerkschaften!</li>
<li class="liste">Statt Polizei fordern wir in Fällen verbaler sexueller Übergriffe Untersuchungskommissionen, bestehend aus Gewerkschaften und Betroffenenvertretungen!</li>
<li class="liste">Zum Schutz vor sexuellen Übergriffen können wir uns nicht auf die Polizei verlassen, sondern brauchen demokratisch organisierte Selbstverteidigungsstrukturen, organisiert durch Gewerkschaften.</li>
</ul>

Insgesamt müssen wir den Kampf in einen einbetten, der auch die reale soziale Ungleichheit angreift – für höheren Mindestlohn, gleichen Lohn für gleiche Arbeit und Vergesellschaftung der Hausarbeit.<p><em>Ronja Keller / Susanne Kühn</em><p><small>Zuerst erschienen in der Neuen Internationalen 295.</small>]]></description>
<pubDate>Mon, 22 Dec 2025 10:36:51 +0100</pubDate>
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<item>
<title><![CDATA[Feuer und Rauch: QAnon, Alt Right, Maga und AfD blasen zum Zapfenstreich]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/feuer-und-rauch-qanon-alt-right-maga-und-afd-blasen-zum-zapfenstreich-009435.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Dieser Tage träumte ich im Morgengrauen, im Grauen des Morgens, sah ein Bombengeschwader aus Nord bei Nordost. Ich sah die Flieger, viele.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Man_with_a_QAnon_flag_at_the_Proud_Boys_at_World_Wide_Rally_in_Raleigh_w.webp><p><small>Anhänger der QAnon-Bewegung in Washington.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Man_with_a_QAnon_flag_at_the_Proud_Boys_at_World_Wide_Rally_in_Raleigh.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Anthony Crider</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY 2.0 cropped)</a></small><p>Dann aber überholte mich ein zweiter Traum: Sie flogen zu auf Stuttgart im Morgengrauen, doch! Ich kannte das Flugzeug von früher schon in den Wolken über der Stadt, hab' es öfters gesehen. In dieser Nacht aber konnt' ich den Abwurf der Bomben in schneller Folge sehen, sah vom Sonnenberg aus unten im Zentrum der Stadt die Wolke - die Wolke aus Feuer und Rauch. Schreien wollt' ich, doch alles schlief. Heute weiss ich: Es sind meine Träume aus Dresden, 1945, 80 Jahre zu spät, die mich heimsuchen. In diesen Stunden kreisen sie über Gaza Stadt, über Israel, kreisen über Kiew, Kupjansk, kreisen über Caracas. Seht ihr sie nicht? Schreien will ich, doch alles schläft ja doch. Es ist ein Sonntag im Himmel.
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Über die Meere der Welt eilen unsere Parteien mutterseelenallein ihren Wählern voraus. Voller Angst entsorgen sie Menschenrechte jenseits der Alpen. Diesseits wird zum identitären Marsch fürs Leben gerufen. Alles, was Reichweite und Trump-Nähe hat, QAnon, Alt Right, Maga und AfD, bläst zum Zapfenstreich und vorlauten Gebeten. Wir singen unterdes' das Wiegenlied für die Demokratie. Wir füllen die Bäuche der riesigen Containerschiffe wieder und wieder. Es wird vergeblich gewarnt vor dem giftigen Plastikmüll der gefrässigen Massen.
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Schiff ahoi: Die sonderbar mageren Kinder auf den Müllkippen Malaysias warten auf Nachschub, betteln und basteln Mitbringsel für die Touristen aus Deutschland. „Das Land ist heilig“, hört' ich aus den Wäldern Amazoniens: Es gehört den unzähligen Toten, den wenigen Lebenden und den Vielen, die noch geboren werden. „Schaut nicht auf das, was euch trennt, schaut auf das, was euch verbindet. Seid Menschen“, sagt Margot Friedländer.
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Es ist spät geworden. Viele haben uns verlassen, andere sind gekommen aus Murmansk, jene mit dem Juden-stern aus Bethlehem, andere aus Butscha und Damaskus, wieder viele festgehalten im Namen Deutschlands in Kabul und Islamabad - in euren Namen. In den Lagern lernen sie das Grundgesetz auswendig: Sicher ist sich, sagt ihr Kopf.
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Ich weiss ja: Unser Marsch für das Leben muss in unserem Kopf beginnen.
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Pessimismus ist Zeitverschwendung und das Problem ist nicht, was unsere Feinde tun, sondern was unsere Freunde nicht tun. Es sind keine Flieger über der Stadt. Wenn Zeit bleibt, ruf ich zur Nachsicht mit den andere unter uns: Bleib ungeduldig, aber sei heiter und radikaler! Auch Menschen sollten artgerecht leben dürfen. Nutz' deine Stunde. Ich helfe dir. Dann steh auf und küss' die Nacht. Widersteh den Klagen.<p><em>Peter Grohmann</em><p>]]></description>
<pubDate>Mon, 22 Dec 2025 08:39:26 +0100</pubDate>
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</item>

<item>
<title><![CDATA[Das Eigentum: Eine Bemerkung nicht nur zur Weihnachtsgans]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/das-eigentum-eine-bemerkung-nicht-nur-zur-weihnachtsgans-009433.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Das Eigentum ist eine ziemlich triviale Sache: Alle Dinge, die es gibt, sind Eigentum von irgendwem. Zumindest die Gebrauchsgüter.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Weihnachtsgans_w.webp><p><small>Weihnachtsgans.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Weihnachtsgans....IMG_0176%D0%9E%D0%92.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kora27</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 4.0 cropped)</a></small><p>An solchen Gütern im weitesten Sinne gibt es keinen nennenswerten Mangel, heutzutage kann man alles herstellen, was Menschen so brauchen. Ebenso lapidar ist die Tatsache, dass die Existenz aller möglichen Gebrauchsgüter noch lange nicht bedeutet, dass die, die sie brauchen, auch drankommen. Parallel zum Überfluss in der einen Weltecke grassiert der Mangel in der anderen. Und das nicht nur international: In unseren Breiten sind Mangel für die einen und Überfluss für die anderen ebenso gewöhnlich. Siehe alljährlicher Armutsbericht.

