Die Geschichte von Christiania ist bunt und lang - mit Kämpfen, Siegen und Niederlagen. Vielen von den Leuten, die das Experiment gestartet haben, sind leider nicht mehr hier! Aber der Traum um ein Leben in Freiheit und die Idee mit einer Selbstverwaltung in einem Freistaat lebt weiter.
Bild: Eingang zum Freistaat Christiania in Kopenhagen / Quistnix
Leute von nah und fern fühlen sich stetig angezogen von dem Freistaat, mit seiner magischen Mischung aus Anarchie und Liebe auch heute, nach 38 Jahren. Es begann 1971, als eine Gruppe von Christianshavn, das Gelände an der Ecke von der Prinzessestrasse und Refshaleweg stürmten, dort wo die "Graue Halle" liegt.
Sie wollten einen Spielplatz für ihre Kinder im Viertel und ein bisschen Grünes sehen. Im gleichen Jahr war im Charlottenborg eine Ausstellung "Etwas für Etwas", wo verschiedene Hippies, Flipper und Makrobiotiker sich selbst ausstellten. Dort zeigten sie ihre Kunst und verkauften ihre Waren. Malereien, Theater und Happenings.
In dieser Verbindung wurde die alternative Zeitung "Hauptblatt" herausgegeben, in der man einen Artikel über die verlassene Kaserne in der Baadsmandsstrasse lesen konnte, mit einer Menge Ideen zur Verwendung der Kaserne, u.a. für die vielen Jugentlichen auf Wohnungssuche.
Auch die Besetzer und die alternativen Kräfte von der neuen Gesellschaft im Thy-Lager in 1970 suchten einen Platz, wo sie ihre Träume realisieren konnten. Der Artikel resultierte in einer massiven Einwanderung von Leuten aus Nah und Fern. Sie wollten ein anderes Leben schaffen, mit der Basis von einer Gemeinschaft und Freiheit. Das war die Geburt von Christiania.
DIE SACHE WURDE ZUR POLITIK
Die Polizei versuchte mehrere Male die Leute vom Gelände zu vertreiben, mussten jedoch aufgeben weil das Gelände zu gross war und weil zu viele Leute hier waren. So wurde es zu einer politischen Angelegenheit, die im Parlament landete. Christiania vereinbarte eine Abmachung für den Verbrauch für Elektrizität und Wasser mit dem Verteidigungs-Ministerium und bekam einen politischen Stempel als "Soziales Experiment".
Man wollte eine Ideen-Konkurrenz ausschreiben um die Anwendung des Geländes in der Zukunft zu klären und so konnte das Experiment fortgesetzt werden bis das Resultat vorlag. Im Jahre darauf, 1973 - wechselte die Regierung und damit auch die politische Stimmung in Bezug auf Christiania. Jetzt sollte geräumt werden.
Die NATO hatte ein Topmeeting in Kopenhagen in diesem Jahr. Die Theatergruppe "SOLVOGNEN" von Christiania veranstaltete ein Total-Theater mit Hunderten von Mitwirkenden. Das "NATO-HEER" besetzte das dänische Radio und verschiedene andere Schlüsselpositionen, als ob Dänemark von den Natotruppen besetzt gewesen war. Viele Stunden schwebte die Nation in Unsicherheit ob es nun auch richtig war oder was.
Die "Nato-Soldaten" wurden auf richtige Soldatenweise exerziert und Abends war Unterhaltung für die freidigen Kerle mit der Revy "Klatsch für einen Schilling". Christiania hatte sich nun in mehrere Wohnbereiche organisiert, insgesamt 10, mit lokaler Selbstverwaltung.
Die Gemeinschaftsbesprechung für die Bewohner wurde die oberste Mündigkeit und während die Müllabfuhr mit der Abfallsortierung arbeitete, schmiedete man Öfen aus alten Öltonnen. Im Loppen wurden regelmässig Musikarrangements abgehalten, es reichte von türkischer Musik zum Amateur-Rock und traditionellen Jazz. Eine Vielfalt, die das Kennzeichen für die Musikstelle wurde. Theater und politische Aktionen prägten Christiania in den ersten Jahren.
