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Propaganda im Ausland? | Untergrund-Blättle

Datum

4. Dezember 2017, 10:02 Uhr

Politik

Wenn zwei das Gleiche tun … Propaganda im Ausland?

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Die USA betreiben Propaganda im Ausland seit bald fünf Jahrzehnten. Aber wenn Russland das nun auch tut? Das geht gar nicht.

Übertragungswagen von Russia Today RT in Moskau.
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Bild: Übertragungswagen von Russia Today RT in Moskau. / FeelSunny (CC BY-SA 3.0)

4. Dezember 2017

4. Dez. 2017

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Radio Free Europe / Radio Liberty (RFE/RL) ist ein Rundfunkveranstalter, der Hörfunkprogramme in 28 osteuropäischen, vorderasiatischen und zentralasiatischen Sprachen produziert; diese Programme werden hauptsächlich auf Kurzwelle ausgestrahlt. Die vom Kongress der Vereinigten Staaten finanzierte Anstalt untersteht dem Broadcasting Board of Governors (BBG) und hat ihren Sitz in Prag. Betreiber der Sendeanlagen ist das International Broadcasting Bureau (IBB), das für die Ausstrahlung aller staatlichen Auslandssendungen der USA verantwortlich ist. RFE/RL hat nach eigenen Angaben das Ziel, Hörern in den ehemals kommunistisch regierten Ländern demokratische Werte zu vermitteln, und das Menschenrecht auf freien Nachrichtenzugang zu ermöglichen.» (Wikipedia)

Die USA senden Informationen in 28 Sprachen

«Die Station nahm ihren Sendebetrieb 1950 von ihrem Hauptsitz in München aus auf. [ ] Während des Kalten Kriegs war RFE/RL in München angesiedelt. Es war ein wichtiges Instrument, um Rundfunkhörer im Herrschaftsbereich der Sowjetunion mit Informationen aus dem Westen zu versorgen. Der Öffentlichkeit wurde zunächst suggeriert, RFE/RL sei privat finanziert. Tatsächlich stammte bis Anfang der 1970er-Jahre ein Grossteil des Budgets vom US-Auslandsgeheimdienst CIA.» (Wikipedia)

«RFE/RL verlegte im Jahr 1995 seinen Hauptsitz von München nach Prag an den Wenzelsplatz. [ ] Heute sendet RFE/RL in 28 Sprachen für Hörer in 21 Ländern und produziert rund 1100 Wochenstunden Radioprogramme. (In Worten: Eintausendeinhundert Stunden Radioprogramme pro Woche! Die Red.) In Deutschland werden Kurzwellen-Sendeanlagen an den Standorten Biblis und Lampertheim in Hessen benutzt. [ ] Weitere Sendeeinrichtungen des IBB stehen in Afghanistan, Armenien, Bulgarien, Grossbritannien, Kuwait, Litauen, Sri Lanka, Ungarn, Marokko, Tadschikistan, Thailand und den Philippinen, die auch Sendungen der Voice of America (VoA) und Radio Free Asia ausstrahlen.» (Wikipedia)

Voice of America? Ja, in 43 Sprachen

Ja, es gibt nicht nur Radio Free Europe / Radio Liberty, es gibt auch noch die Voice of America, die Stimme Amerikas.

«Die Voice of America (VOA) ist der offizielle staatliche Auslandssender der USA mit Sitz in Washington, D.C. Neben Englisch sendet die VOA in 43 Fremdsprachen und produziert Nachrichten, Informations- und Kultursendungen.» (Wikipedia)

«Die VOA benutzt Kurzwellen-Sendeanlagen des IBB in Delano/Kalifornien und Greenville/North Carolina in den USA und verfügt über ein weltweites Netz an Relaisstationen auf Ascension, in Botswana, Deutschland, Grossbritannien, Griechenland, Marokko, auf den Nördlichen Marianen, den Philippinen, Russland, São Tomé und Príncipe, Sri Lanka, Tadschikistan und Thailand.» (Wikipedia)

Und noch weitere Auslandssender?