<h3>Das Eigentum …</h3>

…	hat eben zwei Seiten: Was dem einen gehört, ist der anderen nicht zugänglich. Eigentum bedeutet zugleich den Ausschluss von selbigem. Und darunter fällt der grösste Teil der Werte-Gesellschaft. Es ist die ausschliessliche und damit ausschliessende Verfügung über Gebrauchsgüter, ein staatlich garantierter Rechtstitel. Wer die Weihnachtsgans verspeisen will, muss sie kaufen und mit Geld bezahlen, das er verdient haben muss. Verdienen tun das Hans und Franz(iska) durch Arbeit. Wie die Mehrheit.
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Und jetzt kommt der Clou: H+F suchen und finden hoffentlich einen, der mittels ihrer Arbeit die schönen Güter für sich herstellen lässt, um diese dann mit Gewinn zu verkaufen. An wen? H+F sind in ihrer vornehmen Rolle als „Arbeitnehmer“ genötigt, in einen Prozess der „Beschäftigung“ einzuwilligen, den sie weder selbst bestimmen, noch dessen Ergebnis ihnen gehört. Der „Geber“ zahlt ihnen einen für sich rentierlichen Lohn für ein Produkt, das ihm gehört und das H+F dann zurückkaufen dürfen.
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Das Eigentum ist ein Grundpfeiler „unserer Wirtschaft“. Es scheidet zwei Klassen von Eigentümern: Die einen verfügen über die Mittel zur Produktion, die anderen über ihr Arbeitsvermögen. Die einen veranstalten einen für sie lukrativen Prozess, die anderen dürfen sich dafür nützlich machen, um einen kleinen Teil davon als Lohn zu bekommen und … die von ihnen hergestellten schönen Sachen dann von den anderen (zurück)kaufen zu dürfen.

<h3>Was bedeutet das?</h3>

Mit Eigentum geht's übrigens gar nicht anders: Besässen alle ein Stückchen, wäre Eigentum überflüssig. Witzig wird Eigentum durch sein Gegenstück, das Nicht-Eigentum, könnte man „Bedürftigkeit“ nennen. Betrifft den Grossteil unserer Werte-Gemeinschaft.
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Ohne Eigentum wäre ein Verfahren, die Dinge des Lebens herzustellen, gar nicht so schwierig: Diejenigen, die es sowieso täglich tun, sollten überlegen, ob ihnen der Umweg über die anderen, die sie damit „beschäftigen“, wirklich guttut. Die anderen könnten wahlweise in ihr Wochenendhaus auf die Bahamas umziehen … oder einfach mitmachen, schlecht würde es ihnen nicht unbedingt gehen.
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Womöglich hätte dann sogar die Plackerei ein Ende, gewinnträchtig zu produzieren geht nicht ohne.
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Und ohne stabile Gewalt ist ein solch merkwürdiges Verfahren zur Herstellung dessen, was Menschen so brauchen, im übrigen auch nicht denkbar.
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Dies sind nur ein paar knappe und vielleicht unvollständige Bemerkungen zum Thema. Dazu wäre sehr viel mehr zu fragen und zu sagen. Auf geht's! Vielleicht nach der Weihnachtsgans…?<p><em>jorgo</em><p>]]></description>
<pubDate>Thu, 18 Dec 2025 12:51:52 +0100</pubDate>
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</item>

<item>
<title><![CDATA[Lüneburg: Bäume im Lüner Holz besetzt - Keine schöne Bescherung für die Autobahn GmbH]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/oekologie/lueneburg-baeume-im-luener-holz-besetzt-keine-schoene-bescherung-fuer-die-autobahn-gmbh-009439.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Seit Samstag, dem 13.12.2025, sind einige Bäume im Norden Lüneburgs besetzt, um deren Rodung zu verhindern. Das Waldstück „Lüner Holz“ soll zerstört werden, um die Bundesstrasse B4 zum ersten Abschnitt der geplanten A39 auszubauen.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/4_20251216-lueniBleibt-Baumbesezung_w.webp><p><small>Besetzung „Lüni bleibt“ im Waldstück „Lüner Holz“.  Foto: zVg</small><p>Die Besetzung „Lüni bleibt“ richtet sich gegen diesen Autobahnneubau und besteht aus mehreren Baumhäusern und Plattformen.
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Der Bauabschnitt ist Teil des geplanten Autobahnneubaus zwischen Lüneburg und Wolfsburg. Die 100 km Autobahnneubau bedeuten 100 km Zerstörung. Von Anfang an wurden die Planungen daher von bunten Protesten begleitet. Zurzeit wird vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Klage des Umweltverbandes BUND Niedersachsen gegen den Bauabschnitt verhandelt. Mit der Rodung des Lüner Holz will die Autobahn GmbH jetzt Fakten schaffen, um den Weg für weitere Baumassnahmen zu ebnen und die Diskussionen über die Zukunft der A39 abzuwürgen. Die B4 wurde Anfang Dezember bereits in A39 umbenannt.
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„Ein Autobahnneubau zwischen Lüneburg und Wolfsburg ist auf allen Ebenen eine Katastrophe. Neue Autobahnen führen immer zu mehr Verkehr und dadurch zu mehr klimaschädlichen Emissionen. Schon heute sind die Auswirkungen des Klimawandels weltweit verherrend. Durch den Bau neuer Autobahnen wird die Klimakrise weiter befeuert.“ Auch lokal bedeutet der Bau der A39 Zerstörung von Natur und Umwelt. Die A39 soll wertvolle Schutzgebiete zerschneiden. Durch die Versiegelung von Naturflächen werden Lebensräume vernichtet und es kommt zu einem Biodiversitätsverlust.
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Hinzu kommt: In Niedersachsen liegt Lüneburg bereits ganz vorn – was die Stickoxid-Belastung durch den Verkehr betrifft (!), wie Messungen der DUH jüngst ergeben haben. Anders als häufig behauptet bringt die A39 zudem für den Grossteil der Bevölkerung keinen nennenswerten Mehrwert. Die immensen Kosten, die in den Neubau gesteckt werden, werden stattdessen an anderen Stellen dringend gebraucht, wie zum Beispiel die Reaktivierung von Bahnstrecken und den Ausbau des ÖPNVs.
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„Der Neubau der A39 und die Rodung des Lüner Holzes ist umwelt- und klimapolitisch nicht vertretbar. Nachdem alle anderen Formen des Protesten nicht zu dem notwendigen Umdenken geführt haben, wollen wir nun die bedrohten Bäume aktiv beschützen. Statt einer Autobahn für Wenige wollen wir Mobilität für alle!“
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Die Besetzung „Lüni bleibt!“ versteht sich als autonome Klimagruppe. Sie hat den Anspruch antiableistisch, queerfeministisch und anarchistisch zu sein. „Da, wo der fossile Kapitalismus wütet, entsteht mit der Besetzung eine solidarische und antifaschistische Utopie. 100 km neue Autobahn bedeuten auch 100 km Widerstand gegen fossile Verkehrsinfrastruktur!“
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Statt noch mehr Zerstörung durch neue Autobahnen braucht es endlich eine Mobilitätswende für alle – ökologisch, sozialgerecht und barrierefrei!<p><em>Aktionsgruppe Flederhörnchen</em><p>]]></description>
<pubDate>Thu, 18 Dec 2025 08:33:51 +0100</pubDate>
<guid>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/oekologie/lueneburg-baeume-im-luener-holz-besetzt-keine-schoene-bescherung-fuer-die-autobahn-gmbh-009439.html</guid>
</item>

