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Bohemian Rhapsody Auf den extravaganten Spuren eines Genies

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„Bohemian Rhapsody“ beleuchtet die Hintergründe der britischen Band Queen, die mit teils sehr experimentellem Rock Musikgeschichte geschrieben haben.

Freddie Mercury in New Haven, November 1977.
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Bild: Freddie Mercury in New Haven, November 1977. / Carl Lender (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

28. Oktober 2018

28. Okt. 2018

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Dem Biopic selbst fehlt dieser Mut, da wurde viel zusammengestrichen und beschönigt, die Wildheit zusammengestutzt. Das ist sehr konventionell, aber immer noch sehenswert, da sich Rami Malek voller Spielfreude in seine Rolle wirft und viel Musik der Gruppe zu hören ist. Die anderen Mitglieder kommen dabei aber zu kurz.

Es war reiner Zufall, der Freddie Mercury (Rami Malek), Brian May (Gwilym Lee), Roger Taylor (Ben Hardy) und John Deacon (Joseph Mazzello) 1970 zusammenführte. Oder auch Schicksal: Als die vier die Band Queen gründen, konnte keiner ahnen, welche riesigen Erfolge sie einige Jahre später feiern sollten – auch wegen eines bis dato unbekannten Experimentierwillens. Privat kannte Mercury ebenso wenig Zurückhaltung oder Grenzen, was ihm jedoch bald zum Verhängnis wird. So zerbricht seine Beziehung zu Mary Austin (Lucy Boynton) an seinen diversen homosexuellen Affären. Und auch körperlich wird er die Folgen seines ausschweifenden Lebens zu spüren bekommen.

Wenn Filme über Jahre hinweg immer wieder in Arbeit sind, währenddessen Regisseure und Schauspieler munter getauscht werden, dann besteht natürlich immer die Gefahr, dass am Ende nichts Halbes und nichts Ganzes herauskommt. Bei Bohemian Rhapsody durfte man gleich doppelt misstrauisch sein. Nicht nur, dass der ursprünglich als Freddie Mercury vorgesehene Sacha Baron Cohen irgendwann ausstieg, weil ihm die Richtung des Projekts nicht gefiel. Auch Regisseur Bryan Singer (Die üblichen Verdächtigen) wurde, noch während des Drehs, seiner Aufgaben enthoben und durch Dexter Fletcher (Make My Heart Fly – Verliebt in Edinburgh) ersetzt, der den Film abschloss.

Eine Geschichte wie viele andere auch

Die gute Nachricht: Dieser ganze Trubel ist Bohemian Rhapsody nicht anzusehen. Der Film ist durch und durch kompetent, ohne nennenswerte größere Mängel oder Fehler. Die schlechte Nachricht: Es mangelt dem Biopic dafür an Persönlichkeit. In der Angst, Familien abzuschrecken oder das Ansehen von Mercury zu schmälern, wurde konsequent gebügelt und geglättet, bis am Ende ein stromlinienförmiges Porträt einer Band herauskam, die eben genau das nicht war.

Wobei sich Bryan Singer und Drehbuchautor Anthony McCarten (Die dunkelste Stunde) ohnehin nicht wirklich für die Band interessieren. Natürlich dürfen die drei anderen auftauchen, dann und wann auch ein bisschen zu einem Lied beitragen. Einer der Höhepunkte ist die Aufnahme zu dem bahnbrechenden titelgebenden Bohemian Rhapsody, das Rock und Nonsens-Oper miteinander kreuzte und zu einem der ungewöhnlichsten Rockhits aller Zeiten wurde. Die meiste Zeit über werden die Bandmitglieder aber als Kontrastmittel missbraucht. Auf der einen Seite der alles überstrahlende Mercury, dessen Extravaganz und schillernden Auftritte das Zentrum alles Geschehens sind. Auf der anderen Seite die Statisten an den Instrumenten, die nur als Block auftreten und keinen echten Charakter zeigen dürfen.

Auf den extravaganten Spuren eines Genies

Immerhin: Rami Malek, den meisten als paranoider Hacker aus Mr. Robot bekannt, mag Mercury vielleicht nicht so ganz ähnlich sehen, wirft sich aber mit Leib und Seele in seine Rolle. Ob er nun als stolzer Pfau durch die Gegend stolziert oder er besessen an Details der Musik arbeitet, seine Spielfreude steht in einem starken Kontrast zu dem oft biederen Drumherum. Und natürlich dürfen sich Queen-Fans auf jede Menge Lieder der Ausnahmeband freuen – unter anderem tauchen die Evergreens Love of My Life, We Will Rock You, Radio Gaga und Another One Bites the Dust auf. Wer die notorisch wandelbaren Rocker liebt, der hat dann auch eindeutig mehr vom Film.

Wer die Rocker hingegen kennenlernen möchte, der ist hier entgegen aller Hoffnung nur bedingt gut aufgehoben. Wohl auch auf Druck der überlebenden Mitglieder von Queen wurde hier viel gestrichen und umgeschrieben. Das reicht von kleineren Details bis zur zynischen Umdeutung seiner letztendlich tödlichen AIDS-Erkrankung, die hier als dramatisches Mittel benutzt wird. Nun neigen Biopics oft dazu, sich nicht so ganz an den tatsächlichen Verlauf zu halten und gerne mal aus dramaturgischen Gründen zu verdichten. Und auch eine leichte Glorifizierung ist in diesem Bereich durchaus üblich.

Problematisch wird es aber, wenn wie hier durch die ganzen Änderungen letztendlich auch das Besondere verlorengeht. Bohemian Rhapsody ist ein zwar unterhaltsamer, aber schrecklich konventioneller und ängstlicher Film über eine Band, die mutig Mauern einreißen wollte. Ein Film, der niemandem weh tut, vielleicht auch den einen oder anderen für die Musik hinzugewinnen wird, aber weit davon entfernt ist, selbst Geschichte zu schreiben. Ein Biopic unter vielen, nicht mehr, nicht weniger.

Oliver Armknecht
film-rezensionen.de

Bohemian Rhapsody

USA 2018 - 135 min.

Regie: Bryan Singer, Dexter Fletcher
Drehbuch: Anthony McCarten, Peter Morgan
Darsteller: Rami Malek, Ben Hardy, Gwilym Lee
Produktion: Graham King, Jim Beach, Robert De Niro, Peter Oberth, Brian May, Roger Taylor
Musik: John Ottman, Brian May, Roger Taylor
Kamera: Newton Thomas Sigel
Schnitt: John Ottman

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 4.0) Lizenz.

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