1974 wurden 12 Listen von Christiania zur Wahl gestellt für die Gemeindewahl. Der Wahlverbund gewann ein Mandat und das war die Frauenliste. Tine Schmedes nahm ihr Kind mit zu den Bürgerrepräsentatschafts-Meetings und als sie ihr Kind in der Öffentlichkeit stillte, entstand eine riesige Debatte hierzu. Nicht nur in der Bürgerrepräsentation sondern in allen Zeitungen im Lande, "konnte man nun das auch tun"? Im gleichen Jahr arrangierte Christiania die weihnachtlosen's Weihnacht.
SOLVOGNENS WEIHNACHTSHEER nahm die Stadt Kopenhagen ein und teilte Geschenke aus, in den grossen Warenhäusern zur grosser Freude für die Kinder und die alten Leute. Natürlich wurden die Weihnachtsmänner angehalten, die Fotos wo die Polizei auf den Weihnachtsmann einschlugen, erschienen in den ganzen Zeitungen im Land. Die weihnachtslose Weihnacht ist immer noch eine Tradition, wo jedes Jahr mehrere als 2000 und sogar 3000 Menschen zum Weihnachtsessen kommen.
RÄUMUNGSDROHUNGEN UND REGENBOGENKRIEGER
1975 endete Christiania als Fussball zwischen der Gemeinde von Kopenhagen und dem Staat und das Parlament beschloss am Ende, dass das Gelände geräumt werden sollte, spätestens zum 1. April 1976. In der Zwischenzeit hat Christiania alles mögliche installiert. Ein Badehaus, ein Kinderhaus, Müllabfuhr und Wiederverwertung. Gemeinschaftsstellen und Werkstätten wuchsen hervor und SOLVOGNEN hat eine Theatervorstellung "ELVERHOEJ" in der Grünen Halle.
Diese Vorstellung erregten viel Aufmerksamkeit für den Freistaat und Christiania mobilisiert sich für eine Konfrontation mit dem Staat. Ein Regenbogenheer wurde organisiert und alle Leute wurden nach Farben eingeteilt, nach den verschiedenen Funktionen. Rot = ausfahrende Kraft, Grün = Essen und Verpflegung, Blau = Bewusstheitsschaffend usw. Alle Leute in Dänemark wurden hierzu eingeladen und ca. 10.000 Leute strömten herbei. Die trendige Rock-Gruppe spielte eine Platte ein zur Unterstützung für Christiania. Diese wurde ein riesiger Verkaufserfolg. Am 1. April geschah nichts.
Das Parlament hatte im letzten Augenblick die Räumung von Christiania ausgesetzt. Stattdessen wurde der 1. April eine riesige Manifestation was das alternative Dänemark fabrizierte. Das Nationalmuseum brachte ein Buch heraus, über das alternative Stadtviertel des Freistaats und eine Reihe von bekannten Stadtplannern und Architekten sprachen begeistert über die Idee von Christiania.
CHRISTIANIAS PROZESS GEGEN DEN STAAT
Christiania leitet nun einen Prozess gegen den Staat ein auf Grund des Wortbruch.
Bild: EPO
Nach einer Abmachung von 1973 sollte eine Ideen-Konkurrenz ausgeschrieben werden für die zukünftige Verwendung des Geländes und bis dahin konnten die Christianiter dort wohnen bleiben.
1976 war die Konkurrenz immer noch nicht ausgeschrieben und deswegen meinte man von Christianias Seite, dass der Beschluss das Gelände zu räumen , ein Bruch der Absprache sei.
Der Prozess sollte eine Räumung verhindern, jedoch 1977 verliert Christiania die Sache.