<item>
<title><![CDATA[Leben in einer vergifteten Welt: Das Zurechtkommen als Stress]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/leben-in-einer-vergifteten-welt-das-zurechtkommen-als-stress-009432.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Damit ist nicht angesprochen, was der Bürger so alles trinkt oder isst, sondern was er sich von Politik und Medien alles bieten lässt.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Fastfood-Verpackung-ex-und-hop_w.webp><p><small>Fastfood Verpackung unsachgemäß entsorgt.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fastfood-Verpackung-ex-und-hop.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Netzschrauber</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 4.0 cropped)</a></small><p>Die Meldungen sind allgegenwärtig, wie das sauer verdiente Geld ständig weniger wert wird durch Inflation und steigende Mieten. Dennoch meint der Kanzler, der Bürger müsse <a href="https://www.tagesschau.de/kultur/debatte-leistungsappelle-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">mehr arbeiten</a> und seine Arbeitsministerin ist dabei, die Begrenzung bei der <a href="https://www.suedeutsche.de/politik/acht-stunden-tag-woechentiliche-arbeitszeit-bundesregierung-li.3260719" target="_blank" rel="noreferrer noopener">täglichen Arbeitszeit</a> aufzuheben.
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Obgleich das Geld weniger wert wird, werden Lohn und Gehalt als Selbstbedienungsladen gehandhabt: Die Steuerbelastung steigt mit der Inflation der Löhne, die Sozialabgaben werden erhöht bei sinkenden Leistungen und es ist auch immer wieder in der Diskussion, dass länger gearbeitet werden soll bis zum Erreichen der Rente.Alles das ist offenbar kein Grund zur Aufregung und zum Protest. Vielmehr wird eher nachgefragt, was auf einen zukommt, und  so signalisiert, dass man bereit ist, sich auf alles einzustellen. Doch dieses Arrangement ist auch mit Kosten verbunden, es geht auf Kosten der Gesundheit, die landläufig als das höchste Gut bezeichnet wird.

<h3>Das Zurechtkommen als Stress</h3>

Dass die Anstrengungen mit allen Mühen des Alltags zurechtzukommen,  die Gesundheit ruinieren, ist kein Geheimnis, sondern abzulesen an den Gesundheits- bzw. Krankheitsstatistiken. Es führen bei den Krankheits- wie Todeszahlen die sogenannten nicht übertragbaren Krankheiten, also Krankheiten, die nicht durch Viren oder Bakterien verursacht werden: „NCDs (nicht übertragbare Krankheiten) verursachen weltweit 70 Prozent aller Todesfälle, in Deutschland sogar über 90 Prozent. Die Ursachen sind komplex – oft hängen sie mit individuellem Verhalten, Lebensbedingungen und globalen Faktoren zusammen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronische Atemwegserkrankungen und Diabetes stehen im Vordergrund, eine wichtige Rolle spielen aber auch psychische Störungen und Suchterkrankungen.“
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Sie werden auch Zivilisationskrankheiten genannt, was kein gutes Licht auf diese Sorte Zivilisation wirft, die krank macht. Spitzenreiter sind da in der Tabelle die Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Deren Ursache ist kein Geheimnis: Wenn der Mensch sich anstrengt – ob körperlich oder geistig – dann steigt der Puls und der Blutdruck, ein normaler körperlicher Anpassungsprozess. Wird der Mensch ständig beansprucht, dann hat er ständig hohen Blutdruck, was auf Dauer die Gefässe ruiniert. Dort lagern sich dann Blutfette an und verstopfen die Blutversorgung von Organen wie die des Herzens – Herzinfarkt – oder des Gehirns – Schlaganfall. Dass die Herz-Kreislauferkrankungen die Volkskrankheit Nr. 1 darstellt, zeigt, dass viele Menschen den Belastungen des Alltags mit Arbeit, Familie, Haushalt nicht gewachsen sind und sich mit dem Zurechtkommen mit diese Anforderungen gesundheitlich ruinieren.
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All diese Anforderungen verbergen sich hinter dem Stichwort Stress, das den Zustand des körperlichen wie psychischen Angespanntseins kennzeichnet. Und an dem mangelt es nicht. Es gibt den Arbeitsstress, den Freizeitstress, den Stress durch Familien- und Haushaltspflichten. Schliesslich muss immer mehr gearbeitet werden, um eine Familie durchzubringen. Deshalb braucht es Kita-Plätze und schulische Ganztagsbetreuung, weil die Familienzeit schrumpft und Profis sich um den Nachwuchs kümmern müssen.
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Das Angebot in den Supermärkten für Fertiggerichte signalisiert, dass kaum Zeit ist, um zu kochen, da muss es schnell gehen. Man kann ja beim Essen den Fernsehköchen zusehen. Die Hektik morgens vor den Schulen bei der Anlieferung der Schüler durch die Mutti-Taxis spricht eine eigene Sprache. Schliesslich dauert ja auch ein normaler Arbeitstag nicht acht Stunden, sondern auch bei einer tariflichen Arbeitszeit von 35 oder 39 Stunden liefern viele eine Vielzahl von bezahlten und unbezahlten Überstunden ab. Hinzu kommt die Zeit der oft nicht eingehaltenen Pausen, die Wegezeiten vielfach im Stau, so dass die private Zeit für so entspannende Tätigkeiten wie Einkauf, Putzen etc. knapp ist.
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All das manifestiert sich dann in den Herz-Kreislauferkrankungen, die die Medizin nicht heilen, sondern nur begleiten kann. Dann schlucken die Betroffenen Blutdrucksenker und Betablocker gegen den Bluthochdruck, Statine, damit die Blutfette nicht die geschädigten Gefässe verstopfen und Blutverflüssiger, damit auch bei verengten Gefässen die Organe noch versorgt werden. Auch so lässt sich leben und sich mit den Verhältnissen arrangieren.

