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Nach Trump kommt Gesundheit. Oder Sport. Falsche Trump-Propaganda als Geschäftsmodell

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Einen Teil seines Erfolges verdankt Trump ein paar minderjährigen mazedonische Business-Punks. Und sie ihm ein gutes Einkommen.

Trump Schild in Ohio, USA.
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Bild: Trump Schild in Ohio, USA. / Tim Evanson (CC BY-SA 2.0 cropped)

9. November 2016

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Donald Trumps faktenwidrige Behauptungen stossen bei den Medien, aber auch bei den Trump-Anhängern auf grosses Echo. Kreative Teenager in Mazedonien nützen das aus, um mit weitgehend erfundenen Anti-Hillary-Geschichten oder auch Pro-Trump-Geschichten viel Geld zu verdienen.

Sie handeln «postfaktisch»: Es ist egal, ob eine Information wahr ist. Wichtig ist, dass sie sich wahr anfühlt.

Einnahmen mit Klicks auf Werbebanner

Die Methode ist denkbar einfach: eine aufmerksamkeitsheischende «Neuigkeit» in einem Blog posten, diese auf Facebook teilen und dadurch Klicks der eigenen Seite generieren, die sich dank Google-Anzeigen auszahlen. Die winzigen Summen, die für eine Anzeige im Netz bezahlt werden, sind in Mazedonien viel Geld.

Den Rest regelt der Markt. Die beste Möglichkeit, einen Post auf Facebook viral gehen zu lassen, besteht derzeit darin, sensationelle Neuigkeiten über Donald Trump zu verbreiten. Ein Facebook-Nutzer aus den USA ist dabei viermal so viel wert wie jemand aus einem anderen Teil der Welt.

Einer seiner Freunde verdiene mit den erfundenen Geschichten über Trump und Clinton mehrere Tausend Dollar im Monat und «bis zu 3000 Dollar am Tag», wenn ein Artikel auf Facebook einschlage, erklärte ein 16-Jähriger Mazedonier auf Nachfrage von «Buzzfeed». Die mazedonischen Jugendlichen sind stolz darauf, dass Teenager aus einem kleinen Land so viel Geld verdienen können, indem sie das System aus Web, Facebook und der Sensationslust der US-Amerikaner so gekonnt ausnutzen.

Eine Kaskade der Unwahrheit

Die Themen der zahlreichen Websites sind dabei aus anderen Inhalten kombiniert oder frei erfunden. Viele stammen von Right-Wing-Seiten in den USA, die offen zugeben, dass sie es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen.

Von den fünf erfolgreichsten Posts aus Mazedonien sind vier komplett falsch, schreibt «BuzzFeed». Zusammen wurden diese vier auf Facebook über eine Million Mal geteilt, geliked und kommentiert.

Die Information in seinem Blog sei schlecht, falsch und irreführend, gibt ein Student aus Veles gegenüber «Buzzfeed» zu. Das sei aber nicht der Punkt. «Wenn etwas die Leute dazu bringt, darauf zu klicken, dann nutze es aus», fasst er seine Geschäftsgrundlage zusammen.

Donald Trump ist ihm dabei egal.

Auch mit Linkspolitikern haben die Jugendlichen in Veles experimentiert. Seiten mit Bernie Sanders liefen jedoch nur mässig. Inhalte, die in Verbindung mit Trump standen, waren erfolgreicher. Die erfundenen Posts vom Balkan erreichen gegenüber den Exklusiv-Stories der «New York Times» ein Vielfaches der Klickzahlen, hat «Buzzfeed» festgestellt.

Nach Trump kommt Gesundheit. Oder Sport.

In wenigen Tagen wird der Goldrausch vorbei sein. Die Betreiber der Pro-Trump-Seiten vertrauen dennoch darauf, dass Trump weiter für ein kleines Einkommen sorgen wird, falls er die Wahl gewinnt. Alternativ gebe es bereits jetzt «Tausende Gesundheits-Webseiten», die aus Veles betrieben werden. Ein Befragter möchte seine Seite auf Sport-Themen umstellen.

Red. / Infosperber

Diesen Beitrag hat Daniela Gschweng aufgrund eines Berichts von «BuzzFeed» und anderer Quellen erstellt. Grosse Medien in der Schweiz haben bisher nicht darüber berichtet.

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