Diese wird am höchsten Gericht zur Berufung eingelegt. 1977 arrangiert Charlottenborg eine Christiania-Ausstellung mit dem Titel "Liebe und Chaos" und ein gigantisches Arbeitsfestival wird veranstaltet. Jetzt wird aufgeräumt und repariert. Christiania gestaltet eine neue Musikplatte zur Unterstützung "UNSERE MUSIK" , eine Präsentation von Dichtern und Musikern des Freistaats. 1978 verliert Christiania auch die Sache am Höchsten Gericht und Christiania mobilisiert wieder.
Ein Plan, der Hunderttausend Leute beschaffen soll zur Verteidigung von Christiania wird eingeleitet und Christiania stellt wieder einmal auf zur Gemeindewahl.
Die Christiania-Liste hat unter anderem auf dem Programm "Christiania für die Christianiter zu bewahren unter der Bedingung, dass es allen zu Gute bekomme.
Die Christiania-Liste hat einen Repräsentant in der Bürgerrepräsentation, Thorkild Weiss Madsen, der für seine Reden gegen die Wohnungsspekulation und gegen die Bulldozersanierung bekannt ist. Das Parlament beschliesst nun, dass ein Lokalplan ausgearbeitet werden soll für das Gelände und dass Christiania normalisiert werden soll, ohne dass näher hervorgeht, wie das geschehen soll.
NEUE DROHUNGEN LAUERN
In Kopenhagen betreibt die Polizei eine Hetzjagd auf Drogensüchtigen und Haschhändler. Gleichzeitig taucht Heroin in Dänemark auf. Dieses betrifft nun deutlich Christiania, wo der Haschhandel wächst und die Drogensüchtigen immer mehr werden.
Christiania versucht nun in Zusammenarbeit mit der Polizei den Haschmarkt von den Drogen zu reinigen, wird aber von der Polizei hintergangen, die indessen - eine riesige Razzia gegen die Haschpusher veranstaltet. Die Gemeinschaft des Freistaats nimmt die Sache in eigene Hand und organisiert Entzugsmöglichkeiten für die Drogensüchtigen und eine Aktion gegen die Drogenpusher. Dieses kulminiert 1979/80, wo eine Drogenblockade durchgeführt wird.
Die Drogensüchtigen bekommen ein Angebot zum Entzug oder aber auszuziehen und die Pusher werden rausgeschmissen. Dieses waren schwere Jahre, trotzdem blühte die schwarze Kultur. Die Rockmaschine wurde 1978 die Heimat für Kopenhagens wachsende Punkscene. Bis 1981 - wo der Rockerterror die Aktivitäten stoppt. Das Cabaretleben blüht in der Opera, in der Rockmaschiene und im Mondfischer und 1981 reist ein Christiania-Cabaret nach Italien - eingeladen von der Stadtgemeinde in Modena.
1982 beauftragt die Regierung eine Konsulentfirma Möller & Grönborg, einen Plan für die zukünftige Anwendung des Geländes auszuarbeiten. Jedoch die Christianiter bauen auf und um, legen Gärten an und bekommen Kinder und die Konsulentfirma kommt mit einem Raport und einem Vorschlag "Christiania als Versuchsstadt" zu entwickeln, mit einer ausgedehnten Selbstverwaltung.
DIE KONSERVATIVE HETZE
Das Land bekommt in dem gleichen Jahr eine konservative-liberale Regierung und eine gewaltige Hetze startet in Schweden. Der Freistaat wird als nordisches Narkocenter und als die Wurzel zu allem übel angeklagt. Christiania antwortet darauf mit einer Aktion mit "Liebe für Schweden", wo die Christianiten mit einem Marsch, Cabaret und Kunstausstellungen die Städte Stockholm, Göteborg und Malmö erobern. Dieses schafft nur wenig Aufmerksamkeit in den schwedischen Medien. Rein politisch ging Christiania in die Vergessenheit.