<h3>Leben in einer vergifteten Welt</h3>

Doch nicht nur Medikamente schlucken die Bürger, sondern auch viele andere Gifte durch die Luft oder die Nahrung. So <a href="https://www.t-online.de/leben/testberichte/id_77080536/glyphosat-im-bier-diese-deutschen-biersorten-sind-belastet.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> finden sich nicht nur im Bier Glyphosat</a>  sondern <a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/neue-uba-untersuchung-zu-glyphosat" target="_blank" rel="noreferrer noopener">auch im Urin</a> und <a href="https://www.mdr.de/wissen/medizin-gesundheit/glyphosat-auswirkung-langfristig-schaeden-gehirn-gesundheit-alzheimer-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">im Blut</a>. In der Leber und im Fettgewebe reichern sich Dioxine an.
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Die „Ewigkeitschemikalie“ PFAS –Per-und polyfluorierte Alkylverbindungen – sind in vielen Formen in Produkten wie Kleidung, Pfannen aber auch in der Luft oder im Boden zu finden und gelangen so in die Nahrungskette und ins Blut. Sie <a href="https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2025-10/chemikalien-pfas-verbot-umweltschutz" target="_blank" rel="noreferrer noopener">wirken sich auf den Hormonhaushalt</a> und die Körperfette aus und gelten als krebserregend. Das Blut enthält nicht nur einen ganzen Cocktail an Chemikalien sondern <a href="https://www.arte.tv/de/videos/117242-006-A/re-das-plastikmeer-von-almeria/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">auch Nanoplastik</a>, dass sich in den Organen und im Gehirn ablagert.
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Das sind nur einige wenige der Stoffe die bis in die Zellkerne eindringen können und dort die DNA angreifen, so dass diese mutiert und bösartige Gewebeneubildungen entstehen: Krebs, die zweithäufigste Erkrankung und Todesursache: „Sicher ist jedoch, dass eine zunehmende Anhäufung von Schäden des Erbguts gesunder Zellen ein ungebremstes Zellwachstum auslösen kann." Doch nicht nur Gifte greifen die Zellkerne an, sondern auch Strahlungen. Auch wenn die Atomkraftwerke abgeschaltet sind, strahlt der Müll weiter und bislang ist die Entsorgung ungeklärt.
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Die Hälfte der Bevölkerung wird im Laufe ihres Lebens von Krebs befallen.  Schliesslich gibt es nicht nur die oben angeführten Stoffe, die den Körper belasten, sondern eine Vielzahl mehr. Von ca. 150 Millionen bekannten Chemikalien und chemischen Verbindungen sind nur wenige auf die Wirkung auf den menschlichen Körper untersucht. Untersuchungen, die meist erst stattfinden, wenn Krankheiten oder Todesfälle in grösserem Umfang bekannt werden. Die EU verlangt erst seit einigen Jahren, dass bei Neueinführung einer chemischen Verbindung auf den Markt, diese von den Herstellern auf die Wirkung auf den menschlichen Körper untersucht werden: „Das REACH-System (EU-Chemikalienverordnung) basiert auf dem Grundsatz der Eigenverantwortung der Industrie.“
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Sie hat damit den Bock zum Gärtner gemacht. Mit Grenzwerten für Stoffe, deren Schädlichkeit bekannt ist, soll der Schaden in der Bevölkerung begrenzt werden, schliesslich wird die in ihren verschiedenen Funktionen als Arbeitskraft, Polizist, Lehrer oder Unternehmer noch gebraucht. Wie der Name schon sagt, begrenzen Grenzwerte den Schaden, schliessen diesen jedoch nicht aus. Bei der Bestimmung der Grenzwerte orientieren sich Gesundheitspolitiker weitgehend den Grenzen für eine akute Vergiftung.
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Viele Gifte wie Dioxin oder Pfas lagern sich aber im Körper an und entwickeln so ihre Wirkung im Laufe des Lebens, weswegen Krebs auch als Alterserkrankung gilt, obgleich Krebs auch viele junge Menschen bis hin zu Kindern trifft. Hinzu kommt, dass die Gifte einzeln auf ihre Wirkung im menschlichen Körper untersucht werden, die Menschen sind aber immer einem ganzen Cocktail von Giften ausgesetzt. Zu den Giften, die über die Nahrung aufgenommen werden, kommen noch viele Schadstoffe aus der Kleidung, Raumtextilien, Farben etc.
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Schliesslich orientiert sich die kapitalistische Produktion nicht einfach an dem Gebrauchswert eines Gutes, sondern seine wahre Qualität besteht darin, einen Gewinn damit zu erzielen. Um dem eigenen Produkt eine besondere Qualität zu verleihen, wird viel technischer und chemischer Aufwand betrieben, damit er sich von anderen Produkten unterscheidet und möglichst auf eine zahlungskräftige Kundschaft zielt. Die ist aber begrenzt, daher findet eben auch die Konkurrenz um die Kundschaft über den Preis statt. Für die Massen müssen daher Produkte hergestellt werden, die wenig kosten. Auch da kann Technik und Chemie viel beitragen, damit die Produkte auch dann noch gut aussehen, wenn sie minderer Qualität sind. Mittels Chemie kann die Produktion vielfach vereinfacht und die Produkte haltbarer gemacht werden. Für die im Produktionsprozess anfallenden Gifte gibt es in vielen Fällen die kostengünstige Entsorgung über die Luft, in den Boden oder ins Wasser der Flüsse.
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„Dioxine entweichen aus Anlagen der Metallindustrie, aus Müllverbrennungsanlagen und privaten Kaminen in die Luft.“ (https.//de.wikipedia.org/wiki/Polychlorierte-Dibenzodioxine-und-Dibenzofurane ) Auch wenn viele Hochöfen inzwischen stillgelegt und in Müllverbrennungsanlagen bessere Filter eingebaut wurden, ist die Umwelt umfassend vergiftet und wird auch weiter vergiftet. Die Resultate finden sich daher im menschlichen Körper wieder. Gemessen wird dort nur das, was man sucht. Nach vielen Schadstoffen wird aber gar nicht gesucht. Schliesslich lässt sich das Resultat auch anders erfassen. Dafür gibt es das Robert-Koch Institut (RKI), das die Erkrankungen und Todesfälle in der Bevölkerung statistisch erfasst und die Politik über den Stand der Gesundheitsschädigungen der Bevölkerung am Laufenden hält. So geht eben die Sorge um die Gesundheit der Untertanen.

