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Reise nach Kuba | Untergrund-Blättle

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Aus einem unvollendeten Brief an einen Freund Reise nach Kuba

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Gute Erinnerung - Kuba. Ich habe die Reise vor drei Jahren gar nicht mit der heutigen en-vogue-Suche nach einem Rest Sozial- oder Kommunismus verbunden (wird einem gern unterstellt: Aha, willst noch mal sehen, was bald untergeht, bevor es untergeht!).

Havanna, Hauptstadt von Kuba, Mai 2018.
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Bild: Havanna, Hauptstadt von Kuba, Mai 2018. / Caroline Vallieres (CC BY 3.0 cropped)

19. September 2018

19. Sep. 2018

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War eine überraschende Einladung von einem entfernten Familienangehörigen, der seit Jahrzehnten mit seiner kubanischen frau in Greifswald lebt; und sie haben gemeinsam ein Häuschen in der kubanischen Kleinstadt Levisa; und als wir sie dort besuchten, kriegte ich den Alltag mit Wucht - in die Fresse.

Nee, stimmt so nicht. ... Du hast schon Recht mit der Frage: Wie ist das als DDR-Bürger, wie ist das als Einer, der seine Herkunft nicht verleugnet, wie ist das mit irgendwelchen Träumen ... Ich glaube, ich habe bis heute nicht zu einem glaubhaften Text gefunden, weil ich diese Mischung aus Armut (?), Lethargie, Lebensfreude, all-inklusive-Idioten aus Kanada, Italien, Deutschland und Florida – die drei Tage am Strand von Guardalavaca waren die Vorhölle -; Frauen, die am Strassenrand stehen und mit ihrem kranken Kind ins Krankenhaus trampen (ich habe sie mitgenommen - in meinem chinesisch-gebauten Mietauto) und liess mir hinterher von der kubanischen Ehefrau meines angeheirateten Cousins sagen, dass ich wohl verrückt sei. Wenn das Kind nun Cholera gehabt hätte ...

Das Krankenhaus wiederum war erste Sahne ... und wenn du dann Bier und Whisky einkaufen gehst (in diesem Kaff, in dem nebenan grad mal Plastikeimer und socken verkauft werden), dann empfiehlt dir die Verkäuferin einen Karton, damit nicht jeder sieht (und begehrt?), was du da aus dem "Intershop" wegschleppst, auf dem Weg durch das Städtchen, auf dem aus einem Kiosk rohes Fleisch verkauft wird ... Und dann mag ich wiederum die alten Männer, die stoisch überm Schachbrett sitzen; und ob ich die nach Castro etc. fragen könnte ... Nee, die nuckeln dann noch was aus der Flasche Bier, die jemand auf einem Pferdewagen vorbeibringt, eine Flasche, die mit Papier zugestopft ist ...

Ein gewaltiger Scheiss zwischen dem, was du als blöder Westler für den falschen Peso kriegen kannst und was nicht für den richtigen; nebbich fast nix in den Geschäften ... und immerzu wird einem das "Che Guevara"-Lied gesungen, und an den Rändern der Strassen stehen die Bilder der Heroen der Revolution und die Märtyrer der Revolutionsversuche ... Und du (also ich) kannst nicht mehr genau unterscheiden, sind die Ruinen von Santiago de Cuba Bauruinen des Sozialismus oder Zerstörungen durch die Tornados, von denen die Kubaner ja auch gebeutelt sind. ... vielleicht müsste ich eben das beschreiben: viel gesehen und nix kapiert haben?

Auch das dürfte eine Ähnlichkeit zur DDR haben. ich erinnere mich ganz gut daran, "mein Land" heftigst gegen Westtouristen verteidigt zu haben, wenn die - zögerlich sowieso, sie waren ja meistens "guterzogene, höfliche Arschlöcher" - auf irgendwelche Mängel oder so abfuhren ... Ich glaube, so ähnlich würden auch Kubaner ihre Insel verteidigen.

Eckhard Mieder

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