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Am unterem Ende der Leiter: Warum Afrika nicht aufholt | Untergrund-Blättle

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Am unterem Ende der Leiter Warum Afrika nicht aufholt

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Warum nimmt kaum ein afrikanisches Land eine ähnliche Entwicklung wie die asiatischen Tigerstaaten oder China?

Kohleverkäufer in Malawi auf dem Weg in die Stadt.
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Bild: Kohleverkäufer in Malawi auf dem Weg in die Stadt. / Tsidoti (CC BY-SA 4.0 cropped)

12. Dezember 2017

12. Dez. 2017

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Zwar weisen einige afrikanische Länder seit einigen Jahren hohe Wachstumsraten auf (beispielsweise Äthiopien, die Elfenbeinküste, Tansania, Senegal, Burkina Faso, Mozambique, Ruanda oder auch die DR Kongo). Allerdings gehen Experten davon aus, dass dieses Wachstum nicht dauerhaft anhalten wird – weil es nicht auf einer Industrialisierung beruht.

Direkte Auswirkungen

Falls richtig ausgerichtet (siehe Absatz „Ausrichtung“) wirkt die fertigende Industrie zunächst als eigener Sektor positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes. Dies hat vor allem mit dem Prozess steigender Skalenerträge zu tun. Steigende Skalenerträge sind gegeben, wenn die Kosten für die Produktion eines Guts sinken, je mehr von diesem Gut produziert wird. So kostet der erste produzierte Kühlschrank ein Unternehmen noch Millionen Euro, da das Unternehmen hohe Anfangsinvestitionen für Produktionsgüter (Fabrikanlagen) aufwenden muss. Ist die Fabrik allerdings einmal aufgebaut, sinken die Kosten pro Kühlschrank.

In der Landwirtschaft ist dieser Zusammenhang nicht gegeben. Denn um mehr Getreide, Mais oder Paprika anbauen zu können, muss die Fläche ausgeweitet werden. Ab einem gewissen Punkt müssen die Landwirte auf weniger fruchtbares Land ausweichen, wodurch die Ernte geringer wird und die Kosten für die Produktion der nächsten Paprika steigen.

Nur wenige Volkswirtschaften konkurrieren am oberen Rand der „Innovations- und Technologieleiter“. Ghana, Namibia oder Vietnam können im IT-Sektor, in der Luft- und Raumfahrt oder der Medizintechnik nicht mit Ländern wie Deutschland oder den USA konkurrieren. Je weniger Produzenten dieser hochqualifizierten Güter es gibt, desto grösser die Einnahmen, desto höher die Löhne für die hochqualifizierten Arbeitnehmer und desto grösser das Steueraufkommen.

Der Aufbau einer dynamischen verarbeitenden Industrie, die Innovationen und technologische Neuerungen nutzt, war eine historische Grundbedingung für den Aufbau einer Mittelklasse. Mit ihrem Wachstum steigen auch die Löhne in anderen Sektoren. Friseure, Hausmeister oder Busfahrer haben in industrialisierten Ländern ein höheres Einkommen als in nicht-industrialisierten Ländern, obwohl sie die gleiche Leistung erbringen und genauso effizient wie ihre Kollegen im nicht-industrialisierten Ausland sind. Die Friseure, Busfahrer und Hausmeister erzielten trotzdem Lohnzuwächse, weil die Preise ihrer Leistungen parallel mit dem Anstieg der Industrielöhne stiegen:

Ausrichtung der verarbeitenden Industrie entscheidend für Aufholprozess

Die mit der verarbeitenden Industrie verbundenen Vorteile werden allerdings nur dann zustande kommen und ärmere Länder zu Mitteleinkommensländern machen, wenn es gelingt, einen ausreichend grossen und diversifizierten Sektor mit steigenden Skalenerträgen aufzubauen. Der Aufbau einer verarbeitenden Industrie, die ausschliesslich Güter produziert, die keine technologischen Entwicklungen mehr erwarten lassen – Textilien, Schuhe, Plastikwaren –, droht in eine Sackgasse zu führen. Nicht umsonst lagern die hochentwickelten Ökonomien die mit geringem technologischen Fortschritt verbundene und deswegen wenig profitable Produktion in Länder des globalen Südens aus.

Die verarbeitende Industrie in Afrika – häufig zu schwach

In den meisten afrikanischen Ländern gibt es weder einen solchen positiven Wirtschaftskreislauf noch einen ausreichend grossen Industriesektor. Zwar bauten einige Länder der Region nach der ersten grossen Unabhängigkeitswelle eine industrielle Basis auf (1960 bis 1975). Allerdings hatten die neoliberalen Strukturanpassungsprogramme der 1980er und 90er Jahre einen negativen Einfluss auf die verarbeitende Industrie (hier). Laut UNCTAD gibt es heute nicht einmal mehr eine ausreichende Grundlage, auf der eine kontinuierliche Industrialisierung aufbauen könnte (hier S. 78).

Nico Beckert
zebralogs.wordpress.com

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