Dieses gab Christiania natürlich die Möglichkeit und die Ruhe, neue kollektive Arbeitsplätze zu beschaffen und im Grossen und Ganzen mit den Visionen zu arbeiten. Solidaritätsfeste für die Indianer im Big Mountain in den USA und Aassiviq-Konferrenze in Grönland werden in der grauen Halle arrangiert zum Ausdruck mit Christiania's Bruderschaft mit den anderen ethnischen Gruppen.
Im Grossen und Ganzen werden in diesen Jahren viele internationale Kontakte mit den alternativen Bewegungen geknüpft. Irma Clausen sendet den Film "WURZELN IM CHRISTIANIA" über die Bühne, ein persönliches Dokument über den Alltag und das Leben in dem Freistaat mit Fokus auf die Kinder von Christiania.
1987 kommt die Regierung mit einem "Handlungsplan für die Gesetzmässigkeit für Christiania" und eine Steuerungsgruppe wird zusammengestellt, die den Kontakt zwischen Christiania und der Regierung vermitteln soll.
Die Antwort von Christiania ist ein Bericht "VOILA", welcher zu erkennen gibt, dass Christiania im Stande ist, die Bauaufsicht für die Gebäude und für die Institutionen zu übernehmen, unter Voraussetzung, dass die Gewerbe keine Steuer zahlen. Sie sollen ihren Gewinn an die Gemeinschaftskasse von Christiania bezahlen, die dann die Mittel intern verteilt.
GESETZLICHKEIT UND NORMALISIERUNG
Bild: Steffen Hildebrand
Die Behörden beginnen in der Zwischenzeit die Legalisierung der Gaststätten in Christiania zu erzwingen.
Auch die Gaststätten selbst versuchen eine Verhandlung für eine Gemeinschafts-Bewilligung zu bekommen.
Das ganze endet damit, dass die Polizei mit einer riesigen Aktion die Gaststätten schliesst, am Anfang von 1989.
Danach verhandeln einige von den Gaststätten erst eine Gebrauchsrechtabmachung mit dem internen Gebiet aus und danach eine individuelle Gaststätten-Bewilligung mit den Behörden.
Im gleichen Jahr beschliesst die Regierung die Gemässigkeit für die Anwendung des Christiania-Gebietes. Das Gesetz soll die Grundlage für die "Normalisierung" von Christiania sein, in dichter Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Umweltschutz und dem Lokalplan von 1989. Der Plan teilt Christiania in 2 Bereiche. Einem "ländlichen", welches von Einwohnern befreit werden soll und einen "städtischen Bereich", welches unter gewissen Auflagen weiter experimentieren kann ohne Zeitfristen.
Im Sommer 1989 hört man den Startschuss für Strictly Underground's Kulturwirksamkeit, mit "Skatebeat 89" und in der grauen Halle sammelt sich eine grosse Menge der neuen dänischen Hip-Hop Scene mit Musik, Tanz und Graffiti. Vote 4 Truckers, eine Christiania Rap-Band, sendet seine Single-Platte "Finger weg von Christiania" als Unterstützung für Christiania. Ebenfalls 1989 sieht "Christiania-RAP" das Licht, lo Min. Video, Musik: Vote 4 Truckers, instruiert und gefilmt von Camilla und Nico. In Verbindung mit der gesetzlichen Administration setzt das Verteidigungs-Ministerium ein Christiania-Sekretariat zusammen, die 1990 einen schriftlichen Bericht herausgibt mit dem Titel "Ziel und Mittel für die Gesetzmässigkeit zur Anwendung vom Christiania-Gebiet".
Die Einwohner von Christiania kommen insgesamt mit 90 Einwendungen gegen den Lokalplan und wenden sich stark gegen die Einteilung von 2 Bereichen und die geplante Entfernung verschiedener Gebäude, die der Lokalplan voraus sieht.
