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Oliver Demny: Die Geschichte der Black Panther Party | Untergrund-Blättle

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Oliver Demny: Die Wut des Panthers Die Geschichte der Black Panther Party

Sachliteratur

Worum ging es der Black Panther Party und wie hat sie sich politisch organisiert? Ein kleiner geschichtlicher Rückblick – und keine Rezension.

Bobby Seale, Gründungsmitglied der Black Panthers Party.
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Bild: Bobby Seale, Gründungsmitglied der Black Panthers Party. / Robert Templeton - Beinecke Library (CC BY-SA 2.0 cropped)

18. Oktober 2017

18. Okt. 2017

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Marburg war in den 1970er und 80er Jahren eine ausgezeichnete Studienadresse für Soziologie und Politologie, so auch nur eine winzige Absicht vorhanden war, gesellschaftliche Strukturen verstehen zu wollen. Oliver Demny hat dort acht Jahre studiert und hatte diese Absicht ganz offensichtlich nicht. Aber jene, Bücher zu schreiben. Das Buch erschien erstmalig 1994 und ist eine inkohärente, aus überwiegend deutschen Publikationen nacherzählte „Geschichte“ der Black Panthers. Selbst die vierte Auflage (2004) enthält keine Korrekturen von einfachen Fehlern (Städte, die in New Jersey liegen werden dem Bundesstaat New York zugeordnet, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen). Mal „erzählt“ die DKP, mal Der Spiegel und der Autor läuft ihnen nach; die vorauseilende Niederlagenerklärung beim Kampf mit dem Material wird bereits nach wenigen Seiten gegeben: „Die zum Teil chaotische Darstellungsweise des folgenden ist dadurch begründet, dass die Geschichte nicht so gradlinig und widerspruchsfrei verläuft, wie es HistorikerInnen gern hätten“ (S. 10).

Ich will und werde den Verriss nicht schreiben, den das Buch verdient, das weder mit der Sprache, noch der Geschichte der USA, nicht mit den kritischen Autor_innen und gesellschaftlichen Widersprüchen Auseinandersetzung gefunden hat. Positiv anzumerken ist, dass es erschien, als die Bundesrepublik in der 1982 begonnenen „geistig moralischen Wende“ viele kritische Öffentlichkeiten verloren hatte (in Gestalt von linken Zeitschriften und Verlagen, Buchhandlungen und Kulturzentren) und der Vereinigungsprozess radikale Gesellschaftskritik marginalisierte (und die Radikalität noch dazu mit sich selbst im Streit lag). Ich vermute, dass das Buch zu der Zeit eine wichtige Stimme war, die die Idee, die Vorstellung grundsätzlicher Kämpfe lebendig hielt. Und die sanfte Herrschaft der Inklusion (die die Black Panthers als Paternalismus bekämpften) ist gegenwärtiger denn je (Frauen in börsenorientierten Unternehmen, Ehe für Gleichgeschlechtliche, transgender im Pass und so weiter) und verwirrender, da der Überblick über das zu Inkludierende kaum zu halten und zu beschäftigungsreich ist. Gegen all den Paternalismus muss immer wieder erinnert werden: „Wenn wir uns nicht selbst befreien, bleibt es für uns ohne folgen“ (Weiss 1981, S. 226).

Black Panthers – von links betrachtet

Alternativ zum Verriss soll im Folgenden nicht Demny nacherzählt, sondern der Versuch gemacht werden, Klarheit in das zu bringen, was ihn offensichtlich so überfordert hat: Widersprüche und Reaktion auszuhalten.

