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Gemeinsam gegen Rassismus Knapp daneben: Fans United

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"Knapp daneben" berichtete in der letzten Nummer über ein überregionales Treffen von Fussballfans, die sich von den in zunehmendem Masse auftretenden Erscheinungen von Gewalt und Rassismus im Stadion distanzieren.

Anhänger des FC Zürich beim Zürcher Stadtderby gegen Grasshopper Club Zürich.
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Bild: Anhänger des FC Zürich beim Zürcher Stadtderby gegen Grasshopper Club Zürich. / Brian Kohn (CC BY-SA 3.0 cropped)

25. März 2000

25. Mär. 2000

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Aus dem losen Bündnis ist inzwischen ein Dachverband mit dem Namen "Fans United" geworden. Die Lieder kennt man mittlerweile von Bern bis Zürich und von Basel bis Luzern. "Besiktas, Trabzonspor, Galatasaray, Fenerbahce Istanbul wir hassen die Türkei" singen seit einiger Zeit Leute aus dem blau-roten Lager, so laut, dass es wohl auch schon dem Basler Talent Güner zu Ohren gekommen sein muss.

Auf dem Letzigrund halten einige mit ihrem "Zick, Zack, Zigeunerpack" hartnäckig die Stellung, und der Gesang, bei dem von einer U-Bahn vom gegnerischen Stadion bis nach Auschwitz geträumt wird, lässt sich ebenfalls nicht totkriegen.

Luzerner werden regelmässig als "Juden" beschimpft, und wer geglaubt hat, ein Mindestmass an Respekt gegenüber dunkelhäutigen Spielern sei inzwischen auch in der Schweiz anzutreffen, soll einmal Charles Amoah oder Shaun Bartlett nach ihren Erfahrungen fragen. Urwaldgeräusche haben Hochkonjunktur.

Und obwohl meist nur ein kleiner Teil des Publikums solche Gesänge mitträgt, sind sie laut und deutlich zu vernehmen. Reaktionen, Pfiffe oder gar Gegengesänge bleiben mit ganz wenigen Ausnahmen aus. Meist aus verständlichen Gründen.

Unerschrockene, die verbalen Ausfällen im Stadion etwas entgegensetzen, reagieren meist isoliert und werden so in der Regel rasch zum Verstummen gebracht. "Fans United" hat deshalb zum Ziel, Verbindungen herzustellen zwischen all jenen, die in ihrer Kurve regelmässig einen Klotz im Hals spüren und den Wunsch haben, etwas für die Fankultur in ihrem Lager zu tun.

Nebst den Bereichen Gewalt und Rassismus betrifft dies auch die Kommerzialisierung des Fussballs und die damit einhergehende schrittweise Versitzplatzung der Stadien. Im Dachverband sind Fans aus verschiedenen Schweizer Städten dabei, die sich in Zukunft regelmässig treffen, austauschen und unterstützen wollen und deren Zahl hoffentlich weiter zunimmt. "Knapp daneben" wird weiterhin über die Aktivitäten von "Fans United" informieren.

Wer Interessantes zu berichten hat oder sich "Fans United" anschliessend will, soll sich bei "Knapp daneben" melden.

Im Bereich der Fanarbeit hat es 1999 zweimal Erfreuliches zu vermelden gegeben. Zum einen scheint bei den Grasshoppers eine professionelle Fanarbeit des Vereins "ProFAN" tatsächlich Wirklichkeit zu werden, womit die restlichen Fugsballklubs endlich ein Beispiel erhalten, dem sie folgen können.

Zum andere wurde dem Verein "Gemeinsam gegen Rassismus" der Berner Challenge-Preis in der Höhe von 5.000.- überreicht.

Die YB-Fans wurden damit für ihre Basisarbeit rund ums Wankdorf und für ihre äusserst nachahmungswürdigen Aktivitäten in ihrem Vereinslokal "HalbZeit" ausgezeichnet. Eine Hommage an die "HalbZeit" beschliesst denn auch diesen Beitrag. Sie stammt von der 1-jährigen Tamara aus Moosseedorf und war als Beitrag zur Preisvergabe in der ChallengePublikation "Karussell" abgedruckt: "Den Match Young Boys-FC Basel, den wir besucht haben, fand ich nicht unbedingt fair.

Die Fouls der Spieler sind dumm, auch habe ich zahlreiche ‘Schwalben’ gesehen. Unfair war zudem das Verhalten gewisser Fans, die Spieler mit Schneebällen bewarfen. Sehr gut gefiel mir hingegen der Besuch in der ‘HalbZeit’, wo wir die Gelegenheit hatten, mit Basler Fans zu sprechen. Wir empfahlen ihnen, ihre Kollegen besser zu erziehen."

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