Als Antwort gegen die Drohung organisiert Christiania 1990 eine Liebeserklärung und lädt alle Leute dazu ein sich selber davon zu überzeugen, was im Freistaat vor sich geht um den Alltag und den Lebensstil zu geniessen, für den die Christianitter gekämpft haben. Nils Vest sendet den Film "Christiania mein Herz gehört Dir" über die Bühne, ein persönliches Dokument über das Leben in dem Freistaat.
IM DIALOG MIT DEN BEHÖRDEN
Eine Zeitschrift für Dänemark über Christiania's Wirklichkeit sieht das Tageslicht. Es ist "NITTEN", sie soll ein anderes Bild zeichnen als das der bürgerlichen Presse in den 80er Jahren, die bewusst versucht haben ein Stadtviertel im Verfall mit Kriminalität und Gewalt zu schildern. Christianias Bild ist eine ökologische Stadt mit niedriger Ökonomie und bevorzugter Volks-Gemeinschaft.
Das Christiania-Sekretariat wünscht eine Abmachung mit Christiania über die Bauaufsicht für die Gebäude und das Gelände und der Freistaat wählt eine Kontaktgruppe, die Sprachrohr für die Behörde sein soll. Christiania feiert 20 Jahre Geburtstag und in der Zwischenzeit fallen die letzten Puzzle's auf den Platz für den Rahmenplan zwischen den Behörden und Christiania.
Die Gemeinschaftsbesprechungen und die Gebiete-Besprechungen brauchen viel Energie. Es sind lange und zornige Diskussionen und die Abmachung gilt leider nur für ein Jahr und muss jedes Jahr wieder verhandelt werden.
Als Antwort im ersten Vierteljahr-Bericht vom Sekretariat verlangt das Verteidigungs-Ministerium, dass die Gebäude bevorzugt werden. Man hat anscheinend nicht bemerkt, dass Christiania eine technische Verwaltung etabliert hat, die die Aufsicht über die bautechnischen Renovierungen hat. Das Bauamt gibt Rat und Gebrauchsanweisung und führt eine Menge baugewerbliche Aufgaben durch. Die mehr als 100 Jahre alte Wasserleitung wird repariert, welches zum drastischen Rückgang der Wasserrechnung führt und der Wasserverbrauch fällt insgesamt.
Christiania sendet seinen Grünen Plan als ein visionäres Alternativ zum Lokalplan. Der Staat zeigt einen grünen Plan in direkter Zusammenarbeit mit der Natur. Wiederverwertung von Wasser, Kompost und Küchenabfällen, alternative Energie, Hausboote im Wallgraben und Jugendhäuser aus Torf und Erde. 1992 steigt die Miete auf 800 kr., doch die Behörde will nur 545 kr. für die Sozialhilfe-Klienten bezahlen. Nach langen Verhandlungen mit Hinweis auf den Christiania-Etat, welche die Finanzierung von den öffentlichen Institutionen dokumentiert, und nach Verlangen der Aufsetzung von elektrischen Zählern in den Betrieben, akzeptiert die Behörde die Miete.
Sie wissen auch, dass die Sozialhilfe-Klienten die billigsten in ganz Dänemark sind. Das Kulturleben blüht mit russischem Rock in der Opera, Tekkno im Jugendklub, Theaterkrieg in der Rockmaschiene, Cabaret und Theater im Schwulenhaus. Tausende besuchen die Konzerte von Strictly Underground in der grauen Halle und es finden Fussballturniere auf der Friedens Weide statt. Neugierige Touristen aus der ganzen Welt studieren die Christiania-Fahrräder oder gehen auf Entdeckung auf dem Wallgraben.
Ausserhalb vom Plankenwerk stellt die Christiania-Frauenparade auf zur "konservative Frauen für die Union", um die Wähler zu erschrecken, damit sie "NEIN"stimmen. Dieses gelingt wie bekannt zum Ersten Mal...