Im Jahr 1967 ereigneten sich die bis dahin grössten und gewalttätigsten Aufstände in den schwarzen städtischen Gettos der USA; begonnen hatten sie schon 1964. Sie richteten sich überwiegend nicht gegen Weisse, sondern gegen Symbole weisser Autorität und weissen Eigentums. 83 Schwarze Menschen starben (oder genauer: wurden erschossen – die meisten in Newark und Detroit). Der sogenannte typische Aufständische war Schulabbrecher, aber immer noch gebildeter als sein nicht aufbegehrender Nachbar. „Black power“ war der neue Slogan, der sich gegen weisse Vorherrschaft und die (sehr begrenzte) schwarze Mittelklasse sowie gegen weissen Paternalismus richtete. Ein Resultat der Vielfalt der Kämpfe war der „Civil Rights Act“ von 1968.

In den Ghettos waren die sozialen Wurzeln der sich 1966 als Partei gründenden Black Panthers zu finden. Politisch wiederum hatten sie vom Civil Rights Movement gelernt. Die Bürgerrechtsbewegung (in der etwa 40 Prozent liberale Weisse mitstritten) kämpfte um Partizipation und Integration, Bildungsmöglichkeiten und soziale Gleichstellung. Die vielfältigen Widerstandsarten und -formen des Protests waren schwach gegen die staatliche Gewalt, die brutal gegen das Aufbegehren vorging. Kein Aufstand ohne schwarze Tote.

„Huey P. Newton und Bobby Seale waren 1966 die Initiatoren bei der Gründung der ‚Black Panther Party for Self-Defense’. Beide haben ähnliche soziale Biographien: Armut, Ghetto, Strasse, Knast. Beide politisiert und radikalisiert in den verschiedenen Organisationen und Projekten der Bürgerrechtsbewegung. Später wurde der Zusatz „for Self-Defense“ gestrichen, weil die Parteipolitik darüber hinausging“ (Revolutionäre Perspektive Berlin 2016).

Das Parteiprogramm umfasste diese zehn Punkte:
  • Wir wollen Freiheit. Wir wollen die Macht, um das Schicksal unserer schwarzen Gemeinschaft selber zu lenken.
  • Wir wollen Vollbeschäftigung für unser Volk.
  • Wir wollen, dass unser schwarzes Volk nicht länger durch den weissen Mann (später: Kapitalisten) ausgeraubt wird.
  • Wir wollen anständige menschenwürdige Wohnungen.
  • Wir wollen für unser Volk eine Ausbildung, die das wahre Wesen der dekadenten Gesellschaft aufdeckt. Wir wollen eine Ausbildung, die uns unsere wahre Geschichte und unsere Stellung in der heutigen Gesellschaft verstehen lehrt.
  • Wir wollen, dass alle schwarzen Männer vom Militärdienst befreit werden.
  • Wir wollen die sofortige Beendigung der Polizeibrutalität und der Morde an schwarzen Menschen.
  • Wir wollen die Freilassung aller Schwarzen, die in Bundes-, Staats-, Kreis- und Stadtgefängnissen oder Zuchthäusern inhaftiert sind.
  • Wir wollen, dass alle Schwarzen bei Gerichtsverhandlungen von solchen Geschworenen beurteilt werden, die Ihresgleichen sind oder aus ihren schwarzen Wohngemeinden stammen, wie es die Verfassung der Vereinigten Staaten vorsieht.
  • Wir wollen Land, Brot, Wohnungen, Bildungen, Kleidung, Gerechtigkeit und Frieden; und als wichtigstes politisches Ziel eine von den Vereinten Nationen durchgeführte Volksabstimmung in der gesamten schwarzen Kolonie, an der nur schwarze Staatsangehörige aus der Kolonie teilnehmen dürfen; diese Abstimmung soll über den Willen des schwarzen Volkes hinsichtlich seines nationalen Schicksals entscheiden“ (Revolutionäre Perspektive Berlin 2016).
Die Auflistung zeigt, aus welcher Situation heraus die Punkte kondensiert wurden: eine Phänomenologie von Herrschaftspraxen und -formen, für deren Einstellung und Abschaffung politisch vorgegangen werden musste; bestimmte Negationen, die sich an der Verfassung der USA orientierten, sowohl formale als auch inhaltliche Rechte einfordernd. Das konkrete Brot steht neben der abstrakten Gerechtigkeit und ihre Reihung zeigt einen inneren Zusammenhang.