<h3>Geistige Vergiftung</h3>

Für die umfassende Ruinierung der Gesundheit, gibt es eine seltsame Erklärung, <a href="https://hanoversche.de/volkskrankheiten-deutschland#:%20~:text=Herz-Kreislauf-Erkrankungen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">die der Bürger erst einmal schlucken muss</a>: „Einige der wichtigsten Risikofaktoren und Hauptursachen für das Entstehen von Volkskrankheiten sind: Ungesunde Ernährung….Bewegungsmangel…Rauchen und Alkoholkonsum…Stress.“ Augenfällig ist zunächst, dass es die gleichen Mittel gegen ganz unterschiedliche Krankheiten geben soll. Verwiesen wird auf Risikofaktoren wie Ursachen, was einen grossen Unterschied macht.
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Während Ursachen auf biochemische oder physikalische Gründe verweisen, wie z.B. die Wirkung von Giften auf den Zellkern, sind Risikofaktoren statistisch ermittelt und können auf sinnvolle Zusammenhänge hinweisen wie unsinnige Zusammenhänge suggerieren. So ist zum Beispiel Stress ein Zustand der Anspannung  und kein Grund. Die Gründe für den Stress liegen in der Überbeanspruchung durch die Arbeit, dem Zeitmangel der auch das private Leben belastet und Erholung kaum zulässt. Verzicht auch Alkohol und Rauchen kann Krebs durch Nanoplastik nicht verhindern. Zudem stellt sich die Frage, warum die Menschen, die keine Berge besteigen oder Marathon laufen wollen, ständig sich bewegen und trainieren sollen.
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Offenbar verlangt der kapitalistische Alltag einen trainierten Körper, um die ständige Überlastung halbwegs zu ertragen. Zudem ist es schwierig gesunde von ungesunder Ernährung zu unterscheiden. Picken doch auch Bio-Hühner Dioxine auf und findet sich der Stoff in den Eiern. Glyphosat bleibt auch nicht nur dort, wo es gespritzt wird, sondern weht auch auf andere Felder. Deshalb wehren sich Bio-Bauern gegen strengere Grenzwerte bei ihren Produkten, denn auch sie können der umfassenden Vergiftung der Umwelt nicht entgegenwirken. Deshalb wird zwischen vermeidbaren und nicht vermeidbaren Risikofaktoren unterschieden und damit die Ursache den Betroffenen zugeschoben. Deren Rauchen, Alkoholgenuss, Essen und Trägheit ist vermeidbarer Grund für all die Volkskrankheiten, während die umfassenden Schädigungen durch Industrie und Handel unvermeidbar sind, weil für den Geschäftserfolg der Nation notwendig. Und an dem will ja keiner rütteln, also muss man das ganze schlucken.<p><em>Suitbert Cechura</em><p>]]></description>
<pubDate>Tue, 16 Dec 2025 09:46:44 +0100</pubDate>
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<title><![CDATA[Die Haderlumpen von heute kommen mit Panzerkreuzern und Flugzeugträgern]]></title>
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<description><![CDATA[<strong>„Lumpen, Eisen, Knochen und Papier - ausgeschlagne Zähne sammeln wir“: Was ham' wa das gerne gesungen, wenn die Lumpensammler kamen!</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Lumpensammler_-_LABW_-_Staatsarchiv_Freiburg_w.webp><p><small>Lumpensammler in Brüssel, 18. Juni 1955.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Br%C3%BCssel-_Lumpensammler_-_LABW_-_Staatsarchiv_Freiburg_W_134_Nr._040185.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg W 134 Nr. 040185 - Fotograf: Willy Pragher</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY 4.0 cropped)</a></small><p>Die Lumpensammler meiner Jugend hatten natürlich ihren Bezirke ganz genau abgesteckt – und wehe, die Konkurrenz sammelte dort. Dann gab's was auf die Fresse. Wer Glück hatte, konnte aus sicherer Entfernung zugucken, es gab ja kein Fernsehen, allenfalls Volksempfänger und Gerüchteküchen. Zoff unter Haderlumpen: Und am Ende wurden alle von der Polizei verprügelt. Schön ist die Jugendzeit, sie kommt nicht mehr …
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Die Haderlumpen von heute kommen mit Panzerkreuzern und Flugzeugträgern und sichern sich strategische Punkte, Panamahüte und Suezkanäle, mal in der Karibik, mal im Pazifik. Der Volksempfänger von heute ist das Internet, das sich die die Völker kulturell angeeignet haben, statt auf ihre seltenen Erden aufzupassen. Immerhin gibt es dieses Jahr schon vor Christi Geburt infantile Wunder – nach dem Friedenspreis fürs Schiffeversenken jetzt die neue National Security Strategy.
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„Als ob ich's geahnt hätt'!“, ruft meine Omi Glimbzsch aus Zittau. Sogar Frau von der Laien und Friedrich der Grosse tun überrascht. Dabei hatte der Präsident überm grossen Wasser ja bereits Anno Dunnemal, bei seinen ersten Auftritten, die Zerstörung der Demokratie angekündigt – manifestiert im 2025 Presidential Transition Project.
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Es gibt sogar gute Übersetzungen ins reine Deutsch.
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Und jetzt? 500 Millionen Dollar für rechte Parteien, neue Landung in der Normandie, wenn man die AfD weiterhin schlecht macht, Aufhebung der Waffenverbote, mehr Geschlechtsverkehr auf allen Ebenen (wg. Geburtenraten), Anti-Personen-Minen an den Innen- und Aussengrenzen und in der Luft. Die Waffen müssen aber in der Staaten gekauft werden, sonst knallt's) - und ein Verbot von Karl May, SPD, Grünen und anderen Kommunisten und Veganern.
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Alles bis Weihnachten. Roger?<p><em>Peter Grohmann</em><p>]]></description>
<pubDate>Fri, 12 Dec 2025 10:49:14 +0100</pubDate>
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<title><![CDATA[Breites Bündnis fordert sofortigen Stopp der A39 – „Unwirtschaftlich, umweltschädlich und klimapolitisch nicht verantwortbar“]]></title>
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<description><![CDATA[<strong>Das Verkehrswende-Bündnis Lüneburg sowie namhafte regionale Erstunterzeichner fordern mit einer jetzt gestarteten Petition den sofortigen Stopp der Planungen und des Neubaus der Autobahn A39 zwischen Lüneburg und Wolfsburg.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/breites-buendnis-fordert-sofortigen-stopp-der-a39_w.webp><p><small>Fotomontage Stadtautobahn A39.  Foto: zVg</small><p>Das Bündnis warnt vor gravierenden wirtschaftlichen, ökologischen und klimaschädlichen Folgen des Autobahnneubaus und ruft Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich mit ihrer Unterschrift gegen das milliardenschwere Projekt auszusprechen. Als Erstunterzeichner unterstützen die Petition unter anderem: Apl. Prof. Dr. Peter Pez (Verkehrsgeograph aus Lüneburg), Martin Blankenburg (kath. Diakon der Pfarrgemeinde St. Marien) und Matthias Skorning (Leiter Ev. Familien-Bildungsstätte in Lüneburg).