BESETZT VON DER POLIZEI
Bild: Steffen Hildebrand
Im September 1992 leitet die Polizei eine Kampagne ein, die Christiania von Hasch reinigen soll.
Die besondere Christiania-Einheit besteht aus 70 Polizisten, die das Gebiet Tag und Nacht bewacht, in einer 18 Monate langen gewalttätigen Kampagne.
Der Haschverkauf wird nicht wesentlich davon betroffen, jedoch veranstaltet die Polizei mehrere Male lebensgefährliche Situationen mit Schlagstöcken und Tränengas, die Bambule und Barrikaden in der Prinzessestrasse auslösen.
Die Polizei veranstaltet Leibesvisitationen an Unschuldigen wie z.Bsp. an Schulkinder und zufällig Vorbeipassierenden nichts ahnenden Touristen - selbst der lokale Priester wird mehrere Male untersucht. Deshalb mobilisiert Christiania im Frühjahr 1993 alle Kräfte in einer Aktionswoche. "Woche 12 gegen Gewalt", mit Zirkus und Strassentheater, kleine Gruppen mit dunkelblauen Fliegertrachten mit Rückettiketten "IDIOTI", anstelle von Polizei und Video-Dokumentation. Eine Rechtsgruppe mit Zusammenarbeit mit Anwälten und Amnesty International versucht die Polizeieinsatze zu stoppen.
1993 ist das Jahr, wo ein weiter Dialog zwischen den Einwohnern von dem Freistaat, den Nachbarn, Juristen, Amnesty International, der Regierungs-Rechtsauswahl, der Presse und der Steuerungsgruppe von Christiania - ja sogar mit der Polizeileitung stattfindet. Die Polizeieinsätze finden jedoch weiter statt.
Gleichzeitig befindet es das Reichsarchiv es für notwendig die Christiania Geschichte zu archivieren und bittet um dokumentarisches Material.
Das Bauamt führt eine umfangreiche Registrierung der Gebäude durch.
Antropopip führt eine Show "Tiere und Klamotten" auf, in der grauen Halle. Das Christiania-Aktionstheater bekommt eine Unterstützung von Christiania und der europäischen Gemeinschaft zum weiteren Kampf gegen die europäische UNION. Die Freie Hasch-Bewegung feiert den 1. Mai mit einem riesigen Smoke-In im Gemeinschaftspark (Fälledparken).` Loppen feiert 20 Jahres Jubiläum als lebender Erneuerer der Musikscene.
Die jährlichen Verhandlungen mit dem Verteidigungs-Ministerium werden abgeschlossen mit einer Vereinbarung um einen kommunalen Beitrag wie die Eigentumssteuern. Der Freistaat wird zum Studien-Objekt für AKF (Amt und Kommune Forschungsinstitution).
Die Forscher erklären, dass die Behörden von Christiania lernen können und dass die Erfahrungen weltweit gebraucht werden kann. Am Jahresende kulminieren die 1 1/2 Jahre langen Polizeiaktionen mit Razzia und gewaltigen Festnahmen auf dem ansonsten so idyllischen Weihnachtsmarkt. Nach einer Krisenbesprechung mit den Christianiten und dem Justizminister Erling Olsen wird der Weihnachtsfrieden gesichert, indem der spezielle Polizeikorps aufgelöst wird.
Bei einer Besprechung im Frühjahr 1994 mit dem Verteidigungsminister und dem Justizminister ist der Ton nicht sehr höflich und es wird mit Räumung gedroht, falls die Bewohner nicht den Hasch-Markt unter Kontrolle bringen. Christiania beklagt, dass die Regierung nicht die Drogen unter Kontrolle hat und somit die ganze Narkotikapolitik!