«Weitere Auslandssender der USA, die mit der VOA in Verbindung stehen, sind:
  • Radio Free Europe / Radio Liberty (RFE/RL) (produzieren auch Radio Free Afghanistan und Radio Free Iraq)
  • Radio Free Asia (RFA)
  • Radio Farda (Sendungen für den Iran, Kooperation mit RFE/RL)
  • Radio and TV Martí (Sendungen für Kuba vom Office of Cuba Broadcasting)» (Wikipedia)

Lesen und hören

Wer über Radio Free Europe / Radio Liberty nicht nur lesen möchte, kann deren Radio-Programm auch selber hören und im Internet auch sehen, siehe hier (zum Anklicken).

Wer über Voice of America nicht nur lesen möchte, kann dessen Radio-Programm auch selber hören und im Internet auch sehen, siehe hier (zum Anklicken).

Zu all dem gäbe es wenig zu kommentieren, wenn ...

Was seit bald sieben Jahrzehnten läuft, ist doch kein Problem. Warum auch! Allerdings: Nachdem die NATO und die EU den ehemaligen Ostblockstaaten nach der Wende 1989/90 den Roten Teppich ausgebreitet und mittlerweile die meisten dieser Staaten politisch und militärisch auch tatsächlich vereinnahmt haben, Russland selber aber stets und bewusst ausgrenzten und noch immer ausgrenzen, hat natürlich auch dieses mittlerweile isolierte Russland begonnen, in anderen Ländern einige Radio-Programme auszustrahlen. In etlichen Ländern, darunter in den USA, in Grossbritannien oder auch in Deutschland, tut es dies unter dem Namen Russia Today (RT), in Deutschland und anderen Ländern gibt es darüber hinaus auch die Informationsplattform Sputnik.

Nun aber haben die USA von Russia Today verlangt, sich in die Liste der Ausland-Agenten einzutragen. Was Russia Today zähneknirschend akzeptiert hat. Ein Thema für die deutschsprachigen Zeitungen? Nicht wirklich. Russische Propaganda muss doch verhindert werden ... Immerhin, die NZZ machte darauf aufmerksam.

Jetzt aber hat Russland reagiert und verlangt im Gegenzug auch von den amerikanischen Medien in Russland die Eintragung in die Liste der ausländischen Agenten. Und jetzt ist es für die deutschsprachigen Zeitungen plötzlich ein Thema: Sowas geht natürlich gar nicht! «Moskau kündigt Sanktionen gegen US-Medien an», so die NZZ am 11. November. «Moskau nimmt fremde Medien ins Visier» so die NZZ am 14. November. Das Handelsblatt vermeldet «Russland macht Journalisten zu Agenten». Und Die Zeit kommentiert schon im Titel: «Journalist/Agent. In Russland sollen vom Ausland finanzierte Medien als 'Agenten' registriert werden. Die Regierung verkauft das als Antwort auf eine amerikanische Massnahme.»

Wenn zwei das Gleiche tun ...

Wenn die USA in anderen Ländern Propaganda machen, ist alles okay – und dies über Jahrzehnte. Wenn die USA ausländische Propaganda-Sender – aufgrund eines Gesetzes aus dem Jahr 1938, damals gegen Nazi-Deutschland gerichtet – neuerdings als «Agenten» behandeln, ist es, für die meisten, auch noch ok. Wenn aber Russland selber darauf reagiert und die gleiche Massnahme gegenüber den US-Medien in Russland einleitet, dann ist es klar: Sowas geht gar nicht! Und plötzlich berichten auch die deutschen und die Schweizer Medien ausführlich darüber ...

Wenn zwei das Gleiche tun, so ist es noch lange nicht dasselbe. Die westliche Russophobie – mittlerweile hysterisch geworden – nimmt ihren Lauf.

Christian Müller / Infosperber