<h3>Ein Projekt ohne erkennbaren Nutzen – mit erheblichen Nachteilen</h3>

Der geplante Autobahnneubau sei weder wirtschaftlich sinnvoll noch verkehrlich notwendig und gefährde einzigartige Natur- und Kulturlandschaften. „Die A39 ist ein Musterbeispiel dafür, wie Politik an Klimarealitäten und regionalen Bedürfnissen vorbei geplant wird“, betont das Bündnis.
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Für die Stadt Lüneburg berge das Projekt erhebliche Nachteile: Durch den Ausbau der Ostumgehung zur Autobahn würde zusätzlicher überregionaler Verkehr durch das Stadtgebiet geleitet – mit steigender Lärm-, Abgas- und Feinstaubbelastung für tausende Anwohnende. „Vier zusätzliche Spuren, eine Verbreiterung auf rund 33 Meter sowie grossflächig ausgebaute Auf- und Abfahrten würden zu weiterer Flächenversiegelung führen. Zudem müssten wertvolle Waldflächen wie das Lüner Holz und der Neue Forst grossflächig gerodet werden“, kritisieren die Initiatorinnen und Initiatoren.
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Hinzu kommt: Die geplante Stadtautobahn drohe ohne Anschluss zu bleiben, da nachfolgende Bauabschnitte weder planerisch genehmigt noch finanziell abgesichert seien. Angesichts der bundesweit rund 4.700 sanierungsbedürftigen Autobahnbrücken würden bestehende Mittel dringend für Erhalt und Modernisierung der bestehenden Infrastruktur benötigt.

<h3>Klimaschutzziele in Gefahr – nachhaltige Alternativen vorhanden</h3>

Deutschland verfehle seine Klimaziele im Verkehrssektor bereits deutlich. Der Bau neuer Autobahnen verschärfe diese Entwicklung weiter. Auch widerspreche der hohe Flächenverbrauch neuer Verkehrsprojekte der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung und dem „Niedersächsischen Weg“ der Landesregierung, die eine drastische Reduktion der Neuversiegelung vorsehen.
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Das Bündnis betrachtet den Bau einer dritten Nord-Süd-Verbindung zwischen der vorhandenen Autobahn A7 und der im Bau befindlichen A14 als überflüssig. Ein Ausbau der Bundesstrasse B4 mit Ortsumgehungen sei ausreichend und deutlich günstiger und umweltverträglicher. Auch die Reaktivierung der Bahnstrecke Lüneburg–Wolfsburg stelle eine sinnvolle und klimafreundliche Alternative dar. Dass der Neubau weiterer Autobahnen im bereits sehr dichten Autobahnnetz die wirtschaftliche Entwicklung vor Ort fördere, sei spätestens seit den 1980er Jahren nicht mehr belegbar.

