Prosa

Der Untergang der Break of Dawn

Ich habe keinen Grund, zerstörerisch zu sein. Marmor, Stein und Eisen bricht. Erosion. Die Dinge rosten, das Material, aus dem sie sind, zerfällt. Mein Herz nicht. Ich singe, obwohl ich keine Stimme habe. "In der Mokka-Milch-Eisbar hab ich sie gesehn, in der Mokka-Milch-Eisbar, da ist es geschehn." Ich singe und wundere mich, dass ich den Text wieder weiss. mehr...

 

Haus Nr. 17

Der zwölfjährige Latif blickte aus schwarzgeränderten Augen aus dem glaslosen Fenster auf die menschenleere Strasse vor der Nummer Siebzehn. Tränen purer Hilflosigkeit liefen ihm über die verschmutzten Wangen. Die Verantwortung, die man ihm auferlegt hatte, erdrückte ihn. mehr...

 

Qual und Erlösung

Es verging mindestens ein Jahr bis ich im Geschäft nicht mehr ertragbar war. Als ich die Stelle verlor, begann der soziale Abstieg schleichend einzusetzen. Den Kontakt zu meiner Mutter brach zuerst ich, dann auch sie. Die Freunde wurden weniger, Treffen seltener. Die Verluste waren verkraftbar, sind verkraftbar.mehr...

 

Tarzan. Eine TV-Liebesgeschichte

Gestern waren sie wieder da. Sie werden auch heute kommen. Sie sind halsstarrig und leutselig. Ihr andauerndes Lächeln ist kalt und sauber. Sie stören mich, aber mir fehlt der Mut, ihnen die Tür zu weisen. Sie erpressen mich mit ihrer Bedeutung. Die Redakteurin, eine hübsche herbe Frau um die Dreissig, die ihr Team charmant und diktatorisch beherrscht.mehr...

 

Happy End im Hospiz

Seine Gebeine lagerten im Bette. Er siechte essend und machte gewaltig ein. Seine schlaffen Glieder zitterten und seine faltigen Ganzkörperrunzeln raschelten am Stinkelaken, als er den gärigen Brei gurgelnd ins klebrige Kopfkissen erbrach. Herbeischwirrende Schmeissfliegen rüsselten gierig nach seinem Rotz und Speichel, welche ungebremst aus seinen Mundwinkeln heraussickerten.mehr...

 

Pino del diablo

Es wurde Abend, und die Hitze wich aus der Luft. Kühlendes Dunkel legte sich auf die Olivenhaine, die dunkelgrüne Schatten warfen. Zikaden zirpten in den noch warmen Steinen alter, weisskalkiger Mauern, in deren Spalten Echsen schliefen. Alle Wege in dieser parkartigen Gegend führten zu einem mächtigen Berg.mehr...

 

Offener Brief an die Cousine

An den Wochentagen, an denen ich nicht meine Zeit damit totschlage, mit meiner altjüngferlichen Cousine Margarethe, die in ihren achtundsiebzig Lebensjahren nie einen Mann hatte, dafür aber die Heilige Schrift sechs Mal von vorn bis hinten durchgelesen hat, in einem Strassencafé zu sitzen, um, unterstützt von einem Milchkaffee und einem Hörnchen, über die unabänderliche Ungerechtigkeit des Lebens zu schimpfen. mehr...

 

Wie die Informatiker die platonischen Ideen programmierten

Gustav rührte in seinem schwarzen Kaffee rum. Das Getränk war heiss und bitter, und er gab es mit einem Ruck in sich rein, denn wichtiger, als wie's ihm schmeckte, war eh, einfach wach zu werden, wenn er auch nicht wusste, wofür. Gegen Mittag tauchte, so war ja auch verabredet gewesen.mehr...

 

Sozialneid

Der wallende Wahnsinn steigerte sich in wilde Wut hinein. Es wurde Zeit, der Toleranz ein knallendes Ende zu bereiten! Überall weidete sich das tumbe Pack an Geld und Besitz. Sie gierten und geiferten nach Anerkennung durch sinngebende Markenartikel und blickten eitel und abgrundtief herab auf ihn und Andere. mehr...

Über mein Glück und Luisa

Wir sind wirklich mit Glück gesegnet. Nach zwanzig Jahren ist seit Juni das Haus endgültig abbezahlt, der Flur und die Küche wurden neu gefliest, wir konnten es uns sogar leisten, das Wohnzimmer und das Schlafzimmer mit neureichen Teppichen zu schmücken; ich als Beamter und du als Immobilienmaklerin, wir verdienen richtig gut.mehr...

Die soziale Frage

"Noch'n Kind können wir uns nicht leisten - wenn uns nix einfällt kommts heut Abend weg!" Ungeduldig hatte er einen Moment abgepasst, in dem keines der Kinder hier in ihrer kleinen und stickigen Wohnküche herum sprang. Diese Art Dinge erfuhren sie noch früh genug. Er hatte es sich nicht leichtgemacht. Wirklich nicht. Er hatte Arbeit, aber gut bezahlt wurde sie nicht. mehr...

Samson und die Nebenkammer

In der Nebenkammer seiner Fischerkate wohnte die Nachbarin. Ihren Geburtstag feierte Sie nicht mehr. Geboren 1924 in Masuren. Heute wäre Sie 76 Jahre alt sollte man all ihrer Erlebnissen und Schoten, die Sie bisher zum besten gab Glauben schenken? Im Sommer lagerte Sie portionenweise zitronierte Gurkenscheiben im Kühlschrank. mehr...

 

Zlatko - Die 120 Tage von Hürth

"Har har,- so schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe,- Zlatko kommt aus seinem Karriereloch und wir haben so'ne Promifresse für lau in der Staffel...!" Blechstein, der Produzent, rieb sich die Hände. Simone, seine sehr blonde Praktikantin, erwiderte sein hämisches Grinsen. mehr...