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The Purge: Anarchy Politisch angehauchter Nervenkitzel

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«The Purge 2: Anarchy» reizt nun das Potenzial aus, was sein Vorgänger hat liegen lassen. Das ist nicht perfekt, aber wer sich an kleineren inhaltlichen Schwächen nicht weiter stört, der wird mit diesem Film eine gute Zeit haben.

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Bild: up (PD)

30. September 2018

30. Sep. 2018

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Die alljährliche Purge steht an. Während dieser einen Nacht sind für zwölf Stunden alle Verbrechen, einschliesslich Mord, erlaubt. Dies hilft der US-amerikanischen Gesellschaft, denn Kriminalität und Arbeitslosenrate waren noch nie so niedrig wie jetzt. Doch nicht alle wollen an dem Blutvergiessen teilnehmen, viele Bürger verschanzen sich in ihren Häusern und sehnen den nächsten Morgen herbei. Auch Eva (Carmen Ejogo), ihre Tochter Cali (Zoë Soul) und das junge Pärchen Shane (Zach Gilford) und Liz (Kiele Sanchez) würden die Nacht lieber in ihren sicheren Häusern verbringen, durch einen Zufall landen sie jedoch auf der Strasse, wo das blanke Chaos tobt. Dort treffen sie auf den schweigsamen und geheimnisvollen Sergeant (Frank Grillo), der in dieser Nacht noch eine Rechnung zu begleichen hat. Er nimmt sich der ansonsten schutzlosen Gruppe an, und gemeinsam versuchen sie, irgendwie die Nacht zu überstehen.

The Purge war einer der Überraschungshits im Jahr 2013. Mit einem Produktionsbudget von gerade einmal 3 Millionen Dollar spielte der Film von James DeMonaco weltweit knapp 90 Millionen Dollar ein und zeigte dadurch eindrucksvoll, dass es nicht immer die ganz grossen Effekte und eine klangvolle Darstellerriege braucht. Manchmal reicht schon eine einzelne, hochinteressante, wenn im Endeffekt auch recht simple Idee, damit ein Film erfolgreich wird. „Eine Nacht lang sind alle Verbrechen erlaubt.“ Dieser Ansatz lockte Millionen von Zuschauern in die Kinos, wurde damals jedoch etwas verschwendet. Die Grundidee endete rasch in einem Home-Invasion-Thriller, ihr Potenzial blieb dabei auf der Strecke.

Das Unglück liegt auf der Strasse

Dies ändert sich nun, denn bei der Fortsetzung geht es endlich raus auf die Strasse, ins Freie, wo der pure Wahnsinn tobt. Dabei wird gleich zu Beginn die Anspannung spürbar, as Warten bis zum Beginn der Purge. In der Zeit werden auch die einzelnen Figuren eingeführt, die wir später durch die Nacht begleiten werden. Sie haben alle ihre eigenen Schicksale, mit denen sie umgehen müssen, wirklich zum Tragen kommen diese im späteren Verlauf aber nicht mehr. Lediglich die Suche des Sergeants nach Rache – gespielt von einem perfekt gecasteten Frank Grillo – findet des Öfteren Erwähnung und wird als Antriebsquelle seines Handelns in Erinnerung gerufen. Letztlich ist sie eher ein MacGuffi, als ein zentraler Handlungspunkt.

Überhaupt gibt es eher weniger eine eigentliche, stringente Handlung. Viel mehr geht es um das Erlebnis der Purge und um den Versuch, irgendwie zu überleben. Dabei stolpern die Protagonisten von einem Schlamassel in den nächsten, zu einer wirklichen Verschnaufpause kommt es nicht – weder für die Charaktere noch für den Zuschauer. Dabei beweist James DeMonaco einen unglaublichen Ideenreichtum, der die schier endlose Hatz durch das anarchische Los Angeles zu keinem Zeitpunkt eintönig oder gar langweilig werden lässt.

Politisch angehauchter Nervenkitzel

Auch einige politische Aspekte wirft der gebürtige New Yorker bereits in den Ring. Diese sind durchaus interessant, einige von ihnen hätten durchaus noch etwas genauer behandelt werden können. Allerdings fallen sie dem ständigen Nervenkitzel zum Opfer, andere wurden hier behutsam eingeführt und erhalten dann im Nachfolger The Purge – Election Year eine deutlich grössere Rolle. Dabei vergisst man immer wieder, dass dieser zweite Teil, ebenso wie sein Vorgänger, ein Low-Budget-Movie ist, der bis auf Grillo und einen Kurzauftritt von Michael K. Williams weitestgehend auf grosse Namen in der Cast-Liste verzichtet, der dabei aber nichtsdestotrotz verdammt gut aussieht.

Bastian Quednau
film-rezensionen.de

The Purge: Anarchy

USA 2014 - 103 min.

Regie: James DeMonaco
Drehbuch: James DeMonaco
Darsteller: Ethan Hawke, Lena Headey, Max Burkholder
Produktion: Michael Bay, Jason Blum, Andrew Form, Bradley Fuller, Sebastien Lemercier
Musik: Nathan Whitehead
Kamera: Jacques Jouffret
Schnitt: Vince Filippone, Todd E. Miller

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

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