Amnesty International und die dänischen Krankenschwestern können massive Polizeigewalt nachweisen und nach mehreren Video-Dokumentationen und umfangreicher Debatte wird das sogenannte Beinschloss verboten. Die Regierung behandelt die dänische Narkopolitik ohne jede Form von Neudenken. Dieses löst im März 1994 den ersten weltweiten Haschstreik in der Pusherstreet aus, hier wird die Arbeit niedergelegt im Protest mit der fehlerhaften Narkotikapolitik.
5 Tage wird kein Hasch in Christiania verkauft und es werden Smoke-Ins abgehalten, Unterschriften gesammelt und Unterstützungs-Demos gemacht, gegen die harten Drogen in Vesterbro und eine Kampagne für "Planz einen Samen" ins Leben gerufen. Die Welt-Presse und der Justizminister besuchen Christiania um das Phänomen zu studieren. Nach dieser Demonstration gibt die Polizei für eine längere Periode die Überwachung in Christiania auf.
DAS ZIEL FÜR DIE FERNE ZUKUNFT
Auf der sozialen FN-Topbesprechung nimmt Christiania an der NGO-Konferenz auf Holmen teil und die meisten Aktivisten aus der Welt studieren und wohnen im Freistaat. 1995 ist die Kinderzahl so herangewachsen, dass die Eltern und die Aktivisten eine neue 4. Kinderinstitution bauen im Freistaat. Das ökologische Kinderhaus mit Sonnenkollektor und organischer Toilette ist der erste Neubau für eine öffentliche Leistung in Christiania. Die Gemeinschafts-Ökonomie verhindert den Start bis zum Sommer 1996.
Viele Kräfte für die "Bezahl Deine Gebrauchs-Miete"-Kampagne werden aufgeboten, auch für die Diskussion der Rahmen-Verabmachung und für das Verhältnis zur Steuerungs-Gruppe und den Behörden. Der Steuerungsrat initiiert eine "Gemeinschafts-Forum-Debatte" zwischen der Polizei und den Christianiten. Da man aber nur mit der Polizeileitung und nicht mit den allgemeinen Polizisten sprechen kann, weist Christiania den Gedanken zurück.
Danach meint die Steuerungsgruppe sie hätte getan was getan werden konnte und löst sich selbst auf, Ende 1995. Neujahr 1995/96 teilt der Verteidigungsminister mit, dass Christiania als Musterbürger betrachtet werden kann, was die Bezahlung für die öffentlichen Mitteln betrifft. Die Kultur lebt weiter mit den neuen Christiania-Bands URD und Babajay, die beide CD's herausgeben.
In der grauen Halle, im Drachenflieger-Klub, in der Opera, Aussenkonzerte auf Dyssen und auf der Friedens Weide sammeln Techno- und Jungleraves, Tausende von Jungen Leuten aus ganz Europa. Gleichzeitig veranstalten Strictly Underground Konzerte mit den heissesten Bands, wie Alanis Morissette, Blur, Bob Dylan und Rage Against The Machine...
Die Bewohner der Friedens Arche reparieren einen Holz Schwamm-Schaden in Millionenhöhe.
Im Juni 1996 versucht der Verteidigungsminister und Christiania einen länger währenden Entwicklungsplan als einen Kompromiss zwischen dem Lokalplan von 1989 und Christianias grünen Plan herzustellen. Ob die Visionen in dem selbstverwalteten grünem freien Staat realisiert werden können, innerhalb der vom Ministerium gesteckten Grenzen muss die Zeit erweisen.
Gleichzeitig bereitet sich Christiania für das 25 Jahre Jubiläum vor, mit einem riesigen Fest in den Tagen herum den 26. September 1996 mit Zirkus, Theater, Ausstellungen, Konzerten und was sich ansonsten vorfinden kann. Ein Foto-Postkarten-Buch mit dem Titel "Christiania seit 25 Jahren", in 6 Sprachen, wird zu diesem Anlass gedruckt von Irma Clausen und dem Verlag "Politisk Revy". Das Abenteuer ist noch nicht zu Ende...


