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Haribo greift zu billiger Weisswaschmethode | Untergrund-Blättle

Datum

1. Februar 2018, 08:55 Uhr

Wirtschaft

Kinderarbeit und Tierquälerei Haribo greift zu billiger Weisswaschmethode

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An den Gummibärchen haften Kinderarbeit und Tierquälerei. Statt Abhilfe zu schaffen, hält der Konzern seine Kunden zum Narren.

HariboFabrik in Normanton, Yorkshire.
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Bild: Haribo-Fabrik in Normanton, Yorkshire. / Janett2873 (CC BY-SA 4.0 cropped)

1. Februar 2018

1. Feb. 2018

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Unter der Überschrift «Haribo wehrt sich» versucht der Konzern seit Mitte Januar, sich von den schweren Vorwürfen der ARD-Sendung «Markencheck» weisszuwaschen. Die Vorwürfe seien «monströs aufgebläht und effekthascherisch».

Das Carnauba-Wachs, mit dem die Bärchen behandelt werden, würden in Brasilien «unter menschenwürdigen und gesetzeskonformen Bedingungen» hergestellt. – ARD-Reporter hatten vor Ort festgestellt und gefilmt, dass zur Gewinnung dieses Wachses Kinder eingesetzt und gesetzliche Mindestlöhne nicht eingehalten werden.

Auch zur Herstellung der Gelatine würden «die Schweinemastbetriebe die Grundsätze ordentlicher Tierhaltung einhalten», behauptet Haribo. – ARD-Reporter hatten in einem solchen Mastbetrieb fürchterliche Zustände festgestellt und heimlich gefilmt.

«Unabhängige Auditoren»

Um seine Unschuld zu «beweisen», stützt sich der Haribo-Konzern auf «unabhängige und zertifizierte Auditoren», die den Vorwürfen nachgegangen seien: «Wir haben die Vorwürfe sehr ernst genommen und einen grossen Aufwand betrieben, um hier schnell ein unabhängiges und fundiertes Bild zu bekommen.» Die Auditoren hätten «keine grundlegenden Mängel gefunden». Die «konkreten Vorwürfe der ARD-Sendung ‹Markencheck› haben sich nicht bestätigt».

«Ein einziges Manko» gibt Haribo dann doch zu: In Brasilien würden «in Einzelfällen der gesetzliche Mindestlohn unterschritten».

Haribo gibt die Berichte der Auditoren nicht heraus

Mit der Medienmitteilung von Haribo wollte sich Infosperber nicht zufriedengeben, sondern die vollständigen Berichte der Auditoren konsultieren. Doch Haribo winkte ab: «Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir keine Audit-Berichte zur Verfügung stellen können», teilte Haribo-Sprecherin Jacqueline Schneider mit.

«Nicht können»? Haribo hat die Berichte in Auftrag gegeben und bezahlt.

Haribo-Liebhaber haben wohl absolut keine Verständnis dafür, weshalb Haribo die Herausgabe der Auditoren-Berichte verweigert.

Keine Klage eingereicht

Die ARD-Sendung mit ihren Vorwürfen der Ausbeutung von Menschen und der Tierquälerei war für Haribo extrem rufschädigend. Solche schweren Anschuldigungen dürfen Medien nur erheben, wenn sie erstens beweisbar sind, und wenn zweitens ein öffentliches Interessen an der Verbreitung dieser Vorwürfe besteht.

Infosperber wollte vom Haribo-Konzern wissen, ob er gegen die ARD Ehrverletzungs-, Schadenersatz und allenfalls UWG-Klagen eingereicht hat. Und falls nicht, weshalb. Haribo antwortete ausweichend, «bezüglich juristischer Themen keine Informationen bereitzustellen».

Stellungnahme der ARD

Zum Versuch von Haribo, sich reinzuwaschen, nahm Simon Pützstück, Redaktor der ARD-Sendung «Markencheck», gegenüber einem Leser von Infosperber wie folgt Stellung:

«Es gibt keinen Anlass, an den Erkenntnissen unseres Films zu zweifeln. Die Redaktion hat genügend Beweise für das, worüber sie berichtet hat. Die aktuelle Stellungnahme von Haribo entkräftet auch nicht die Vorwürfe des Films. Vielmehr geht sie auf die konkreten Vorwürfe gar nicht ein, bzw. dementiert diese nicht.»

Urs P. Gasche / Infosperber