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Rezension zum Film von Rainer Werner Fassbinder Die Sehnsucht der Veronika Voss

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Der Sportreporter Robert Krohn (Hilmar Thate) begegnet in einer verregneten Nacht der alternden, manisch- depressiven Filmschauspielerin Veronika Voss (Rosel Zech), die ihren letzten Lebensmut aus der Illusion, immer noch eine angesehene, von den Männern umworbene Diva zu sein, schöpft und ihren Weltschmerz mit Alkohol und Drogen zu bekämpfen versucht.

Bild: Rainer Werner Fassbinder und Hanna Schygulla am Fimfestival von Venedig, 1980. / Gorup de Besanez (CC BY-SA 4.0 cropped)

29. November 2011

29.11.2011

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Robert entwickelt eine Faszination für die Voss und beginnt mit ihr eine verhängnisvolle Affäre – der Journalist deckt alsbald auf, dass die Nervenärztin Dr. Marianne Katz (Annemarie Düringer), die die Schauspielerin therapiert, ihre betuchten Klienten in die Medikamentensucht stürzt, um sich nach und nach deren Vermögen zu erschleichen…

In "Die Sehnsucht der Veronika Voss", der im Hinblick auf die Handlung und die Inszenierung deutlich von Billy Wilders Sunset Boulevard beeinflusst ist, entwickelt Rainer Werner Fassbinder das Bild einer scheinbar heilen Welt, die jedoch voller Abgründe und Tragödien ist; dies spiegelt sich insbesondere in der Dissonanz zwischen Form und Inhalt des Films wider – der Regisseur bettet eine schonungsloses Psycho-Drama in sehr stilsichere, vom amerikanischen Film Noir inspirierte Schwarz-Weiss-Bilder.

Ähnlich wie in "Die Ehe der Maria Braun" fällt die dominante Geräuschkulisse auf, die ständig zwischen Nachrichtendurchsagen im Radio, klassischer Musik, Jazz, amerikanischem Folk und bedrohlichen Paukenschlägen changiert, wodurch Fassbinder auf akustischer Ebene die Reizüberflutung durch verschiedene kulturelle Einflüsse im Alltagsleben der BRD der 1950er-Jahre für den Zuschauer erfahrbar macht.

"Die Sehnsucht der Veronika Voss" zeigt auf eindringliche Weise, inwiefern die Wohlstandsgesellschaft der 1950er trotz aller Fortschrittlichkeit und der Anbiederung an die USA in ihrem Alltag mit der Bewältigung ihrer düsteren Vergangenheit konfrontiert war – ein altes jüdisches Ehepaar, das einst im Vernichtungslager Treblinka inhaftiert war, gehört ebenfalls zur Stammklientel Dr. Katz‘…

Das zynische Ende kann überdies als ein sehr eindeutiges Statement Fassbinders zu der von ihm stets kritisierten Eigenschaft der Deutschen, Probleme auszublenden und zu verdrängen, verstanden werden (Spoiler!) – der Sportreporter fährt zum Stadion eines Fussballvereins, die mordende, geldgierige Ärztin geniesst die von ihrer Köchin und Haushälterin kredenzte Suppe (Spoiler Ende).

"Die Sehnsucht der Veronika Voss", der zweite Teil der so genannten BRD-Trilogie, ist ein stilistisch überaus kunstvoller Film, in dem Fassbinder seine eigenen, sehr kritischen Ansichten über die Entwicklung der BRD offenbart und ferner mit der Rücksichtslosigkeit und Scheinhaftigkeit der Filmindustrie abrechnet (die Figur der Veronika Voss ist der Schauspielerin Sybille Schmitz nachempfunden).

Falko Fröhner
film-rezensionen.de

Die Sehnsucht der Veronika Voss

Deutschland 1982 - 100 min.

Regie: Rainer Werner Fassbinder
Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder, Pea Fröhlich, Peter Märthesheimer
Darsteller: Rosel Zech, Hilmar Thate, Cornelia Froboess
Produktion: Thomas Schühly
Musik: Peer Raben
Kamera: Xaver Schwarzenberger
Schnitt: Juliane Lorenz

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

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