Die Black Panthers betrieben Bildungsprogramme, soziale Projekte, lehrten den Umgang mit Waffen; Studienprogramme für schwarze Studierende wurden von ihnen erkämpft, juristische Beratung organisiert und sie widersetzten sich dem Drogenhandel. Mit Eldridge Cleaver, einem Mitbegründer der Partei, wurde sie antikapitalistisch und erhielt ein marxistisches Gerüst der Gesellschaftskritik (Cleaver selbst wurde später ein extremer Antikommunist) und begriff Rassismus als eine kapitalistische Ausbeutungsstrategie, die die Ghettos zu „Kolonien“ machte. Ein geheimer FBI-Bericht an Präsident Nixon im Jahr 1970 teilt mit, dass annähernd 25 Prozent der schwarzen Bevölkerung die Black Panthers bewundere und anerkenne und für die unter 21-jährigen dies für 43 Prozent zutreffe. Die politischen Eliten fürchteten offenbar, dass sich die Kämpfe um das Wahlrecht radikal erweiterten um Fragen von Eigentum, Reichtum und Klassenkonflikte.

Die Konterrevolution

Die Verbindung von Klasse und Rasse in den politischen Analysen und Aktivitäten der Black Panthers, die in den Weissen keine Feinde sahen, sondern in einem System, das Weisse zu rassistisch Herrschenden machte, wurde als weitaus gefährlicher als die Bürgerrechtsbewegung eingeschätzt: die Vereinigung von Schwarzen und Weissen unter systemkritischen Agenden unterlief den Rassismus, der kapitalistisch mit Profit verbunden war und ist und die Arbeiter_innenschaft gegeneinander aufwiegelte.

Black Panther grenzte sich insofern deutlich ab von Bewegungen und Organisationen, die einen „schwarzen Kapitalismus“ wollten. Führer des Congress of Racial Equality (CORE, gegründet 1942) und der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP, gegründet 1905) wurden ins Weisse Haus eingeladen; der eine erhielt eine Position in Nixons Administration, dem anderen wurden Sozialwohnungen in North Carolina finanziert. Solche klassischen paternalistischen „Befriedungsmassnahmen“ konnten mit den Mitgliedern der Black Panthers nicht unternommen werden. Davon zeugen nicht zuletzt folgende Zeilen, die den Auf- und (durch Staatsrepression erzwungenen) Abstieg der Black Panthers in klaren Worten nachzeichnen. So war die Bewegung 1970

„in über 100 Städten vertreten, mit etwa 15.000 Mitgliedern und entfaltete politische Kampagnen gegen den Vietnamkrieg, gegen die Repressionen auf der Strasse, in den Gefängnissen. Sie war der Katalysator für die Radikalisierung der weissen Studentenbewegung [...]. Ende 1970 waren 40 zum Teil führende Mitglieder ermordet, 85 verletzt, Hunderte im Knast. George Jackson wurde im Knast ermordet, wenige Tage vor dem Urteilsspruch, der nur ein Freispruch hätte sein können“ (Revolutionäre Perspektive Berlin 2016).

Das FBI wollte nicht nur die Organisation und die Netzwerke der Black Panther zerschlagen, sondern jegliche Erinnerung aus dem kollektiven Gedächtnis für Emanzipation und Befreiungsbewegungen löschen. Die Zerschlagung war brutal und grausam, darin sind sich die Historiker einig, aber die Auslöschung der Geschichte der Black Panther ist misslungen.

Kornelia Hauser / kritisch-lesen.de

Oliver Demny: Die Wut des Panthers. Die Geschichte der Black Panther Party - Schwarzer Widerstand in den USA. Unrast Verlag, Münster 2004. 222 Seiten, ca. 17.00 SFr., ISBN 978-3-89771-003-0

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-ND 3.0) Lizenz.

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