<h3>Bündnis ruft zur Unterstützung auf</h3>

„Die A39 ist ein überholtes Projekt aus dem letzten Jahrhundert. Wenn wir Klimaschutz ernst nehmen und unsere Naturräume bewahren wollen, müssen wir uns jetzt gegen diesen unnötigen und unverantwortlichen Autobahnbau einsetzen“, erklärt das Verkehrswende-Bündnis.
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Die Petition kann ab sofort <a href="https://www.openpetition.de/petition/online/keine-stadtautobahn-durch-lueneburg-a39-stoppen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">online unterzeichnet werden</a>.<p><em></em><p>]]></description>
<pubDate>Thu, 11 Dec 2025 08:10:01 +0100</pubDate>
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<item>
<title><![CDATA[Weiss Gott: Realos und Spontis stehen sich schwerbewaffnet gegenüber]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/weiss-gott-realos-und-spontis-stehen-sich-schwerbewaffnet-gegenueber-009414.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Weiss Gott, wir leben in schwierigen Zeiten. Als Individuen, als Familien, als Gruppe von Hoffnungslosen und Hoffnungsträgern. Geht's uns gut? Geht's uns schlecht?</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/25142364820_fb883bdde1_w.webp><p><small>  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://www.flickr.com/photos/skohlmann/25142364820/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sascha Kohlmann</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 2.0 cropped)</a></small><p>Was müssen wir tun, damit es  uns (noch?) besser geht? Mehr Israel oder mehr Gaza oder weniger beides? Mehr zu Rheinmetall, Rente, Reibach, zu Kriegen, Krisen, Konsum, mehr Kapitalismuskritik, mehr zu Rückwärts mit der Demokratie und weniger zu Ruck nach rechts? Weiss Gott. Ich nicht.
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Aber ich weiss: Die progressive Kultur steht mehr als je im Visier der Scheitelträger – also sollten, ja müssen unsere Standpauken für Demokratie und Menschenrechte lauter werden! Kein Advents-Gedudel. OK, in diesen Zeiten ist viel von Hoffnungen die Rede, die erfüllt, enttäuscht, zerstört wurden – von berechtigten und falschen, verlorenen und gefundenen.
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Realos und Spontis stehen sich schwerbewaffnet gegenüber, doch beide und ich werden nicht leugnen: Die verbreitetsten Botschaften dieser Tage künden von Klimakatastrophen (nenn' mich nie mehr Krise, ich heiss Katastrophe, Alder!), von Untergängen des Abendlands, diesmal endgültig, von Hungerleidern und Unterdrückern allerorts, von drohendem Faschismus und Krieg.
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Wir sind dann aber komischerweise oft sehr verwundert, wie wenige Leute uns zuhören mögen - selbst wenn du sie am Kittel packst und schüttelst wie mich meine Omi Glimbzsch, wenn ich bei Fliegeralarm lieber in den Himmel guckte (Stuka!), statt im Bunker auf den Frieden zu warten.
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Also besser lügen als die anderen? Augen zu und durch? Der Stellvertreter Gottes hat auf seinen Reisen zu den hörenden Völkern neben der frohen Botschaft, dass im Jenseits alles besser wird, immer auch eine Menge Protest im Gepäck gegen Krieg und ungezügelten Kapitalismus und wie das alles so zusammenhängt - und dass Beten deutlich zu wenig ist. Seh' ich ähnlich. Danke, Robert.
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Na klar: Wir brauchen Orte zum Träumen und Orte zum Handeln, sag' ich mir. Dieser Ort kann dein Haus sein, deine Strasse, deine Stadt, dein Land - und wenn du willst: Die Welt. Dieser Ort kann in der Ferne liegen, in einer Schulklasse, in einem neuen Wohnprojekt. Die Reise zu den Orten ist eine Reise uns Ungewisse. Aber sie ist spannend, mach sie, weil es es gilt, unterwegs zu sein. Und warum nicht mit Dir, mit Ihnen!?<p><em></em><p>]]></description>
<pubDate>Wed, 10 Dec 2025 08:09:33 +0100</pubDate>
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<item>
<title><![CDATA[Lobbyismus: Ich glaub' mich tritt ein Pferd]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/lobbyismus-ich-glaub-mich-tritt-ein-pferd-009407.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Endlich mal einen Minister verführen? 80 000. Oder nur ein Tête-à-tête mit einer Staatssekretärin im Verteidigungsfall für 50 000? Oder doch alles nur ein grosses Missverständnis zwischen Recht und Links?</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/DVAG-Zentrale_01_w.webp><p><small>Zentrale der Deutschen Vermögensberatung in Frankfurt am Main.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:DVAG-Zentrale_01_(fcm).jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Frank C. Müller</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 4.0 cropped)</a></small><p>„Dass so einer nicht freiwillig zurücktritt, gehört zum System“, weiss meine Omi Glimbzsch aus Zittau. Sie hat das Grossdeutsche Reich, die Weimarer Republik, Stalin, die Stasi und Doping im Profisport überlebt und kennt die Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Medien mit Vornamen, alle, die sich beim Ludwig-Erhard-Gipfel verbandeln.
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Die alte Glimbzsch wehrt sich bisher erfolgreich gegen die „Meinungsführer Deutschlands, die zu brennenden Themen unserer Zeit interessante Denkansätze und neue Lösungswege“ meistbietend verkaufen: Sie hat genug.
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Wenn die halbwegs seriöse ZEIT unwidersprochen behauptet, dass zahlungsstarke Unternehmen bei Söders Ludwig-Erhard-Gipfel für 80.000 Euro exklusive Gespräche mit Regierungsmitgliedern kaufen können, liest sich das wie ein Märchen aus der Weimerer Republik.
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Auf der Müllhalde die Trennung von Amt und wirtschaftlicher Betätigung, nix da mit Transparenz bei politischer Einflussnahme, keine Chance für gleichen Zugang „zur Politik“, Null Anstand in Sachen Lobbyismus: Ich glaub' mich tritt ein Pferd.
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Erinnern Sie sich noch an den Strippenzieher und Masken-Dealer Jens Spahn? Oder dass 2022 Abgeordnete von SPD, CDU und FDP auf Kosten Steuerzahlerkosten zum israelischen Rüstungskonzern IAI reisten? Bissel später bewilligten sie im Bundestag einen Millionenauftrag an genau dieses Unternehmen. Stört's wen?
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Eine Rheinmetall-Tochter bot Abgeordneten Wahlkampfspenden an, während die über Aufträge für das Unternehmen entschieden. „Wir stellten Strafanzeige wegen Korruption – doch die Staatsanwaltschaft wertet die Spenden als übliche 'Klimapflege', schreibt uns <a href="https://www.abgeordnetenwatch.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">abgeordnetenwatch</a>.
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Meinungsführerschaft meint ja nur: Welche Meinungen erhalten auch bei kommenden Wahlen solide Mehrheiten, in denen sich der Wille der Geldgeber widerspiegelt? Also doch: Weimerer Republik.
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Und gerade eben kommt eine neue Meldung rein: Die CDU hat eben eine weitere Grossspende erhalten: 500 000 EU. Der freundliche Spender ist Stephan Schambach – 2023 sind Wahlen in Baden-Württemberg, da heisst es vorzusorgen.
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Doch es bleibt dabei: Grösster Einzelspender der CDU ist die Deutsche Vermögensberatung. Die steht seit Jahrzehnten in scharfer Kritik bezüglich ihrer Geschäftspraktiken. Schad' aber nix. Sie gewinnen immer. Darauf einen CumEx!<p><em>Peter Grohmann</em><p>]]></description>
<pubDate>Thu, 04 Dec 2025 16:08:36 +0100</pubDate>
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</item>

