Lyrik
Abseits der Schnellstrassen führt ein verschlungener Landweg in die mittelgrosse deutsche Stadt. Ein Ortsschild kündet davon und eine Reihe gebeugter Laternen stehen dem Fremden stumm Spalier. Es ist spät. Nur manchmal ist noch ein Fenster erleuchtet; ansonsten sind die Häuser der Vororte dunkel und verschwiegen. mehr...
Wem gehört die Erde? Dir nicht, mir nicht, nicht dem Reichen, der sie kauft. Sie gehört den Vorfahren nicht, nicht den Enkeln, sie gehört nur denen, die sie lieben. Wie ein Rabe auf dem Schornstein landet. Wie ein Löwenzahn verblüht. Wie der Leib des Menschen jung ist, altert, welkt Und stirbt. So gehört die Erde denen, die sie lieben. mehr...
Wenn wir unsere Energien zusammenlegen, wenn ich dich ermutige, den Weg des Aussenseiters zu gehen und du mir beistehst, wenn ich die Erwartungen unserer Gesellschaft nicht erfülle, wo sie Leben zerstören, dann haben wir eine bessere Chance, in einer Welt zu bestehen, die uns zermahlen kann.mehr...
Ein Fernsehteam sucht nach Motiven. Es irrt umher, hin und her durchs Camp. In eins die drei Männer wie ein Insekt. Die Zelte. Buckel einer bunten Wüste vor den Skyscrapers. Eine Fata Morgana, die mit tausend Glasaugen wie ein Auge stiert. Die Linie 11. Die Bahn lässt hinter sich spinnenhaft einen Schienenfaden, den der Triebwagen ansaugt. mehr...
Im Staub des Kelches der Rose sehe ich fern,
der einen gelben Rose, die mir
die Liebste auf den Schreibtisch stellte.
Ich sehe den Sandsturm in Afghanistan.
Aus Körnern werden Kindergesichter.
Zwölf Blätter hat die gelbe Rose,
tausendundeinen Arm haben die Kinder
und an Beinen viel weniger.mehr...
Manuel findet alles beschissen: den Lehrer, den Deutschkurs, die Wörter in seinem Heft, die er nicht versteht und die er hier lernen soll. Er ist der Jüngste in seiner Scheissgruppe. Das ist neu für ihn, der in der Schule, stets der Älteste war. Manuel ist sitzen geblieben, bis er sesshaft wurde.mehr...
Die Nachrichten bringen, Den neuesten Stand, Zur Geiselnahme, Gefährlich grosse Buchstaben, Berichten in der Zeitung, Von einer bevorstehenden, Lebenslangen Haft. He, kleine Schwester, Was hast du getan? Tag und Nacht, Im Fernseher, Bedrohung pur.mehr...
Eine Glastür ist eine Glastür, deshalb darf das Kind sie auch nicht anfassen, wenn die Mutter saugt, spült und wischt, denn wäre die Glastür keine Glastür, sähe man die Fingerflecken nicht, und auch nicht die Schrift, von drinnen halt. Und weil das Büro ein Büro ist, ist es immer ruhig und still um den kleinen Erdball, ähnlich wie im Weltall, ausser wenn die Mutter saugt, aber im Weltall saugt sie ja nicht, denkt das Kind und fährt mit dem Finger über den Globus.mehr...
Neuerdings laufen viele Menschen mit Bändern um den Hals durch die Stadt. Breite Bänder, Grüne, rote, blaue, auf denen stehen die Namen von Banken, Firmen, Parteien, und die Bänder halten Schlüssel zusammen.mehr...
Seitdem die Erde rund ist und keine Mitte mehr hat, die noch von irgendeiner Grenze vorgegeben wird, kann es dir passieren, dass du dich, ohne es zu merken, längst schon rechts von allem und jedem draussen im Osten befindest, je mehr du dich nach links, immer der Sonne nach, Richtung Westen bewegst.mehr...
Wir trennen uns, wir trennen uns ein ganzes leben lang, ich bau uns ein boot, du hältst es für gefährlich, ich schlag ein leck rein, endlichziehen wir los, arm in arm, die ganze welt soll erfahren dass wir uns getrennt haben.mehr...
Wie viele sind wir alle... In den Städten und im Land? Wie viele Menschen ausgeliefert dem Hunger und der Kälte - den Schrecken und Schmerzen, dem moralischen Druck, dem Terror, dem Wahnsinn...mehr...
Jeden Morgen, jeden Abend, jetzt, da die Tage sich wenden von Kühle zu Kälte und Kälte zu Kühle, flattern die Meisen auf dem Balkon dem Vogelhäuschen zu und den Körnern. mehr...





