Datum

25. Januar 2014

Digital

Facebook & Co. Anarchie in «sozialen» Netzwerken

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Auf Nadir ist seit längerem ein Text zu finden, der die Benutzung von Facebook durch Linke Gruppen ablehnt. Gilt er auch für AnarchistInnen, die explizit nicht angesprochen werden? Er scheint kaum Wirkung zu entfalten.

Datencenter von Facebook in Prineville, Oregon, USA.
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Bild: Datencenter von Facebook in Prineville, Oregon, USA. / Tom Raftery (CC BY-SA 2.0 cropped)

Tummeln sich doch auf Facebook die unterschiedlichsten Gruppen und Einzelpersonen des anarchistischen Spektrums z.B. AnarchosyndikalistInnen, wie die FAU und ihre Zeitung direkte Aktion, dann die Gruppen, die in der anarchistischen Föderation organisiert sind. Die Bandbreite reicht von Graswurzelrevolution bis zum militanten Widerstand.

Die Föderation deutschsprachiger AnarchistInnen, in deren Kreisen der Nadir Text leider auch keinen Eindruck hinterlassen hat, informiert recht inhaltsleer auf ihrer Homepage zur Thematik:

„Wir haben uns vor einiger Zeit dazu entschlossen, Facebook zu nutzen. Wir wissen, dass es viele Probleme und Kritik, vor allem an Facebooks Umgang mit persönlichen Daten, gibt. Wir haben uns nach zahlreichen Diskussionen und Auseinandersetzungen mit der Thematik jedoch für eine Weiternutzung Facebooks entschieden, weil diese Plattform auch viele Vorteile, wie z.B. die enorme Reichweite und die gleichzeitige Dynamik, die ein Posting entwickeln kann, bietet.

Wir appellieren an dieser Stelle jedoch an den*die Nutzer*in, Facebook kritisch zu nutzen und das eigene Verhalten auf dieser Plattform kritisch zu hinterfragen. Alle Postings unserer Facebook-Seite sind auch ohne Registrierung einzusehen. Überlegt euch genau, ob ihr euren (Klarnamen-)Account durch ein „Like“ mit einer linksradikalen Gruppe „verbinden“ wollt, oder ob ihr für „politische Aktivitäten“ auf Facebook lieber einen ansatzweise „anonymen“ Account einrichtet. (…)“

Wenn mit dieser Entscheidung auch viel zu viel Energien für die Pflege der Inhalte und den Austausch auf Facebook verschwendet werden; Wie mühevoller wäre dagegen der Aufbau weltweiter anarchistischer Netzwerke.

In der Realität überwiegen oft Vorbehalte und Vorurteie, Arroganz, Unkenntnis, Konkurrenz, zwischen AnarchistInnen, während die bunte Facebook Welt hier oberflächliche virtuelle Einheit schafft. Anarchistische Strukturen aufbauen schliesst Diskussionen, Auseinandersetzung, Frustration mit ein, was viele verlernt haben dürften, wenn sie die Anzahl ihrer „Likes“ zählen.

Ob im Facebookzeitalter der Anarchismus wirklich an Bedeutung gewonnen hat?

Immer wieder wird auf Sicherheitsaspekte hingewiesen. Der Nadirtext bringt es auf den Punkt. „Facebook ist die subtilste, billigste und beste Überwachungstechnologie neben Handys!“ Dieser zentrale Aspekt scheint jedoch bei allzu vielen AnarchistInnen kein Gehör zu finden. Eine fahrlässige Fehlentscheidung!

Es sollte auch erwähnt werden, dass es kaum möglich ist in der Masse, Inhalte zu filtern. Einerseits keine Anonymität im Netz anderseits Kontakt mit vielen „Anonymen“. Es kann nicht gelingen auf Facebook ein tragfähiges anarchistisches Netzwerk aufzubauen.

Die eigene Dynamik, die Facebook laut Föderation deutschsprachiger AnarchistInenen entwickelt, ist Teil des Problems, nicht die Lösung.

Jede anarchistische Gruppe, Einzelperson, die auf Nutzung von Facebook (und ähnlicher sogenannter „Sozialer Netzwerke“ verzichten würde, wäre ein Gewinn. Also gibt euch einen Ruck und löscht noch heute euren Account. Schluss mit der Ignoranz! Für den Aufbau eigener Strukturen!

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