<item>
<title><![CDATA[Der Iwan kommt: Kriegstüchtig – ein Weckruf an uns alle]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/der-iwan-kommt-kriegstuechtig-ein-weckruf-an-uns-alle-009401.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Vor'n paar Jahren hätt' ich noch gezweifelt, aber jetzt bin ich mir sicher: Der Ivan kommt! Ob er heute kommt oder morgen kommt: Wer weiss?</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/Demo_Stuttgart_3-10-25_3943_w.webp><p><small>„Nie wieder kriegstüchtig! Stehen wir auf für Frieden“ vereinte erfolgreich eine gewachsene soziale und politische Opposition gegen die Hochrüstungspläne und die Verschuldungspolitik der Bundesregierung, 3. Oktober 2025.  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Demo_Stuttgart_3-10-25_3943.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">A. Josef Dernbecher</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 4.0 cropped)</a></small><p>Mich als Kriegskind (echt jetzt - da müssen Sie noch einiges nachholen!) hat Pistoriussens Volksruf an die Kriegstüchtigkeit wie ein Hammer von Merlin Hummel getroffen (Silbermedaille 2025, Tokio: 82 Meter).
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Kriegstüchtig – das war ein Aufruf, ach was, ein Weckruf an uns alle. Nach schweren Nachtsitzungen und Beschuss von Putin haben die drei Regierungsparteien CDU, CSU und SPD Nägel mit Köpfchen gemacht: Alle Männer ab 18 müssen sich ab Juni 2027 mustern lassen – egal, ob und wie sie sexuell, weltanschaulich oder modemässig orientiert sind. Noch wichtiger: Ab sofort kann sich Jedermann freiwillig beim Bund, der Feuerwehr oder den Jungen Union zum Dienst melden.
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Wer halbwegs gesund ist, wird ausgebildet, bekommt 1 Führerschein und monatlich bis 2300 EU Stütze. Da wird sich jeder Bürgergeldempfänger die Finger lecken. Von den RentnerInnen, die für 45 Arbeitsjahre eben mal auf magere 1500 EU kommen, schweigen wir besser. Das ist nur die eine Seite der Kriegstüchtigkeit, die andere?
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In meinen Kinderjahren gab's Vorratshaltung für den Russenfall: Saure Gurken im Keller, Kartoffeln, Brennholz, getrocknetes Brot, das einen ab 1945 über den Russki und alte Nazis weghalf. Schützengräben wurden zugeschüttet, Bunker zu Hotels. Wie vorschnell! Ein gute Kriegstüchtigkeit setzt voraus, dass man z.B. bei einem Einkaufbummel erstens die Sirenen hört (Handy weg!) und sofort im Untergrund verschwinden kann.
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Alle Behörden und Rathäuser müssen kriegstüchtig werden – da braucht's dort Luftschutzkeller und einen 10-Tage-Vorrat an Nahrung und Wasser (1,5 Liter/Tag/Mann). Klar, das gilt auch für alle Schulen, Unis, Krankenhäuser, Büros, Fabriken. Bei Altersheimen weiss ich jetzt nicht, was geplant ist.
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Wer zu Hause ist, wenn der Russe kommt: Nicht aufmachen! Ab in den Keller. Allerdings verzichten mehr als 60 % der Bauherren auf den guten alten Keller und bauen lieber eine Garage. Das ist unverantwortlich, auch wenn noch offen bleibt, ob der übliche Hausbunker atombombensicher sein muss und wie man das prüft. Von ordentlichen Autobahnen, einer Kriegs-tüchtigen Bahn, dem Luftschutz kriegswichtiger Unternehmen (KraussMaffei, Diehl, Airbus), Kraftwerken mal ganz zu schweigen.
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Dazu und über den Schutz wichtiger Kulturgüter wie der Semperoper, dem Kölner Dom oder dem Geburtshaus von Hegel andermal mehr – auch zur Frage, wo denn um Himmelswillen Parlamente und Regierung im Kriegsfall unterkommen. Meine Omi Glimbzsch aus Zittau ist pragmatisch: „Vor 10, 15 Jahren braucht der Russe nich extra zu zu kommen!“<p><em>Peter Grohmann</em><p>]]></description>
<pubDate>Thu, 27 Nov 2025 10:47:07 +0100</pubDate>
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<title><![CDATA[Unsere Lebensweise: Würdigung eines hohen Gutes]]></title>
<link>https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/panorama/unsere-lebensweise-wuerdigung-eines-hohen-gutes-009391.html</link>
<description><![CDATA[<strong>Ob mit oder ohne Zusatz „freiheitliche“, „demokratische“ oder „westliche“ ist in den Augen derjenigen, die ziemlich umfassend über sie verfügen, so schützenswert, dass nicht nur sie als die Macher täglich darüber reden, sondern auch ihre völlig freie Gefolgschaft in der medialen Öffentlichkeit.</strong><p><img width=287 height=107 border=0 src=https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/fotos/27035633674_724f2471fd_w.webp><p><small>  Foto: <a class="caption_main_author" href="https://www.flickr.com/photos/skohlmann/27035633674/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sascha Kohlmann</a><a class="caption_main_licence" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (CC-BY-SA 2.0 cropped)</a></small><p>Was „schützen“ bedeutet, auch daran lassen sie keinen Zweifel: Zur Beschaffung neuer Waffen sowie für eine belastbare „Infrastruktur“ sondern sie ein „Vermögen“ nach dem nächsten ab. Das für die Bedienung notwendige Fussvolk wird durchgemustert, wahlweise angelockt (kostenlosen LKW-Führerschein?), freiwillig oder zwangsrekrutiert.

<h3>Was ist das für ein hohes Gut?</h3>

Augenfällig zunächst für jeden: wir dürfen arbeiten gehen! Zumindest diejenigen, denen Luft und Liebe nicht genügen. Wir dürfen uns frei einen Arbeit-geber aussuchen, der bereit ist, unsere Arbeit anzu-nehmen und natürlich gerecht zu entlohnen. Wir dürfen uns weiterhin - wo immer wir wollen - ein Dach überm Kopf suchen, sofern uns die Parkbank nicht genügt. Sollten wir keine Mietwohnung finden, steht es uns frei, eine Wohnung zu kaufen, der Lohn machts doch möglich.
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Warum nicht ein „Eigen“heim nach Jahrzehnten Kredittilgung? Auch unseren täglichen Bedarf dürfen wir nach eigener Wahl dort decken, wo wir wollen, sei es bei Aldi oder bei Lidl, niemand macht uns da Vorschriften. Und sogar erlaubte Auszeiten von der Arbeit dürfen wir verbringen, wo wir wollen, ob in Malle oder in Balkonien. Da sind wir völlig frei, unser üppiger Lohn … okay okay ...

<h3>Der schnöde Mammon...</h3>

ist eben nicht der Kern unserer formidablen Lebensweise. Die birgt ganz andere Köstlichkeiten. Allen voran haben wir mittels eines Kreuzchens die Freiheit, diejenigen zu wählen, die uns dann anschliessend (nach komplizierter Findungsphase) eine ganze Reihe von erklecklichen Vorschriften machen. Was sollten sie auch sonst tun?
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Wer darf schon seine eigenen Aufseher wählen? Aktuell die GroKo. Und wenn wir die grottenschlecht finden sollten, beim nächsten Aufruf vielleicht mal „Kenia“ oder wieder die „Ampel“? Wo bitteschön darf man so ungeniert seine Unzufriedenheit so konstruktiv anbringen?

<h3>Was bedeutet das?</h3>

Unübersehbar: Da steht echt etwas auf dem Spiel! Mal ganz abgesehen davon, was denn würde, wenn – wer auch immer – „uns“ erobern und Schland besetzen würde. Dann könnte es sein, dass wir … was bitteschön … nicht mehr dürfen können sollen?
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Nein, nein und nochmals nein, das darf man nicht einmal denken, „wir“ müssen „uns“ verteidigen, koste es was es wolle … (wörtlich zu nehmen!)!
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Ganz am Rande: „Deutschland“ beginnt seine famose Karriere als „Wirtschaftsstandort“ und „Führungsmacht in Europa“ nach dem vergeigten WK II gerade erst richtig. Diesmal soll es endlich klappen! Wer hat bei diesem grossartigen Plan … was bitteschön ... zu gewinnen?
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Vielleicht wäre es sachdienlich, wenn Hans und Franz(iska) sich diese und andere Fragen einmal stellten, sobald Schnuten-Fritze oder Grinse-Olaf wieder anfangen, „unsere Lebensweise“ zu beweihräuchern und sie uns als guten Grund für ihre Wendezeiten verkaufen zu wollen.
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Und zum Schluss: Mit diesem Kreuzchen kann man bestenfalls Ministerinnen abwählen und voa Oat nach New York befördern, falls nicht Blackrock um die Ecke kommt… mehr ist nicht drin.
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Es ist allerhöchste Zeit!<p><em>jorgo</em><p>]]></description>
<pubDate>Wed, 26 Nov 2025 10:47:22 +0100</pubDate>
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